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Deutschlandsender Herzberg, Tagebuch des Fridolin Schmidl

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Wolfgang Lill
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25.Apr.19 19:47
 
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Im Dezember 2018 erschienen in der Regionalpresse Meldungen, das ein Tagebuch von Fridolin Schmidl an den Bürgermeister von Herzberg geschickt wurde.

Das war mir eine Reise nach Herzberg wert und ich durfte dieses Tagebuch studieren und  werde diese historisch sehr wertvolle Dokumentation für die Veröffentlichung im Radiomuseum nutzen.

Das Symbol auf dem Dienststempel wurde unkenntlich gemacht

Mein heutiger Besuch in Herzberg war aber auch ein Grund, mir den Ort einmal etwas näher anzuschauen.

Drei interessante Dinge möchte ich voranstellen, die auf jeden Fall einen Besuch von Herzberg empfehlenswert machen:

Die St.-Marien-Kirche aus dem 14. Jahrhundert, erbaut in gotischen Stil,  ist die evangelische Stadtpfarrkirche von Herzberg/Elster 

Das ist nun meine ganz persönliche Auffassung, man soll das Leben in seiner Stadt lebenswerter gestalten, dazu gehört auch diese wunderschöne Fassadengestaltung.

...und ein Schornstein, es muß  nicht immer ein neuer Mast errichtet werden, kann für Rundfunk und Mobilfunk sowie Behördendienste Verwendung finden.

Gesehen auf der Clara- Zetkin- Str. 10 in Herzberg.

Aber jetzt zum  Sender:

Der Ort Herzberg wurde im 3.Reich als sogenannter geografischer Mittelpunkt  des Deutschen Reiches in den Grenzen von 1914 ermittelt.  Mit der Konzeption des Volksempfängers, sollte  jede Familie zwei Reichsdeutsche Rundfunkprogramme empfangen können.

Die Kurzwellendienste dienten der Information von Hörern im Ausland.

Die Philosophie, die diesem Sender zugrunde lag, war, das dieser mit einer ordentllchen Antenne mit dem Volksempfänger auf Langwelle 191 KHz im gesamten Reichsgebiet sicher zu empfangen war und darüber hinaus in großen Teilen Europas.

Das andere Programm wurde zunächst regional über Mittelwellensender ausgestrahlt.

Sendemast 1939, 337m hoch, das höchste Bauwerk Europas . Vorn; Sendehaus mit Anbau im Sommer 1939 ( Kühlturm fehlt noch ) offizieller  Sendestart war am 19.05.1939

Foto : Fridolin Schmidl

Nach umfangreichen Bodenerkundungen, hier spielt das Grundwasser und die Wasserversorgung die wichtigste Rolle, kam das Urstromtal  entlang der Kremnitz, unweit von Herzberg dafür infrage. Es befindet sich südlich der heutigen B87. 

Den Auftrag zum Bau des (damals ) leistungsstärksten Langwellensenders der Welt erteilte am 27.April 1933 Dr. Ohnesorge, Staatssekretär im Reichspostministerium.

Schon nach kurzer Zeit beginnen Baugrunduntersuchungen und Grundwasseranalysen. Insgesamt wurden  10 Bohrungen bis 15 m Tiefe ausgeführt. Die Ergebnisse waren so, das alle technischen Probleme lösbar waren. Die Reichspostverwaltung kaufte die notwendigen Grundstücke von Bauern an. Das war für diese sogar vorteilhaft, weil die Wiesen minderwertiges Ackerland sind.

 

Unser Tagebuchverfasser Fridolin Schmidt wird erst mit mit der Inbetriebnahme Mitarbeiter des Senders und auch das bittere Ende der Großsenderanlage hat er festgehalten.

Was existiert eigentlich noch nach der erfolgten Demontage der teilweise noch intakten Anlagen, die dann auf Waggons verladen Richtung Sowjetunion abtransportiert wurden ?

Bei meinem Besuch - Auf Spurensuche vor Ort - am 25.April 2019 konnte ich die Siedlung "Am Sender" besuchen. Leider ist kein Denkmalschutz  , auch nicht für die Teichanlage , dafür vergeben wurden .

Das Haus Nr. 1 dieser Sendersiedlung, die man im Zeitraum1938/ 39 errichtete, ist  mit seinen Fensterläden  und der Dachgaube optisch noch gut mit dem Gebäude aus der damaligen Zeit vergleichbar. Gebaut wurden diese Senderhäuser, wo weitere je 1000 m2 Nutzgarten dazugehörten, für das wichtigste Bedienungspersonal mit ihren Familien.

Im Haus Nr.1 wohnte damals der erste Leiter des "Deutschlandsenders 3" in Herzberg, Herr Postrat Kupper mit seiner Familie ( heute ist die Oberförsterei Herzberg hier untergebracht ).

Der Senderteich, mit einem Umfang von etwa 228 m, wurde ebenfalls künstlich angelegt, sicher nicht nur zum Zwecke der Landschaftsgestaltung sondern auch als Wasserreservoir im Brand- oder Havariefalle.

Bild: Google Maps 2019-04-27 14,40 Uhr  ; Sendersiedlung "Am Sender" Herzberg

Etwa 300 m weiter in Richtung Schlieben befindet sich die Einfahrt zum heutigen Wasserwerksgelände. 

Das Gebäude ist  das ehemalige kleine Pförtnerhaus der Sendeanlage. Es wurde zu DDR- Zeiten genutzt für die Unterbringung von Bewachungspersonal. Denn denn auf dem Gelände standen zwei Störsender, die RIAS1 Berlin auf 990 Khz und RIAS2 auf 855 KHz regional störten. Die Anlagen selbst waren im ehemaligen Pförtnerhaus des Deutschlandsenders untergebracht. Unmittelbar daneben standen drei Masten je 30 m hoch mit 2 Stück T- Antennen für die Sender. 

