Aus Radiokatalog Band 1:
Am 6. November 1923 gründen fünf Gesellschafter die Ideal Radio Telefon- und Apparatefabrik GmbH als Tochtergesellschaft der seit 1919 bestehenden Überseehandel GmbH. Die Muttergesellschaft hatte Radiomaterialien vor allem nach den USA exportiert [DRM92]. Ideal stellt zuerst Fernsprechapparate und Zubehörteile her. Nach kurzer Zeit fertigt die Firma auch Aufsteckdetektoren und Einzelteile. 1924 offeriert Ideal [6-91] einen kompletten Detektor-Empfänger «Ideal St. Nr. 44» sowie einen «1-Lampen-Zusatzverstärker». Ideal wirbt mit einem blauen Punkt für Qualität und lässt den Namen Blaupunkt ab 30.1.24 und das Bildzeichen mit besonderem Schriftzug am 7.12.27 schützen. Obwohl der Betrieb rasch wächst, herrschen gemäss [712602] sehr familiäre Verhältnisse.
1926 verlegt Ideal das Hauptgewicht auf die junge Rundfunkindustrie und ändert im Dezember 1926 den Namen in Ideal-Werke, Gesellschaft für drahtlose Telephonie mbH. Grund: Verschmelzung der Überseehandel GmbH mit der Ideal. Ab jetzt heisst der Markennamen Blaupunkt. Ein Jahr danach ändern die Gesellschafter die GmbH in eine AG. Gemäss [DRM92] befindet sich die Hauptfabrik in Birkenwerder. Andere Quelle: Wenige Monate später zieht die Firma von Bollersdorf (Kreis Oberbarnim) nach Berlin in die Köpenicker Strasse 10a. Am 1. Juli 1930 bezieht der Betrieb in Berlin-Hohenschönhausen ein neues Fabrikgebäude. Er zählt nun ca. 1000 Beschäftigte.
Blaupunkt bietet in den Jahren 1926 bis 1932 auch Röhren an. Gemäss [284] fabriziert Huth die Röhren. Ich vermute aber, dass Blaupunkt zuerst bei Huth die blauen Röhren wie «Ampladyn», «Superdyn» und «Heliodyn» bezogen hat und später zumindest einen grossen Teil aus dem Ausland (Osram) orderte. Werbung und Geräte sind bis 1932 konsequent mit dem Signet «Ideal Blaupunkt Radio» bezeichnet, danach mit «Blaupunkt» und dem blauen Punkt. Das Koffergerät TS5 ist ein Vorstufensuper mit einer ZF von 65 kHz, doch erst ab 1933 lassen sich unter den Produkten von Blaupunkt auch Heimgeräte als Super finden.
Die Robert Bosch GmbH, Stuttgart, gründet 1929 zusammen mit den Firmen Baird Television Ltd., Radio AG D.S. Loewe und der Zeiss Ikon AG die Fernseh AG (später GmbH). 1933 übernimmt Bosch offiziell (ab ca. 1930 inoffiziell) das gesamte Aktienkapital der Ideal Werke AG und erstellt bald ein neues Werk auf einem Gelände von 32'000 qm in Berlin-Wilmersdorf, das Blaupunkt Anfang 1936 bezieht.
In der Saison 1932/33 liegt Blaupunkt mit 4,02% Marktanteil an zehnter Stelle, im Jahr darauf mit 6,09% an fünfter und 1934/35 mit 8,75% an vierter [503-248] bzw. als Bauerlaubnisnehmer des «Trio» an zweiter Stelle. Im Jahr darauf steigert Blaupunkt den Anteil sogar auf gute 12% und ist hinter dem «Trio» Marktleader.
Die «Funkschau» [603237-293] stellt 1932 das erste deutsche Autoradio mit Betrieb aus dem Bordnetz vor. Es ist ein Blaupunkt mit 4-Volt-RENS-Röhren und Motorumformer für die Anodenspannung.
