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Erinnerungen an die Hörfunkstation "Stern" H V Ě Z D A"

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Wolfgang Lill
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23.Mar.19 07:27

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on  Michael Strassmann, München , ehemals Radio Prag

1.September 1970:

am tschechoslowakischen Radiohimmel geht ein „Stern“ auf                          

 H V Ě Z D A vzpomienky na rozhlasovú stanicu  H V I E Z D A

Der politische „Prager Frühling“ in der Tschechoslowakei unter KPTsch-Chef Alexander Dubček (Slowake) wird in der Nacht vom 20. auf den 21.Augsut 1968 von den Panzern der UdSSR und weiterer „Bruderländer“ niedergewalzt. Unter der neuen KPTsch-Führung um Parteichef Gustav Husák (Slowake) bricht Anfang der 1970er Jahre die Ära der „normalizace“ (slowakisch: „normalizácia“) an. Auch im Československý rozhlas (Tschechoslowakischer Rundfunk) haben die neuen Machthaber hart durchgegriffen: Mitarbeiter, die den Reformkurs unter Alexander Dubček unterstützt hatten, wurden entlassen.

 

Unter Alexander Dubček am 13.Juni 1968 war die Zensur abgeschafft worden. Doch jetzt brauchte wieder jedes Manuskript, das ins Mikrofon gesprochen und über den Sender gehen sollte,  das „O.K.“ - d.h. den Stempel – der Zensurbehörde. Diese Behörde hieß bis 1966 „Hlavní správa tiskového dohledu“ (‚Hauptverwaltung für Presseaufsicht“), nach 1966 „Ústřední publikační správa“ (‚Zentrale Veröffentlichungsverwaltung’). Nach dem Einmarsch der UdSSR Ende August 1968 wurde die politische Zensur also wieder eingeführt: das „Úřad pro tisk a informace“ (‚Amt für Presse und Informationen’) waltete seines Amtes bis in die Wendezeit 1989/1990.

 

Anfang der 1970er Jahre ordnete Československý rozhlas seine Radioprogramme neu. Dabei schwebte den neuen Verantwortlichen unter den neu eingesetzten Generální ředitele (Generaldirektoren) Bohuslav Chňoupek (Slowake, 1969-1970 Generální ředitel Čs. rozhlasu, 1971-1988 Außenminister der ČSSR) und Ján Riško (Slowake, 1970-1989 Generální ředitel Čs. rozhlasu) eine Art sozialistischer Servicewelle vor mit Nachrichten, kurzen Berichten, Interviews und Reportagen, Serviceinformationen und viel Unterhaltungsmusik. So wurde ein neues föderales (gesamtstaatliches) Programm aus der Taufe gehoben, das tschechisch HVĚZDA und slowakisch HVIEZDA getauft wurde. Beide Worte bedeuten auf Deutsch schlichtweg „Stern“ – da waren wohl Assoziationen mit dem kommunistischen Leitbild, dem „roten Stern“, beabsichtigt. Jedoch behaupten andere, mit dem Namen der Station sei das Prager Lustschloss “Hvězda“ (‚Stern’) auf dem Weißen Berg (Bílá hora) gemeint, wo es 1620 zu einer für die tschechische Staatlichkeit folgenschweren Schlacht gekommen war… Als direktes Vorbild für das neue Programm diente den Verantwortlichen offenbar das zweite Allunionsprogramm des Hörfunks der UdSSR „Маяк - Majak“ (‚Leuchtturm‘) - die Programmformate ähnelten sich doch auffällig: alle halbe Stunde Aktuelles, dazwischen Musik.

 

Als Stationssignal für HVĚZDA wurden die ersten Takte eines Marsches aus dem 2.Weltkrieg bestimmt, gespielt von einer Spieluhr: „Směr Praha“ (‚Richtung Prag‘) – eine höchst gewagte Wahl, nicht einmal zwei Jahre nach dem Einmarsch russischer Truppen in Prag! Der Text dieses Marsches auf Deutsch: „Über verbrannte Erde,

über Ströme von Blut, Regiment für Regiment schreitet entschlossen voran…“.