Betreiber dieser Anlagen war die Deutsche Post der DDR.

Wann genau, das lässt sich nicht mehr ermitteln, wurden diese zwei Störsender nach Jessen auf den "Himmelsberg" umgesetzt. Die Störsendungen  wurden jedoch mit dem 23.November 1978 abrupt eingestellt, dazu hatte sich Erich Honecker mit der Unterzeichnung der Schlußakte auf der KSZE- Konferenz in Helsinki verpflichtet !

Bild: Google Maps 2019-04-27 15,10 Uhr   Reste von der Sendeanlage an der Kremnitz

Die noch nutzbaren Teile der Anlage wurden im Auftrage der Sowjetischen Truppen von Deutschen Arbeitskräften abgebaut. Alles, was zum Sender gehörte, aber was man  nicht mitnehmen konnte, wurde dann gesprengt. So auch das Antennenabstimmhaus ( im google Bild habe ich die genaue Lage gekennzeichnet ). 

Auf dem Antennenabstimmhaus saß dieser Stahlmantelkörper, auf dem widerum auf einem Fußisolator saß. 

Fotos aus dem Nachlaß von Fridolin Schmidl  ( etwa Sommer 1939 ).

Teil des Antennenabstimmhauses, Bild links, Energiezuführung zum Antennenmast, daraufstehend der cirka 750 Tonnen schwere Sendemast, dessen exakte Höhe war: 325 m + Antennenabstimmhaus machte insgesamt dann die 337 m . Der Fußpunktisolator war aus Keramik und 75 cm hoch. 

Oben links sind zwei Antennenmast- Erdungsschalter ( Blitzschutz) .

Zwei Minibilder aus dem Tagebuch von Fridolin Schmidl, die Seltenheitswert haben.

Oberes Foto: Weg zum Antennenhaus, links vom Sender kommend die Energierohrleitung. Diese war 275 m lang und lagerte auf etwa 70 cm hohen Betonstützen. 

Unteres Bild; Pardunenfundamente im Vordergrund verzinkte Erdungsbänder. 

Der selbststrahlende dreieckige Profilstahlgittermast hatte eine Höhe von 325 m. Oben mit der Dachkapazität von 25 m ist er praktisch elektrisch verlängert um weitere 50 m.

So sieht das äußere Pardunenfundament auf der östlichen Kremnitzwiese aus. Es hat die Sprengungen nicht überstanden wurde aber danach auch nicht weiter zerlegt und weggeräumt. Die Entfernung vom Mast war hier 200 m und  das Seil war 65 m unter der Dachlinse befestigt. Die Abspannung des Mastes erfolgte nach drei Seiten im Winkel von je 120 Grad.

Der nächste Trümmerhaufen ist das Pardunenfundament Nr. 2, etwa 160 m vom Mast entfernt. Zwischen Fundament und Mast waren 96 Zwischenisolatoren eingebaut.  Die Seile wurden übrigens vor Ort hergestellt. 

Es wurde 4 mm dickes Stahlseil geliefert und dies wurde mit einer Spezialmaschine mit 96 Drähten zu einem Tau zusammengedreht. 

Hier ist noch das dritte Pardunenfundament zu sehen, es steht 120 m vom Mast entfernt.

Das vierte Fundament ( die Lage kann nochmal im obigen google Bild nachvollzogen werden ) ist 80 m vom Mast entfernt.

Richtig romantisch sieht das aus. Auch die Brücke über die Kremnitz  blieb begehbar erhalten. Unten sprangen die reichlich vorhandene Fische im trüben Wasser.  Die Brücke war notwendig um die Verbindung zwischen der Pardunenanlage und der Erdungsanlage auf der anderen Flußseite ständig zu gewährleisten.

...und noch eine interessante Sache. Der 10 m hohe Betondrehstand.

Davon haben 2 Stück den Abriss überlebt.  Von diesen Masten aus wurde nachts die Dachkapazitätslinse der Antenne beleuchtet ( üblich ist normalerweise eine Hindernisbefeuerung am bzw auf dem Mast ).

Herzberger Wasserwerk. Das Aufbereitungsgebäude wurde erst in den 50iger Jahren errichtet. Heute wird  über den Wasser- und Abwasserzweckverband Herzberg aus dem Wasserwerk, was teilweise aus den Anlagen der Wasserversorgung des Senders entstanden ist, ein Großteil der Einwohner mit Frischwasser versorgt.

Im nicht mehr vorhandenen Dieselhaus standen drei Generatoren mit je 1500 Ps ( 1103 KW)

Die MAN- Dieselgeneratoren, darüber der Montagekran.

aus seinem Tagebuch / wörtliche Übernahme: 

Bombenabwürfe auf den Sender

Bis zum Jahre 1944 blieb der Sender von gegnerischen Angriffen verschont. Fliegeralarm gab es wohl öfters. Ich glaube aber mit Bestimmtheit annehmen zu können das die Bomber im Träger des Senders anflogen, sich, nachdem sie einige Leuchtschirme setzten, über den Sender sammelten um dann, wie es des öfteren beobachtet werden konnte, in Richtung Berlin, Leipzig usw. , je nachdem wie ihr Programm lautete, abzufliegen um dort ihre gefährliche Last abzuwerfen.

