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Der KTR-2005 ist bei AM nur ein Einkreiser

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Ralph Oppelt
Ralph Oppelt
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07.Oct.20 21:13
 
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Neulich bekam ich den KTR-2005 zum Geburtstag geschenkt, mit prall gefüllter Kühltasche (man nennt das auch scherzhaft "Fresspaket"). Um 2005 herum stopfte man überall Radios rein, die hochintegrierten ICs degradierten Radios (leider) zum Billigware-Wegwerfartikel. Aber ich wollte auch wissen, was dieses Radio hier kann. FM schien zu funktionieren, doch bei AM (Mittelwelle) ging man offenbar davon aus, dass das eh keiner hört. Hauptsache im Katalog steht "FM und AM". Schnell zeigte sich, dass der KTR-2005 erstens nur bis 1250 kHz ging (die Skala geht bis 1600 kHz) und zweitens ca. 50 kHz Bandbreite aufwies. Ein guter Detektorempfänger wäre weit trennschärfer! Die Inspektion der Platine offenbarte, dass der komplette LO-Kreis fehlte und statt des 455 kHz Keramikfilters ein 100 pF Kondensator als Brücke eingebaut war (s. roter Kreis und roter Pfeil unten in Bild 1). Der AM-Mischer in dem HF-IC CD2003GP wurde quasi im Durchgangsmode betrieben, der anschließende ZF-Verstärker verarbeitete dann eben den MW-Bereich statt die 455 kHz.

Bild 1: Die Platine des KTR-2005 im Originalzustand

Die üblichen 4-fach-Drehkos (2 x AM, 2 x FM) haben vier dazugehörige Abgleichtrimmer integriert, die offenbar werksseitig auf maximale Kapazität eingestellt sind. Das erklärte sofort die 1250 kHz Grenze. Eine gute Vierteldrehung am Trimmer ergab dann 1600 kHz als obere Grenze. Das war die leichte Aktion. Nun die schwierigere: Ein Blick ins Datenblatt des CD2003GP verrät in groben Zügen, wie man den LO zum Leben erwecken kann. Ein bisschen hilft auch der Platinenaufdruck. Letztlich braucht man nur eine Spule mit Anzapfung und jeder Bastler weiß aus uralten Zeiten, dass die LO-Spulen der japanischen Kleinstradios fast immer einen roten Abgleichkern hatten. Natürlich fand sich so ein Teil in meiner Bastelkiste. Was nun heißes und kaltes Ende bezüglich der Anzapfung sein muss, findet man schnell im Versuch raus (es gibt nur zwei Möglichkeiten und bei der falschen schwingt der LO nicht an). Schwieriger wird es mit dem Kondensator in Serie zum Drehko (auf der Platine ist das C31), der für den Gleichlauf erforderlich ist. Doch da das Radio von 540 bis 1600 kHz empfangen soll, muss bei 455 kHz ZF der LO von 995 bis 2055 kHz gehen, was man per Frequenzzähler bei loser Ankopplung leicht prüfen kann. Nach ein paar Iterationen erwies sich hier C31 = 180 pF als optimal.

Das Datenblatt des CD2003GP sieht den dreibeinigen SFV455LS als Keramikfilter vor. Den hatte ich nun nicht vorrätig, dafür einen vermutlich etwas hochwertigeren CFM455H mit ca. 9 kHz Bandbreite. Ist zwar nicht pinkompatibel aber das folgende Bild zeigt, dass man auch dieses Bauteil einbringen kann (links mit der Nr. 7153 zu sehen). Der Abblockkondensator C33 war auch nicht bestückt, ich ergänzte hier 100 nF.

Bild 2: Der KTR-2005 nach Umrüstung zum Superhet

Neben der HF-technischen Hürde gibt es auch eine mechanische Hürde für die Umrüstung: Wie bekommt man das Radio aus der Kühltasche? Der AM-FM-Umschalthebel lässt sich leich abziehen, die Kopfhörerbuchse leicht abschrauben, der Lautsprecher-Kunststoffring leicht abziehen - doch die Drehknöpfe wollen einfach nicht: Sie lassen sich einfach nicht abziehen! Sie sind nämlich obendrauf mit einer kreisrunden aufgeklebten Abdeckung versehen, welche man z.B. mit einer Pinzette abziehen muss, um an die zentrische Schraube zu kommen, die dann gelöst werden kann. Zwar sind die Abdeckungen danach ziemlich verbogen, d.h. kaum mehr brauchbar, doch es gibt selbstklebende schwarze Filzfüße mit etwa gleichem Durchmesser, die die Drehknöpfe wieder original aussehen lassen.

Dieses Beispiel zeigt sehr anschaulich, wie beschämend profitmaximierend manche Firmen arbeiten. Denn nicht einmal die auf einen simplen Einkreiser abgespeckte Version konnte, was sie versprach: Für 1600 kHz als obere Frequenzgrenze hätte ja jemand einen Schraubenzieher für 10 Sekunden in die Hand nehmen müssen...

This article was edited 07.Oct.20 21:30 by Ralph Oppelt .

  
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