Logo von 1971, der Stern war rot 

HVĚZDA begann mit seinem Sendebetrieb am frühen Morgen des 1.September 1970. Anfangs führte HVĚZDA beinahe unverändert das Format und Sendeschema ihres Vorgängerprogramms „Československo“ fort. Ab Januar 1971 wurde HVĚZDA umgebaut zu einem populären Informations-, Begleit-, Magazin- und Musikprogramm. In der Presse wurden das Programm von HVĚZDA, die einzelnen Sendungen bzw. deren Inhalt nur bruchstückhaft wiedergegeben. Bis Anfang der 1980er Jahre stand in der Programmzeitschrift „Rozhlas“ (‚Hörfunk’) Woche für Woche lapidar zu lesen: „HVĚZDA posluchačům. Československý rozhlasový proud informací, aktualit a hudby vysílá nepřetržitě ve dne i v noci. Na vysílačích VKV ve stereofonním provedení. Zprávy, politické aktuality, přehledy tisku ráno, přes den a večer každou půlhodinu, v noci každou hodinu“. Auf Deutsch: ‚Ein STERN den Hörern. Der tschechoslowakische Hörfunkstrom mit Informationen, Aktualitäten und Musik sendet ununterbrochen am Tag und in der Nacht. Über die UKW-Sender in Stereo-Ausführung. Nachrichten, politische Aktualitäten, Presseschauen morgens, tagsüber und am Abend jede habe Stunde, nachts jede Stunde‘. Anmerkung: längere Sendestrecken mit Musik und Kurzberichten nennt man im Tschechischen ganz allgemein „proudové vysílání“ (‚Stromsendung’, „Fliesssendung’ etc.), im Slowakischen „prúdové vysielanie“.

 

Die Stationssprecher und Moderatoren von HVĚZDA sprachen entweder tschechisch oder slowakisch. Gefahren wurde das Programm in der Regel aus dem Prager Funkhaus, die Magazine „Pozor, zákruta!“ oder „Plná polná dobrých sprav“ wurden aus dem Funkhaus Bratislava zugespielt. An Magazinen wie „Vysílá studio 7“ (slowakisch: „Vysielá študio 7“) beteiligten sich alle Funkhäuser und Bezirksstudios mit Beiträgen, Reportagen etc. 

 

Ab 1.Januar 1973 war HVĚZDA als erstes und einziges Programm von Československý rozhlas rund um die Uhr zu hören - bis dahin legte HVĚZDA zwischen 2 und 4:30 Uhr eine nächtliche Sendepause ein.

 

Wichtigster Sender von HVĚZDA war der Langwellenstrahler „Československo I.“ im mährischen bei Uherské Hradiště, der auf 272 (270) kHz arbeitete und dessen Signal beinahe in der ganzen ČSSR in angemessener Qualität empfangbar war.

Hier ein Detailbild vom Langwellensender Topolna, danke an Vaclav Balek und mit dem Link kommen Sie direkt zu diesem Sender

radiomuseum.org/forum/langwellensender_topoln_270_khz.html

Der 400 kW (2 x 200 kW) starke Langwellensender wurde 1952 in Betrieb genommen und Mitte der 1970er Jahre modernisiert. Ab 15.November 1978 arbeitete Topolná mit der hohen Leistung von 1 500 kW (2 x 750 kW). Im Westen und Osten des lang gestreckten Staatsgebietes - in der westlichen Hälfte Böhmens und im Osten der Slowakei - wurden zur Schließung von Schwachstellen und Lücken beim Empfang von Topolná mehrere Mittelwellensender eingesetzt, die im Gleichwellenbetrieb auf 1232 (1233) oder 1520 (1521) kHz arbeiteten. Stärkste Mittelwellensender von HVĚZDA waren in den späteren 1970er Jahren Praha 2-Mělník (400 bzw. 2 x 200 kW, 1233 kHz) und Košice-Čižatice (600 kW bzw. 3 x 200 kW, 1521 kHz). 