Am 11. April 1944 überflog  am hellen Tage ein amerikanischer Pulk den Sender in großer Höhe, ohne von ihm Notiz zu nehmen.Plötzlich tauchten ganz tief fliegend zwei Begleitjäger auf, schossen MG- Garben auf das Sendergebäude ab und verschwanden dann wieder so plötzlich wie sie gekommen waren, ohne wesentlichen Schaden anzurichten.

Daraufhin wurde eine Hauptstufengruppe und zwar die Gruppe A  des Senders mit Siebmitteln usw.  ausgebaut und Anfang des Jahres 1945 nach Weickelsdorf bei Zeitz  verlagert um bei einen Angriff und eventueller Beschädigung der zwei verbliebenen Gruppen B und C auf die verlagerte Gruppe A zurückgreifen zu können.

Hinweis; eine Gruppe leistete 165 KW, durch Parallelschaltung konnte mit zwei Gruppen 330 KW Sendeleistung erzielt und bei Zuschaltung der Gruppe C lieferte der Sender sogar 500 KW .

Auch Reserveröhrenlager wurden in zwei umliegenden Dörfern ; Jeßnigk und Kolochau sowie in einem posteigenem Gebäude in der Stadt Herzberg eingerichtet.

Am 19. April 1945 um 1/2 Vier Uhr wurde es ernst.  Da starteten plötzlich aus blauem Himmel  einige zweirumpfige leichte Bomber einen Angriff auf den Sender, schossen mit MGs verschiedene Löcher in die Luft und warfen einige Bomben, die aber entweder im Gelände krepierten oder als Blindgänger im Gelände liegenblieben.

Durch einen Schuß aus einem Bordgeschütz wurde eine Stahlblende, mit dem die Fenster des Sendesaales verschlossen waren, durchgeschlagen und das Geschoß traf den Pumpenstutzen einer RS301, wodurch die Röhre ihr Vakuum verlor und die Sendergruppe B ausfiel. 

Da in der Gruppe C gerade eine Reparatur durchgeführt wurde, war der Sender an diesem Tag lahmgelegt.

Röhre RS 301 einzeln und im Einsatz. Fotos vom Tagebuch Schmidl 

Sofort wurde aus dem Röhrenlager Jeßnigk mit LKW eine Röhre herangeschafft und gegen die defekte Röhre ausgewechselt. 

Da für den 20.April vorgesehen war, eine Rede von Goebbels zu übertragen ( Bemerkung : es war bekanntlich seine letzte ) , hagelte es nur so von Anrufen  von der RPD ( Reichspostdirektion) Leipzig, vom Funkhaus, der Funküberwachung usw. 

Goebbels persönlich unterstellt, das Haus des Rundfunks in Berlin , Redaktion des Deutschlandsenders, gleichzeitig die Zentrale des Großdeutschen Rundfunks                             Foto vom Tagebuch Schmidl

Nun hieß es; alle in den Luftschutzraum, wenn etwas im Anflug war. Der Luftschutzraum war auf ebener Erde an das Sendergebäude angebaut und über dem nur Erde angeschüttet war. Er hätte, direkt von Bomben getroffen, keinen Schutz bedeutet.

Wir hatten ihn deshalb gleich nach dem ersten Angriff mit starken Balken zusätzlich abgestützt.

Ich rief dem diensthabenden Maschinisten Öhmig zu, schnell noch die Blenden auf der linken Senderseite zu schließen. Ich tat dies auf der rechten Senderseite.  Dann stürmten wir über die Treppen zum Luftschutzraum. 

Als ich ins Freie trat, sah ich, wie ein Bomber um den Turm drehte, die Nase nach unten. Ich schrie Öhmig, der hinter mir kam, zu, sich zu beeilen . Wir hatten gerade noch Zeit in die Gasschleuse, die zum Luftschutzraum führte, mehr hineinzufallen als zu gehen, als auch schon die Hölle los war. 

Daß wir alle heil aus diesem Inferno herauskamen ist als ein Wunder anzusehen. In der Nähe des Luftschutzraumes durchschlug eine Bombe das Dach des Sendergebäudes, fiel in den Siebmittelraum und blieb dort liegen. Wäre diese Bombe krepiert, hätte ich kaum mehr Gelegeneit gehabt, diese Zeilen zu schreiben.

Gleich darauf krepierte eine Bombe im Sendersaal auf der entgegengesetzten Seite. Das waren die letzten Sekunden der Hauptsendergruppen, in nun in die Luft strahlten, denn zum Abschalten des Senders war bei Gott keine Zeit mehr. 

Von dieser Sekunde an gab es keinen Deutschlandsender mehr.  Wieviel Bomben sonst noch trafen, war nicht festzustellen.

Eine davon krepierte beim Treppenhaus beim Haupteingang zum Sendergebäude. Da die Wände aus Beton ausgeführt waren und die Zwischenwände aus Ziegelmauerwerk war durch die Gewalt der Bombe ( n)  kein Zugang mehr möglich in Büro, Werkstatt und Lager . Die Ausrüstungs- und Einrichtungsgegenstände lagen wüst durcheinander. 

Die Bomber flogen den Sender von der Turmseite an, warfen ihre Bomben und beim Hochziehen der Flugzeuge muß wohl der Bordschütze MG- Garben auf das Dach des Senders gelegt haben. 

Das hörte sich in dem "L.S." ( Luftsschutz ) so an, als ob schwere LKW´s über das Dach fuhren.

So wie alles mal ein Ende hat, nahmen die Anflüge ab. Wir hörten nur noch etwas Brummen der Motoren, dann hörte auch das auf.  jemand öffnete die Tür zum Senderaufgang. Der L.S.-Raum hatte nämlich zwei Zugänge, da schob sich eine dicke Staubwolke in den L.S.- Raum, so daß wir nicht hindurchsehen konnten.

