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1980: Radio- und Fernsehtechniker Reparaturalltag

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Forum » Radio- and technical History » Decades of broadcasting » 1980: Radio- und Fernsehtechniker Reparaturalltag
           
Wolfgang Scheida
Wolfgang Scheida
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26.Jul.08 00:23

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1980: Radio- und Fernsehtechniker Reparaturalltag   
 
 (Online Version 1.01)  PDF Version zum Herunterladen im Anhang unten! Test
 
Die Ausbildung zum Radio und Fernsehmechaniker(-Techniker) im Gewerbe und in der Grundig Lehrwerkstätte 1120 Wien Meidling.
 
Der Radio- und Fernsehtechniker Service und Werkstätten Reparaturalltag Mitte der 1980er bis Anfang der 1990er Jahre in Wien - Österreich als Lehrling bei Grundig
 
Those where the days – Memories are made of this:
 
Nachfolgender Beitrag soll eine möglichst neutrale Darstellung des erlebten als Radio- und Fernsehtechnikerlehrling (Auszubildender) und Servicetechniker Geselle im anfangs gewerblichen wie anschließend im industriellen Servicealltag in Wien schildern.
.
 
Ort und Zeit Orientierung geopolitisch gesehen:
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Wien/Österreich als westlich orientierter vorgeschobener Posten an der unmittelbaren Grenze zum früheren Ostblock mit Übergang und Verschiebung der Verhältnisse nach dem Fall des Kommunismus. 
 
 
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Umfang des Inhalts ~14 A4 Seiten
 
Aufgeteilt in folgende Bereiche:
 
  1. Der Alltag im Reparaturgewerbe: 
  2. Antennenbau:
  3. Der Alltag in der Industrie
  4. Die Ausbildungszeit:
  5. Die Lehrwerkstatt darf man sich folgendermaßen vorstellen:
  6. So war der Tagesablauf während der Lehrzeit:
    Reparaturalltag im Fernsehservice der Industrie:
  7. Spätere Fortsetzungen
     
     

Der Alltag des Radio und Fernsehtechnikers im Privatgewerbe:

In der Erinnerung blieben:

Endloses Fernseher schleppen, auspacken, aufstellen, abholen, liefern und Sender einstellen – Speziell bei Kunden mit Kabelfernsehen, die die Programme nach der Fernsehzeitung eingestellt haben wollten, war das mit den früheren Sendersuchlauf Versionen ohne Kanalanzeige eine Prozedur. Das endlose wuzeln an den mechanischen Philips Einstellladen mit je 6 Programmen bescherte wiederum wunde Finger. Kartons (von Ausstellungsgeräten) zwischenlagern in der Hoffnung sie nach dem Verkauf wieder aufzufinden. Mit Zimmerantennen in Wohnungen herumgeistern wo eigentlich eine Außenantenne angesagt gewesen wäre. Servicekoffer mit dem Verbrauchsmaterial nachbestücken.

 

Die „Ausbildung“ bestand im Wesentlichen durch selbst ausprobieren und zusehen – Learning by doing. (Da ich die meiste Zeit nur mit den anderen beiden theoretisch nicht so versierten Gesellen verbrachte, und der „Ing. Meister“ viel Zeit privat im Ausland war kam der theoretische Abschnitt des Ausbildungszieles in dieser Phase wohl etwas zu kurz.)

 

So bestand das „täglich Brot“ auch im Außendienstservice beim Kunden Vorort zusammen mit dem Gesellen aus Nachlöten von Prints und Hochspannungskaskaden tauschen.

Speziell in Erinnerung in dieser Disziplin sind die Volltransistor Telefunken und Philips K9 Geräte. Ebenso das Tauschen der BU108/BU208 Zeilenendstufentransistoren. Ausgebrannte Philips Chassis K11 Modullleisten überbrücken und Prints mit Löchern flicken. Sackweise die Grundig Super Color Modulbausteine (Die mit der LED Anzeige die leuchtet wenn das Modul in Ordnung ist) mitnehmen und so lange tauschen bis „er“ wieder geht – wenn nicht = schleppen – Gerät mit eingebautem Trenntrafo! Netzteilreparaturen bei Kleingeräten – damals auch noch Seilzugtauschen und Skalenlampenwechsel.

Bild: Beispiel eines Ost-West Moduls des Grundig Super Color Bausteinfernsehgeräts

Unvergesslich natürlich die stets gebrochenen Seilzugkunststoffantriebsrollen beim Transistorradio HEA Trixi 1000 und ähnlichen Geräten dieser Serie – Dennoch ein tolles Gerät welches wohl auch ein „Pflichtradio“ jedes österreichischen Sammlers ist!

 

In Einzelfällen gehörte noch das Flicken (Kleben) von VHS, ßBeta  und Video 2000 Kassetten dazu. Hierfür gab es ein spezielles Set um einen kopfschonenden Schrägschnitt durchzuführen. Die damals übliche Verrechnung einer Mindestviertelstunde ~ öS 100,- (~ € 7) - was ungefähr auch dem tatsächlichen Zeitaufwand entsprach, machte jedoch das Flicken der Kassetten für den Kunden schon damals unwirtschaftlich was mitunter zu Unmutsäußerungen ob des hohen Reparaturpreises führte. 

Weiters als Tageswerk zu nennen: Batterien tauschen – manchmal auch gleich ein neues Anschlussclip dazu wenn die Kontakte oxidiert waren. Selbst batteriebetriebene "Massagestäbe" kamen so auf den Reparaturwagen.

Rasierapparate und Kleingeräte blieben in Einzelfällen unrepariert wenn sich von den Gesellen niemand mehr der Sache annehmen wollte und man meinte der Lehrling soll sich darum kümmern. (Anmerkung: Die Firma gibt es heute (2009) noch! Der Beitrag schildert lediglich eine bestimmte für den Autor relevante Zeitspanne!)

Und wenn der ReparaturgeräteANNAHMEraum, der zugleich der Lagerraum für fertig reparierte Geräte war schon überquoll, dann durfte man zu den in näherer Umgebung wohnenden Kunden hinlaufen und Bote samt Inkassomann spielen. Der Versuch einer Übergabe eines als Toilettpapierspender gestalteten AM! Radios (nur Radio Ö1 war zu empfangen) an einen etwas peinlich berührten Kunden wird wohl unvergeßlich bleiben.    

Hin und wieder stand Aufräumen und Ausmustern in der Werkstatt auf dem Programm wo bunt in einer riesigen Schachtel zusammengeworfene ungeprüfte Module aller Fabrikate und Typen von nachvollziehbarerweise sachunkundigen Lehrlingen neu zu sortieren waren. 

Das dabei auch das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wurde war klar. Besonders gerügt wurden wir, weil wir die Kaskadenanschlüsse (die ja immer extrem schmutzig und klebrig waren) abgeschnitten haben und diese daher nicht mehr zu einem zweiten Leben in einem Reparaturgerät herangezogen werden konnten.

Bild: Beispiel einer Hochspannungskaskade deren Aufbauprinzip deutlich zu sehen ist - Nach Jahren des Betriebes sahen sie leider meist "etwas" anders aus.

Auch gab es einen Raum der zugleich die Werkstattküche war vollgestopft mit alten Ausschlacht TVs die vereinzelt als Gebrauchsfernseher wieder aufbereitet wurden.

 

Wenn ein solcher Gebrauchtfernseher (dessen Verkauf einen nicht unerheblichen Beitrag zum wirtschaftlichen Gesamterfolg darstellte) in der Garantiezeit defekt wurde, so war dies durchaus willkommen, da wie man heute sagen würde ein Upgrade auf ein Neugerät mit Abgeltung des Gebrauchtgerätepreises fast immer zur Zufriedenheit des Kunden vollzogen wurde.

Und der „Gebrauchte“ trat kurze Zeit später nach einer Reparatur wieder seinen Gang zuerst in den Schauraum und alsbald zum nächsten Kunden an. Röhrengeräte aber wurden als Gebrauchtgeräte nicht mehr herangezogen.

Ab und an wenn man in der Werkstatt schon nicht mehr stehen konnte, kamen die Rücknahme Geräte vor die Tür, wo vereinzelt sich Bastler dieser Geräte bemächtigten. Das Groß der Menge wurde aber zur Entsorgung geführt (natürlich auch Minerva 50er Jahre Typen!).

Es war allgemein die Zeit, wo bei vielen der Ersatz des Erstfarbfernsehers anstand (PAL Einführung in Österreich 1. Januar 1969), vereinzelt auch 2. oder gar 3. Geräte im betreffenden noblen Wiener Vorortbezirk angeschafft wurden.

 

S/W war bis auf portable TVs kein Thema mehr – ich erinnere mich aber noch eine Kundin mit Kabel TV, wo wir noch mit einem (schlecht bestückten) Röhrenkoffer ausrückten um den s/w TV zu reparieren. Danach fragten wir uns wie denn das sein müsse – Kabel TV und s/w TV mit UHF Abstimmrad Tuner, wo sie mühevoll die Sender jedes Mal neu einstellen musste.

 

 

Anmerkung: KabelTV war in jener Zeit generell eine "Rauschorgie". Weniger wegen des Pegels sondern aufgrund zumeist schlechter C/N Verhältnisse schon bei der Aufbereitung (VHF & UHF Netz!). Ebenfalls in dieser Zeit wurde ein Teil des Wiener Netzes (Bestand aus 3 Teilen) auf unteres Sonderkanalband erweitert, was natürlich viele Kunden nötigte eine Neuanschaffung zu tätigen.  (siehe dazu auch der Beitrag: Die Geschichte des Fernsehens in Österreich)

Bei einer Kundin blieb mir in Erinnerung – Sie hatte einen alten Minerva s/w TV von uns reparieren lassen, und das wir Ihr keine Empfehlung zur Neuanschaffung eines Farbfernsehers aussprechen wollten, da das Gerät (von einer anderen Firma zuvor noch in der Garantiezeit eine neue Tesla Bildröhre erhalten) ein einwandfreies sehr gutes s/w Bild erzeugte.   

 

Antennenbau:

Im Nachhinein kann man wohl vereinzelt Szenen aus der Trickfilmfigur "Werner - Das muss Kesseln" oä. in dem einen oder anderen Ereignis wiederfinden.

 

Einen offenkundig bleibenden Eindruck auf mich machte wohl der Antennenbau, wo wir fallweise bis zu 5! Mann hoch = Gesamte männliche Firmenbelegschaft auf der Montage waren. Wie bei einem Militärmanöver wurde die erforderliche Ausrüstung kistenweise in die Fahrzeuge verladen - in der trügerischen Hoffnung man hätte dann alles notwendige mit dabei.

