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Radio im Buchenwald-KZ bei Weimar gebaut

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Wolfgang Eckardt
Wolfgang Eckardt
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23.Feb.05 10:05

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   1  KZ-Buchenwald - Befreiung vor 60 Jahren
   - illegaler Rundfunk-Gerätebau durch Häftlinge

Es hat zwar nichts unmittelbar mit den Entwicklungsetappen der Radiogeräte zu tun, schon gar nicht im Sinne des technischen Fortschritts, aber ich bin der Meinung, dass auch dort Radiogeschichte „geschrieben“ wurde:

Vor  60 Jahren, am 11. April 1945 kam es durch die Häftlinge des Konzentrationslagers „Buchenwald“ bei Weimar zu einer Selbstbefreiung von der SS und drei Tage später erfolgte die restlose Befreiung des Lagers durch die US-Army. Es ist erwiesene Tatsache, dass durch den illegalen Bau von Rundfunk-Empfangsgeräten und sogar KW-Sendern durch einige Häftlinge verschiedener Nationalitäten - unter Einsatz ihres Lebens - diese Befreiung mit vorbereitet wurde und so wie geschehen auch ablaufen konnte.

Anlässlich meiner Ausstellung im Weimarer Stadtmuseum 2002 wurden mir 2 Exponate aus dem Fundus der „Gedenkstätte Buchenwald“ bei Weimar als Leihgaben zur Verfügung gestellt, um die Aussagen zur Rundfunkgeschichte für die Zeit 1933 - 1945 noch deutlicher dokumentieren zu können.
Diese beiden Geräte möchte ich kurz mit ein paar Bildern und einigen mir bekannten belegbaren Fakten vorstellen.

Der „Eimer-Empfänger“

 

Aus Teilen des DKE1938 wurde ein Empfänger gebaut, der in einem Eimer für Schuhfett versteckt wurde. Einen kompletten Empfänger zu beschaffen und zu betreiben war unmöglich. In den vorhandenen Werkstätten, in denen auch KZ-Gefangene aus verschiedenen Ländern als Rundfunk-Fachleute tätig waren, wurden z.B. auch die Rundfunkgeräte des deutschen Aufsichtspersonals repariert. Dabei gelang es, einzelne Bauteile „weg zu organisieren“.
Die später angefertigte Gedächtnisskizze der Erbauer veranschaulicht den inneren Aufbau.

Am Boden befand sich der eigentliche Empfänger mit dem Netzkabel, der Kopfhörer um die nach oben ragende VCL11 gelegt. Abgedeckt wurde das Ganze durch einen Einsatz, der mit dem Schuhfett samt Bürste gefüllt war. Herausheben ließ sich dieser Teil nur mit einem durch das Fett gesteckten Hakenschlüssel (auf dem Bild rechts neben der Bürste liegend).
Hier noch zwei Detailansichten, von der Seite (auf dem Kopf stehend) und von der Unterseite des Empfängers, sowie das Schaltbild.

 Betonen möchte ich, dass es sich bei dem vorgestellten Gerät um einen in den 60er Jahren entstandenen Nachbau handelt, der für Ausstellungszwecke genutzt wird. 


Kurzwellen - Empfänger


 

 

Auch hier handelt es sich um einen Wiederaufbau des Gerätes in den 60er Jahren nach originalen Vorlagen. Es muss aber angemerkt werden, dass die damaligen "Restauratoren" nicht immer exakt auf die richtige zeitgemäße Wahl der Bauelemente geachtet haben.
(Zu erkennen sind einige Kondensatoren und Widerstände aus RFT-Produktion der 50er Jahre.)

Mit diesem Empfänger war es u.a. möglich, die Funksprüche der heranrückenden amerikanischen Panzer zu empfangen (wahrscheinlich 36-38 m- Band?). Zusätzlich konnte noch ein "Nora K 69" genutzt werden, der zur Reparatur abgegeben worden war und im KW-Teil verändert wurde (Bandspreizung).

Abschließend noch ein paar Fakten zum Senderbau.
Es wurde ein leistungsstarker Kurzwellen-Sender für Telegrafie im Gebäude der Kinohalle eingebaut. 
Ein paar erhalten gebliebene Skizzen belegen einige wichtige Tatsachen.

Als Steuerverstärker konnte ein umgebauter Körting-Verstärker HSW III (Filmvorführung) genutzt werden, die  Endstufe bestand aus 2 x RS241, der Blitzableiter wurde zur Dipol-Antenne:  auf dem Dach und an den beiden Einführungen in die Erde wurde einfach der Leiter aufgetrennt. 

Ab Februar 1945 gelangen damit auch erste Sendeversuche wahrscheinlich im Bereich 36 - 38m. Es gelang auch ab März/April 1945, Funksprüche an die heranrückenden alliierten Truppen abzusetzen und das Oberkommando der 3. US-Army antwortete auf das Rufzeichen KL-BU .......

Wolfgang Eckardt

Ebenfalls aus Teilen des DKE1938 entstand dieser speziell für Kurzwellen-Empfang konzipierte Empfänger. Er wurde in der Holzschachtel verborgen und konnte so unauffälliger versteckt werden.


Erbaut wurde er von einem Häftling namens Otto Roth unter Mithilfe anderer, vor allem bei der Materialbeschaffung.

 

 


 

 

 

This article was edited 13.Apr.08 21:01 by Wolfgang Eckardt .

  
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