Nun krochen wir vorsichtig ins Freie. Der erste Weg war nun durch die Trümmer zum Sendesaal. Oti Hammer betrat den Saal, blieb im Eingang stehen, betrachtete den Trümmerhaufen eine Weile stumm, dann sagte er zu mir: "Oh, Herr Schmidl, unser schöner Sender !" Da sagte einer hinter uns " Sie wollen wohl in den Himmel fahren ?"  Herr Hammer stand nämlich auf einem Blindgänger !

Da wir nicht wissen konnten ob noch mehr von diesen Dingen herumlagen, die eventuell noch losgehen konnten, verließen wir das Sendergebäude um uns zu orientieren, was sonst noch passiert war. Was wir feststellen mußten, war nicht gerade ermutigend.

Foto. Schmidl, nach dem Angriff 

Da in den für den Postschutz vorgesehenen Räumen 40 Mädchen eines Funklehrganges untergebracht waren, bewohnten die Postschutzmänner im Jahre 1943 erbaute Holzbaracken. 

In einer dieser Baracken waren die Heizvorräte für den Postschutz untergebracht. Diese Baracken standen in hellen Flammen. Nun hatten wir vorerst zu tun, das Feuer zu löschen, was unter allerlei Schwierigkeiten endlich auch gelang.  Die meisten der gelegten Schläuche waren von MG- Garben beschädigt. 

Ein an diesem Tage von R.PM  ( Reichs Postministerium) nach Herzberg entstandter Postrat, der Name ist mir entfallen, hatte den Auftrag, da der Russe in unmittelbarer Nähe war und mit einer Besetzung des Senders  gerechnet werden mußte, den Sender zu lähmen, so daß er von den Russen nicht benutzt werden konnte, von uns aber, falls es nicht zu einer Besetzung des Senders kam, sofort wieder in Betrieb genommen werden konnte. 

Dieser Herr hat den Angriff im L.S.- Raum miterlebt. Irgend jemand fragte ihn nachher, ob diese Lähmung des Senders genüge. Er meinte darauf, so gut hätte er es nicht gekonnt....

Nachdem die Löscharbeiten beendet waren, kamen wir endlich dazu, den Gesamtschaden festzustellen.

Das vorläufige Ergebnis war folgendes:

- Das Antennenhaus samt Antenne war unbeschädigt.

-Das Sendergebäude stark beschädigt, die Innenräume demoliert. Die Technik des Senders überwiegend vernichtet, Siebmittel, Rückkühlanlage teilweise beschädigt. Der Niederspannungsschaltraum unbeschädigt. Ein 15 KV- Kabel getroffen. 

- Das Dieselhaus unbeschädigt. 

Wäre es nicht schon 5 min nach 12 gewesen, hätte unbedingt die Möglichkeit bestanden, nach Herbeischaffung der nach Weickelsdorf (Zeitz) verlagerten Hauptstufengruppe A, nach einigen Wochen, zwar mit geringerer Leistung, aber immerhin mit 165 KW, den Betrieb wieder aufzunehmen.

Nun wurde beraten, was weiterhin zu tun sei. Wir wußten ja nicht, ist die Angriffsserie nun zu Ende oder bekommen wir nochmal Besuch ? Was bleibt dem Personal zu tun ? Es war ja alles so sinnlos. 

Jemand schlug vor, das alle nach Hause gehen sollten. So geschah es dann auch. 

Es verblieben für den Rest Tages bis früh 7,00 Uhr beim Sender: 

Maschinist Willi Öhmig    beim Sender

Maschinist Karl Marschall im Dieselhaus 

sowie meine Wenigkeit und der sowieso im Pförtnerhaus wohnhafte Pförtner Willi Friedemann.

Das war der letzte Dienst beim "Neuen Deutschlandsender". Wir machten es uns im LS- Raum bequem. Es gelang uns , auch Strom für die Beleuchtung zu beschaffen. Nun warteten wir auf die Überraschungen, die uns vielleicht noch bevorstanden. 

Um uns zu beschäftigen, krochen wir in den Trümmern herum und sammelten noch unbeschädigtes Meßgerät, um es in dern LS- Raum zu bergen. Dreimal mußten wir in dieser Nacht hinaus, um wieder aufflammende Feuer in den Baracken zu löschen.

Gegen 7,00 Uhr früh wurde die ganze Gegend schon wieder durch Tiefflieger beunruhigt. Diese schossen auf jeden einzelnen Menschen.

Wir vereinbarten nach Hause zu fahren, um uns etwas zu restaurieren und in ca 2 Stunden wieder nachzusehen.  Auf dem Wege zur Stadt trafen wir einige Kollegen aus den Wohnhäusern "Am Sender" , die dabei waren, das Notwendigste aus ihren Wohnungen in Sicherheit zu bringen. Es waren zwar bei zwei Angriffen auf die Wohnhäuser keine Bomben gefallen, aber durch die MG- Garben waren die Dächer zerschossen. 

Als wir am 21.4. gegen 9,00 Uhr wieder zum Sender kamen, war schon wieder ziemlich dicke Luft. Die Zahl der Tiefflieger hatte sich vermehrt, so daß wir den Eindruck hatten, daß noch etwas bevorstehe. Das kam dann auch. Wieder hatten kaum den Sender verlassen, als wieder eine Bomberstaffel im pausenlosen Anflug den Sender mit Bomben belegte. 

Nach ungefähr 15 Minuten flogen die Bomber in Richtung Falkenberg  ( Falkenberg/Elster ) ab. Kurze Zeit danach hörten wir Detonationen aus dieser Richtung. An diesem Tage wurde der Eisenbahnknotenpunkt Falkenberg vernichtet.

