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Betriebssicherheit alter Radios: Risiken durch Verbastelung

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Eike Grund
Eike Grund
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07.May.07 00:19

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Das Thema "Sicherheit" muss bei der Wiederinbetriebnahme alter Radios im Vordergrund stehen. Dazu gehören vor allem die vor dem Einschalten durchzuführenden Maßnahmen, die generellen Hinweise zum Umgang mit diesen Geräten und auch die erheblichen (weil manchmal gut versteckten) Risiken durch Verbastelungen unerfahrener Reparateure. Mit Verbastelungen (Original oder verbastelt?) befassen sich die Beiträge hier und dort.

In den Beiträgen vor dem Einschalten finden sich auch Hinweise zur Sicherheit.

Zum generellen Umgang mit Röhrenradios zeige ich in der Anlage (s. unten) einige Hinweise aus meiner Internetpräsenz (Radios der 50er Jahre).

Auf die Risiken, die durch mangelndes Grundlagenwissen eines Rat suchenden entstehen können und vor allem für den Rat gebenden schwer einzuschätzen und auch für diesen durchaus riskant sind, weisen auch die Beiträge 4 und 10 in Verbesserungsbedürftig ? Geben und Nehmen im RM hin.

Ich gebe selten Hinweise (Tipps und Tricks) bei Problemen in der Stromversorgung, wenn die diesbezüglichen Fragen des Reparateurs mangelnde Grundkenntnisse der Elektrotechnik vermuten lassen. Hier gilt: Der erfahrene Reparateur braucht keine Hinweise, für den weniger erfahrenen können sie gefährlich werden.

Das folgende Beispiel zeigt eine gefährliche Verbastelung, wie sie mir kürzlich begegnete:

Jemand hatte den Selengleichrichter durch eine herkömmliche Siliziumbrücke ersetzt. Das ist weiter nicht schlimm, aber der Bastler wusste sicher nicht, dass diese eine gegenüber der Selenbrücke um ca. 10% höhere Spannung liefert.

Dann hat er gerechnet: 2x 50uF, das macht 100uF. Auch nicht ganz falsch. Aber dann hat er den ersten Siebelko (50uF) zusätzlich mit 100uF unterstützt, obwohl dieser noch im Grünen Bereich lag.

Die Aufschrift auf dem originalen Gleichrichter: B250 C100 hat er zumindest gelesen, denn er hielt für den zusätzlichen Elko eine Spannungsfestigkeit von 250 Volt für ausreichend. Das hat dann ziemlich gekracht, denn die Leerlaufspannung betrug das 1,5 -fache.

Ganz deutlich zur Warnung: Das Teil hat sich explosionsartig zerlegt!

Daher nochmals, wie in oben genannter Anlage beschrieben: Schutzbrille aufsetzen!

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This article was edited 08.May.07 12:57 by Eike Grund .

Rolf Nickel
Rolf Nickel
 
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11.May.07 22:11

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   2 Liebe Leser,
die Ausführungen von Herrn Grund möchte nachdrücklich unterstützen und noch etwas ergänzen:

1. Bei Gleichrichtung mit Röhrendioden ist der maximal zulässige Kapazitätswert CL des Ladekondensators der Röhrentabelle zu entnehmen. Zu viel hilft hier nicht viel ! Und der ohmsche Widerstand RS der Netztrafo-Sekundärwicklung/en darf den dort ebenfalls angegebenen Mindestwert nicht unterschreiten. Dieser wirkt als "Vorwiderstand", der den Ladestrom I (t) des Kondensators und damit den durch die Röhre fließenden Strom begrenzt. Im Allgemeinen werden diese Bedingungen eingehalten, zumindest dann, wenn man den vorhandenen Netztransformator weiterverwendet und den Kapazitätswert des Kondensators beibehält. Aber man sollte das "im Hinterkopf" behalten, falls z. B. der Trafo ausgetauscht werden muss.

2. Ersetzt man einen Röhren- oder einen Selengleichrichter durch Siliziumdioden, so sollte man die Dioden-Anschlussdrähte so lang wie möglich lassen, damit man möglichst weit vom Gehäuse entfernt lötet und im späteren Betrieb die Verlustwärme besser abgeführt wird. Auf keinen Fall die Drähte direkt am Gehäuse abwinkeln, das kann die Diode beschädigen.

3. Für die Spannungsfestigkeit des Ladekondensators ist zu beachten, dass vom Einschaltmoment bis zu dem Zeitpunkt, an dem alle Röhren aufgeheizt sind, dem Kondensator nahezu kein Strom entnommen wird. Folge: Man muss mit einer maximalen Gleichspannung rechnen, die erheblich höher ist als der spätere Betriebswert, der z. B. im Schaltbild vermerkt ist.

Dafür gibt es zwei Gründe:
  • der kurz nach dem Einschalten zunächst im Leerlauf arbeitende Netztransformator gibt eine höhere Sekundär-Wechselspannung ab als unter Last im späteren Betrieb und
  • der Ladekondensator lädt sich nahezu auf den Scheitelwert (Faktor √2) dieser (erhöhten !) Wechselspannung auf.

Das heisst, bei 250 Volt Trafo-Leerlaufspannung ist für die Dauer der Anheizzeit mit einer am Ladekondensator liegenden Anfangsgleichspannung Umax von über 353 Volt zu rechnen, für die der Ladekondensator bemessen werden muss !
Wie man sieht, befindet man sich hier mit den leicht erhältlichen 350 Volt-Typen bereits an der Grenze des Vertretbaren. Dies gilt insbesondere, wenn ein älteres 220-Volt-Gerät an der heute üblichen 230 Volt Netzspannung betrieben wird.

Der Ladekondensator bleibt auch gefährlich, wenn man das Gerät wegen irgendeines Umstandes nach dem Einschalten gleich wieder ausschaltet, also bevor die Röhren Gelegenheit hatten, Anodenstrom zu ziehen. So etwas kommt öfter vor, als man annimmt. Dann entlädt sich der Kondensator nur ganz allmählich über die in der nachfolgenden Schaltung vorhandenen Widerstände und stellt so eine Gefahr für den Reparateur dar.

Selbstverständlich wissen die meisten von uns genau Bescheid und werden meine Ratschläge vielleicht als übertrieben oder belehrend empfinden, aber ich möchte die weniger Erfahrenen warnen. Persönlich wäre z. B. ich selbst "damals" (etwa 1970) sehr froh gewesen, wenn mir jemand das oben Beschriebene mitgeteilt hätte, bevor ich anhand von Heinz-Richter-Büchern anfing, mit Röhren zu basteln. Bitte beurteilen Sie das "Minimalschaltbild" selbst (aus Heinz Richter, "Neues Bastelbuch für Radio und Elektronik", Telekosmos-Verlag, Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart, 1969):



Im zugehörigen Text befinden sich keinerlei Warnungen vor gefährlichen Spannungen1), oder wieviel Volt die beiden 32µF-Elkos "aushalten" müssen. Wer das als Anfänger 1:1 nachbauen möchte, riskiert bei Verwendung eines hochwertigen Ausgangsübertragers und einer niederohmigen Drossel nicht nur eine überlastete EL 84 ...

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1) HR wendet sich in diesem Buch ausdrücklich an seine jugendlichen Leser.

This article was edited 12.May.07 08:15 by Rolf Nickel .

  
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