Gemäss der «Zeitschrift des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller», Nov. 1937, beschliesst die ausserord. HV der Ideal Werke AG ihre Namensänderung und Kapitalerhöhung. Gemäss [502] erhöht Bosch das Kapital der «Ideal» am 16. Dezember 1938 auf 10 Mio. RM und benennt sie in Blaupunkt-Werke GmbH, Berlin-Wilmersdorf um. Etwa zur gleichen Zeit bezieht Blaupunkt das Werk II in der Köpenicker Strasse.
Im Krieg erleidet das Werk grosse Zerstörungen. Gemäss [FS4602] produziert Blaupunkt 1945 einen Detektorempfänger, «um sich rasch Mittel für den Einkauf von Teilen und die Fabrikation grösserer Serien von Rundfunkgeräten zu beschaffen». Das Gerät verkauft sich auch 1946 gut. Möglicherweise [DRM93] fertigt Blaupunkt den DKE-Nachbau 2GW145 bereits 1945. Tatsächlich produziert das Werk 1949 nahezu im gleichen Mass wie kurz vor dem Krieg. Zusätzlich hat Blaupunkt in Hildesheim und Darmstadt Zweigunternehmen aufgezogen. Die in München 1945 entstandene kleine Gerätefertigung ist 1949 auf die drei genannten Werke verteilt; das Exportgeschäft blüht und Blaupunkt beschäftigt rund 3000 Mitarbeiter [664905]. 1950 entsteht eine unglaubliche Vielfalt an Geräten. Auch später ist das Unternehmen sehr gut im Geschäft. 1953 gibt Blaupunkt die Zweigwerke auf, d.h. produziert Rundfunkgeräte nur noch in Hildesheim. Die Firma ist stark im Export und unterhält mehr als 70 Auslandsvertretungen. Die Kunden orientiert Blaupunkt mit einer gediegenen Hauszeitschrift «Der blaue Punkt».
1972 endet die Tischradio-Produktion bei Blaupunkt; Reiseradios kommen auch 1974 in den Katalog. Gemäss [6-94] fertigt Blaupunkt aber im ehemaligen Akkordwerk Lindau bis 1974 Blaupunkt-Heimradios. 1978 bringt Blaupunkt neu konstruierte «Digita-Kombinationen», die grosse Verluste einfahren; 1980 entsteht das HiFi-System «Tuner XT240», gebaut im Südfunkwerk Waiblingen bei Stuttgart.
Führender Hersteller von Autoradios:
1932 entsteht bei Blaupunkt gemäss der Firmenzeitschrift «Der blaue Punkt» vom April 1955 mit dem AS5 der erste deutsche Autosuper. Gemäss Katalogen [331] und [407] existiert der TS5 und das Netzteil NTS5 jedoch schon seit 1930. Andere Firmen - wenigstens im Ausland - beginnen Anfang der 20er Jahre mit Kofferradios. Den Radio-Koffer TS5 mit fünf Schirmgitterröhren verwenden die Ford-Werke 1932 für eine Fahrt durch die Wüste Sahara, von Timbuktu nach Algier.
Die Übernahme der Firma durch Bosch bewirkt eine verstärkte Tätigkeit für Autoradios: 1935 entsteht mit dem 4A75 ein Gerät mit Reflexstufe und Metallgehäuse inkl. Lautsprecher. Auf der Automobil-Ausstellung 1938 zeigt Blaupunkt den 7A78 mit Selbstinduktionsabstimmung und Stahlröhren. Während des Krieges baut die Firma den Autosuper 7A741H.
Nach dem Krieg beginnt die Entwicklung von Autosupern ohne Fernbedienung mit biegsamen Wellen. Bedienungs- und Empfangsteil bilden eine Einheit, während Lautsprecher und Stromversorgungsteil andere Plätze finden. Eine Bedienungsvereinfachung erreicht Blaupunkt durch «Omnimat-Wählautomatik» und «Selectomat-Stationsfinder».
In Europa liegt Blaupunkt 1955 nach eigenen Angaben in Bezug auf Qualität und Anzahl fabrizierter Geräte an erster Stelle. Es stehen sieben Grundtypen in ca. 25 Spezialausführungen zur Verfügung. Noch sind die Geräte für einzelne Automarken speziell entwickelt. Auch in den 90er Jahren produziert Blaupunkt Autoradios in Hildesheim, Portugal (ex Grundig) und Malaysia.
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