Nach dem letzten Angriff zählten wir 11 Blindgänger, welche in Gebäuden und im Sendergelände herumlagen. Wären diese noch krepiert, dann wäre wahrscheinlich nicht mehr viel übrig geblieben. 

Am 23.4. erfolgte dann die Besetzung des Senders und der Stadt Herzberg durch die Russen.  

 

Im 3. Teil des Tagebuches geht es um den Abbau des Senders auf Befehl der sowjetischen Besatzungsmacht. Ich übernehme diesen Teil des Tagebuches von Herrn Schmidl ohne textliche Änderungen 

Abbau des Senders auf Befehl der sowjetischen Besatzungsmacht

Nach Besetzung duch die Rote Armee war es vorerst nicht möglich, sich um den Sender zu kümmern. Die ganze Bevölkerung wurde, da die zwei Elsterbrücken gesprengt waren, zum Brückenbau herangezogen. Einige Kollegen, die zum Sender Herzberg nur abgeordnet waren, kehrten noch vor der Besetzung Herzbergs zu ihren Familien nach Leipzig, Torgau usw zurück, desgleichen auch die Postschutzmänner. 

Der verbliebene Rest des Personals , es waren insgsamt 11 Kollegen. Diese wurden beim Brückenbau eingesetzt und zwar mußten die beim Sender vorhandenen Winden  und Seile herangeschafft und bedient werden. Da das alles prima klappte wurde man auf uns, das Senderpersonal, aufmerksam und man zog uns bei jeder Gelegenheit wie zum Beispiel der Heranschaffung von schweren Eisenträgern aus Falkenberg zum Bau der Eisenbahnbrücke über die Elster, zum Transport von eisernen Gestellen für die GPU , Verladung von abgebauten Maschinen und Materialien einer demontierten Möbelfabrik usw. 

In der Zwischenzeit plünderten Zivilrussen und Polen, die während des Krieges in Deutschland arbeiteten und auf dem Wege nach Osten am Sender vorbeikamen, diesen aus. 

Vom RPZ und RPM waren Materialien wie neue Gestelle für Wechselstromtelegraphie, große Kisten mit wertvollen Meßgeräten usw beim Sender eingelagert. Ein großer Teil davon, der noch erhalten war, wurde von diesen Horden sinnlos vernichtet und zerschlagen.

Hier will ich eine Episode einflechten, die beinahe 5 Mann des Personals das Leben gekostet hätte.:

Durch die Bombenabwürfe waren die Wohnhäuser am Sender ohne Strom. Dies bedeutete kein Licht, kein Wasser. Maschinist Krause, TI Schramm und Pförtner Friedemann entschlossen sich zu versuchen, das durch Bomben getroffene Erdkabel zu den Wohnhäusern wieder instandzusetzen.  Als sie zum Sender kamen war ein russischer Major mit einigen Russen dabei, für ihren LKW aus  posteigenen LKW und PKW verschiedenes auszubauen. 

Maschinist Krause erklärt dem Major den Zweck ihrer Anwesenheit auf dem Sendergelände und ersuchte ihn zu gestatten, daß sie nachsehen dürfen, ob eine Reparatur des Kabels möglich sei. Es wurde ihnen gestattet. Als sie zum Sendergebäude gingen, trat ihnen ein deutscher Oberleutnant mit eingehängter Maschinenpistole entgegen und fragte was sie wollen. Maschinist Krause machte sich zum Sprecher und erklärte, das sie zum Personal des Senders gehörten und sie versuchen wollten, das Kabel zu den Wohnhäusern zu reparieren und verhehlte auch nicht, das vorne bei den Garagen Russen seien. 

Er legte ihm nahe, sich im LS- Raum liegende Arbeitskleidung unserer Maschinisten anzuziehen. Er antwortete; "Ich bin deutscher Offizier" und verschwand im Luftschutzraum. Daraufhin gingen die Drei, ohne sich um das zerschossene Kabel zu kümmern, zu den Russen zurück und sagten dem Major, das eine Reparatur des Kabels nicht möglich sei. Das spielte sich in einem Zeitraum von etwa 3 Minuten ab. Daraufhin fragte der russische Offizier, ob irgendwo Öl sei. Krause führte ihn ins Dieselhaus, zeigte ihm ein Faß Öl und sagte dem Major, daß sie nun wieder in ihre Wohnhäuser zurückgingen. Der Russe sagte "Nu gut" und gab ihm eine Zigarette. 

Kaum an den Wohnhäusern angekommen, ging beim Sender eine tolle Schießerei los. Mit dem Fernglas konnte Krause beobachten, daß von Osten kommend, Russen mit LKW´s, an denen kleine Geschütze angehängt waren, vor dem Sender hielten. Von den LKW´s sprangen Russen und kreisten um den Sender mit "Hurrahhh". Einige machten ein Geschütz fertig und beschossen erst den Sender dann das Antennenhaus. 

Den fünf Mann war nun klar, daß die Russen den Deutschen Oberleutnant entdeckt hatten und Jagd auf ihn machten. Klar war ihnen auch, das in Kürze Besuch zu erwarten sei, da ja kurz zuvor drei Mann beim Sender waren und vielleicht irgendwie in den Zusammenhang mit dem Oberleutnant gebracht würden. 

Kaum war die Schießerei zu Ende, als auch schon der Major mit einigen Soldaten an den Wohnhäusern erschien und Krause aufforderte, sofort alle Männer zusammenzurufen.  Als alle fünf versammelt waren, sagte der Major, daß ein deutscher Offizier, nachdem er zwei Russen umgelegt hatte erschossen wurde und behauptete, daß die drei Mann, die beim Sender waren, von der Existenz dieses Deutschen Offiziers gewußt haben. 