Erforderliche Antennen und Masten sowie Montagematerial wurden aber zumeist erst Just-in time, also unmittelbar vor der Montage bei der örtlichen WISI Vertretung gekauft und abgeholt. Als häufig, ausgerechnet für solche Einsätze verwendetes Fahrzeug blieb mir dabei der Privat PKW des Chefs, Simca 1308 o.ä. mit beigen Velourssitzen in Erinnerung! Ich glaube es war der einzige Wagen der damals einen Dachträger oder durch die umlegbaren Sitze mehr Platz für Leiter und Masttransport hatte – die beiden alten Seat Kastenwagen, selbst schon als gebraucht vom Flughafen Wien-Schwechat gekauft hatten diesen nicht.  

 

Zwecks besserer Kommunikation während der Montageeinsätze wurden sogar extra 2 hochwertige 40 Kanal FM CB Funkgeräte im hammerschlagfarbenen Metallgehäuse (Stabo?) mit Akkus angeschafft. (Vor-Handy Zeit!)

Am häufigsten kam die Montage von Dachbodenantennen vor, - immer nur einfache Sachen mit Steckmast und einer Kombiantenne oder maximal je einer VHF und UHF Antenne für Kanal 5 – ORF 1, Kanal 24 ORF 2 und Kanal 34 ORF2 Wien. Im westlichen Wien waren dies Kanal 9 und Kanal 41 (Himmelhof) bis zur jüngsten Umstellung auf DVB-T im Jahr 2007.

 

Außenmontagen mit Wandabstandshalter war seltener. An echte Neumontagen mit Dachdurchführung kann ich mich überhaupt nicht erinnern. Zumeist galt es alte UHF Antennen die nur bis etwa Kanal 28 funktionierten auf Breitbandantennen zu tauschen. In diese Zeit fiel eben die (offizielle) Aufschaltung des "Regionalprogramms Wien" auf Kanal 34.

Bei nur zwei örtlich empfangbaren Programmen und einer noch begrenzten Verfügbarkeit von Kabelfernsehen, dessen Anschluß zudem damals noch als Elitärgalt (Telekabel Wien – ursprünglich Stadteigentum - Beginn 1979 in den „Betonhochburgen“ der Arbeiterbezirke)war man noch echt froh für etwas mehr an Auswahl. (nur 30 Minuten täglich zusätzliches Programm).

 

Einmal nur kam es zu einer Nachrüstung eines alten Philips K9ers auf OIRT 6,5 MHz Tonempfang für Bratislava Kanal 27 – Empfang mit Zimmerantenne :-(  - das Bild aber ließ der Kunde in s/w (SECAM).

 

Frequenz-(Block)Umsetzer kamen vereinzelt bei Gemeinschaftsanlagen zum Einsatz. Das Netzteil von einem ausrangierten Hirschmann Röhrenblockumsetzerkastens ist noch heute in meinem Besitz.

Öfter hingegen wurden Netzteile im Wohnzimmer zur Phantomspeisung des (transistorisierten) Dachbodenverstärkers angebracht.

Die Pegelmessungen wurden mit einem -heute würde ich sagen ausrangierten sprich in die Jahre gekommenen, damals aber weit gebräuchlichen König Typ? Messempfänger mit großem Bildschirm zur Reflexionsbeurteilung vorgenommen. Immer mit dabei eine ewig lange Kabeltrommel, da die Akkus natürlich schon längst hinüber waren und einer der Gesellen mit stolz verkündete er habe diese nun ausgebaut und das Gerät damit etwas leichter gemacht....

Gebohrt wurde damals natürlich ebenfalls nur mit Netzbetrieb – brauchbare und leistbare Akkubohrer kamen erst später auf den Markt. Anfangs war es die allbekannte blaue vielverwendete, in der Bohrleistung aber stets ungenügende Black & Decker Bohrmaschine, bis diese endlich durch einen Spontanentschluss des Chefs durch einen modernen Bohrhammer ersetzt wurde. Gekauft beim (teureren) Werkzeugeinzelhändler ein paar Häuser weiter – die günstigere Werkzeugkette „Zgonc“ lehnte er mit dem Hinweis „auch die kleinen wollen Leben“ ab! (Das war um die Zeit wo gerade Mediamarkt als quasi Konkurrenz zum Einzelfachhandel nach Österreich kam).

 

Signifikant wohl für alle Branchen, wo man mehr für die Kunden aber weniger für sich selbst tut steht der Umstand, das aufgrund Uneinigkeiten mit der Hausverwaltung ein Zugang zur Reparatur oder Neumontage einer Antenne im Haus des Verkaufslokales nicht möglich war. (Der Chef hatte zu jener Zeit generell ein etwas gespaltenes Verhältnis zu anderen Autoritäten, Behörden und Institutionen.) Daher wurden alle Fernsehgeräte mit einer Zimmerantenne die stets extra umgesteckt und neu ausgerichtet werden musste vorgeführt.

Ob diese Handhabe auch den Verkaufserfolg negativ beeinträchtigt hat ist mir nicht bekannt.

Bemerkenswert ist aber, dass Jahre zuvor die Werkstatt (im Visavis gelegenen Haus) aufgrund eines brennenden Fernsehgerätes ausgebrannt war und dabei auch der Antennenverstärker zu schaden kam. Er selbst wurde nie erneuert, sondern mit einem langen, stets extrem dreckigen Koaxkabel direkt aus dem Lüftungsschacht kommend, sind die Fernseher auf Ihren Rollwagen abwechselnd betrieben worden. Das war noch die Testbildzeit!

So nebenbei- die speziell großen Fernseher (Kisten) eigneten sich hervorragend als rittlings benutzbare Sitzfläche um darauf sein Mittagessen einzunehmen....... (Nach heutiger Sichtweise eine nicht ganz optimale Art mit Eigentum von Kunden umzugehen...... und doch gab es noch schlimmeres wie etwa den Fernsehsalto vorwärts/rückwärts im Auto was aber hier nicht in allen Einzelheiten preisgegeben wird.....)  

 

Eine nicht unbeträchtliche Motivation sich im Privatgewerbe so „abzuschinden“ war wohl das recht interessante Trinkgeld, das man zumeist im Außendienst erhielt.

Das spätestens diese Ära aber bereits die Wegwerfmentalität besaß, zeigt z.B. dass das Umrüsten eines Philips Farbportables, den ein Diplomatenehepaar aus Großbritannien mitgebracht hat (nur UHF – mit 6 MHz Ton) schon nicht mehr rentabel war.

Bild: Symbolbild des äußerlich auch in Österreich bekannten Philips Gerätes jedoch in der GB Ausführung nur mit UHF Tuner bestückt und damit Stumm sowie nicht für ORF 1 empfangsbereit 

Das holen von Kaffeemilch, Zigaretten und die Durchführung administrativer Tätigkeiten für den Büro-Verwaltungsbetrieb war ebenso Bestandteil der "Ausbildung".  

Selbstbasteln und Experimentieren war in diesem (Kollegen) Umfeld aber eher nicht angesagt (..."wozu braucht man zuhause ein regelbares Netzteil?"..) und so blieb es bei einem einstufigen Transistorverstärker für meinen noch in der Schulzeit gebastelten Detektorempfänger (mit dem abgewickelten Draht von einem Trafo der neu auf eine leere Toulettenpapierrolle aufgebracht wurde) der von einer Abfallbatterie gespeist wurde, sowie einem NF Verstärker mit LM741 und Endstufentransistor als Universaltestverstärker. 

Während der noch in der Schulzeit mit Holz und Pappe recht schön aufgebaute Detektorempfänger nach Bauanleitung meines damaligen sehr geschätzten Mentors leider nicht mehr in meinem Besitz ist kann ich aber (leider?) ein Bild des Verstärkers einstellen:

Bild: Wahrlich keine ruhmreiche Umsetzung weder mechanisch noch elektrisch. Auch der Klang war sehr besch...eiden, aber dennoch ein Zeitzeugnis und fast alles aus Schrottteilen. Der Kenner sieht in dem Gehäuse ein Abschirmblech aus den Telefunken TV Chassis......   Einen Blick auf das Chassis gibt es hier. 

 

Der Alltag im industriellen Reparatur- und Serviceumfeld

A: Die Ausbildungszeit:

Die Trennung der damaligen österreichischen Berufsbezeichnung "Radio und Fernsehmechaniker" wurde auch Kollektivvertraglich zwischen dem Gewerbe und der Industrie, nicht zuletzt durch getrennte Berufschulklassen und unterschiedlich hohe Lehrlingsentschädigungen, wie auch anschließendem Gehalt als Geselle vollzogen.

Industrie – das waren immer nur Philips und Grundig, nach "meiner Zeit" auch Sony

   Gewerbe - das waren alle anderen, einschließlich die Wiener Elektrogroßmarktketten wie Köck nachmals Cosmos oder Elektro !Haas.

 

Lehrlinge im Einzelgewerbe wurden meist als Allroundkräfte für alle! Arten von Reparaturen in ihren Betrieben eingesetzt, in vielen Fällen auch als Verkaufsunterstützung. Von Köck und Elektro !Haas war eine Art Turnusrad bekannt, welches alle Lehrlinge betriebsintern zu durchlaufen hatten um eine allumfassende Ausbildung zu erhalten.

Bei der Industrie hingegen gab es die Trennung, das neben einer theoretischen Parallelausbildung zur Berufsschule (Duales Ausbildungssystem), bei Philips Wien die aktive Mitarbeit der etwa 15 - 20 Lehrlinge in den Zweigen der Produktion (z.B. Videowerk) während der ganzen Lehrzeit Pflicht war.

In der Lehrwerkstätte Grundig Wien hingegen war (bei max. 10 Lehrlinge pro Jahr mit insg. 3 Ausbildern: Leitung Herr Ing. Rudolf Bäumler, weiters Herr Kurt Pöchersdorfer und Herr Stöckl) während der ersten 3 Jahre ausschließlich der (subventionierte) Lehrwerkstättenbetrieb auf dem Programm.

Lediglich im 3. Lehrjahr und als Überbrückung während einer Urlaubswoche war eine relativ kurze Zeit „Schnuppern“ in der Fertigung angesagt, die mich in die Automatenbestückung, zur automatisierten ZF Abstimmanlage und zu einer der Lötmaschinen führte. Andere kamen ins Betriebslabor, zur Endmontage oder anderen Zwischenstufen der Fertigung.

