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Ein RADIX-8-Röhren-Batterie-Super - oder "nur" ein Bastelger

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Michael Grzonka
 
 
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07.Jun.03 19:54

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   1 Michael Grzonka, Kirchheim

Recherchen über längere Zeit hinweg ergaben kein klares Bild über die Herkunft einer nicht näher bezeichneten 8-Röhren-Truhe. Vielleicht können Leser dieses Artikels zur Klärung beitragen.

Gedanken zur Überschrift

Zunächst seien einige Gedanken zu dem in der Überschrift verwendeten Begriff "Bastelgerät" gestattet: Wann ist ein Gerät ein "Bastelgerät"? Ist ein durch einen mehr oder weniger handwerklich begabten Laien zusammengesetzter Bausatz (also von einem Hersteller/Anbieter in Einzelteilen gelieferten Radios) ein "Bastelgerät" - oder gilt dies nur für ein Radio, das nach einem Schaltbild z.B. aus einer Zeitschrift von der selben Person wie zuvor, unter persönlicher, individueller Auswahl der Einzelteile zusammengebaut wurde? Wie sieht es mit Geräten aus, die nach Baumappen, wie in Katalogen angeboten, aufgebaut wurden?

Die Beantwortung dieser Fragen ist mir leider nicht möglich, denn sie bereitet mir, wie vielleicht dem einen oder anderen Sammler auch, einige Schwierigkeiten. Anzumerken bleibt, dass ich mit Geräten ohne Firmenbezeichnung (gleichgültig, in welcher der zuvor aufgeführten Varianten) in keinster Weise weder ein sammlerisches, noch ein persönliches Problem habe. Schließlich waren irgendwann einmal Selbstbaugeräte hoch in Mode, wenn vielleicht auch nur aus finanziellen Gründen.

Der nachfolgende Bericht soll verdeutlichen, dass "Bastelgeräte", in welcher Variante auch immer, ein interessantes Sammelgebiet sein können. Die Gründe für das heute leider noch hie und da auftauchende Verschmähen von "Bastelgeräten" entziehen sich meinem Verständnis. Gerade jedoch die jüngeren Sammler aus unserem Kreise "müssen" sich meist mit diesen Geräten zufrieden geben, sofern sie überhaupt Radios aus den 20er Jahren zu einem vernünftigen Preis bekommen. Sie sollten jedoch nicht den Eindruck erhalten, dass diese Geräte minderwertig sind, nur weil Unbekannte sie fertigten. "Bastelgeräte" prägten jene Epoche - sie sind Zeitgeschichte!

Das Gerät (Bild 1) - eine Kurzbeschreibung

Das nicht industriell gefertigte Chassis (Bild 2) ist in einer Eichenholztruhe mit den Ausmaßen BxHxT von 770 x 290 x 330 mm eingebaut, beides zusammen wiegt etwa 15 kg. Den verwendeten Bauteilen zufolge müsste das Baujahr um 1927/28 liegen, wobei ein Großteil der Bauelemente von drei verschiedenen Herstellern stammt:

Förg: Drehkondensatoren mit Feintrieb, Röhrenfassungen, Konzert-Transformatoren Type T. 5. (1:4 und 1:2)

Radix: BINOCLE OSCILLATOR, HF-Filter, HF-Übertrager (SUPERHET TRANSFORMER)

Schaub: Heizregler

Die Röhrenbestückung ist wohl typisch für ein solches Gerät und besteht aus folgenden Typen: 1 x RE 074 d, 4 x RE 074, 1 x RE 084, 1 x RE 114 und 1 x RE 134. Jede Röhre hat "ihren" eigenen Heizregler, sogar mit entsprechender Bezeichnung (von links nach rechts am Gerät abgenommen):
D.R. OSZ. Z.R. Z.R. Z.R. A. N.F.1 N.F.2

Dieser Überlagerungsempfänger für Batterieanschluss dient gemäß Beschriftung zum lückenlosen Empfang der Wellenlängen von 200 m bis 3000 m (100 kHz bis 1,5 MHz); der Wellenbereich ist dazu in zwei Bereiche unterteilt: 200 - 600 m und 600 - 3000 m. Praktisch werden diese Frequenzen nicht ganz eingehalten.