Nur der Umstand, das Krause darauf hinwies, das er doch vorher gefragt habe, ob sie das defekte Kabel reparieren dürften und daß sie schon nach 3 Minuten zurückkamen, da eine Reparatur nicht möglich war, rettete ihnen das Leben ! Während des Gespräches suchte ein Russe in den Häusern nach Wertgegenständen. Es ging plötzlich aus seiner eingehängten Maschinenpistole ein Schuß los und traf ihn in die große Zehe, worauf er einen richtigen Indianertanz aufführte,. 

Krause versicherte mir, es sei schrecklich gewesen, es durfte doch niemand lachen, ohne sofort erledigt zu werden. Innerlich meinte er, wäre er beinahe geborsten vor Lachen, so komisch sei die Situation gewesen.

Nun wurden die fünf zum Sender geführt. Auf mehrmaliges Befragen, ob noch mehr deutsche Soldaten im Sender wären und als alle wiederholt versicherten, seit Tagen nicht im Sender gewesen zu sein, gab schließlich der nochmalige Hinweis von Krause, daß sie nur wegen des Kabels beim Sender waren, daß sie doch vorher gefragt und das sie mit Erlaubnis des Majors nur 3 Minuten bei dem defekten Kabel waren. 

Der Major sah ein, das in der kurzen Zeit eine Verständigung mit dem Deutschen Offizier unmöglich gewesen wäre. Er besprach sich mit dem Offizier, der die LKW´s befahl und verlangte schließlich, das alle fünf Mann den Sender auf Anwesenheit Deutscher Soldaten untersuchen sollten. Nach einer Stunde verluden die Russen ihre zwei erschossenen Soldaten auf einem LKW.

Krause verständigte nach 1 1/2 Stunden umherirren in den Sendergebäuden, den Wahnsinn nahe, dem russischen Offizier, das niemand mehr in den Sendergebäuden ist, worauf ihm der Major sagte, sie könnten nach Hause gehen. Er verbot aber das Betreten des Senders. Daraufhin holte Krause die vier anderen aus dem Sendergebäude. Als alle fünf wieder zusammen waren, schossen die Russen 5 x in die Luft und fuhren dann in Richtung der Stadt Herzberg ab.

Vor dem Eingang zum Sender lag erschossen der Oberleutnant. Man hatte ihm die Stiefel ausgezogen und sämtliche Taschen ausgeräumt. Die Erkennungsmarke fehlte, so daß nicht festgestellt werden konnte wer der Erschossene war. Die fünf in die Luft abgegebenen Schüsse sollten scheinbar bei den Frauen in den Wohnhäusern den Eindruck erwecken, daß ihre Männer erschossen wurden.

Durch diese Schießereien mit dem Geschütz wurde am Antennenhaus der Antennenkreis teilweise zerstört und der Durchführungsisolator zerschossen. 

Nach einiger Zeit gingen wir trotz Verbot wieder zum Sender und trafen dort den Wirtschaftskapitän Oltutschin von der Kommandantur Herzberg. Wir stellten uns als technisches Personal vor, bekamen Ausweise und die Erlaubnis zum Betreten des Senders. Am Eingang zum Sendergelände wurde ein großes Schild in deutscher und russischer Sprache angebracht, mit dem Verbot den Sender zu betreten.

Wir bekamen den Auftrag, Aufräumungsarbeiten durchzuführen. Wir arbeiteten nun täglich wieder beim Sender. Eines Tages kam der seinerzeitige Herzberger Bürgermeister Otto Eger, ein 150% Kommunist, zum Sender und ordnete an, das wir auf Anweisungen, die er uns ausstellen werde an die Bauern Dieselkraftstoff auszugeben hätten. Woher er wußte, das wir noch 45000 l Dieselkraftstoff eingelagert hatten, ist nicht bekannt.

Desweiteren verlangte er, daß die 11 im Gelände liegenden Blindgänger entschärft würden. Ich erklärte mich, da ich bei der Artillerie gedient habe und auch einigermaßen Bescheid wußte, dazu bereit, unter der Bedingung, daß wir etwas zu rauchen bekämen. Nach längerem Feilschen, ich verlangte, da wir 11 Mann waren, drei Pfund Tabak... Wir einigten uns, nachdem ich ihm vorhielt, bei der Arbeit auch mein Leben zu riskieren, auf 1 1/2 Pfund.

Es war alles, was man tat, damals so sinnlos, man konnte in dieser Zeit an einen Wiedaufbau Deutschlands kaum glauben. Ich habe diese 11 Bomben entschärft , hatte Glück dabei, es ging alles gut. 

Ende Mai 1945 wurde der letzte Sendeleiter Herr Ernst Hammer von den Russen abgeholt. Nach einem kurzen Verhör wurde er am nächsten Tage vorerst wieder entlassen.

Am 2. Juni wurde Maschinist Krause verhaftet und in den GPU- Keller ( Untersuchungsgefängis sowjetischer Geheimdienste ) gesperrt. Er erzählte nachher, das man ihn gefragt habe, ob der Chef des Senders ein Faschist sei. Man habe ihn dabei knapp gegen die Wand gestellt und bei seinem "nein" mit der Faust so in das Gesicht geschlagen, das er immer mit dem Kopf gegen die Wand schlug. Das wiederholte sich mehrere Male auch in der Nacht. Nachdem man ihm sämtliche Zähne ausgeschlagen hatte und kaum noch stehen konnte, sagte er schließlich " ja" um endlich Ruhe zu haben. Man brachte ihn in den Keller zurück und am Morgen wurde er mit dem Worten " Du nach Hause ! " entlassen.