Im 4. Lehrhalbjahr (3,5 Jahre Gesamtlehrzeit) war dann ausschließlich die volle Mitarbeit in dem von jedem einzelnen selbst zuvor ausgesuchten! Arbeitsumfeld verlangt (In meinem Fall beim Reparaturservice das im gleichen Gebäudekomplex untergebracht war). Ausgenommen war nur die Zeit des einmal wöchentlichen Berufschulbesuchs und eines Donnerstag Nachmittag Englischkurses für den sogar extra ein auswärtiger Trainer engagiert wurde.

 

Auf Computern mit Maschinensprache gefüttert gab es ein Englisch Trainingsprogramm wo man fehlende Wörter zu ergänzen hatte. Danach hatte man sich in einer Art dreier Turnus eine VHS Videokassette anzusehen, mittels der einem die Funktion eines TV's erklärt wurde. Fachvokabel und Phrasen wie "Deflection Yoke, There`s a picture on the TV u.a." werden wohl für immer auf der Festplatte eingebrannt bleiben. Nicht zu vergessen, das sogar eigens ein auswärtiger Englisch Trainer angeheuert war der mit uns etwa 2h unterrichtend kommunizierte. Oder wir mit ihm?: "Let's have a break" war ein nicht selten ausgesprochener Satz in seine Richtung. 

 

Heute würde ich sagen, dies alles war das reinste Paradies für einen Auszubildenden – damals dachte man natürlich etwas anders darüber! 

Davon Zeugnis gebend blieb mir die Erinnerung, das man mir wohl aufgrund mangelnder Aufmerksamkeit beim Fachvideo einmal unverbindlich „Anbot“ doch den Rest des Nachmittags in der Fertigung zu verbringen was ich dankend ablehnte.

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Doch war ich bei weitem nicht der einzige damals, der ab und an den Wert des uns gebotenen nicht ganz erfassen konnte: Anstatt die VHS Kassette mit dem Lehrfilm anzusehen öffnete doch ein Kollege die Kassette ohne das Etikett zu zerstören und spulte manuell das Band jetzt 180° gedreht um. Nach dem Zusammenbau legte er sie wieder ins Gerät. Die nachfolgende Gruppe sah nun den Film zurücklaufend aber synchronisiert! am Bildschirm (Grundig Multinorm VHS Recorder der 200er Serie).

 

Erst Drohungen des Lehrwerkstättenleiters die Polizei einzuschalten welche den Übeltäter mit Analysen der auf der Kassetteninnenseite hinterlassenen Fingerabdrücke zu entlarven hätten, führten alsbald zum reumütigen Selbstbekenntnis des Täters, was ihm ein Lob für das hervorragende technische Experiment, jedoch einen nachdrücklichen Tadel für das menschliche Versagen in dieser Angelegenheit einbrachte.

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Selbiger war auch daran beteiligt Computerprogrammierarbeiten eines anderen ihm wohl nicht so zugeneigten Kollegen dadurch zu sabotieren, indem er einen Schukostecker mit einem extra berechneten Widerstand zwischen Phase und Schutzkontakt versah, der mit etwas Verzögerung den 100mA? FI der Lehrwerkstätte auslösen ließ............

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Der Täter blieb ungeschoren, der geschädigte Programmierer (Er ist heute Selbstständig im IT Bereich) erhielt eine wortstarke Rüge weil er nicht rechtzeitig zum Ausbilder in den etwas entfernt gelegenen Lagerraum gekommen war... Ob mangelnde menschliche Reife, falsch verstandene Solidarität, Furcht oder gar die vielleicht insgeheim vorhandene Schadenfreude uns - also den Rest der "Kameraden" zum Schweigen motivierte sei dahingestellt - Soviel zur Gerechtigkeit im (Lehrlings-)Leben. Wiewohl dieses Beispiel sicher nicht der einzige Fall in diese Richtung war.

Schon lange zuvor lernte man die praktische Bedeutung einer Kondensatorladung und die Sache mit dem Tau kennen. Nämlich dann, wenn ein blauer oder roter WIMA Blockkondensator so mit Alufolie vom verspeisten Jausenbrot beklebt wurde das alle Seiten außen jeweils elektrisch leitend waren. Nun wurde der Kondensator mit einer Diode am Regeltrenntrafo (Grundig RT 5 oä) auf gut 250 V oder mehr aufgeladen.

 

Danach baten einem die netten Kollegen die mit dem Ko wie mit glühenden Kohlen um sich warfen den Ko doch zu aufzufangen....................... .  Spätere Gespräche mit Lehrlingsjahrgängen die vor uns "dran" waren bestätigten, daß dies durchaus nicht unser exklusiv Zeitvertreib war. Auch der Ausbildungsleiter selbst soll ähnliche Vorgangsweisen seiner Schützlinge bisweilen mit Humor genommen haben und gleich darauf in tiefgehende Theorie wie Kapazitätsdefinitionen und Rechenkalkulationen zur Kapazität eines Farads übergegangen sein..... 

Nichts für solche mit einem Herzfehler war auch die vom Berufsschullehrer! Ing. O. V. vorgenommene, heute sagt man wohl „Workshop“ Präsentation, zum Thema Induktion im Labor bei der alle Schüler sich die Hände haltend der Induktionsspannung einer Spule die nach öffnen des Stromkreises eintritt auszusetzen hatten. 

Gespeist wurde der Brocken von einer Spule weit jenseits einem Henry mit einer Nickel-Eisen + Lauge? 12 V Batterie.

Apropos Berufschule:

Als wäre es ein falscher Witz am falschen Ort gehört gerade auch deshalb von den über die Berufschule organisierten Exkursionen berichtet.

 
Zuerst das Offizielle:
 
Dazu gehörte Geschichtsbildend der Besuch des ehem. Konzentrationslagers Mauthausen in Oberösterreich. Auf dem Weg dorthin machten wir Halt im Voith/ÖBB Eisenbahnwaggoninstandsetzungswerk in St. Pölten. Da wir ja Kollektivvertragsmäßig unter Metall Bergbau Energie „liefen“ war der Abstand zur Materie eigentlich ja nicht gar so groß. Verschlissene Kübel(Eimer-)große Eisenbahndieselmotorkolben kamen so als Briefbeschwerer anderswo zu neuer Verwendung. Der deutlichste Kontrast waren die Größenverhältnisse einer solchen Halle, der Lärm, Schmutz und die nichttemperierte Luft im Vergleich zur Grundig Fabrikationseinrichtung wie sicher auch zu dem meisten anderen Elektronikschmieden.
 
Für den angehenden Nostalgiker war auf jeden Fall einiges dabei: Die Werkshalle war alle paar Meter mit einem zur jeweiligen Arbeiterpartie/Brigade zugehörendem Radio bestückt. Natürlich alles UKW tauglich aber vom Röhrengerät ab 1955 wie dem Minerv Baby Minx bis zum All-Transistor der späten 1950/60 und Anfang 70er Jahre war so einiges interessantes dabei.
 
Eine Vitrinenausstellung im ehem. KZ Mauthausen bot dann als Kontrast zum sonstig Gesehenen auch Einblicke für den Röhrenfreund, wobei ich mit meinem Interesse für das ausgestellte Gerät - einem Häftlingsradio ziemlich alleine blieb. Es war ein verm. Einkreiser, der mit den verschiedensten Bauteilen, jedoch auf einem Serienchassis eines Markengerätes aufgebaut war.
Die weiteren Umstände zum Gerät – der Häftling soll für Aufseher etc. deren Radiogeräte repariert haben und das eine oder andere Teil für seine wichtige Nachrichtenquelle einem eigenen KZ Lagerradio abgezweigt haben. Wie das ausgerechnet bei dem Chassis gelungen sein soll blieb mir aber immer ein Rätsel.
 
Das Engagement in dieser Richtung, noch gesteigert durch einen eigenen Sender kennt man auch aus Buchenwald worüber es auch in der Literatur das eine oder andere, zum Teil verklärendes zu lesen gibt.
 
Weitere Exkursionen führten uns mit Herrn Ing. Stiny auf den Mittelwellensender Bisamberg der zu dieser Zeit noch das Vollprogramm leistete und bereits die energiesparende modulationsabhängige Trägerabsenkung (Optimod?) hatte. Beeindruckend blieben die drei übermannshohen langsamlaufenden Schiffsdieselgeneratoren in der Halle mit dem Klinkerboden, die im Umfeld der labilen politischen Situation im Österreich der 1930er Jahre eine Unabhängigkeit vom Stromnetz boten und auch nach Verlegung einer Hochspannungsleitung als Redundanz blieben. Dieser Teil war einer, dessen Sprengung im Gegensatz zu den Sendemasten in den letzten Kriegstagen durch beherzten Einsatz Beteiligter verhindert werden konnte. Die mannsgroßen Spulen und die Antennenanpassglieder mitsamt der reusenförmigen Freileitungssignalzuführung galt es neben der Mischung aus 1930er und 1950er Bauarchitektur (Stichwort: Kathedralen der Technik) zu studieren.
 
 
Großmast Fußpunkt mit Signaleinspeisung vom AnpassungshausReusenzuführung zum kleinen Mast Sender Bisamberg Antennenensemblewürdevoller Straßenname zu Ehren von Oskar Czeija
 
Bilder: Großmast Fußpunkt mit Signaleinspeisung vom Anpassungshaus, Reusenzuführung zum kleinen Mast, Sender Bisamberg Antennenensemble, Bauarchitektur alt, Bauarchitektur "neu", würdevoller Straßenname zu Ehren von Oskar Czeija.
 
Ebenso fanden wir den Weg auf den ORF UKW und Fernsehsender Kahlenberg, dem Hausberg der Wiener, wo wir die Senderstufen besichtigten. Der Sendeturm mit dem Richtfunk blieb uns aber leider nicht zugänglich.
 
Nebenbei:
Diese Senderbesichtigung motivierten mich einige Jahre später spontan und unangemeldet privat beim Österreichischen Kurzwellensendezentrum in Moosbrunn „hereingeschneit“ zu kommen. Ich wurde tatsächlich von einem sehr freundlichen diensthabenden Techniker begrüßt und wie unter Fachleuten herumgeführt – einschließlich dem als Faradayschen Käfig ausgestatteten Labor/Messraum. Selbst ein angebotenes Trinkgeld für das Entgegenkommen wurde abgelehnt mit dem Hinweis er sei ja ohnehin im Dienst.
Mit dieser Erfahrung im Hinterkopf probierte ich das ganze wieder Jahre später beim UKW/Fernsehsender Jauerling in der Wachau Niederösterreich wo ich leider auf einen meinem Ansinnen nicht wohlgesonnenen Techniker traf. (...Keine Zeit, ich habe zu arbeiten....)
 
