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Auslandsdienst des österreichischen Rundfunks auf Kurzwelle

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Wolfgang Lill
Wolfgang Lill
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21.Oct.18 19:35

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Kurzwellenrundfunk in Österreich , die Vorgeschichte: 

Im Dezember 1929 beginnt man in Österreich Programme über die Kurze Welle zu übertragen. In der Zeit von 23,00  bis 01,00 Uhr wird 2 x wöchentlich ein Eigenprogramm gesendet auf Kurzwelle im 49 m Band  sowie auf auf 24,7 und 25,42 MHz. . Es gab Empfangsberichte sogar aus Australien.

Mitte Mai 1930 wurden diese Sendungen jedoch eingestellt, denn die sendertechnische Ausrüstung wurde für ein neues "Kurzzwellensenderauto" benötigt, mit dem dann Reportagen von Großereignissen übertragen wurden.

Erst im Februar 1932 wurde wieder 2 x wöchentlich  mit einer auf 120 Watt erhöhten Leistung  das Programm von Radio Wien  von 14,30 bis 19,00 Uhr und von 20,00 bis 22,00 Uhr mit Ansagen in deutsch, englisch und französisch und auch Schallplattenwiedergabe gesendet.  Erneut kommt es zu Unterbrechungen wegen "Versuchen mit modernen Antennenformen", aber im Herbst 1932 geht es dann weiter täglich von 14,00 Uhr bis 22,30 Uhr. 

In einer Kurzwellensenderliste des Jahres 1933 ist der UOR 2 auf 6072 KHz vermerkt und auch der Hinweis, daß ein zweiter Sender mit der gleichen Frequenz arbeitend in einem Senderauto eingebaut ist und bei Bedarf verwendet wird. 

Ab März 1934 wird mit 250 Watt Sendeleistung gefahren und ab 9.Juli 1934 sind die Kurzwellensendungen bereits täglich von 15,00 Uhr bis 23,00 Uhr unter dem Rufzeichen OER2 zu hören.

Die Sendeleistung war jedoch auch schon bei Amateuranlagen durchaus üblich. In  Programmzeitschriften, die sich speziell mit Kurzwellensendungen befassten, habe ich keine Informationen zu den Programmen aus Wien gefunden.

Die RAVAG erteilte, da man die Bedeutung des Kurzwellenrundfunks erkannt hatte, im November 1937 den Bauauftrag für einen 50 KW- Kurzwellensender.  Durch den Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich wurden diese Pläne jedoch nicht mehr ausgeführt.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges bemühte man sich um den Betrieb von Kurzwellensendern, die im Kriege als U- Boot- sender gedient hatten. Bereits am 11.Juni 1945 wurde das Programm von Radio Wien im 49 m - Band ( Sendeleistung 150 Watt ) und im 31 m Band ( Sendeleistung 300 Watt ) ausgestrahlt. Am 30.Juli 1945 wurde ein weiterer Sender im 48 m Band ( 400 Watt l) in Betrieb gesetzt. Am 10. Septemberg kam ein weiterer im 25 m - Band dazu.

Hinzu kam noch ein 30 Watt - Sender im 16 m- Band. Wegen der geringen Leistung mussten die Antennenanlagen sehr aufwendig gebaut werden, deshalb wurden alle fünf Sender in den Wiener Bereich BISAMberg umgesetzt.

Es vergingen mehr als 25 Jahre, bis die damalige Zielsetzung , der Bau eines leistungsstarken KW- Senders, realisiert wurde.

Kurzwellen Sendezentrum Moosbrunn - die Geschichte

Wie ich bei einem Besuch des sehr freundlichen Chefs, Herrn Ing. Spitzbart, erfuhr, wurde dieser Standort bereits im 2. Weltkrieg genutzt. Hier war eine U-Boot- Peilanlage stationiert. 

Im Jahre 1959 kamen die 5 alten Kleinsender vom Bisamberg nach Moosbrunn, welche in einer provisorischen Baracke aufgestellt wurden. Kurz vor Weihnachten 1959 begann der Programmbetrieb.

Ein neu bestellter 100 kW-Telefunken Sender Typ SV2375 ging am 4. September 1960 in Betrieb, allerdings gedrosselt auf 50 kW, da die örtliche Stromversorgung noch nicht dafür ausgelegt war.

Zum Einsatz kam eine Rundstrahl-Reusenantenne. Diese ist übrigens noch vorhanden, jedoch ausser Dienst .

