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detewe: K6; Superhet

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Georg Schön
 
 
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15.Jun.03 08:29

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   1 Hallo Hr. Erb,
dieses Gerät bietet, abgesehen von seiner Rarität,
auch noch mehrere "Denksportaufgaben".
Wenn ich die Bilder richtig sehe, sind die
DETEWE-Fassungen 4-polig Europa, während der
Ersatz 5-polig Europa ist?
Da es unwahrscheinlich ist, daß die ursprüngliche Fassung
schadhaft war, gehe ich davon aus, daß die Fassung
ersetzt wurde, um eine Röhre mit 5 Stiften einsetzen zu können.

Könnte es sein, daß die zweite Röhre ursprünglich eine
Raumladegitter-Tetrode war?
In der Kinderzeit der Überlagerungs-Geräte hat man die
gerne als selbstschwingende Mischstufen eingesetzt.
Aus dem Schaltbild sehe ich nicht so recht,
"wer" der Oszillator ist.

Wissen Sie, wofür dieser (und einige andere KW-Geräte von DETEWE)
gedacht waren? Ende der 20er fing man an, die Kurzwelle
für kommerzielle Zwecke zu entdecken.
Deutsche Amateure durften meines Wissens nicht tätig werden.
Waren die Geräte evtl. für den Export gedacht?
Viele Grüße,
Georg Schön
Ernst Erb
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15.Jun.03 10:41

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Autodyne oder Superautodyne ist tatsächlich das Stichwort, also eine Selbstschwinger-Schaltung mit der Tetrode (Bigrille in Frankreich), hier mit der RES094, ca. ensprechend der B442 von Philips. Die Schaltung ist vom einzig bekannten Besitzer eines weiteren Gerätes K6 , in der Funkgeschichte 115 von 1997 beschrieben. Leider habe ich diese Unterlagen im Museum, also nicht gerade greifbar. Darum zitiere ich hier teilweise aus «Radios von gestern». Da finden sich interessante Stellen dazu auf Seite 80 und 238. Zu dieser Schaltung könnte man viel berichten - bis in die Zeit der ersten UKW-Schaltungen, doch das sprengt diesen Rahmen.

Ich habe Dr. Windisch brieflich gefragt, ob er den Artikel bei uns veröffentlichen könnte. Mal sehen ... Hiermit frage ich auch, ob jemand noch einen anderen Besitzer des KW-Supers kennt. Der doch aufwendige Spulenrevolver wundert mich bei dieser einfachen Schaltung - und ich kenne den frühen Einsatzbereich (1929) ebenfalls nicht. Telefunken kam ein Jahr später mit dem Kurzwellenempfänger 32 und 32A auf den Markt, der dagegen geradezu primitiv wirkt. Mir ist momentan einer angeboten, doch kenne ich das Sammlerpreisniveau des Telefunken überhaupt nicht. Kann mir jemand da einen Rat geben? Mehr Allgemeines dazu:

Mischröhren
In den 20er Jahren ist es üblich, für den Superhet eine separate Oszillator- und Detektor- bzw. Mischröhre einzusetzen. Eine spezielle Schaltung, genannt Autodyne, lässt die drei Funktionen in einer Röhre verwirklichen, doch ist die Kathode mit einer HF-Drossel zu isolieren und es entsteht ein grösserer Schaltungsaufwand, so dass erst die spezielle Röhre Typ 15 (USA, Ende 1932), eine indirekt geheizte Pentode (in [237] ist es eine Tetrode) für 2 Vf Batteriestrom, das Problem löst. In Frankreich gibt es für diesen Zweck sehr früh und über Jahre hinweg spezielle Tetroden als additive Mischröhren, genannt Bigrille. Telefunken verwendet in ihrem ersten Super von 1932/33 die Tetrode REN704d [1-238]. Auf dieser Seite 238 zeige ich ganz kurz die Entwicklung über Pentagrid, Beam-Oktode bis zur Heptode-Triode.

Superhets
In Europa liest man die verschiedensten Behauptungen bezüglich der Überlagerungsempfänger, sowohl über die frühe Anwendung als auch über Vor- und Nachteile des Systems. Tatsache ist, dass in den USA der Super früher Einzug gehalten hat als in Europa. Levy (Frankreich), der eigentliche Erfinder, macht da natürlich eine Ausnahme. Die Vorteile des Supers sind höhere Selektivität, einfachere Bedienung und weniger Rauschen. Nachteilig wirken sich Spiegelfrequenzen und Abstrahlungen des Oszillators aus.

Allerdings ist das Prinzip des Superhet in den 20er Jahren auch in den USA lediglich in den teueren Rundfunkgeräten realisiert - dies ab 1923 (4B-Super von Western Electric [151-145], wenn man von kleinsten Herstellern absieht. Normalerweise sind sechs bis neun Röhren nötig.

"1924 verwendet RCA eine verbesserte Schaltung von Armstrong und Houck. Unter Nutzung der zweiten Harmonischen kann RCA eine Abstrahlung in die Antenne weitgehend verhindern. J.H. Pressley, der mit der Autodyne-Schaltung Oszillation und Mischung in der selben Röhre vornimmt und eine abgestimmte Vorstufe verwendet, löst das Problem vollständig", liest man in der US-Literatur.