Eine der letzten Besichtigungen führte uns in das noch am Altstandort Brunhildengasse 1, 1150 Wien vor der Übersiedelung nach Wien 23 fabrizierende AKG Werk.
 
In diesem Backsteinartigen mehrstöckigen altehrwürdigen Fabrikskomplex war noch das Flair dessen zu spüren was man als Teil der "Radioweltstadt Wien" der 1930er bis 1950er Jahre identifizieren möchte.
Fotos der Radiofertigungen die wir im RM.org haben spiegeln sich darin. Bei AKG waren dies natürlich keine Radios sondern vorwiegend Mikrofone und Kopfhörer. Es wurden auszugsweise aus den Elektrolytkondensatorfolienrollen mit einem Materialstärkenmessgerät die Längen, deren Materialstärke im µ Bereich den AKG Spezifikation entsprachen, händisch herausgemessen und dann mit einer Stanze eine Membran herausgeschnitten sowie thermisch wie gewünscht verformt. Kondensatorfolien deshalb, da die benötigten Mengen keine wirtschaftliche Eigenanfertigung zuließen.
 
Dann gab es noch den schalltoten Raum, den man etwas benommen wieder verlassen hat (verlustiger Orientierungssinn).
 
Selbst ein Röhrenmikrofon wie es ohnehin auch heute noch oder wieder alle Hersteller von Rang und Namen im Programm haben wurde uns vorgeführt.
 
Als wir wieder gehen wollten wurden wir aber aufgehalten. Wie sich herausgestellt hat, soll ein besonders wertvolles Mikrofon einer Sonderedition von einem Lehrlingskollegen „günstig“ erworben worden sein. Das diese Aktion hohe Wellen über die Berufschule bis in die Lehrwerkstatt und betroffener Elternhäuser geworfen hat kann man nachvollziehen. Die interne „Kritik“ der Lehrlingskollegen untereinander bezog sich aber dann weniger auf das moralische Fehlverhalten sondern auf die „undichte“ Stelle aus dem Philips Lager.... soweit zu dieser Realität.
 
Nun zum Eingangs erwähnten Witz am falschen Ort:
 
Die erste und zugleich letzte gemeinsame von der Berufschule! organisierte Exkursionsfahrt die ich noch mit der Gewerbeklasse erlebte führte uns – in eine Brauerei! Wir 15/16 jährigen bekamen in einer namhaften Waldviertler Brauerei eine umfangreiche Führung und Einweisung in die hohe Kunst des Bierbrauens. Mit „Metall-Bergbau-Energie“ hatte das kaum mehr was zu tun. Die gelernte Theorie wurde sodann in die Praxis umgesetzt, als der Brauereivertreter jedem Anwesenden drei bis vier Hauptbiersorten Hell/Dunkel etc. in geschätzt je ¼ l Gläsern zum Verkosten gab! Wiewohl ich als Nichtbiertrinker von diesem Angebot kaum Gebrauch machte sind mir die Auswirkungen der Besichtigung bei den Mitlehrlingen dennoch entfallen. In Erinnerung blieb noch die kommunizierte Missgunst des Vortragenden gegen alkoholfreies Bier. Große Exzesse dürfte es aber keine gegeben haben denn dazu waren wir zu kurz dort. Den Ausklang machte dann das Mittagessen und eine Elektrobootsfahrt am Ottensteiner Stausee.

Heute, wo bei jeder österreichischen Supermarktkasse der Alkoholverkauf an Jugendliche zumindest auf dieser Ebene bewusst verhindert wird, erinnert das Erlebte zu sehr an eine Zeit, wo geschätzte Schauspieler wie Hans Moser, Paul Hörbiger & Co. in Österreich eine „weinselige“ Gesellschaft bildeten und Trinkfestigkeit als ein Ideal im Medium Film transportiert wurde. Dieses Ideal war auch selbst bei dem einen oder anderen Berufschullehrer in Fleisch und Blut übergegangen die auch mitunter ihren Namen zum Programm werden ließen...       

Der eigentliche Höhepunkt des (Vormitt-)Tages während der Industrielehrzeit war für viele aber wohl der mobile 9h Essenswagen.

 

Die einzigen Arbeiten die man als Arbeit bezeichnen kann die im Zusammenhang mit der Lehrwerkstätte durchzuführen waren war einmal die Anfertigung einer unendlichen Anzahl an HF Koax Anschlusskabel für die 24h Dauerprüfung der Fernsehgeräte auf dem Band der Endprüfung.

Auf der einen Seite war ein besserer Hirschmann Stecker anzubringen. Am anderen Ende ein spezieller Koax Winkelschraubstecker den man durch ein offenes Blättchen an der Seite innen verlöten konnte.

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Damit auch wirklich alle gute Arbeit leisten, bekam jeder eine Nummer zugewiesen, die er mit einem Schrumpfschlauch dauerhaft lesbar am Kabel anzubringen hatte. Hier übertrieb es der Werkstättenleiter wohl ein wenig denn es sind keine Reklamationen je bekannt geworden.

Später galt es freiwillig, für einige am Samstag Bohr- und Kabellegearbeiten für ein erstes Computer Koax-LAN vorzunehmen da nur an diesem Tag die darunter befindliche Eisenbahnwerksverladehalle ungestört zugänglich war.

 

Die Lehrwerkstatt selbst darf man sich folgendermaßen vorstellen:

Ein eigener im Grundig Stammwerk Wien Meidling (Es gab noch eine schwach besetzte Außenstelle in Wien Kledering) befindlicher Bereich war in drei Haupträume aufgeteilt. Davon der erste – eben für das erste Lehrjahr für die mechanische Ausbildung mit Bohrmaschinen, Drehbank, Schraubstock, Werkplatz etc. sowie in einem davon abgetrennten Bereich die Print-Ätzanlage mit dem Standard Ätzmittel Eisen III Chrorid die man aber nur als grüner „Froschmann“ verkleidet betreten und benutzen durfte.

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Die beiden weiteren fast gleichen waren für das zweite und dritte Lehrjahr vorgesehen und bestanden aus einem „Lehrertisch“ sowie einer etwas größeren Tischfläche für die gemeinsamen Theoriestunden und je 10 Ausbildungsplätze mit je einem GO10 oder GO15Z Oszi, einem in der Lehrwerkstatt entwickelten und gebauten regelbaren Netzteil (0-30V ~1,5 A?) und einem Maschinensprach-Computer (sorry – war nie meins – keine Details möglich – vielleicht finden sich noch Freaks die das ergänzen können). Ein ERSA 30 Lötkolben mit ewig verzunderter Kupferlötspitze (für DUR Spitzen gab es wohl kein Geld).

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Ein einfaches analoges Multimeter, sowie übliches jedoch eher einfach (billig) gehaltenes Handwerkszeug.

Beidseitig über der Tafel waren von der Decke hängend 2 Baustein Grundig Super Color Baustein TVs angebracht, über die an einem Steckfeld links an der Tafelseite wahlweise der Haussender oder das Kabelfernsehen aufgeschaltet werden konnte.

Letzteres war wohl die bevorzugte Variante, die vor allen in den Pausezeiten die Musikvideos auf Super Channel, vereinzelt auch den damals eingespeisten Sky Channel wiedergaben. Super Channel – SAT - Halbtransponderbetrieb - damals ins Telekabelnetz mit wirklich extremen Rauschen eingespeist, war für uns aber „die Welt“ noch bevor es MTV, VIVA, CNN und alles andere uns heute selbstverständliche gab.

 

Für die Lehrlinge gab eingangsseitig links gelegen eine Garderobe mit rund 30 Spinds für alle drei Jahrgänge.

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Die 3 Ausbilder selbst hatten ein eigenes gemeinsames Büro mit je einem Schreibtisch und einem Bürotelefon mit Amtschaltung dessen Gebrauch von Ausnahmen abgesehen weitgehend zweckgebunden war.

Dort besprachen sie administrative Interna und Ausbildungsziele, auch wurden dort allfällige „zwischenmenschliche Verhalte“ mit den Lehrlingen geklärt. Genauso aber auch kurzweilige zwanglose Gespräche über „Gott und die Welt“ untereinander und mit den Lehrlingen geführt.

Ebenso fand dort die Organisation und Auswahl der jährlich mittels Großtests ausgewählten Neuzugänge für die Lehrwerkstatt statt.

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Das der eine oder andere Quereinsteiger sich anderweitig Zutritt verschafft haben könnte darf nicht ausgeschlossen werden. Der Autor selbst kam nach einer „schweren Geburt über das privat Gewerbe“ dazu wie die „Jungfrau zum Kinde“ und legt dafür lebendes Zeugnis ab – natürlich mit streng durchgeführter 2. Aufnahmeprüfung!

 

Sinngemäßes Zitat des Ausbildungsleiters gegen Ende der Lehrzeit, nachdem er sich von einem, dafür freiwillig gemeldeten Lehrling eine Analyse aller bisher durchgeführten Tests seit den 1970er Jahren vorlegen ließ: „Die, die wir damals abgewiesen haben – die hätten wir heute gerne – aber die gehen jetzt alle aufs Gymnasium oder auf die HTL (Höhere techn. Lehranstalt).“

 

Im Büro der Ausbilder – es war übrigens der einzige Raum mit Teppich stand gleich links beim Eingang das Fragment eines Telefunken FE VI Fernsehers umgeben von einem schützenden Plexiglas Sarkophag.

Vervollständigt und in Betrieb genommen wurde das Gerät nie – der jetzige Verbleib nach dem Verkauf der Werkseinrichtungen an die türkische BEKO Gruppe ist ungewiss (Er steht im technischen Museum 8/2009).

Bild: 2009er Nachweis des überlebenden Telefunken FE VI wie er in der Grundig Lehrwerkstätte stand, Dank an (C) Bildspender Herrn G. Poetschke

In die Lehrwerkstatt soll er gelangt sein über eine frühere Verkaufsaktion, wonach die Besitzer für die Rückgabe eines Altgerätes einen Betrag X als Gutschrift für den Kauf eines neuen Grundig TVs bekamen.........