Wie Messungen ergaben, arbeitet das Gerät mit einer Zwischenfrequenz von etwa 52,6 kHz. Diese ZF gilt für beide Wellenbereiche gleichermaßen.

Vermutungen

- Betrachtet man den HF-Teil, also den BINOCLE OSCILLATOR (Radix, Abb. 3), das HF-Filter (Radix) und die HF-Übertrager (Radix) als das Herzstück des Empfängers, so liegt es nahe, dass es sich um ein Radix-Gerät handeln dürfte; der Rest der Bauelemente ist dann, wenn auch dringend erforderlich, nur Beiwerk. Aber leider findet sich an keiner Stelle des Gerätes ein entsprechender, expliziter Hinweis auf die Firma Radix.

- Sämtliche Bezeichnungen der Frontplatte sind äußerst sauber eingraviert, was nicht gerade auf ein "Bastelgerät" hinweisen dürfte. Denn welcher Bastler hätte sein Eigenbaugerät mit derartigen, zudem fachmännischen (siehe oben) Abkürzungen versehen, wo doch das Gravieren eine nicht gerade preisgünstige Auftragsarbeit ist? Hätte es eine Numerierung der Heizregler von "1" bis "8" für ein "Bastelgerät" nicht auch getan? Für unwahrscheinlich halte ich es, dass die Industrie Frontplatten mit Gravierung für Bastelbedarf herstellte, ohne die dazugehörende Schaltung mitzuliefern.

- Verdrahtung: Die mit versilberten Vierkantdrähten ausgeführte Verdrahtung macht einen etwas "chaotischen" Eindruck. Es sieht nach einer geübten, aber dennoch irgendwie laienhaften Ausführung aus.

Und es spielt doch!

Um so mehr erstaunt es, dass das Gerät, versehen mit Rahmenantenne und Lautsprecher - von einigen Wehwehchen abgesehen - einwandfrei spielt. Von einer hohen Schwingneigung, wie es bei einem derartigen dichten Aufbau mit acht Röhren ohne jegliche Abschirmung der (HF-)Leitungen und der einzelnen Stufen zu erwarten wäre, ist glücklicherweise keine Spur.

Zusammenfassung

Ein Batteriegerät um 1927/28 ohne Firmenbezeichnung mit professionellem Äußeren, dessen Innenleben einen laienhaften Eindruck vermittelt und funktionsfähig ist (obwohl es kaum zu erwarten gewesen wäre!). Ob ein Bausatz, ein nach einer Baumappe oder nach einer anderen Vorlage gebautes Gerät vorliegt, konnte bislang nicht eindeutig geklärt werden.

Eine abschließende Bitte: In der Funkschau-Ausgabe von 1929, Seite 16, (zweites Januarheft) findet sich der Bericht "Erfahrungen mit Supern" inklusive einem Schaltbild, das dem der zuvor beschriebenen Truhe sehr ähnlich ist. Jener Bericht bezieht sich auf das Jahr 1928 und verweist auf die Funkschau-Ausgaben Nr. 18, 19, 24 und 25. Leider hatte ich bislang keine Gelegenheit, diese Ausgaben zu prüfen, da sie mir nicht zur Verfügung stehen. Wer könnte mir da bitte helfen?

Ich habe die Hoffnung, dass der eine oder andere Leser ähnliche Geräte kennt oder Informationen dazu hat und sich mit mir in Verbindung setzt. Konkret suche ich alles, was damit in Zusammenhang steht, beispielsweise Kopien von Schaltplänen, Bauanleitungen, Prospekten, Bedienungsanleitungen, Blaupausen, usw.

Einen besonderen Dank möchte ich unserem GFGF-Mitglied Michael Meyer aus Stuttgart für die Neuzeichnung des Empfänger-Schaltbildes (Bild 4) sagen.

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