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analoger UKW Rundfunk - wie lange noch?

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Alois Riedl
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12.Nov.06 08:56

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Hallo Sammlerkollegen,

nachdem in Österreich mit der Umstellung von analogem Fernsehen auf digitales Fersehen (DVB-T) begonnen wird stellt sich mir jetzt die Frage ob das früher oder später auch beim UKW Rundfunk zu erwarten ist.

Herzliche Sammlergrüße

Alois Riedl

Dietmar Rudolph
Dietmar Rudolph
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14.Nov.06 20:58

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Es liegt im Trend der Zeit, alles zu digitalisieren. 

Ein wichtiger Grund dafür ist, daß bei einer digitalen Lösung i.A. kein teuerer Abgleich mehr erforderlich ist - im Unterschied zu analogen Lösungen. (Jeder, der z.B. ein analoges Radio wieder zum Spielen gebracht hat, kann dies sicher nachvollziehen.)

Bei einem Rundfunksystem ist ein totaler Wechsel der Parameter wie z.B. der Modulationsart nicht so ohne weiteres möglich, weil dadurch viele oder alle Teilnehmer schlagartig die veränderte Aussendung nicht mehr empfangen könnten. Daher sind "normalerweise" nur Änderungen möglich, die technisch so beschaffen sind, daß die bisherigen Teilnehmer praktisch ohne Beeinträchtigung mit ihren vorhandenen Geräten weiter empfangen können.
Das geänderte Rundfunksystem ist in diesem Fall kompatibel zu den bisherigen Empfängern.

Ein Beispiel zur Kompatibilität ist das Eisenbahnsystem. Da wurden vor über 150 Jahren in England die ersten Bahnen samt den Gleisen und deren Spurbreite (in Zoll gemessen) eingekauft. Die Locks und die Wagen wurden modernisiert, mußten aber - aus Gründen der Kompatibilität - die gleiche Spurbreite beibehalten. Ja, und die hat man bis zum heutigen Tage. Wie schwer sich das hierzu nicht kompatible System des Transrapid tut, darf als allgemein bekannt vorausgesetzt werden.

Bei einem analogen Rundfunksystem gibt es mehrere Stufen der Kompatibilität:

  1. Die Bandbreite des Übertragungs-Kanals (AM: 9KHz, FM: 100KHz): Kanal-Raster 
  2. Die Art der Modulation (LMK: Amplituden-Modulation [AM], UKW: Frequenz-Modulation [FM])

Auch bei einer Umstellung von analoger auf digitale Übertragung muß mindestens das Kanal-Raster beibehalten werden, damit die noch nicht umgestellten Kanäle nicht gestört werden. Wie die Kanäle dabei spektral "ausgefüllt" werden dürfen, wird von der ITU in Genf beschlossen.

Ein aus den USA  kommender Vorschlag, IBOC oder  HD-Radio genannt, erfüllt die Kompatibilität zum Kanalraster nicht, wird aber trotzdem  von interessierten Kreisen empfohlen.  Zu diesem Tema gibt es einen Beitrag .

Weil vom HD-Radio noch nicht einmal die Kompatibilität zum Kanal-Raster erfüllt wird, ist es eher unwahrscheinlich, daß sich diese Übertragungsart in Europa mit seinem dichten Sendernetz einführen lassen wird.

Beim DVB-T leigen die Verhältnisse völlig anders. Hier ergaben Untersuchungen, daß nur noch ca. 7% der Fernsehteilnehmer mit einer terrestrischen Antenne das PAL-TV empfangen haben. Der große Rest ist verkabelt oder hat eine Satellitenschüssel.