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Die Lehrwerkstatt beheimatete auch das „Museum“, das in einem der Säle auf Regale gestellt untergebracht war.

 

Echte High-lights kenne ich keine – in Erinnerung blieb das „Minerva Glotzauge“ – ein eher hässliches TV Gerät mit hervorstehender Bildröhre und mit Knöpfen wie ich sie nie wieder wo gesehen habe.

Ein Telefunken Kurier Radio aus den 1930ern wo ich mich immer nach der fehlenden Skalenscheibe erkundigt habe ;-).

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Das Minerva 569? TV-Radio Kombistandgerät das von Lehrgangsvorgängern wiederinstandgesetzt und von Lehrgangsfolgenden neu lackiert wurde stellte wahrscheinlich die Krönung dar.

 

In Erinnerung blieb mir die Schilderung, wonach der im Museum aufgestellte Eumig? Wehrmachtsmesssender der ein Bestandteil des früher bei Minerva Wien 7 verwendeten Radio Haussenders zum Geräteabgleich gewesen sein soll.

Ein paar Radios und s/w Fernseher sowie der erste Minerva PAL Farbfernseher Typ 680 waren noch da. Den kleinen Minerva Mirella und einen spulenmäßig zerzausten Detektorempfänger behielt der Ausbilder gut verschlossen abseits – er wird wohl gewusst haben warum.

 

Eine spätere, geschätzt Ende der 1990er Jahre privat organisierte Begehung mit Minerva Spezialist Herrn Fritz Czapek und mir bestätigte, das es (zu dieser Zeit) eher eine "Wald- und Wiesensammlung" zufällig eingelangter Geräte war.

Was es noch gab, das war ein zwei geschoßiger Lagerraum, der im Wesentlichen aus alten (ausgemusterten) Messmitteln wie etwa einem Schwebungssummer, manchmal aber auch aus selten verwendeten besseren Messgeräten wie etwa Farbbalkengeneratoren und Frequenzzählern bestand. Oder aus einem sauschweren auf eigenem Wagen fahrbaren EMI Vollröhren Oszi auf dessen Vorzüge ich noch zurückkommen werde.

Ebenso gab es in dem Lager in der Produktion nicht nur nicht mehr benötigte Einzelbauteile wie Kondensatoren, Widerstände usw. sondern auch ganze Baugruppen die nicht mehr in der Produktion zum Einsatz kamen, wobei mir die massenhaft vorhandenen IR-Empfänger Patronen im Gedächtnis blieben.   

Diese deshalb erwähnt, da ich mit einem Kollegen in Zusammenarbeit mit dem Ausbildungsleiter einen solchen Empfänger mit einer Invertier bzw. Treiberstufe und IR Diode ergänzt und zu einem Fernbedienungsrepeater erweitert haben den wir auch nach Hause nehmen durften. Was heute X mal bei Conrad & Co. gekauft werden kann war dann zu Hause ein einzigartiger besonderer Komfort als damit der Familieneigene Grundig VS400 VPS Videorekorder vom Jugendzimmer aus bequem gesteuert werden konnte....   

 

Wie war nun der Tagesablauf während der Lehrzeit?:

Zum Einen war da einmal der Kontrast zur Privatwirtschaft auf den ich kurz eingehen möchte, man darf dabei fast von einem Kulturschock sprechen.

Im Gewerbe erhielt man für weniger Lohn (Lehrlingsentschädigung - Im Sinne des Wortes ursprünglich gedacht zum Ausgleichen der Spesen in Verbindung mit der Ausbildung) die Forderung mehr zu Arbeiten. Hinzu kam, der nicht immer angenehme Kommunikationston der einem auf ein klares hierarchisches Gefälle innerhalb der Belegschaft hinwies. 

Anders in der Industrie – Man erhielt ohne Arbeiten zu müssen einen höheren Geldbetrag (leider jetzt ohne Trinkgelder - von wem auch – etwa von den Kollegen?) und war plötzlich der Herr sowieso und wurde von den Ausbildnern ausnahmslos mit Sie angesprochen.

Wenn man gewöhnt war, das eine Geldleistung in Abhängigkeit von der Arbeitsleistung und allenfalls der Freundlichkeit und Höflichkeit einem Kunden gegenüber ausbezahlt wurde, so muß man diese neuen Regeln tatsächlich einmal verkraften können.

Neben dem Eingewöhnen auf die neuen sozialen Spielregeln und der sprichwörtlichen "Hackordnung" in einer aus 10 Leuten bestehenden Lehrlingsgruppe war doch ein deutlicher aber nicht unüberbrückbarer Niveauunterschied zwischen dem theoretischen Stand der Ausbildung im Privatgewerbe und dem Stand der Ausbildung in der Industrie vorhanden, der erst einmal wettgemacht werden musste.

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Es betraf dies in meinem Fall die Thematik um den Magnetismus samt Schwingkreis sowie Transistorgrundlagen zu denen wir im Gewerbe gerade erst gekommen waren und es wie aus ersterer Schilderung hervorgeht an der theoretischen Lernunterstützung leider gerade in diesem Bereich durch den Betrieb ermangeln lies.

Zum Einstand bei Grundig brachte ich auch gleich ein Nicht-Genügend (5 - schlechteste Note) in Fachrechnen mit, was sich aber über die Zeit wie auch in den anderen Gegenständen auf Höhe der Note Gut (2 - zweitbeste Note) regeneriert hat.

Ebenso fehlte mir der vollständige mechanische Ausbildungsteil (Ironie des Schicksals – Genau von der Anwendung nicht gelernten Wissens lebe ich heute -2007) welcher so man mir versicherte, wenn ich ihn nicht nachhole zum Scheitern bei der Lehrabschlussprüfung führen würde. Nachgeholt (Lehrjahr wiederholt) wurde nicht.

Eine zufällig kurz vor unserer Jahrgangslehrabschlussprüfung durchgeführte Änderung in den Anforderungen an einen Radio- und nunmehr Videoelektroniker – Mechaniker war einmal... strich generell den gesamten mechanischen Teil der Abschlußprüfung. Bei der späteren Meisterprüfung war er seltsamerweise wieder dabei. Selavie......

Das man als Grundig Mitarbeiter nachdrücklich „eingeladen“ wurde Gewerkschaftsmitglied zu sein sei nur so nebenbei erwähnt. Da ich bereits im ersten Gewerbejahr einer diesbezüglichen Werbetour der Gewerkschaft in der Berufschule gefolgt war gab es für mich in dieser Hinsicht keine Überraschung.  

 

Der Alltag:

Nach dem Stempeln und Umziehen - Arbeitsbeginn ~7:45? in etwa war einem rund eine Stunde Zeit, manchmal auch mehr zur selbst organisierten Theorievorbereitung eingeräumt. Diese Theorie bezog sich hauptsächlich auf den Stoff der parallel zur Berufsschule und jetzt in der Lehrwerkstatt quasi vertiefend erarbeitet wurde.

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Der Theorieunterricht selbst begann um etwa 9:30 bis zur Mittagszeit und Bestand aus den wie ich denke gut strukturierten Grundig Unterlagen für die Lehrwerkstätte(n) – Der größte Teil davon kam aus Deutschland Fürth – einzelne Abwandlungen wie die Digitaltechnik wurden/waren zum Teil auch vom 3. Ausbilder selbst erstellt.

Zuvor erhielt daher stets ein Lehrling den Auftrag in die am anderen Ende des Werkes im Bürotrakt befindliche Kopierstelle zu gehen und von der Originalvorlage je 10 Kopien als Lernmittel für die Lehrlinge anzufertigen. Für diesen Weg konnte er den Freigang über das Dach des Speisesaals nehmen oder den etwas weiteren Weg zuerst durch die Lackiererei und Kunststoffpressung in der Fabrik hinunter, dann durch den Speisesaal selbst, und dann wieder hinauf beim Servicebereich vorbei bis er im Bürotrakt der Verwaltung war. 

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Das anschließende Lochen der Unterlagen sowie das Organisieren und Beschriften eines eigenen Ordners hierfür ist mir noch geläufig. Als „Sparefroh“ waren vereinzelt meine Unterlagen deshalb auch nur mit Draht! zusammengebunden.

Der Stoff selbst wurde in einer Art gemeinsam zu findenden Aufgabenlösung zu einem bestimmten Zweck zumeist lebendig dargebracht, wo man sich durch zuhören und ergänzen einbringen konnte und vereinzelt auch dem Ausbildner auf neue Wege der Lehrstoff Vorbringung brachte. Zumeist lockere mündliche Zwischenprüfungen zeigten dem Ausbilder inwieweit der Stoff schon „saß“.

Zum Analysieren der Bauteilfunktion einer Radioschaltung sind wir zum Beispiel den Minerva Mirella Transistorradio Bauteil für Bauteil durchgegangen und analysierten ob man ihn weglassen kann oder nicht – Die Forderung eines Lehrlings die Theorie nun in die Praxis am vorhandenen Gerät umzusetzen wurde im Sinne des Radiomuseums dann doch entschieden angelehnt. Oder intensive Schaltungsanalysen aller Baugruppen am Beispiel des Minerva 680 PAL Farb-TV wo noch alles diskret und damit einfach zu erkennen in Röhren-Transistor Hybridtechnik aufgebaut war.

 

Ein kurzer Abschweifer: So umfangreich wir Farbfernsehtechnik auch durchgenommen haben – das wirklich wesentliche verstanden habe ich erst durch den am Ende einer Berufsschul- Unterrichtsstunde von Herrn Ing. Martin Stiny beiläufig erwähnten Umstand, wonach der unterdrückte Farbträger auf das Helligkeitssignal aufgesetzt wird und nur die Art seiner Modulation auf die angewandte Norm verweist. Erst danach war die zuerst erlernte Theorie für mich voll verständlich verwertbar.

 

Nachmittags war dann meist so etwas wie Praxis angesagt die man sich oft relativ frei wählen konnte.

Dazu wurden gerne defekte Fernsehgeräte oder andere Apparate von den Lehrlingen wie auch dem Ausbildungspersonal, oder der Geschäftsleitung nahestehende Personen herangekarrt, die es galt kostengünstig sprich gratis zu reparieren. Der hohe administrative Aufwand wie etwa eine eigene Geräteanmeldung und Begleitscheine wie auch das im Werk weitläufige Herumführen der Geräte beschränkte den Einsatz dieser günstigen Reparaturmöglichkeit wirksam. Nach meiner Zeit soll sie dann auf Intervention der Serviceleitung gänzlich eingestellt worden sein.