Die erste Baustufe der Sendeanlage begann 1965. Am 1. Mai 1966 wurden die ersten zwei 100 KW- Sender in Betrieb gesetzt, der dritte folgte am 1.März 1967. Ab Jahresbeginn 1969 wurde mit der vollen Kapazität von 4 Sendern  ( 4 x 100 KW Leistung) gearbeitet. 

Im Mai 1970 gab es einen erneuten "Paukenschlag" in Moosbrunn, es wurde eine elektronische Programmsteuerung installiert mit der alle Sender und der Betriebsablauf gesteuert werden. Weltweit die erste Anlage !

Ab den 1970er-Jahren standen in Moosbrunn folgende Antennenanlagen zur Verfügung:

-für den Überseedienst 4 Rhombusantennen, die in insgesamt 7 Abstrahlrichtungen betrieben werden konnten:
Antenne 1: 90° Südostasien + 270° Mittelamerika
Antenne 2: 123° Nahost + 303° Nordamerika
Antenne 3: 56° Ostasien/Australien + 236° Südamerika
Antenne 4: 175° Südafrika

-für die Rundversorgung Europas waren  zwei Vertikal-Reusenantennen im Einsatz

-zur gezielten Versorgung von weiter entfernten Teilen Europas und der angrenzenden afrikanischen und asiatischen Gebiete eine logarithmisch-periodische Antenne, die im gesamten Kurzwellenbereich betrieben werden konnte.

Im Jahre 1983 kamen ebenfalls von Telefunken ein Sender dazu, mit einer Leistung von maximal 500 KW / bzw umschaltbar auf 300 KW Ausgangsleistung.

Diese arbeiten im Frequenzbereich von 4,8 bis 21,9 MHz, ( vom 60 m  bis zum 13 m Band). Ein schneller ferngesteuerter Frequenzwechsel ist mittels vollautomatischer Frequenzabstimmung innerhalb von etwa 30 Sekunden realisierbar. 

Der zweite 500 / 300 kW Sender wurde im Dezember 1987 in Betrieb genommen.

Trotz es Booms an Kurzwellenstationen weltweit, wurde "Österreichs Auslandsdienst auf Kurzwelle" nun in der ganzen Welt gut gehört.

Mein Besuch im Oktober 2018 in Moosbrunn

Zunächst ein großes Dankeschön an die Kollegen vom ORS und Herrn Ing. Spitzbart, das mir dieser Besuch ermöglicht wurde.

Herr Spitzbart ist in dem Sinne "Alleinunterhalter" in dieser Sendeanlage. Er steuert die Technik, er kommuniziert, er repariert buchstäblich alles allein. Selbst im Urlaub ist er mit dem Handy bei seinem Sender.

...und gleich am Anfang sagte er mir, auf meine vorsichtig gestellte Frage; "wie lange sendet MOOSBRUNN noch ? ", er wird den Betrieb noch 5 Jahre aufrecht erhalten, dann scheidet er aus dem Dienst aus und hofft natürlich auf einen Nachfolger....

Über den Standort werden speziell zusammengestellte Sendungen von Ö1 täglich abgestrahlt 

Europa Kurzwelle

Montag bis Freitag, 07:00 - 8:20, 6155 kHz
Samstag und Sonntag, 07:00 - 8:10, 6155 kHz

Die Interessenten können Sendezeit kaufen und ihre Programme über MOOSBRUNN ausstrahlen lassen. Bei meinem Besuch wurden gerade zwei Sender hochgefahren, die auf dieser Anmietbasis arbeiten. 

Von 10,00 Uhr bis 10,30 Uhr läuft beispielsweise täglich ein Nah- Ost Programm auf 15260 KHz und eine zweite Sendung für Westafrika in französischer Sprache auf 15415 KHz . 

In Deutschland ist wohl das bekannteste in Moosbrunn ausgestrahlte Programm das von Radio DARC, immer Sonntag von 11,00 Uhr bis 12,00 Uhr auf 6070 KHz mit 100 KW. Das ist seit 22.März 2015 so, diese Sendung ist europaweit zu hören.

Zum Jahresbeginn 1993 wurden die vier alten 100 kW-Sender mit neuen Steuersendern ausgerüstet. Zwei der alten 100 kW-Sender dienten nur noch als Ersatz bei Wartungsarbeiten und als Reserve im Störungsfall.

 Im September 2000 gingen zwei neue Sender vom Typ TSW2100 des Herstellers Thomcast, welche auch für digitale Ausstrahlungen geeignet sind, in Betrieb.

Ab 2. Mai 2005 wurden Sendungen in DRM (Digital Radio Mondiale) ausgestrahlt, wobei zunächst ein Sender im 31m-Band in Richtung UK (295°) mit Programmen von Fremdanbietern zum Einsatz kam und das ORF-Programm abends auf 6155 kHz in Rundstrahlung digital ausgestrahlt wurde (Sendeleistung jeweils 50 kW).