Andererseits können in einem analogen TV-Kanal - infolge den heute verfügbaren Quellcodierungen  - bis zu 4 TV Programme übertragen werden. Also benötigen die Programmanbieter in diesem Fall statt 4 (analogen) TV Sendern nur noch einen und können die restlichen 3 für 12 weitere Programme vermarkten. Das rechnet sich, auch wenn die Gebühren für einen digitalen Kanal billiger sind als für einen analogen.
Da die Industrie in Kenntnis des durch die Umstellung entstehenden Bedarfs auch preiswerte Digitalreceiver anbieten konnte, ging die Umstellung vergleichsweise geräuschlos vonstatten. Der DVB-T Teilnehmer hat ja auch Vorteile, da er nun die Auswahl unter mehr Programmen hat.

Auch in Bezug auf UKW FM gibt es Bestrebungen, hier ein digitales System schrittweise einzuführen, das wenigstens kompatibel zum Kanal-Raster ist. Innerhalb von DRM wurde hierfür ein Mehrtägerverfahren (COFDM: Coded Orthogonal Frequency Division Multiplex) in Anlehnung an die in den LMK-Bereichen benutzte Modulationsart vorgeschlagen, Stichwort DRM120.

Praktische Tests von vorhandenen FM Empfängern ergaben jedoch gewaltige Störungen des FM Empfangs durch Kreuzmodulation, wenn ein COFDM Sender in den Nachbarkanälen arbeitet. Auch hierzu finden sich Informationen im oben benannten Link.

Als Kanal-Raster kompatible Lösung für die allmähliche Digitalisierung des UKW Rundfunks ohne störende Kreuzmodulation zu erzeugen, bietet sich eine CPM (Continuous Phase Modulation) an, bei der es sich de fakto um eine FM (mit konstanter Amplitude) handelt. Weil hierfür das Empfängerkonzept schwieriger ist, wird es noch Zeit benötigen, bis ein in der ITU akzeptiertes System zur Verfügung stehen wird.
Die Erfahrung mit anderen Systemen (RDS für UKW, DAB) zeigt, daß vom Zeitpunkt der Fertigstellung eines neuen Rundfunksystems bis zu dessen allgemeiner Verbreitung gut 10 - 15 Jahre vergehen. Und dann muß auch noch die Empfänger-Industrie mitspielen und Geräte anbieten. - "Gut Ding will Weile haben..."

Technische Details zu den angesprochehen Themen siehe auch  die Vorlesungsskripte zur Modulation im Fach "Signale und Systeme" und im Fach "Digitale Funksysteme", sowie die Veröffentlichungen. Es handelt sich um PDF Files, die frei heruntergeladen werden können.

MfG DR

This article was edited 08.Nov.11 17:24 by Dietmar Rudolph .

Konrad Birkner † 12.08.2014
Konrad Birkner † 12.08.2014
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14.Nov.06 21:34

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Das ist ja alles schön, wenn die "alten" Fernsehsender auf digital umgestellt werden.

Wenn aber auch gleich noch etliche Sender ausser Betrieb genommen werden (hier Schnaitsee), dann gibt es für mich keine terrestrische Versorgung mehr. Ich sitze in einem Empfangsloch (auch laut Karte), weil weder Wendelstein noch München empfangbar sind.

Da bedanke ich mich ganz herzlich für den Fortschritt... von wegen überallfernsehen...

This article was edited 14.Nov.06 21:37 by Konrad Birkner † 12.08.2014 .

Kurt A. Köhler
Kurt A. Köhler
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16.Nov.06 22:38

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Unser Mitglied, Herr Jens Koch, 04157 Leipzig, teilt mir zu dem Thema mit, dass er in der Wikipedia folgenden Hinweis auf eine Mitteilung der Europäischen Kommission vom 27.05.2005 gefunden hat:
 „Die Europäische Kommission hat mitgeteilt, dass spätestens Anfang 2012 der analoge (terrestrische) Rundfunk in den Mitgliedstaaten abgeschaltet wird. Die meisten Mitgliedstaaten - darunter auch Deutschland - haben sich verpflichtet, bis Ende 2010 den analogen Rundfunk abzuschalten.“