 

Für mich, der sich schon damals ganz dem Thema Fernsehen verschrieben hat bedeutete dies die entsprechende Einsichtnahme in die einschlägige Gerätschaft zudem mir der Ausbilder persönlich Servicetricks für die ersten Hybridchassisgerätegenerationen und anderes vorführte.

Man hatte dafür viel Zeit und eben auch die notwendigen Messmittel aus dem angeführten Lagerraum sowie zumeist unterstützende Ausbilder.

 

Ein anderer Jahrgangskollege beschäftigte sich mit der Dekodierung der Grundig IR Fernbedienungsbefehle und arbeitete die Steuerungsfunktionen mit Hilfe des Tischcomputers zur NF Verstärkersteuerung eines Radios um. Heute trägt dieser den Titel Dipl. Ing.

Wieder andere waren ganz auf die Computerei versessen und bedienen auch in diesem Bereich vielfach ihr heutiges Berufsfeld.

Es gab aber auch solche die NICHTS taten – in der Früh den Theorieordner auspackten, auf den Tisch stellten und Nachmittags wieder wegräumten. Heute ist jener als Flugzeugwartungstechniker bei einer privaten österreichischen Airline tätig!

 

Das verschiedene Geräte wie zum Beispiel ein Eumig Metropoliten Kassettendeck mit Steuerungsfehler, oder alte Philips VCR Recorder mit dem Ziel des Umbaues der mechanischen Bandzählwerkanzeige in eine Digitalanzeige mangels Engagements seines Proteges als Leichen übrig blieben braucht man nicht zu beschönigen und darf man als akzeptablen Kollateralschaden der Ausbildung hinnehmen. Des weiteren wurde unserem Jahrgang nachgesagt wir hätten (ich selbst hatte nie einen) den größten Verschleiß an den damals beliebten Sharp PC-1403er Taschencomputern gehabt (deren selbsternannte Reparaturspezialisten einigen Szenen aus Serie „Familie Feuerstein“ alle Ehre gemacht hätten)

 

Auszugsweise als wirklichen Pflichtauftrag erhielt jeder die Anweisung einen galvanisch gekopelten Breitbandverstärker gemäß Vorlage aufzubauen, durchzumessen und eine Dokumentation zu erstellen.

 

Ebenso war gedacht auf Basis eines modularen Einschubsystems die sogenannte Grundig Endstufe zu bauen – mit selbst entwickeltem Print etc. und in Folge wie mit zuvor angeführten Verstärker zu verfahren. Es waren nur wenige – ich gehörte dazu, die ihn tatsächlich vollständig und funktionstüchtig fertig bauten. Andere verloren die Lust und da der Nachdruck seitens des Ausbilders hier nicht allzu spürbar war blieb es vielfach bei Baustellen.

 

30 Watt Grundig Endstufe im A/B Betrieb, aufgebaut als fiktiver Einschub für ein universelles 19" Einschubsystem für Schulungsaufbauten welches aber zumindest in unserem Lehrlingsjahrgang Theorie blieb.  Detailbeschreibung folgt. Eines der Ziele:  So wenig Drahtbrücken wie möglich.

 

Überhaupt war auch vom Lehrwerkstättenleiter die Idee, gepaart mit Selbstlob angedacht, fertige Schaltmodule und Einschubmodule herzustellen, die in Summe für verschiedene Projekte als Grundlage eingesetzt werden könnten. Zumindest in meinem Jahrgang war leider von Gemeinsam und Projekt bezogen auf diese Sache hin nichts zu spüren. Ein Oszillator wurde einmal aufgebaut mit der Absicht diesen über ein Sägezahnsignal zum Wobbler hochzurüsten. Da dafür um je 20 Schilling 10 Stück Kapazitätsdioden zu kaufen gewesen wären wurde aus Kostengründen das Projekt auf Eis gelegt. 

Wiewohl die Werkstätte um 1977 bei Bau der kompletten Fertigungsanlage eine gute bis sehr gute Erstausstattung erhalten hat war es dennoch so, das wie man uns berichtete die ersten Jahre man damit "überlebte geeignete Lehrlinge mit Sonderauftrag" zum Ersatzteilverkauf des Service zu entsenden wo benötigte Einzelteile unter einem Gesamtwert von etwa 10 Schilling erst gar nicht verrechnet wurden da der Verwaltungsaufwand größer gewesen wäre. Sicher alles sehr zur Freude des Ersatzteilverkaufs. 

 

Ich glaube man hätte auch die Hausaufgaben und Prüfungsvorbereitungen für die Berufschule in der Werkstätte machen können was aber in der Praxis nie? oder höchst selten vorkam. Daher braucht es einem nicht zu überraschen wenn unser Grundig Jahrgang – andere entziehen sich meiner Kenntnis, zumindest phasenweise in der Berufschule im Vergleich zu den Philips Leuten die einen anderen „Druck“ hatten eher schlechter abschnitt. So hat man es uns zumindest verkauft was auch den subjektiven Eindrück in der Berufschule bestätigt.

 

Ungeliebt war auch die Aufgabe, theoretisch täglich, – praktisch der Not oder besser der Pflicht gehorchend einmal wöchentlich zumeist am Freitag den Ausbildungsnachweis zu schreiben der zumeist in einer Märchenstunde mündete da ja der eine oder andere tatsächlich nichts gemacht hat und die anderen vergessen hatten was sie gemacht haben.

Kontrolliert wurde soweit in Erinnerung nur die Existenz und der Umfang des Nachweises, der Inhalt selbst wurde selten prüfend hinterfragt und wenn dann war dies meist ohne nachhaltige Konsequenz. Anders verhielt es sich da schon beim wöchentlichen Saubermachen und dem Reinigen der Räume – da hatte man mitunter nichts zu lachen wenn es „Konvergenzprobleme“ hinsichtlich Vorgabe der Ausbildungswerkstättenleitung und der tatsächlich durchgeführten Leistung gab.

 

Als Baustein Kurse, die in der Werkstatt systematisch durchgenommen wurden seien ohne Anspruch auf Vollständigkeit der Tonband, Messtechnik, NF Kurs, HF Kurs, Fernsehkurs, Videokurs und Digitalkurs genannt.

 

Für letzteren gab es einen in der Lehrwerkstatt selbst gebauten Baukasten bestehend aus Anzeigen und allen bekannten Gatter Bausteinen einschließlich „Nimmer“ & „Nie“ die entsprechend verschaltet werden konnten. Das größte Projekt war meines Wissens eine selbst erdachte Kreuzungsampelsteuerung einschließlich dem dreimaligen Grün blinken vor dem Gelbumschalten wie in Österreich üblich. Zähler und andere Testaufbauten gehörten auch dazu.

 

Irgendwann kam mir gemeinsam mit einem enger zusammenarbeitenden Ausbildungskollegen der Gedanke auf, das es doch möglich sein müsse mit einem Oszillografen fernzusehen.

Das sich die Horizontal und Vertikalablenkung irgendwie aus einem Fernseher herausfiltrieren lassen muss war klar – nur für die Bildheligkeitssteuerung benötigte man eine modulierbare Z-Achse. Diese hatte der Standard Oszi am Arbeitsplatz nicht und auch der größere GO40? war glaube ich zwar modulierbar, hatte aber mit 4kV ? eine zu geringe Beschleunigungsspannung als das man ein sichtbares Raster hätte schreiben können.

Hier kam das bereits geschilderte hochehrwürdige EMI Oszi (vermutlich ursprünglich aus dem Minerva Betriebslabor stammend) zum Zug. Neben einer hohen Beschleunigungsspannung und daraus resultierender Helligkeit gab es eine Brücke im Leitungsweg der Z-Achse die man entfernen und mit einem Videosignal belegen konnte.   

Als Signalquelle diente ein gerade servicierter Grundig Super Color mit 110° Bildröhre, dem fliegend der Horizontalrückschlagimpuls abgenommen wurde und für die Vertikalablenkung man sich an den Ausgang der Vertikalendstufe heranmachte. Der Kenner wird jetzt lachen – heraus kam ein total zur Unkenntlichkeit verzerrtes Bild, da der Oszi natürlich eine lineare Ablenkspannung benötigt hätte die der TV aber nicht bieten konnte. Nach der theoretischen Abhandlung mit dem Ausbilder über das was hier los sei wurde ein Weg gefunden parallel zur TV Schaltung eine Sägezahngröße zu erzeugen die dann ein brauchbares klarerweise grünes Bild ergab. Mit im Studium dabei war dann gleich das Thema Rücklaufstreifen, Kissenentzerrung und ähnliches.  

 

So nebenbei hatte das Gerät als einziges in der Werkstatt eine -ich hoffe ich treffe die Bezeichnung noch richtig - frei veränderbare Zeitbasis mit zehngang Poti die auch ohne externen Zeilenselektor die Auswahl einer bestimmten Fernsehzeile, speziell die im Umfeld der Vertikalaustastung sichtbar machte und diese sodann einer eingehenden Analyse unterzogen wurden.

 

Später wiederholte ich dies im Reparaturalltag mit dem Grundig Zeilenselektor und war enttäuscht wie dunkel das Signal auf einem normalen Oszi war. Nicht viel besser erging es mir dann Zuhause, wo ich mit dem ELV Zeilenselektor Bausatz die vertikalen & horizontalen SECAM Kennimpulse und erste Teletext-Videotext Zeilen des slowakischen Fernsehens erkundete.

 

Damals für uns so gut wie selbstverständlich – heute schätzte man solche Werte umso mehr, wurden alle fertig ausgebildeten Grundig Lehrlinge vom Werk oder vom angeschlossenen Service übernommen so sie es denn wollten.

Danach arbeiteten sich einige im Bereich des Vertriebes hoch wo Sie nach der bekannten Zwangsunterbrechung jetzt mit neuem Schwung wieder begonnen haben.

 

Etliche von Ihnen, aus den verschiedensten Jahrgängen blieben auch mit „im Hintern eingebrannter Inventarnummer“ bis zum Konkursverkauf gerne dort und waren Teil dessen was man als die Grundig Familie bezeichnen konnte. Mit eigener Werkszeitung, bevorzugten Einkaufskonditionen, Betriebsarzt, Betriebsküche, Betriebsrat und allen was dazu gehörte.