Leider konnte sich dieses vernünftige System nicht durchsetzen.

Zunächst war der Name: "Kurzwellendienst des Österreichischen Rundfunks".

Mit dem Vollbetrieb der Sendeanlage in Moosbrunn Anfang der 1970er-Jahre erfolgte die Aufnahme von Sendungen in Englisch, Französisch und Spanisch.

Der Stationsname änderte sich in Deutsch auf  "Österreich auf Kurzwelle", während man in Englisch den Namen "Austrian Short Wave Service" beibehielt.

Erst 1985 erfolgte die Namensänderung in "Radio Österreich International".

Ab 1977 wurden am Wochenende zusätzlich auch Nachrichten in Esperanto ausgestrahlt. Ab 1989 an Sonntagen auch die Nachrichten in Arabisch.

Moosbrunn weltweit 

Entsprechende Reaktionen gab es viele, tausende von Karten  und Briefen musste die Österreichische Post AG aus der ganzen Welt transportieren. Einige davon zieren noch heute eine Fläche im Sendergebäude.

(Im Bild ist nur ein ganz kleiner Teil der Zuschriften)

Nicht nur die Sendetechnik, sondern die optimierten Antennen sind auschlaggebend für treffsichere Übertragungen 

Die gewaltigste Antennenanlage, eine Drehstandantenne, mit einem Drehdurchmesser von 85 m und einer Höhe von 72 m mit 2 passiven und 2 aktiven Antrieben. 

Foto; Antrieb

In einer Informationsbroschüre des ORF ist diese Zeichnung zu sehen. 

Diese drehbare Vorhangantenne wurde 1983 errichtet . 

Immerhin ist das Eigengewicht des Stahlbaues 220 Tonnen und der Antennen 100 Tonnen. 

Die Rhombusantenne ist bereits ausser Betrieb, diese hatte mit seiner relativ einfachen Konstruktion eine hohe Wirtschaftlichkeit, die Abstrahlung erfolgte mit einer relativ flachen Keule.  Der Einsatz war auf 31 m und kürzeren Bereichen. 

In einer Informationsbroschüre des ORF ist diese Zeichnung zu sehen. 

Die Doppel- Hochleistungs- Richtantenne (auch Doppelwandantenne) . Diese ist 60 m hoch und 72,5 m breit.  Diese Anlage ist nicht beweglich. Damit können die Rundfunkbereiche 11, 13, 15,17 und 21 MHz versorgt werden, die Anlage ist für 300 KW Senderleistung ausgelegt. 

Zwischen den beiden Tragmasten sind jeweils 16 Halbwellen- Faltdipole, je vier neben- und übereinander angeordnet. 

Die Einspeisesysteme sind getrennt, so das auch beide Vorhangantennen gleichzeitig betrieben werden können.

Aber zurück zu den Hochzeiten des Sendebetriebes

Selbst für einen Ausfall waren die Kollegen im Sendergebäude vorbereitet. Ein Ministudio mit Mikrofon und Tonbandgerät stand dafür zur Verfügung.

Der Auslandsdienst des Österreichischen Rundfunks erreichte fast die ganze Welt !

...und erreicht sie noch bis voraussichtlich 2024 !

Das ganze weitergehend automatisiert, die Sendeanlagen modernisiert. Aber jede hat noch Treiber und Endröhren !

Nachfolgend noch einige Fotos aus der Sendeanlage: 

Telefunken KW Sender 100 kW, analoger Modulationsverstärker Vortreiber 1-4 (rechts) und Treiberstufe 6 (links)

Telefunken KW Sender 100 kW, Anodenschwingkreis 12 Frequenzbereiche, Endstufe​

 

Telefunken KW Sender 100 kW, analoger Modulationsverstärker Treiberstufen 5 und Gegentakt-Endstufe 50kW

Antennenwahlschalter  500 kW, 2 Sender – 8 Antennen​

Telefunken KW Sender S4005, 500 kW HF Endstufe mit TH558 und Treiber TH561​

Telefunken KW Sender S4005, PDM Modulator mit Schaltröhre und Freilaufdiode​

Telefunken KW Sender S4005, Kreuzzeigerinstrument für Leistung und Anpassung

Nochmals ein herzliches Dankeschön den Kollegen vom ORS und insbesondere Herrn Ing. Spitzbart für die freundliche umfangreiche Unterstützung.

 

 

This article was edited 20.Nov.18 11:37 by Wolfgang Lill .

  
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