Es werden in der Wikipedia dann offensichtlich die bekannten Gründe für diese Entschließung angeführt, wie die, dass der digitale Runkfunk deutliche Vorteile zum analogen Rundfunk biete: bessere Bild- und Tonqualität, besseren Empfang mit tragbaren und mobilen Geräten, mehr Fernseh- und Hörfunkprogramme sowie bessere Informationsdienste. Da der digitale Rundfunk das Frequenzspektrum effizienter nutze, werde dadurch auch Frequenzkapazität für andere Nutzungen frei. Laut Wikipedia erhoffe sich die Kommission durch den digitalen Rundfunk auch die Schaffung neuer Arbeitsplätze und verstärkten Wettbewerb, wobei sie sich aber nicht näher zu den zusätzlichen Kosten für die Verbraucher geäußert habe. Herr Koch folgert, dass rein analoge Radiogeräte ab Ende 2010 keinen Empfang mehr ermöglichen werden und der Besitzer daher spätestens dann zum Neukauf von Geräten gezwungen werde, die auch jetzt schon für etwa 250 Euro im Handel erhältlich seien.

Ich persönlich kann nur sagen: Die Wikipedia lässt in Ihrer Qualität doch manchmal sehr zu wünschen übrig. Niemand kann global die Abschaltung von Rundfunksendern zu einem bestimmten Zeitpunkt beschließen. Ob und zu welchem Zeitpunkt umgeschaltet wird, hängt allein von den Sendeanstalten ab, die dafür aber eine gewisse Akzeptanz der Hörer benötigen. Mit dem angeführten Statement wird ein Szenario beschworen, das so gewiß nicht eintreffen wird. Sehen wir aber zunächst mal in den Rundfunkstaatsvertrag, der zwischen den Bundesländern vereinbart wird und der die Bedingungen regelt, unter denen Rundfunk in Deutschland stattfindet. Hier heißt es (in der z.Zt. gültigen Fassung des Achten Staatsvertrages zur Änderung rundfunkrechtlicher Staatsverträge) in §52a zur Digitalisierung:

§ 52 a
Digitalisierung des Rundfunks
1.    Bei der erstmaligen Zuweisung digitaler terrestrischer Übertragungskapazitäten im Fernsehen nach Landesrecht sind die Fernsehveranstalter mit denjenigen Programmen vorrangig zu berücksichtigen, die in dem jeweils betroffenen Verbreitungsgebiet analog verbreitet werden. Die technischen Übertragungskapazitäten für diese Programme müssen im Verhältnis zu den übrigen Übertragungskapazitäten gleichwertig ein.
2.    Die in der ARD zusammengeschlossenen Landesundfunkanstalten, das ZDF und das Deutschlandradio können ihrer Verpflichtung zur Versorgung der Bevölkerung mit Rundfunk durch Nutzung aller Übertragungswege nachkommen. Sie sind berechtigt, zu angemessenen Bedingungen die analoge terrestrische Versorgung schrittweise einzustellen, um Zug um Zug den Ausbau und die Zuweisung digitaler terrestrischer Übertragungskapazitäten zu ermöglichen. Die analoge terrestrische Fernsehversorgung kann auch dann eingestellt werden, wenn der Empfang der Programme über einen anderen Übertragungsweg gewährleistet ist.

Keine Datumsangabe, Hörfunk wird nicht gesondert erwähnt, er kann, muß aber nicht digitalisiert werden.

Folgt man den eingangs für eine Digitalisierung gegebenen Gründen, dann liegt es nahe, die Digitalisierung des Hörfunks über den Autoempfänger voranzutreiben, denn im Auto wird wohl am meisten Rundfunk gehört. Blaupunkt ist nicht umsonst der weltgrößte Rundfunkhersteller. Über die für die Nutzung von DAB-Radio im Auto auftretenden Probleme kann man sich hier informieren: <http://www.heise.de/tp/r4/artikel/21/21399/1.html> (Plattgefahren: Nullen und Einsen auf der Straße, Wolf-Dieter Roth 21.11.2005).