Der Entwicklungsvorsprung der USA, den Super betreffend, beträgt anfänglich einige Jahre. Aber: Europa stellt kurz vor dem Zweiten Weltkrieg hohe Anforderungen an einen Empfänger; europäische Spitzenmodelle sind dann Weltspitze.

Anfang 1924 kommt RCA mit Superhets auf den Markt und ist eigentlich die einzige legale Herstellerin in den USA, da sie über die Rechte von Lévy (über AT&T) und Armstrong (über Westinghouse) verfügt. Erst gegen Mitte der 30er Jahre lizenziert RCA auch andere Firmen, wobei dann weniger die Grundrechte als die vielen Weiterentwicklungen zählen. Dass die Praxis jedoch anders aussieht, zeigt die Liste in «Radios von gestern» [1-80]. Aber auch in Europa gibt es Kleinfirmen, die es wagen, frühzeitig Superhets zu bauen, so etwa Carma in Winterthur, verschiedene deutsche Kleinfirmen etc

Von Levy (Frankreich) kenne ich keine frühen Lizensierungen, sondern nur Levy-Modelle, doch in den USA (Armstrong) spielt der Super frühzeitig eine grössere Rolle. Armstrong kann vorerst nur kleinere Hersteller lizenzieren, bis eine Grossfirma den Bedarf für diese Schaltung erkennt. Westinghouse kauft seine Rechte und lizenziert RCA, wobei AT&T mit den Rechten von Lévy an RCA Gegenrecht gibt, so dass in den USA eigentlich nur RCA legal Super bauen kann. Sie bringt Anfang 1924 mit dem Radiola-Super als erste Grossfirma einen Superhet auf den Markt und verwendet auch die Patente von Houck. Durch Ausnutzung der zweiten Harmonischen verhindert die Schaltung weitgehend Abstrahlung in die Antenne. Erst 1929 sind die Patentkämpfe gegen Armstrong entschieden und gegen Mitte der 30er Jahre beginnt RCA andere US-Hersteller zu lizenzieren [287].

Ein britisches Patent von 1927 beinhaltet eine Schaltung zur besseren Einstellung des Arbeitspunktes durch Konstanthaltung und Begrenzung der Schwingspannung. J.H. Pressley löst endgültig das Problem der Abstrahlung. Er vereinigt mit der Autodyne-Schaltung Oszillation und Mischung in derselben Röhre und verwendet eine abgestimmte Vorstufe. Bei einfacheren Geräten greift die Industrie zu Sperrkreis oder Drosselspule.

Mit dem Einsatz der Pentode gelangt man zu einer besseren Entkopplung zwischen Überlagerer und Antenne. Die von der Empfangsfrequenz am Gitter gesteuerten Elektronen beschleunigt das wechselspannungsmässig auf Kathodenpotential liegende, positiv vorgespannte Schirmgitter. Sie durchlaufen dieses und das auf Kathodenpotential liegende Bremsgitter verlangsamt sie im Takt des Oszillatorkreises mehr oder weniger. Die Elektronen stauen sich zu einer neuen Raumladungswolke zwischen Schirm- und Bremsgitter, so dass eine virtuelle Kathode entsteht. 1928 stellt ein französisches Patent die Mischhexode vor, die Steimel bis Mitte der 30er Jahre perfektioniert.

This article was edited 15.Jun.03 12:17 by Ernst Erb .

Ernst Erb
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17.Apr.04 15:02

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Zum Glück hat Herr Schön damals die Frage gestellt, denn nun kann ich den Artikel wieder in Erinnerung rufen - aber gleichzeitig die Runde fragen, ob jemand die Röhrenfassung in seinr Wühlkiste hat, die dem Apparat fehlt. Wenn Sie das zweite Bild klicken, sehen Sie, was ich meine - und was auch Herrn Schön aufgefallen war.
http://www.radiomuseum.org/dsp_modell.cfm?model_id=1451

Da wir nur zwei dieser Modelle kennen, wäre es natürlich schade, wenn eine solche Originalfassung in einer Schublade steckt - und das Gerät bleibt verändert, statt auch Zeuge seiner Möglichkeiten und Grenzen bei Originalbestückung zu sein. Vielleicht können Sie sich beim Wühlen in Röhrenfassungen an einem Sammlermarkt daran erinnern? Ich bezahle gerne bis 50 Euros dafür.

Gerald Gauert
 
 
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17.Apr.04 20:57

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Hallo Herr Erb,

sollte sich keine DeTeWe-Röhrenfassung auftreiben lassen, besteht noch die Möglichkeit eines Nachbaus. Aus dem Foto ersehe ich einen relativ einfachen Aufbau, interessant wäre noch eine Ansicht der Oberseite mit den Steckhülsen.

Nach Abnahme der Originalmaße können sowohl Hartpapier- als auch Federbronzeteile lasergeschnitten werden. Anschließend sind die Teile mittels Niet oder Schraube zu verbinden.

Wenn Sie mir die Maße zu Verfügung stellen, kann ich daraus einen CAD-Datensatz erstellen und den Zuschnitt bei einer Laserschneid-Firma in Auftrag geben. Dort habe ich mir vor einiger Zeit Statorbleche für die Reparatur eines Drehkondensators zuschneiden lassen und incl. Material 40€ bezahlt.

  
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