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UKW-Abschaltung eine reale Gefahr??

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Forum » Radio- and technical History » Decades of broadcasting » UKW-Abschaltung eine reale Gefahr??
           
Dietmar Rudolph
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26.Apr.17 17:33
 
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Im neuesten Heft der GFGF Funkgeschichte, Heft 232; April/Mai 2017, wird vom Herausgeber, Peter von Bechen, im Editorial die UKW-Abschaltung beklagt, wie sie in Norwegen bereits Realität ist.

Blickt man aber einmal über den "Tellerrand", so kann man sich eigentlich nur wundern. Während in Zentraleuropa darüber mehr spekuliert als nachgedacht wird, ob UKW zu Gunsten von DAB+ abgeschaltet werden kann und sollte, lehrt der Blick nach Amerika, daß dort "sogar" noch die AM Sender in Betrieb sind und munter weiter verwendet werden.

  • Ja, können die Amis nicht richtig rechnen? Oder haben die zu viel Geld, daß sie sich den "Luxus" leisten können, AM Sender weiterhin zu betreiben, wo die doch so "ineffektiv" und teuer sind?


Warum die Verhältnisse in Europa (Region 1) und in Amerika (Region 2) so unterschiedlich sind, läßt sich wohl am Ehesten historisch verstehen.

Speziell in Deutschland war der Funk eine hoheitliche Aufgabe, die der Post anvertraut wurde. Wer Radio hören wollte, hatte eine Rundfunk-Gebühr zu entrichten. Rein privaten Unterhaltungs-Rundfunk gab es nicht, auch nicht in anderen Europäischen Ländern.

In den USA hingegen startete der Unterhaltungs-Rundfunk als rein private Angelegenheit. Rundfunk-Gebühren gab es keine. Dafür mußten sich die privat betriebenen Rundfunk-Sender über Werbung finanzieren.

Nach dem WW2 gab es in Europa den "eisernen Vorhang". Zu beiden Seiten versuchten nun die (staatlich bzw. öffentlich rechtlich) betriebenen AM Sender durch ungeheurere Erhöhung der Sendeleistungen (bis zu 1 MW!) sich gegenseitig zu "überschreien" - mit dem Erfolg eines totalen Chaos in den AM Bändern. AM Radio zu hören war mit Einbruch der Dunkelheit eine Tortour.

Als Abhilfe für den normalen Radiohörer wurde dann der UKW Rundfunk eingeführt. Man bewarb diese neue „Welle der Freude“, wobei auch diskret etwas „nachgeholfen“ wurde, indem z.B. die erste Halbzeit eines Fußballspiels über AM und UKW, die zweite aber nur über UKW übertragen wurde. Und die damals noch einheimische Empfänger-Industrie entwickelte rasch Geräte mit UKW, die im Preisniveau nicht sehr viel teurer waren als reine AM Geräte. Na ja, und dann war ja schließlich auch der „Wohlstand“ bei den meisten ausgebrochen. Und UKW Radios gehörten zu den ersten Prestige-Objekten – man gönnt sich ja sonst (fast) nichts. Und bald wußten auch viele Hörer nicht mehr, daß es auch noch andere Wellenbereich als UKW gab!

In den USA gab es diese Empfangs-Probleme auf MW nicht. Damit die Überreichweiten nachts nicht ebenfalls zu Chaos führten, wurden die Sendeleistungen auf max. 10 kW begrenzt, während viele privaten Klein-Sender sogar mit Leistungen von nur 10 W bis 100 W betrieben werden. UKW wurde auch in den USA eingeführt. Wegen der besseren Audio-Qualität auf UKW wurden hier bevorzugt Musik-Programme ausgestrahlt, während die Wort-lastigen Programme eher auf MW zu finden sind. Trotzdem gab es sogar auf MW Stereo-Übertagungen! Aber warum werden die AM Sender weiterhin betrieben und nicht zu Gunsten der UKW Sender abgeschaltet?

  • Der Schlüssel zur Lösung dieser Frage ist sehr vermutlich in der Form der Finanzierung der Sender zu finden.

Während der Gebühren-finanzierte Rundfunk allem Anschein nach kein Problem damit zu haben scheint, daß aufgrund z.B. der Abschaltung der UKW Sender ggf. auf längere Zeit massenweise Hörer verloren gehen - macht ja nichts: die Gebühren fließen trotzdem - können sich das Werbe-finanzierte nicht erlauben, weil sie dann aufgrund fehlender Werbe-Einnahmen schlicht und einfach "verhungern". Kein Wunder, daß bei den privaten Broadcastern keine Begeisterung für eine Abschaltung des UKW Rundfunks aufkommt.

Man mag die Programm-Darbietungen der Werbe-finanzierten Sender schätzen oder nicht - in den USA haben diese Sender bislang sogar den MW Rundfunk am Leben erhalten. Und es spricht einiges dafür, daß in Europa dies entsprechend für den UKW Rundfunk zutreffen wird - unabhängig von dem oft populistischen und arroganten Geschwätz einiger Politiker oder Intendanten öffentlich rechtlicher Rundfunkanstalten.

Was diese "Fach“-Politiker meist gar nicht wissen, ist die Tatsache, daß es sich beim UKW Rundfunk um ein hybrides analog-digitales Übertragungssystem handelt. Die digitale Übertragung wurde im UKW Rundfunk mit "RDS" (Radio-Daten-System) bereits in den '80er Jahren des letzten Jahrhunderts eingeführt. Heute dient RDS insbesondere der Übermittlung von Informationen zum Verkehr auf den Autobahnen. Würde der UKW Rundfunk heute komplett zu Gunsten von DAB+ abgeschaltet, würden wohl viele der "Trucker" aus Osteuropa quasi "blind" über die Bundesautobahnen fahren. Es wird sich sicher nicht jeder gleich ein neues Auto anschaffen, bloß weil im UKW Radio nichts mehr zu empfangen ist.