Nicht eingegangen wird in diesem Artikel auf DRM, das für den Autoempfang die größere Berechtigung hat wegen der für die Übertragung benutzten Mittel- und Langwellen (auch Kurzwellen, natürlich), die auch bei grenzüberquerenden Überlandfahrten ein unterbrechungsloses Verfolgen eines Hörfunkprogrammes ermöglichen. Für mich hat sich der DLF (Deutschlandfunk) auf Langwelle 153khz oft als die einzige Möglichkeit erwiesen, auch bei herkömmlicher Amplitudenmodulation Sprach(!)sendungen über längere Strecken zu verfolgen.

Wie Herr Rudolph schon feststellt, die Übergangszeit wird wahrscheinlich mindestens 10 - 15 Jahre betragen, während der die verschiedenen Systeme parallel laufen werden. Und dann weiß noch keiner, was hinterher wirklich überlebt. So ist die Qualität z.B. bei DAB der des UKW-Funks durchaus nicht überlegen, wenn mit zu niedriger Bitrate übertragen wird. Die diesbezüglichen Mängel des verwandten DVB-T sind ja während der letzten Fußball-Weltmeisterschaft auch einem weiteren Publikum bekannt geworden. Weiter ist zu bedenken, dass diese Verfahren eine rechnergestützte Dekodierung (wegen der MP3/MP4 Kompression) benötigen. Wenn man aber schon einen Computer in seinem Radio hat, warum dann nicht - wenn es denn wegen der Mobilität Funk für die Übertragung sein muß - Internetradio über WLAN-Hotspots ? In den Städten dürfte das zufriedenstellend funktionieren und wegen der Anbindung ans Internet auch Mehrwertdienste ermöglichen, über die wir derzeit noch gar nicht nachgedacht haben. Und was die analoge Übertragung in den Mittel- und Kurzwellenbändern betrifft: bis z.B. ein Land wie Marokko seinen Beduinen DAB oder DRM zumutet, wird es noch einige Zeit länger dauern…

Kurt
Rolf Nickel
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22.Nov.06 17:59

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   5 Liebe Sammlerkollegen,

auch ich werde irgendwann zu den Betroffenen gehören, wir hatten uns ja leider schon öfter über dieses Thema austauschen müssen.
Die unten stehende Antwort erhielt ich gestern, nur einen Tag (!) nachdem ich die folgende E-Mail an den Norddeutschen Rundfunk/NDR geschickt hatte und für die ich mich sehr bedanken möchte:
--------------------------------------------------------
Betr.: Ende des analogen UKW-FM-Rundfunks

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich höre seit Mitte 2004 täglich nach Feierabend bis zur Tagesschau Ihr Programm, am Wochenende natürlich auch "Klassik auf Wunsch" und "Belcanto". Meiner Ansicht nach ist dem NDR damit ein hörenswertes, anspruchsvolles Programm gelungen in gleichbleibender Qualität, ohne lästige Werbeeinblendungen.
Mein Hobby ist das Restaurieren historischer Rundfunkempfänger, mit eben diesen Geräten höre ich auch Ihr Programm. Nun ist es schon lange kein Geheimnis mehr, dass unseren "Oldtimern" irgendwann die Umstellung auf DVB-T droht und damit der "herkömmliche" UKW-Empfang mit Superhet und Stereo-Decoder nicht mehr möglich ist, weil der analoge Sendebetrieb dann eingestellt wird. Meine Frage : Wann wird dies für Norddeutschland der Fall sein ? Wie lange kann ich mich noch an Ihrem Programm, wiedergegeben mit alter Technik, erfreuen ?
Gibt es schon konkrete Termine ?
Es wäre schön, wenn Sie mich darüber ein wenig informieren würden.

