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AM Gleichwellen-Netz

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Papers » Basic principles of radio technique » AM Gleichwellen-Netz
           
Dietmar Rudolph
Dietmar Rudolph
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26.Nov.09 10:00
 
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Auf den Skalen vieler Radios findet man die Namen der Senderorte.

Daneben finden sich auf den Skalen mancher Vorkriegs-Radios aber auch Senderangaben wie z.B.

  • Nordd. GW
  • Schles. GW
  • Südd. GW

Hierbei handelte es sich um Gleichwellen-Netze, die aus dem Zusammenschluß mehrerer örtlich getrennter Sender gebildet wurden, die aber jeweils das gleiche Programm abstrahlten.

Gleichwellen-Netze waren jedoch keine ausschließlich deutsche Einrichtungen. Diese gab es z.B. auch im Vereinigten Königreich (UK), wie Stationsbezeichnungen belegen, wie z.B.:

Midl. Reg.; North Reg.; Scott. Reg.; Welsh Reg.; West Reg.


Abstract

 
Zusammenfassung
 
Gleichwellen-Netze auf Mittelwelle wurden zum Ende der '20er Jahre zunächst von Lorenz und später auch von Telefunken gebaut. Der Beitrag von Lorenz zur Entwicklung des Rundfunks wird im Hinblick auf die Gleichwelle betrachtet.
 
Zu Beginn der '20er Jahre war zunächst die Sendeleistung der einzelnen Sender mit ca. 300 W noch gering, so daß diese keine große Reichweite hatten und sich deshalb auch kaum stören konnten. In kurzer Zeit wurden die Sender jedoch durch stärkere Nachfolgetypen ersetzt. Da zusätzlich immer mehr Sender in Betrieb gingen, blieb eine gegenseitige Störung unausweichlich.
 
Dieses Problem sollte zunächst durch „Gemeinschafts-Wellen“ gelöst werden, wo 2 oder mehrere weit entfernte Sender schwacher Leistung mit je eigenem Programm auf der gleichen Frequenz arbeiteten, koordiniert vom „Weltrundfunkverein“. In der Praxis war das jedoch keine befriedigende Lösung, was u.a. auch an der geringen Frequenzkonstanz der frühen Sender lag.
 
Der nun folgende Ansatz war das „Gleichwellen-Netz“. Im Unterschied zu den Gemeinschafts-Wellen arbeiten hierbei 2 oder mehrere Sender synchronisiert auf der gleichen Frequenz und strahlen das gleiche Programm ab. Diese waren räumlich näher, so daß das Versorgungsgebiet abgedeckt werden konnte.
 
Einen großen Aufwand bedeutete die Synchronisation der Sender. Hierzu mußte ein Pilotton von ca. 2KHz über Telefonleitungen zu jedem Sender geführt werden und dort so oft vervielfacht werden, bis die Sendefrequenz erreicht war. Interessant sind die gefundenen Lösungen, die schließlich das Prinzip des Phasen-Regelkreises (PLL) nutzten, ohne daß diese Bezeichnung dafür verwendet wurde.
 
In der Praxis zeigte sich in dem Teilgebiet, wo die Sender näherungsweise gleich stark ankamen, daß sich aufgrund der Phasen- bzw. Laufzeitunterschiede Interferenzen bildeten, die zu selektivem Schwund führten. Wird hiervon der Träger einer AM betroffen, ergeben sich starke Verzerrungen durch Übermodulation. Man versuchte die Verzerrungen dadurch zu mildern, daß die Sender nur sehr wenig moduliert wurden.
 
Infolge von Phasenschwankungen der Pilottöne ergaben sich jedoch keine ortsfesten Interferenzen im Empfangsgebiet, vielmehr wanderte das Interferenzgebiet umher, so daß von einem „Verwirrungs-Gebiet“ gesprochen wurde.
 
Die Entstehung der Interferenzen läßt sich physikalisch leicht erklären. Da ein Empfänger nicht unterscheiden kann, ob die Interferenz duch einen Gleichwellen-Sender oder durch Reflexion an der Ionosphäre entsteht, können beide Effekte ähnlich modelliert werden.
 