Die "Flach“-Politiker preisen DAB+ als das "non plus ultra" an. Na schön, vor nicht allzu langer Zeit war das aber noch DAB (ohne +) und da auch schon das "Beste vom Besten". Ja, aber wie lange "lebt" also so ein digitales Übertragungssystem, bevor es durch ein "noch besseres" digitales System ersetzt wird? Aktuell gibt es bereits eine noch effektivere Methode zur "Quell-Codierung" der Audio-Signale, die erneut eine Verdopplung der in einem Frequenzblock übertragbaren Programme ergeben würde. Man kann also sicher darauf warten, daß dann wieder ein neuer Standard (vielleicht DAB++ ?) kommen wird mit der "Nebenwirkung", daß dann alle jetzt gekauften DAB+ Geräte nicht mehr funktionieren und als "Edelschrott" in Afrika entsorgt werden dürfen.

Wie wird dann wohl der "normale Radiohörer" darauf reagieren?

MfG DR

Edit 27.04.: 

Auch viele Smartphones besitzen einen eigebauten UKW Empfänger. Der ist speziell für Notsituationen von Interesse, wenn das Netz überlastet ist. Siehe hierzu "UKW Rado im Handy".

This article was edited 27.Apr.17 12:35 by Dietmar Rudolph .

Wolfgang Lill
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27.Apr.17 20:42
 
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Wenn die letzten AM- Sender in Europa eingestellt sind und auch die UKW- Sender . dann können endlich über das DAB- System regional die Hörer bei kritischen Situationen, das muss nicht nur ein Unwetter sein, informiert .....oder sagen wir besser, manipuliert werden. 

Ich plädiere nach wie vor für ein Nebeneinander von AM-, FM- Sendern und ich habe absolut nichts gegen die Ausstrahlung digitaler Programme.

Die Zukunft kann jedoch nicht sein, das man dann sagt , wir können nicht das gesamte Gebiet Deutschlands abdecken. Es wird Funklöcher geben und damit müssen wir leben.

Wie das dann ist, konnte ich heute wieder erleben. Bei einer Fahrt über Sebnitz nach Zittau sind trotz der Inbetriebnahme des DAB-+ Kanal 9A auf dem Unger noch Funklöcher vorhanden. Wenn man diese stopfen will,dann braucht man viele kleine Sendeanlagen, auch diese gibt es nicht für fünf Euro !

Warten wir ab, was uns die "Experten" der KEF demnächst dazu erklären....

 

 

This article was edited 27.Apr.17 20:43 by Wolfgang Lill .

Wolfgang Lill
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Ingo Heidinger, er hat leider noch keine Antwortrechte, hat mir jedoch einen interessanten Beitrag zukommen lassen, den ich gern veröffentliche;

mmm.verdi.de/internationales/norwegen-ohne-ukw-39539

Nein, sie habe sich auch noch keinen DAB-Empfänger zugelegt, weder zu Hause, noch im Auto, gestand die für die Umstellung politisch zuständige Kultusministerin Linda Hofstad-Helleland im Februar in einem Interview: „Ich höre eigentlich meistens über Internet.“ Die Ministerin hatte nie ein Hehl daraus gemacht, wie skeptisch sie persönlich die Abschaltung des UKW-Netzes sieht. „Wenn die Politik technische Weichenstellungen vorgenommen hat, war das in der Vergangenheit ja nie so wirklich gelungen“, baute sie möglichen Problemen gleich schon einmal vor: „Aber wenn etwas umgesetzt werden soll, was vor 16 Jahren beschlossen wurde, kann man nicht einfach in letzter Minute abspringen. Wir müssen eben unsere Pflicht tun. Und die Experten sagen ja, dass auf lange Sicht alle davon profitieren werden.“

 

Eine spannende Radiozukunft liegt vor uns !

This article was edited 17.May.17 04:51 by Wolfgang Lill .

Dietmar Rudolph
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17.May.17 11:14
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„Aber wenn etwas umgesetzt werden soll, was vor 16 Jahren beschlossen wurde, kann man nicht einfach in letzter Minute abspringen. Wir müssen eben unsere Pflicht tun. Und die Experten sagen ja, dass auf lange Sicht alle davon profitieren werden.“

Was soll man zu so einem Statement noch sagen? Man verläßt sich auf die Aussage von "Experten" und "tut seine Pflicht". Ist das die Verantwortung, die von Politikern erwartet wird? 

Was vor 16 Jahren eventuell noch richtig war, ist mittlerweile zumindest äußerst fragwürdig geworden. Die Technik der Audio-Codierverfahren ist zwischenzeitlich eben auch vorangeschritten. Es gibt mittlerweile neuere Audio-Codierverfahren, die eine weitere Verdopplung der in einem DAB Frequenzblock unter zu bringenden Programme gestatten. Das bedeutet Kostenersparnis auf der Senderseite. Und welcher Broadcaster wird sich auf Dauer diese Ersparnis entgehen lassen (können)?

Folgt man der augenblicklichen Werbekampagne des DLF, sollen alle Hörer schnell auf DAB+ umsteigen. So weit so gut, aber wie lange danach wird es aus "wirtschaftlichen Gründen" "zwingend erforderlich" sein, nun erneut umzusteigen, diesmal dann auf DAB++ ?

Fragt sich, wer alles dann davon "profitiert"?

MfG DR

  
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