Alles Gute wünscht Ihnen Ihr Hörer Rolf Nickel
---------------------------------------------------

Sehr geehrter Herr Nickel,

bislang gibt es noch keine Pläne, dem guten alten UKW-Funk den Garaus zu machen. Natürlich wird es zukünftig auch ein digitales Nachfolgesystem geben, das besonders dem Wunsch nach besserer mobiler Versorgung Rechnung tragen wird. Aber derzeit steht überhaupt noch nicht fest, welches der zur Diskussion stehenden Systeme (DAB/DMB oder DVB-T) zum Zuge kommen wird. Mit einer Umsetzung rechne ich jedenfalls frühestens 2010 bis 2015.

Mit freundlichen Grüßen

Jürgen Gottschau
Norddeutscher Rundfunk/Sendertechnik
Technische Hörfunk- und Fernsehberatung
Tel. 0 40/41 56 - 25 91 Fax 0 40/41 56 – 142591
E-Mail technik[A*T]ndr.de
Dietmar Rudolph
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08.Nov.11 17:28

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Es ist (bis auf Weiteres) keine Abschaltung des UKW Rundfunks geplant. Hierzu hat der Deutsche Bundetag einen entsprechenden Beschluß gefaßt. Danach wird die geplante Abschaltung des UKW-Rundfunks ersatzlos gestrichen.

MfG DR

Wolfgang Eckardt
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08.Nov.11 21:03

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Ich möchte hier auf das uns interessierende   ähnlich gelagerte Thema  verweisen

W.E. 

Wolfgang Eckardt
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08.Feb.13 12:28

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Im www findet man verschiedene Meldungen, z.B. diese von teltarif.de:

Bundestag beschließt:

Abschaltdatum für UKW-Radio Ende 2015 gestrichen

 Branchenkenner sehen Digitalisierung und Erfolg von DAB+ ausgebremst
Die für 2015 geplante Abschaltung des UKW-Radio wurde gestrichen. Am Ende haben sich wirtschaftliche Interessen durchgesetzt und vor allem wurde das Gejammer der kommerziellen Radioveranstalter erhört: Das Abschaltdatum Ende des Jahres 2015 für das UKW-Radio wurde vom Deutschen Bundestag ersatzlos gestrichen. Ursprünglich sollten die UKW-Frequenzzulassungen in diesem Jahr durch die Bundesnetzagentur widerrufen werden, der UKW-Rundfunk sollte anschließend nur noch zeitlich begrenzt im Rahmen einer Duldung weiter laufen.

Private fürchteten um Marktposition 
Gegen den Referentenentwurf im neuen Telekommunikationsgesetz (TKG) liefen vor allem die großen deutschen Privatradios Sturm. Aus gutem Grund: Im analogen UKW-Hörfunk haben sie sich eine Marktposition erkämpft, die sie ungern wieder verlieren würden. Denn in digital-terrestrischen Bouquets in einem Modus wie DAB+ hätten sie gleichberechtigt neben neuen Konkurrenten Platz nehmen müssen, die Radiolandschaft und auch die "Hackordnung" hätte sich ohne UKW-Rundfunk möglicherweise nachhaltig verändert. Nun können es sich die Platzhirsche unter den kommerziellen Sendern bis auf unbestimmte Zeit auf ihren UKW-Frequenzen gemütlich machen.
Als "sehr positives Signal für das Privatradio" hat Klaus Schunk, Vorsitzender des Fachbereiches Radio und Audiodienste im Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) e.V., folgerichtig die Entscheidung des Bundestages zur Novellierung des TKG bezeichnet. Der Verband spricht von einer langfristigen Basis für die Wertschöpfung der privaten Radioanbieter. 
Im Laufe des Verfahrens seien die Bedenken des VPRT gegen einen zunächst vorgesehenen flächendeckenden Frequenzwiderruf gehört und damit unsinnige Kostenrisiken vermieden worden. Mit einer Neuregelung zu mehr Wettbewerb im Sendernetzbetrieb habe der Gesetzgeber zudem eine frühzeitig vom VPRT erhobene Forderung umgesetzt. "Wir haben uns Gehör verschafft und danken den Parlamentariern für ihre Unterstützung. Auf dieser Basis werden die privaten Radiosender auch künftig in vielfältige Programme auf allen Plattformen investieren können", so Schunk abschließend. Der VPRT sah DAB+ als UKW-Nachfolger schon immer kritisch und fährt lieber eine Strategie der Grundversorgung via UKW mit zusätzlichen digitalen Angeboten, etwa Webradio-Streams, im Internet.