Nun ließ man uns eine Zeit lang in Ruhe. Erst Ende Juni 1945 wurde der Maschinist Bernhard Frost wegen seiner Tätigkeit  als Zellenleiter, ( Chef der Ortsgruppe der NSDAP) und am selben Tage wurde auch Herr Hammer zum zweiten Male, abgeholt.

Während sich Frost , der im Jahre 1948 anlässlich einer Amnestie entlassen wurde, wieder erholen konnte starb OT Hammer 14 Tage nach seiner Heimkehr im Krankenhaus Herzberg. 

Ende Juli 1945 kamen mehrere russische Offiziere zum Sender und erklärten, daß der Sender abgebaut würde. Ein Leutnant Sobotschin , angeblich Maschinenbaumeister vom  Moskauer Sender, fragte uns, wie lange der Abbau dauern könnte. Wir meinten mit 100 Mann vielleicht ein Jahr. Darauf er; "mit 300 Mann 1/4 Jahr !" Auf unsere Einwendung, daß so viele Arbeiter nicht aufzutreiben seien, da schon viele Menschen zum Abbau anderer Betriebe aus Herzberg abgezogen wurden, antworte er; "300 Mann morgen hier"!

Am nächsten Morgen kamen einige Lastwagen mit 300 Zivilisten an, die während des Krieges in Deutschland arbeiteten. Auf einem LKW waren 300 Brecheisen, 300 Kombizangen, 300 Schraubenzieher und 300 Hämmer. Das war das Werkzeug mit dem der Sender abgebaut werden sollte. Nun ging es los. Krause und ich wurden zum " Meister " befördert und hatten die Russen anzuweisen. 

Es tauchte dann noch ein Leutnant Arsimanov auf, angeblich auch vom Moskauer Sender, der den Abbau verwaltungsmäßig leitete. Das Herz tat einem weh, wenn man zusehen mußte, wie die Russen mit der wertvollen technischen Einrichtung umgingen. Was nicht mit der Kombizange und dem Schraubenzieher demontierbar war musste vor dem Hammer und dem Brecheisen kapitulieren. Trotz dieser Methoden wurde in der Zeit wenig abgebaut. 

Nach einigen Wochen gingen die Russen, nachdem man eingesehen hatte, das diese Menschen für den Abbau ungeeignet waren, nach Rußland ab. Dafür wurden vom Arbeitsamt 150 Mann          ( Einheimische) für den Abbau verpflichtet. 

Wir konnten den Leutnant Arsimanov schließlich überzeugen, daß ohne Schraubenschlüssel und sonstiges Werkzeug eine regelgerechtes abbauen nicht möglich sei. Daraufhin wurden Schraubenschlüssel, Steckschlüssel, Franzosen, kurz alles erforderliche Werkzeug, durch die Russen beschafft.  

Holz wurde angefahren für die Anfertigung von Kisten , Holzwolle, Dachpappe , Papier, Nägel usw. wurden besorgt. Die Arbeitskräfte wurden aufgeteilt. Ein Teil arbeitete im Dieselgebäude, ein anderer Teil im Sendergebäude. Handwerker bauten Kisten, wieder andere verpackten die abgebauten Teile.

Eines Tages kam Leutnant Arsimanov zu mir und gab mir den Auftrag, das Antennenhaus wieder vollständig in Ordnung zu bringen. Ich nahm noch Pfaff zu Hilfe. Der Antenneneingangskreis, dessen Spule aus armstarker Hochfrequenzlitze und die zweite Spule aus Aluminiumrohr von etwa 5 cm Stärke bestand, war zerschossen. Ich holte aus dem Sendesaal Litze und Rohre von verstärkten Schwingkreisen und reparierte damit den defekten Antennenkreis. Spiritus zum Abisolieren der Litze, Lötkolben, Lötlampe besorgte der Leutnant. So wurde die Reparatur erfolgreich durchgeführt. Nach 14 Tagen war die Einrichtung des Antennenhauses wieder in Ordnung.

Als ich den Leutnant Arsimanov davon verständigte sah er sich alles an und sagte dann; "na gut, alles aufzeichnen, abbauen und zusammenpacken. " Der Inhalt der einzelnen Kisten mußte notiert werden. Abends mußte ich zu Leutnant Arsimanov, der sich vor Ort einquartiert hatte. Dort übersetzte der Leutnant meine Inhaltsangaben der Teile ins Russische. Diese wurden in einen Briefumschlag eingelegt und kamen am nächsten Tage in die betreffende Kiste. 

Dasselbe hatten die Kollegen zu tun, die im Dieselhaus abbauten und auch im Sendergebäude.

Im Mai 1946 wurde ich nach Weickelsdorf geschickt, wo die Hauptstufengruppe A mit Siebmitteln eingelagert war. Mit Hilfe dortiger Arbeitskräfte wurden die Teile in Kisten verpackt und in 10 Waggons verladen. Diese fuhren dann im Juli 1946 zunächst nach Herzberg. 

Anmerkung : im Januar 1945 waren diese nach Weickeldorf mittels 11 Waggons verbracht worden 

In Weickelsdorf stellte sich heraus, das nicht mehr alle dorthin gelieferten Gegenstände vorhanden waren. Ich will hier jedoch nicht weiter auf diese Sache eingehen, der Herr Schmidl schreibt in seinem Tagebuch wörtlich dazu: 

Es stellte sich heraus, das der Bürgermeister von Weickelsdorf und der Polizeichef von Zeitz sich die fehlenden Kisten und Möbel angeeignet hatten....die sie allerdings nach Aufdeckung zurückgeben wollten.