Es gab in den '30er Jahren auch ein „Kleinst-Gleichwellen-Netz“ zu Versuchszwecken in Berlin, das gute Ergebnisse geliefert haben soll.
 
Es wird begründet, weshalb bei FM kein Gleichwellen-Netz möglich ist.
 
Digitale Gleichwellen-Netze funktionieren im Unterschied dazu wiederum perfekt. Um das zu verstehen, werden die Prinzipien der digitalen Funk-Übertragungen erläutert.
 
Ein abschließender Abschnitt befaßt sich mit Störsendern und Einsprechen. Siehe auch hier.
 
Gleichwellen_Netz (pdf; 31 Seiten, 56 Bilder; 859 kB)

 

MfG DR

This article was edited 03.Dec.09 15:05 by Dietmar Rudolph .

Dietmar Rudolph
Dietmar Rudolph
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24.Feb.17 17:06

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Auf der Skala des Ingelen 540W sind alle die Mittelwellen-Sender mit dem Symbol Ø gekennzeichnet, die eine "Gemeinschafts-Welle" bilden. Es sind erstaunlich viele.

 

Da der Scanner mit LEDs arbeitet, hat er, im Unterschied zu früheren Scannern mit Leuchtsofflampe, eine so geringe Tiefenschärfe, daß die Stationsnamen, die von hinten in Spiegelschrift auf das Glas gedruckt sind, nur noch unscharf wiedergeben kann.

Edit 25.02.2017

Um Fehlinterpretationen zu vermeiden, folgen hier noch die Definitionen.

Gleich-Welle ist nicht Gemeinschafts-Welle!

  • Gleichwelle: Mehrere (kleinere) Sender in nicht allzu großer Entfernung arbeiten frequenzmäßig synchron und haben auch die gleiche Modulation; auch diese ist zeitlich synchronisiert.
    Man empfängt sie idealer Weise wie einen Sender, der eine größere Versorgungsfläche bedient.
  • Gemeinschaftswelle: Der Gegensatz dazu ist die Exklusivwelle!

    Bei einer Exklisivwelle gibt es bestenfalls in so größerer Entfernung einen anderen Sender auf der gleichen Frequenz, daß (bei Nachtausbreitung) dadurch leichte Störungen entstehen.

    Bei einer Gemeinschaftswelle gibt es Frequenz-Zuweisungen für mehrere Sender, die von ihrer Leistung her und ihrer Entfernung zu einander, sich (bei Nachtausbreitung) zwangsläufig stören müssen.

Das "Lexikon der Funktechnik und ihrer Grenzgebiete, Frankh, 1943" definiert Gemeinschaftswelle so:

  • Gemeinschaftswelle. Amtliche Bezeichnungfür eine Rundfunkwelle, auf der mehrere kleine Sender gleichzeitig arbeiten. Die Sender dürfen nur eine geringe Leistung haben und müssen räumlich weit von einander entfernt sein, damit sie einander nicht stören. -
    Die Sendungen einer Gemeinschaftswelle können im allgemeinen nur in einem engen Umkreis um den betreffenden Sender empfangen werden (Bezirkssender, s,d.). Durch verschiedene Maßnahmen wird ein störungsfreier Betrieb gewährleistet. - L.121.

Das aus heutiger (leider schon vergangener) Sicht Interessante daran ist die Tatsache, daß es 1939/40, als das Radio (Ingelen 540W) neu war, tatsächlich noch Exklusivwellen gab, wo noch störungsfrei empfangen werden konnte. (Abgesehen vom Fading)
Von der Erfahrung aus der Zeit vor dem Fall der Mauer ist bekannt, daß es damals überhaupt keine Exklusivwellen mehr gab, weil die Mittelwellenfrequenzen mehrfach überbelegt waren, was zu einer gegenseitigen Hochrüstung der Sender in ihrer Leistung führte, was die Zustände aber nur noch verschlimmerte. 

MfG DR

This article was edited 25.Feb.17 10:29 by Dietmar Rudolph .

  
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