 

Zusätzlich zu den Lang- und Mittelwellensendern waren UKW-Sender der OIRT-Norm – d.h. im Frequenzband von 65,9 bis 73,1 MHz - in Betrieb, die vor allem die bevölkerungsreichen Gebiete rund um die Bezirkshauptstädte mit einem guten Signal versorgten. Am 1.Januar 1980 kamen die Radiohörer erstmals in den Genuss von HVĚZDA in Stereo – allerdings zunächst nur diejenigen im Empfangsbereich des westslowakischen UKW-Senders Bratislava (Preßburg) auf dem Kamzík (Gemsberg), der auf 67,76 MHz arbeitete. Alle anderen OIRT-UKW-Sender waren binnen zwei Jahren auf Stereobetrieb umgerüstet. Ende der 1980er Jahre erreichten die OIRT-UKW-Sender von HVĚZDA etwa 80 % der Tschechen und Slowaken in für guten Stereo-Empfang ausreichender Feldstärke.

 

Schon bald nach der Genfer Wellenkonferenz von 1984 wurden für HVĚZDA zusätzliche schwache UKW-Sender der CCIR-Norm – d.h. im Frequenzband 87,6 bis 107,9 MHz – installiert, um Lücken in der UKW-Versorgung zu beseitigen und die Hörer auf die komplette Umstellung des UKW-Hörfunks von der OIRT- auf die CCIR-Norm vorzubereiten. Ihren ersten UKW-Sender der CCIR-Norm bekam HVĚZDA im äußersten Nordwesten Böhmens bei Cheb (Eger) auf der Zelená hora (Grünberg): er übertrug HVĚZDA auf 97,6 MHz, allerdings nur in Mono. Die Hörer im Großraum Cheb/Aš (Eger/Asch) lebten in einem der vielen Gebiete, die von den OIRT-UKW-Sendern gar nicht oder nur in sehr dürftiger Qualität erreicht wurden.

 

Nach den politischen Umwälzungen und dem Sturz des KPTsch-Regimes im Herbst 1989 wurde HVĚZDA in „Československo“ zurück benannt. Am 16.Dezember 1989 Punkt 11 Uhr meldete sich auf den Frequenzen von HVĚZDA das alt-neue Programm „Československo“ zurück und das mit einem neuen – provisorischem – Stationszeichen. Československý rozhlas schrieb bald einen Wettbewerb aus nach einem neuen Stationszeichen. Gewonnen haben die ersten Takte des legendären Protestsongs von 1968 „Modlitba pro Martu“ (‚Gebet für Marta‘) der Sängerin Marta Kubišova - als Fanfare geblasen.

 

 

Nachrichten, Kurzberichte, Aktualitäten

 

Das Grundgerüst des Programmschemas von HVĚZDA bildeten die etwa fünf- bis siebenminütigen Nachrichtensendungen zu jeder vollen Stunde. Zeitzeichen, Zeitansage, Stationskennung, Meldungen, Wettervorhersage für die Tschechische Sozialistische Republik und die Slowakische Sozialistische Republik  – so die obligatorische Reihenfolge. Die Früh-Nachrichten enthielten die üblichen Durchsagen über die Versorgung von Industrie und Privathaushalten mit elektrischem Strom sowie mit Erd- und Leuchtgas. Ab Mitte der 1980er Jahre wurde im Anschluss an die Nachrichten gelegentlich noch genannt, was im tschechischen Nationalprogramm „Praha“ und im slowakischen „Bratislava“ in der laufenden Stunde zu hören sein wird. Die Nachrichten begannen jahrelang mit Floskeln wie „auf der Station ‚Stern‘ hören sie Nachrichten“ oder „der ‚Stern‘ sendet Nachrichten“. Ab Mitte der 1980er Jahre hieß es dagegen „auf der Station ‚Stern‘ senden wir Nachrichten des Tschechoslowakischen Rundfunks“ oder dergleichen.