 

Nach meinem späteren Fortgang zu Sony ~1992 wurde die Kapazität des Fernsehwerkes nochmalig erweitert und auch die Lehrwerkstätte bekam eine umfangreiche Erneuerung verpasst. Speziell die EDV – PC Ausbildung erhielt den Platz den sie in der damaligen und umso mehr in der heutigen Elektronik einnimmt.

 

Ein späterer Lehrwerkstatt Absolvent Herr Josef H. schreibt mir über seine Zeit:

„Ich habe 1995 ein Lehre als Radio u. Fernsehmechaniker bei Grundig begonnen, wo ich auch bis zum Konkurs beschäftigt war. .........

Hr. Pöcherstorfer war übrigens auch mein Ausbildner- in Sachen Röhren war ich jedoch auch oft gemeinsam mit Hrn. Bäumler am tüfteln.“ Das darf auch ich bestätigen bei technisch historischen Fragen war Herr Bäumler DER Ansprechpartner!

„Wie Sie sich möglicherweise erinnern können, stand ja auch im Grundig Studio ein Minerva 569. Dieses wurde während meiner Lehrzeit von Hrn. U. und mir komplett zerlegt und neu lackiert.“

 

Reparaturalltag im Fernsehservice der Industrie:

Während es im privatwirtschaftlich geführten Gewerbebetrieb meines Wissen keinen einzigen Bildröhrentausch jemals gab und den Röhren die schon etwas „müde“ waren mit dem Bildröhrenregeneriergerät auf die Sprünge oder besser gesagt zur erhöhten Leuchtkraft geholfen wurde war hingegen bei Grundig grob geschätzt jede Woche mindestens ein Bildröhrentausch und dieser fast immer auf Garantie angesagt. Eine Aufgabe die man gerne den „Neuen“ überließ, bestand doch die meiste Arbeit aus Schrauben und zuvor einem Ausblasen des Gerätes mittels Druckluft in einer eigens dafür geschaffenen Kammer, die wiederum selbst baulich getrennt vom Fernsehservicebereich aufgestellt war und eine ohrenbetäubende Absauganlage beinhaltete.

An Schutzkleidung für mit Bildröhren hantierende Mitarbeiter entsinne ich mich nicht – es ist mir aber auch kein Fall eines Röhrenbruchs vom absichtlichen Luftholen über den Sockelstutzen abgesehen je bekannt geworden.

Der Rest war dann Lötarbeit am Jochstecker, anbringen der Degausierung – Wiedereinbau des Chassis (zumeist CUC 3400er Serie deren Paralleltypen und erste Nachfolger) Warmlaufen und Geometrieeinstellung samt G2 Spannung und Fokus. Ein justieren der Weißwerte war nicht erforderlich und Konvergieren zum Glück ebenfalls nicht mehr.

Das war dann in Folge immer eine Glaubensfrage wenn man das Bild auf Kanal 27 oder R1 dem Slowakischen STV 2 & 1 – Werkstattintern dennoch stets als „Tschechen“ oder „Behm“ bezeichnet eingestellt hat, da dieser einen Horizontalversatz von geschätzt einer halben µS gegenüber dem ORF Testbild hatte. Da die Geometrie aber fast immer auf Sendetestbilder justiert wurde und kaum auf das von Farbtestbildgeneratoren oder des Haussenders der wiederum einen leichten Offset hatte und der ORF schon „früh“ seinen Programmsendebeginn hatte blieb keine Alternative.

Ansonsten kenne ich noch häufigere Tunerfehler der im Fehlerfall grundsätzlich im Tauschverfahren ersetzt wurden. Es oblag aber auch dem Einzelnen ob er sich „hineinmessen“ wollte um den meist defekten SDA32XX? PLL IC oder einen defekten Quarz zu ersetzen.

Selbiges galt für die Module wie RGB oder Vertikalbaustein den man tauschen oder selbst reparieren konnte. Das hing mitunter auch davon ab ob und wie viel man „Zeit“ für den Arbeitsnachweis brauchte. Netzteile – als Besonderheit sei das Schaltnetzteil mit integriertem Zeilentrafo !erwähnt – der spezielle Begriff ist mir entfallen - und sein bestimmtes 1k Preh Trimmpotentiometer das als Serienfehler zu tauschen war. Sonstiges Nachlöten von den üblichen Verdächtigen gehörte natürlich auch dazu. Bei den billigeren Geräten war auch häufig der Lautsprechertausch, der Tausch der Kopfhörerbuchse und das Erneuern der fast immer abgebrochenen mechanischen Rückhalteklammer bei der Abstimmklappe von Nöten. Fallweise kamen natürlich auch knifflichere Fehler vor die vereinzelt auch als Teamwork gemeistert wurden.

 

Für mich war das interessante in dieser Abteilung, das gebe ich gerne zu, die freie Verfügbarkeit von Fernsehen, das zwangsweise immer nebenbei lief, was nicht heißen soll man hätte nichts gearbeitet.

Kabelfernsehen hatte anfangs die Serviceabteilung nicht obwohl es im Haus verfügbar war, was aus den Grabenkämpfen der jeweiligen internen Kostenstellenzuordnungen hervorrührte. Später kam es dann glaube ich zu so etwas wie einem internen „Schwarzanschluß“.

 

Daher gab es also den nur in seltenen Fällen benützten Haussender aus der Produktion mit seinen X Testbildern bei denen auch SECAM L und NTSC M dabei war, wie auch ein spezielles Bild das ein künstliches Aussetzen der Synchronisation hervorrief um damit den Bild und Zeilenfang auf Optimum zu justieren. 

Meist jedoch ist mit der Umsetzeranlagen-Hausantenne gearbeitet worden die neben ORF 1 & 2 auch die OIRT SECAM Programme MTV1 auf R9 aus Ungarn sowie die erwähnten STV1 & STV 2 Fernsehbilder aus der politischen Wendezeit brachte.

Exkurs: Der hauseigene Testsender war in einem über eine steile Metallstiege erreichbaren Raum über dem Kantinenbereich untergebracht. Zwei mal führte mich nach meinem Ausscheiden der Weg in diesen Raum der vom Betriebslabormitarbeiter Herrn Ing. Kö? mitbetreut wurde. Es könnten Rohde und Schwarz Sender gewesen sein. Als Besonderheit wurden manche Kreise redundant auf gleicher Temperatur gehalten, um im Fall des Ausfalls der Hauptgruppe den gleichen sprich nicht mehr vorhandenen Frequenzdrift zu garantieren. Bei ~1.000 und mehr hergestellten Geräten pro Tag wären die Folgen eines Fehlabgleichs einzelner Baugruppen nicht unerheblich gewesen. 

Zu Beginn nur nebenbei, später dann ganz war ich für die Reparatur von Satellitenreceivern sowie Kopfstellenmodule verantwortlich.

Hiezu war auf dem Dach eine feststehende 1,5 m SAT Antenne montiert. Ausgerichtet auf den ECS 10° Ost mit ausgesuchten 2,5 dB! Rauschmaß LNCs erfolgte eine getrennte Vertikal - Horizontal ZF Verteilung bis an meinen Arbeitsplatz.

Einer meiner Lehrlingsvorgänger & späterer SAT Techniker Herr P. hatte zum Netzteiltest einen Tuner "ausgeräumt", und mit Entkopplungsspulen, Belastungswiderständen und einem einfachen Meßinstrument versehen zum LNB-Dummyload sowie einfach und rationell handzuhabenden Schnellanschlußterminal umfunktioniert.    

Zuhauf gab es bei den SAT Receivern der ersten Generationen STR200, dem STR201 und baugleicher Geräte Netzteil Ausfälle, Störungen im Ton ZF Bereich, verlorengegangene Speicherinhalte und nicht zuletzt defekte Tuner und Modulatoren. Das war besonders intensiv bei den 24h in Betrieb stehenden SAT/CCIR PAL Umsetzerkassetten der Fall die sehr häufig „taub“ waren. 

Auch hier hatte man die Wahl ganze Module zu tauschen, oder mit etwas Ehrgeiz sich „hineinzumessen“ und defekte Vorstufen FET Transistoren, PLL ICs etc. zu suchen und zu tauschen. Das Netzteil auf der Grundplatte blieb sowieso immer Einzelarbeit.

Sodann mehrten sich Beschwerden wegen des starken Flimmerns bei Astra Empfang was ein willkommenes Umstellen der SAT Anlage auf die bekannten 19.2 Ost erfolgen ließ und ein noch breiteres Programmspektrum dem geneigten Techniker bot.

Was folgte, waren vielfache mehr oder weniger erfolgreiche Anweisungen vom Werk, wie die störenden offiziell als 25 Hz Verwischungsfrequenz zur Schonung der terrestrischen Richtfunknetze? bezeichneten Dreiecksignale auf den ASTRA Transpondern möglichst neutralisiert werden konnten. Ein heute kaum mehr bekanntes generelles Problem jener Zeit!

Die Beanstandung von defekten oder zumindest driftenden Modulatoren (Problem mit Zenerdiode u.a.) deutet auf damals noch nicht intensiv genutzte oder verbreitete Scartanschlüsse hin.

RTL, SAT 1, zuvor kurze Zeit auch Teleclub - nachmals Premiere und vieles mehr war jetzt greifbar nahe gerückt – Zuhause hatten wir das damals leider noch nicht!

 

Dann kam das massenweise Nachrüsten von Premiere/Teleclub Decoder Einschleif Buchsen.

Ein ungern gesehenes Gerät war hingegen der Positioner STP201 mit 50 speicherbaren SAT Positionen – zum synchronen Steuern von SAT Drehanlagen gemeinsam mit dem STR201 ein 99! Programmspeichergerät – heute unvorstellbar. Neben harmlosen Netzteilfehlern oder vergesslicher Speicher zum Wiederauffinden der SAT Position kam es sehr häufig zum Verzählen der vom Motor kommenden Reedkontaktimpulse.

 

Umbauanweisungen halfen die Auswirkungen etwas zu lindern. Simuliert wurde das ganze mit einem Antriebsmotor montiert auf einem Brett mit aufgezeichneten fiktiven Positionen die man immer wieder anfuhr.

Als aber dann der Grundig STR300 SAT Receiver mit integrierten Positioner auf dem Markt und damit in unserem Service erschien, wurde der Ruf nach einer eigenen Drehanlage laut. Erhört wurde er aber erst umgehend als der Grundig DSR-100 Digitaler Satelliten Radio Empfänger im Service erschien der wahlweise am Kabel oder am 480 MHz SAT ZF Ausgang einer breiten Anzahl an Grundig SAT Receivern angeschlossen werden konnte. Nur bedurfte es dazu des Satelliten Kopernikus 23° Ost, heute ist die Position als ASTRA 3 bekannt.