Insgesamt wurden 60 Waggons mit Teilen in Herzberg verladen und Richtung Sowjetunion verschickt.

Wieder aus dem Tagebuch:

Den Turm wollten die Russen uesprünglich stehen lassen. Es kamen, nachdem der Sender abgebaut war, mehrfach russische Offiziere aus Berlin wegen des Turmes nach Herzberg. Es hieß dann immer, der Turm bleibt stehen. Anfang Juli 1946 kam wieder eine Kommission aus Berlin und plötzlich hieß es, der Turm wird abgebaut.

Schon am nächsten Tage begann der Abbau, der bis Mitte Oktober 1946 dauerte.  Die Verladung war Ende Oktober beendet. .. und dann ging der Zug mit dem Antennenturm nach Rußland ab. 

Spätestens in Warschau verliert sich jedoch die Spur, Die drei deutschen Zugbegleiter mussten in Warschau aussteigen und wurden zurückgeschickt. Der Zug fuhr mit sowjetischer Bewachung weiter. 

Weiter schreibt Herr Schmidl in seinem Tagebuch:

Nun gab es noch einige Zeit Kleinarbeit. Das 15 KV- Kabel für die Stromversorgung des Senders war bereits abgebaut. Das zweite, von den Bomben getroffen, wurde bis zu den Wohnhäusern ausgegraben und zur Stromversorgung der Wohnhäuser wurde vom Schalthaus ein 220/380 V Kabel verlegt. Die Modulationskabel waren ebenfalls schon ausgegraben und nach Rußland verfrachtet.

Als die Steuerleitung für den Motor des Blitzschutzschalters ausgebaut werden sollte, meinten wir, das der Wert der ausgebauten Leitung in keinem Verhältnis zum Arbeitsaufwand steht. Von dem sowjetischen Leutnant Arsimanov wurden wir eines Besseren belehrt. Er sagte;" egal, alles abbauen, Sowjetunion 1% Nutzen, Deutschland 100% Schaden". 

Die Wohnhäuser gingen in das Eigentum der Forstverwaltung über, die posteigenen Häuser in Herzberg  wurden von Angehörigen der Volkspolizei bewohnt. 

So ist das Tagebuch von Herrn Schmidl hier zu Ende . Ein interessantes Zeitdokument

 

Mein Beitrag ist nur ein bescheidener; empfehlen möchte ich noch  das Heimatbuch  "Ein Riese unter Riesen "

Dieses Buch , Autor ist der leider bereits vor ca 8 Jahren verstorbene Helmut Knuppe  ist nur in der Buchhandlung Kirsten Jachalke in 04916 Herzberg erhältlich (Alleinvertrieb). Tel: 035356130              Preis 7,99 EURO + Versand. 

This article was edited 03.May.19 21:53 by Wolfgang Lill .

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Auf den Kremnitzwiesen , dem Baugelände des Deutschlandsenders 3  befand sich vor Baubeginn ein Segelflugplatz. In den 20iger Jahren hatten junge Leute des Fliegerklubs Herzberg das ebene Gelände für sich entdeckt. Am 19. November 1933 kam es zu einem tödlichen Unfall , der Herzberger Segelflieger Karl Doerr stürzte aus 70 m ab.

Seit den 50iger Jahren gibt es neue Aktivitäten auf den" Senderwiesen" .

Der Vereinsvorsitzende Dirk Gotthardt hat mir dazu einige Informationen zukommen lassen und ich glaube, das diese auch für die Freunde vom Radiomuseum interessant sind. ..denn alle Modelle werden funkferngesteuert !

Hallo Wolfgang, anbei ein paar Bilder von unserem Vereinsleben.

Unser Verein wurde 1990 neu gegründet (nach neuem Recht und als e.V. (gemeinnützig)), hervorgegangen sind wir aus der Arbeitsgemeinschaft Modellbau der GST.

Zur Zeit sind wir 35 Mitglieder aus allen Gesellschaftsschichten, wir haben wie fast jeder Verein in Ostdeutschland, mit Nachwuchsschwierigkeiten zu kämpfen. Der Altersdurchschnitt liegt bei ca. 48 Jahren, da helfen uns, unsere 3 Jugendlichen kaum, diesen zu drücken. Modellsport ist eben kein Mannschaftssport, sondern etwas für Individualisten. Trotzdem sind wir eine gute Truppe, die sich gegenseitig hilft und wir schaffen es  jedes Jahr am 1.Mai unser Schnupperfliegen und aller 2 Jahre das Schwarze Elster Treffen durchzuführen.

Unser Logo haben wir erst vor 2 Jahren anfertigen lassen. Es bezieht sich auf das Fliegen und das Herz aus Herzberg. Unser Grafiker Andre hat hier, glaube ich, ein Schmuckstück für uns entworfen.

Ich gebe dir hiermit die Erlaubnis unser Logo und die beigefügten Bilder für deinen Bericht auf www radiomuseum.org  zu verwenden. Die Rechte für die Medien liegen beim Modell Flug Club Herzberg e.V. (vertreten durch Dirk Gotthardt Ernst-Thälmann Str.21 in 04916 Schönewalde (Vorsitzender), Jochen Dittmann Torgauer Str. 86 04938 Uebigau (Geschäftsführer).

Ich würde mich freuen, wenn ich den kompletten Bericht, wenn er fertig ist, auch auf unserer Webseite zu veröffentlichen. Natürlich mit link auch zur Seite von Radiomuseum.org.

Liebe Grüße aus Herzberg 

Dirk Gotthardt

 

 

 

This article was edited 09.May.19 07:16 by Wolfgang Lill .

  
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