Holger Krebs
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09.Oct.05 21:26
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lorenz: Reparaturbericht Lorenz 340W/I
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Reparaturbericht Lorenz 340W/I
Vor einiger Zeit habe ich ein Radio vom Typ Lorenz 340W/I bei eBay ersteigert. Laut Auktionsbeschreibung und beigefügten Bildern, sollte das Gerät in recht gutem Zustand sein. Gut eine Woche später konnte ich das Gerät dann in Empfang nehmen.
Bestandsaufnahme: Nach den Auspacken musste ich zunächst feststellen, das dass Gehäuse beim Versand beschädigt wurde. Das Gerät wiegt ca. 20kg, wobei das Holzgehäuse nicht wirklich für ein so hohes Gewicht ausgelegt ist. Um so ein Gerät auf normalen Weg zu versenden, muss es wirklich sehr gut verpackt werden. Am besten man verzichtet ganz auf einen Postversand. Bei genauerer Betrachtung, zeigte sich auch der Lack nicht mehr so gut wie zunächst angenommen. Das ganze Radio war mit einer schmierigen Dreckschicht überzogen. Dem Geruch nach, stand das Radio stand wohl einige Zeit lang in einer Garage. Nach entfernen der, recht gut erhaltenen, Rückwand, war dann der Blick auf das Innenleben frei. Sah gar nicht so schlecht aus, zwar jede Menge Dreck, aber kaum Rost und auch keine Anzeichen für Holzwürmer. Auf der Innenseite war ein Stempel „ .02.1940“ zu erkennen, das dürfte wohl das Herstellungsdatum sein. Soviel war mir jetzt jedenfalls jetzt klar, das Teil muss komplett zerlegt werden. Auch ein probeweiser Betrieb war so nicht sinnvoll. Gesagt getan Chassis, Netzteil und Lautsprechen wurden ausgebaut und erst mal grob Gereinigt.
Restauration des Gehäuses: Zunächst stand hier eine gründliche Reinigung an. Innen mit Pinsel und Staubsauger, außen mir Wasser und Spülmittel. Das Furnier selbst war relativ gut erhalten, der Lack erschien mir allerdings verdächtig dick. Da hat wohl schon mal jemand nachlackiert. Durch den Transportschaden waren auch einige Verleimungen gebrochen. Mit Ponal Holzleim und einigen Schraubzwingen war dieser Schaden aber schnell repariert. Die Erneuerung der Lackierung gestaltete sich da schon schwieriger. Wegen der recht dicken Lackschicht, erschien mir ein Abschleifen zu mühsam. Außerdem wollte ich natürlich das Furnier nicht beschädigen. Es folgten diverse Versuche mit allerlei Lösungsmitteln. Alles ziemliche Fehlschläge, bis ich Aceton probiert habe. Das Zeug funktionierte gut. Schon nach kurzer Einwirkzeit, ließ sich der Lack als schleimige Schicht mit dem Spachtel entfernen. Was nach der Behandlung noch vom Lack übrig war, ließ sich ganz gut mit einer Ziehklinge und feinem Schleifpapier entfernen. Für die Neulackierung habe ich Tischlerlack verwendet. Nach dem Auftrag von 3 Schichten Lack, sieht das Gehäuse wieder sehr gut aus. Aus Nebeneffekt ist auch der Garagengeruch verschwunden.
Reparatur der Elektronik: Nun zur Technik. Erst mal wurden mit Pinsel und Staubsauger Unmengen Dreck entfernt. Ein genauerer Blick zeigte, das praktisch alle vorhandenen Bauteile noch original waren. Das Betätigungsseil für die variable Bandbereite war morsch und gerissen. Das Skalenseil selbst hatte jemand durch ein Stück Paketschur ersetzt. Beide Schnüre wurden durch passende Neuware ersetzt. Da eine grobe Messung aus Kurzschlüsse keine Probleme zeigte, beschloss ich das ganze Provisorisch in Betrieb zu nehmen. Vorsichtshalber mit einem Leistungsmesser in der Netzzuleitung. Bei 120 Watt Leistungsaufnahme habe ich dann lieber wieder ausgeschaltet. Einige Kondensatoren sind wohl doch nicht mehr so toll. Eine genaue Prüfung aller Kondensatoren zeigte dann auch die Ursache. Bis auf die drei dicken (Siemens) Siebelkos im Netzteil, haben praktisch alle Papier- und Elektrolytkondensatoren schlechte Isolationswerte. Es waren Kondensatoren der Firmen FRAKO, ERO, HEKAPHON und einer weitern österreichischen Firma verbaut. Alle waren Baujahr 1938/39. War wohl kein guter Jahrgang.

Die im HF Teil verbauten Glimmer Kondensatoren zeigten dagegen alle gute Werte. Nach dem Auswechseln der defekten Kondensatoren wagte ich dann eine zweite Inbetriebnahme. Das Ergebnis war schon besser. Es war ein leichtes Brummen und ein schwacher Sender zu hören. Leistungsaufnahme ca. 70 Watt. Nächste Aktion war dann das Prüfen der Spannungen. Alle zu niedrig. Jetzt wird klar, warum der 700Ohm Siebwiderstand im Netzteil kurzgeschlossen war. Der Netzgleichrichter (EZ12) leidet an Emissionsschwäche. Nach Auswechseln der Doppeldiode stimmte dann die Anodenspannung, vernünftigen Empfang gab es aber immer noch nicht. Weitere Messungen förderten dann als nächstes einen defekten Kathodenwiderstand der EBF11 zu Tage. Der Widerstand hatte seinen Wert verzehnfacht. Das Bauelement stammte von der Firma NSF und sah äußerlich noch gut aus. (Nicht verbrannt oder so) Eine zu niedrige Schirmgitterspannung der Röhren ECH11 und EBF11 hatte die gleiche Ursache. Der 100Kohm Widerstand war hochohmig geworden.

Nach auswechseln der defekten Widerstände, war der Empfang des Radios dann auch gleich dramatisch besser. Nur das magische Auge zeigte keine Reaktion auf empfangene Sender, und auch nur schwaches leuchten. Ein Teil des Problems waren auch hier Widerstände. Die Anodenwiderstände (300kOhm, 2Mohm) waren hochohmig geworden. Nach dem auswechseln der beiden Bauelemente funktionierte die Anzeige wieder. Allerdings war das leuchten immer noch ziemlich schwach. Die EM11 ist wohl etwas altersschwach.
Abgleich: Da mich die Empfangsleistung des Gerätes noch nicht wirklich überzeugte, habe ich zusätzlich einen Neuabgleich aller Kreise durchgeführt. Insbesondere das Nachstimmen der beiden ZF Filter, brachte dann auch noch mal eine erhebliche Verbesserung der Empfangsleistung.
Holger Krebs
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09.Oct.05 22:06 by
Holger Krebs .
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