 Deutschland will für hybride Empfänger eintreten
Auch Felix Kovac, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk (APR) sieht den Beschluss mit Genugtuung. "Wir sind den Abgeordneten dankbar, dass sie der Weiterentwicklung der Gattung Hörfunk in Deutschland eine Last genommen und zugleich den Wettbewerb beim Sendernetzbetrieb gestärkt haben", kommentiert er. Wichtig sei in diesem Zusammenhang, dass sich die Bundesregierung im Gesetzgebungsverfahren gegenüber den Parlamentariern verpflichtet habe, in Brüssel wegen des Digitalradios vorstellig zu werden. Dort will sie im europäischen Rahmen für die rasche Verbreitung hybrider Endgeräte eintreten, die sowohl Digitalradio als auch UKW sowie andere Standards wie Webradio empfangen können.
Marktbeobachter sehen die Digitalisierung im Medium Hörfunk dagegen ausgebremst. Einem schnellen Umstieg auf einen digitalen Standard habe der Bundestag mit seiner Entscheidung einen Bärendienst erwiesen, schreibt das Kommunikationsmagazin Horizont. Wie bereits bei der gescheiterten Einführung von DAB dürften mit der langfristigen Bestandsgarantie für den analogen UKW-Standard nun auch die Erfolgsaussichten für den neuen digitalen Radiostandard DAB+ nur äußerst gering sein, so die Einschätzung des Magazins.

W.E.

 

This article was edited 08.Feb.13 12:30 by Wolfgang Eckardt .

Konrad Birkner † 12.08.2014
Konrad Birkner † 12.08.2014
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08.Feb.13 16:27

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Leider habe ich im Haus kaum DAB-Empfang (gerade noch die Zeitanzeige), während UKW einwandfrei funktioniert. Das liegt sicher nicht an meinen schlechten Empfängern:

- Imperial Dabman 40
- Imperial Dabman 20
- Dual DAB 4

Im Empfangsverhalten sind die Geräte ähnlich. In der Bedienung allerdings sehr unterschiedlich, aber darum geht es hier nicht.
Wie schon früher hier erklärt, wohne ich in einem "Empfangsloch". Für das vollmundig gepriesene "Überallfernsehen" braucht man hier einen Mast mit 5-10 m! DAB+ Radio hören kann man, aber nur im Freien!

Früher hatten wir gute Versorgung durch den Sender Schnaitsee, der aber abgeschaltet wurde, weil es ja Überallfernsehen gäbe. So wurde mir erklärt. Für wie blöd hält man uns eigentlich?

Ich fühle mich einfach verschaukelt.
Auf solchen Fortschritt kann ich verzichten.

__________________________

Kürzlich vorgenommene weitere Empfangsversuche an verschiedenen Orten (Inning, Landsberg/Lech/Fuchstal) zeigten keine wesentliche Besserung.  Dass anderswo angeblich guter Empfang möglich sei, nützt mir wenig. Sollte ich umziehen? Was heißt "überall"??

Das "Überallfernsehen" und seine angelagerten DAB-Programme ist eine Mogelpackung für viele Teilnehmer. Die oben erwähnten Empfänger arbeiten übrigens auf UKW gut bis sehr gut!.

This article was edited 16.Jun.13 18:12 by Konrad Birkner † 12.08.2014 .

  
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