Wo man zuvor gezögert hat schoss man dafür jetzt über das Ziel hinaus.

„Zitat: Mit der Anlage wollen wir alles machen können!“          

Das alles beinhaltete zum Einen einmal im wahrsten Sinn des Wortes alle – also wurde als Spontantat in Serienverteilung die SAT ZF über unzählige Anschlussdosen bis in den hintersten Winkel der Werkstätten gebracht um dann erstaunt festzustellen das schon nach der dritten Dose kein brauchbares Signal mehr anstand. In Ernüchterung dieser Erkenntnis zog man eine extra Leitung in die am entferntesten gelegene Audio Werkstätte um dieser Abteilung auf Abruf ein DSR ZF Signal vom STR300 zur Verfügung zu stellen. Schlimm wenn die das wollten während gerade ein guter Film lief.......

Am Dach des Speisesaals neben der feststehenden Antenne wurde also eine 140 cm Triax? Antenne von einer Fremdfirma vormontiert, die ich mit einem Kollegen auf richtigen Azimut, Elevation und Deklination zum Abfahren des Clarke-Belts justieren sollte. Nachdem wir mit Fernseher, Receiver, Anleitungen und Stromverlängerungstrommel bewaffnet einen halben Tag mit nur mäßigen Erfolg dort oben verbrachten wurde später doch noch ein Fachunternehmen mit der korrekten Justage betraut.

 

Zwischendurch wurde ich mit Kollegen zweimal zur Schulung zum Grundig Stammwerk Nürnberg Langwasser per Bahn geschickt wo eben neue Gerätegenerationen, Servicetricks und auch Firmeninterna behandelt wurden.

In Erinnerung blieb mir die Vorstellung des Grundig STR300 SAT Receivers mit Positioner in Verbindung mit der Doppelreflektorantenne „Kreiselmeyer Superfokus“, der erste Grundig 16:9 Fernseher ich glaube sogar mit D2MAC Decoder. Ein Mono VHS Videorecorder mit integrierten SAT Receiver und der Grundig VS680 S-VHS Videorecorder der so gut wie alles konnte was damals machbar war. Auch besichtigten wir die manuelle Bewickelung der Videoköpfe Vorort.

Zum Teil waren die Besprechungen auch für Serviceleiter gedacht der allerdings nicht mit erschienen ist. So blieb das eine oder andere in der Umsetzung blanke Theorie.

Es blieb auch stets verborgen nach welchen Kriterien jemand nach Deutschland geschickt wurde – Selbst gemeldet oder bewußt qualifiziert habe ich mich jedenfalls dafür nie.

Auch wurde nie ein konkretes Ziel definiert was mit dem Wissen zu geschehen hat, und so ging vieles verloren und landete in den Unterlagenordnern da ich z.B. nie Videorecorder reparierte.

Auch hier war vieles auf Learning-by-doing und dem nachhaltigen Einfordern von Bringschuld anderer aufgebaut was natürlich von Abteilung zu Abteilung und Kollege zu Kollege variierte. Einer der Kollegen hat erst nach seinem Wechsel in die EDV Betreuung die wieder im Fertigungswerk untergebracht war erfahren das man eigentlich die Kopfaufnahmeströme beim Videorekorderkopftrommeltausch einmessen hätte sollen- Aha.

 

Teilweise nicht so lustig oder Unterhaltsam ging es in der 2 (3) Mann Audioreparaturabteilung zu, der ich nach einer wirklich erfolgreichen HIT 1989? Messestandbetreuung vorwiegend in der Kurzwellengeräteabteilung mit dem ORF Radio Österreich International RÖI und dem Club der Kurzwellenhörer ADXB-OE (der Grundig Satellit 500 war gerade auf dem Markt gekommen) dann als Techniker zwangszugeteilt wurde.

Reines Audio war nie sosehr meines (auch kein Fernsehen mehr usw....).

Als ein Greuel blieben die fernost zukauf Geräte mit CD Player in Erinnerung, bei denen extrem viele Schrauben zum Öffnen des Gehäuses erforderlich waren (und dafür sogar extra ein Akkuschrauber angecshafft wurde), und die Prognose auch vom Nürnberger Hauptwerk stets der Laufwerktausch als ganze Einheit lautete und diese Geräte ein paar Wochen leider auch „gerne“ wieder kamen. Auch Reparaturen am eingebauten Doppelkassettendeck waren aufgrund der mechanischen Verbauung keine Kleinigkeit. Bei den CD-Playern mit dem Philips Laufwerk war hingegen zumeist am Laser Hand anzulegen.

Wirklich schön waren dann die edlen Kassettengeräte wie CF5000 uä wo man wirklich etwas machen konnte. Machen, das hieß Riemen tauschen, wo bestimmte Typen jedoch nach kürzester Zeit wieder rissen bis das Werk herausfand, dass die Ersatzriemen den „Ozontest“ nicht bestanden hatten.

Auch das Einmessen eines Tonkopfes samt Siegellackabschlusstupfer und einer Politur mit Turtle Wachs war wenn man es denn für alle 3 Bandsorten machen musste kein Zuckerschlecken.

Dazu hatte man einen Audiomessplatz, der zu dieser Zeit zwar vollständig aber nicht mehr ganz auf der Höhe seiner Zeit war.

Das waren ein Grundig Wow and Flutter Meter, ein 2 Kanal Oszi, Regeltrenntrafo und ein in Deutschland umgebautes Grundig Receiver Chassis aus den 1970ern das als 4 Ohm Lastdummy diente – wir hätten dann aber schon 8 Ohm umschaltbar gebraucht. Ein Grundig Millivoltmeter mit großer Skala sowie ebenfalls eine Umschaltbox als Spezialkonstruktion mit der man das Tonkopfeinmessen etwas rationalisieren und damit beschleunigen konnte.

Bei Verstärkern mit defekten Endstufen gab es die Weisung alle DC gekoppelten Transistoren zu tauschen um danach mitunter festzustellen das wohl auch noch was anders defekt war – das ging in Einzelfällen bis zu 3x.

Die Einweisung in die Materie erfolgte aber nicht durch den erfahrenen Ing. und Werkstättenleiter der Audio Abteilung, sondern dieser Beauftragte den eigentlich bereits ausgelasteten Kollegen damit.

Der Leiter selbst „verdiente“ seine Existenz mit dem Reparieren der immer seltener kommenden „Stenoretten“ und dem Austausch von Kleingeräten deren Administration mit je ich denke 3 Zeiteinheiten a 6 Minuten am Zeitnachweis vorgewiesen werden konnten. Da die Anzahl der zu tauschenden Kleingeräte (z.B. Sonoclock, billig Fernost Yacht Boys etc.) immer größer wurde, konnte er mit  geringsten netto erbrachten Zeiteinsatz den vollen Arbeitstag nachweisen. Den Rest verbrachte er in seinem abgesonderten Werkstättenbereich intern als Separé bezeichnet, das im Zuge der aufkommenden Notwendigkeit der DSR-100 Reparaturen mit einem Fernseher ausgestattet wurde.      

Fallweise, wenn sein Pensum schon "übererfüllt" war kamen auch wir zum Zuge und wurden zu Gerätetauschern. Alles in allem eine nicht sonderlich reizvolle Atmosphäre.

 

Allgemein, für alle Abteilungen, war der Bezug von Material (Ersatzteile) ausschließlich durch das Eintragen der Grundig typischen Nummernfolge in den Arbeitsschein wie etwa 29504.105.21 für einen RGB Baustein beim internen Lager möglich.

Man war gut beraten es sich mit dem Mann bei der Ausgabe halbwegs gut zu stellen wenn man denn was haben wollte. Nur zu leicht konnte man Blitzableiter für seinen Frust werden und durfte dann warten.........

Deutlich freundlicher wurden da von anderen Mitarbeitern die (Firmen-)Kunden im öffentlich zugänglichen Servicebereich mit Ersatzteilen bedient.

Bei Ersatzteilen hingegen, die man nicht mehr einem Kunden zur Verrechnung zumuten konnte gab es wie Heiligtümer gehandelte interne Belastungsscheine, die bis in den letzten freien Millimeter vollgeschrieben wurden.

Alternativ, jedoch mit doppelten Boden gab es den Begriff “Eigenlager“, mittels dessen man sich oft verwendete Standardteile schon vorweg in kleineren Mengen auf den Arbeitsplatz in ein Kleinteilmagazin holte. Theoretisch hätte man den Bestand mit den tatsächlich verwendeten Material immer abgleichen müssen was aber nie überprüft wurde und das die beste Möglichkeit war, das Betteln um die raren und limitiert gehaltenen „Intern Scheine“ bei mehrfach Tausch von z.B. Sicherungen zu vermeiden. Erforderliche Messmittel wurden gestellt – fallweise gab es auch neue Oszi uä.

 

Den – in meinem Fall die Prüffernseher, rüstete man (ich) sich mit allen besseren Modulen zum Multistandard CTI Gerät samt Teletext mit 8 Seitenspeicher! mit der TP-650Data Fernbedienung auf. Fallweise gab es auch Ausschlachtchassis von hoffnungslosen Reparatur Leichen die dann als Materialspender für alles mögliche benutzt wurden.      

 

Dann gab es auch noch die eigenständige etwas abseits gelegene Abteilung Grundig Elektronik, die oft auch im Außendienst z.B. Überwachungsanlagen in Tunnels usw. Österreichweit warteten.

 

Sowie eine mit 2 Mann besetzte Außenstelle in Wien-Kledering, wo massenweise Umbauten der Seriengeräte auf Hotelfernseher (Reedkontakt Einbau etc.) vorgenommen wurden oder auch bekannte Serienfehler aus der Produktion behoben wurden.

 
 
Narrenfreiheit im positiven Sinne hatte die Abteilung Schulung rund um Grundig „Urgestein“ Herrn Willibald Penzinger und Herrn Albrecht der autonom agierte und seine jeweils aktuellen Fernsehchassis Schulungsseminare teils mit Unterstützung aus Nürnberg für die Vorträge im Gewerbesaal der Innung sowie den Bundesländern ausarbeitete.
 
Fortsetzungen und Ergänzungen folgen bei Gelegenheit.
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W. Scheida 7/2008 / Nachtrag: 10-11/2009
 
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This article was edited 24.Dec.09 15:04 by Wolfgang Scheida .

  
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