 

Die längeren Hauptnachrichtensendungen wurden nicht selten im Duett gelesen, d.h. es saßen ein tschechischer und ein slowakischer Sprecher gemeinsam im Studio und lasen die Meldungen – abwechselnd und jeder in seiner Sprache. Zusätzliche Nachrichten gab’s am Morgen um 3:30, 4:30, 5:30 und 6:30. Um 7:30 Uhr lief Montag bis Freitag anstelle der üblichen Nachrichten eine zehnminütige außenpolitische Rubrik mit dem Titel „Minuty ze zahraničí“ (‚Minuten aus dem Ausland‘). Zeitweise wurden Mitte der 1980er Jahre analog dazu die Nachrichten werktags um 8 Uhr als „Minuty z domova“ (‚Minuten aus dem Inland‘) angekündigt.

 

Vormittags zwischen 8 und 13 Uhr und abends zwischen 18 und 24 Uhr gab’s jeweils um „halb“ Spezialinformationen. Bis heute legendär ist die tägliche „zpráva o povětrnostní situaci dnes v jednu hodinu v noci“ (‚Bericht über die Wetterlage heute um ein Uhr in der Nacht). Täglich um 8:30 Uhr musste die ergebene Hörerschaft zehn Minuten lang unerklärliche Zahlenkolonnen über sich ergehen lassen: Druckhöhe, Drucktiefe, Isobare, Taupunkt, Kaltfront, Warmfront, Okklusionsfront… Immer um 21:30 Uhr kamen fünf Minuten lang Sportnachrichten. Ansonsten gab’s vormittags und abends immer „um halb“ Kurzberichte, Reportagen und Interviews zum aktuellen Tagesgeschehen, Kuriositäten aus dem In- und Ausland, politische Kommentare (18:30 Uhr), politische Betrachtungen aus Moskau (gerne von Mitarbeitern der sowjetischen Nachrichtenagentur „TASS“ verfasst) oder Presseschauen (wie täglich - außer Sonntag - um 9:30 Uhr der Blick in inländische Zeitungen oder Montag mit Freitag um 12:30 Uhr „Čteme vám ze zahraničního tisku“ ‚Wir lesen ihnen aus der ausländischen Presse‘). Weitere regelmäßige Rubriken waren sonntags um 9:30 Uhr ein außenpolitischer Kommentar („Zahraničněpolitická poznámka“) und ebenfalls sonntags um 12:30 Uhr „Živá slova“ (‚Lebendige Worte‘) - eine traditionsreiche Rubrik, die zu einer Art atheistisch-sozialistisches „Wort zum Sonntag“ verkommen war.

 

Nachts um 0:30, 1:30 und 2:30 Uhr kamen keine weiteren Wortbeiträge, sondern nur das Zeitzeichen, eine Zeitansage und das unverzichtbare Stationssignal. Von 2:30 bis 2:35 Uhr liefen zur Kontrolle des Übertragungsnetzes und der Sendeanlagen fünf Minuten lang diverse Mess- und Test-Töne.

 

Programmvorschauen nach den Nachrichten um 8:07 Uhr, 19:07 Uhr und um 22:30 sollten Appetit zum Weiterhören und zum bewussten Einschalten machen. Dabei wurden die folgenden Sendungen genannt und auch die Interpreten, Gruppen, Orchester und bisweilen auch Musik-Titel erwähnt, die in den kommenden Stunden zu hören sein werden.

 

Bei wichtigen Sportereignissen wurde das gewohnte Programmformat gekippt und Sportreporter meldeten sich live: „S mikrofónem za kopanou“ (‚Mit dem Mikrofon zum Fußball‘), „S mikrófonem za hokejem“ (‚Mit dem Mikrofon zum Hockey‘)...

 

Immer um Mitternacht nach dem Zeitzeichen schlugen auf HVĚZDA die Glocken des St.Veit-Domes auf der Prager Burg, dem Hradschin, dann folgten die tschechoslowakische Nationalhymne (d.h. zuerst die tschechische, dann die slowakische), Stationssignal und Nachrichten.

 

 

Musik, hudba, muzika - quer durch den Garten

 

Wurden keine Nachrichten, Kurzberichte, Sportreportagen, Konzertübertragungen oder Magazinsendungen gesendet, war auf HVĚZDA unmoderierte Musik zu hören. Im Studio wurden meist vorproduzierte halbstündige Tonbänder mit Musik aller Gattungen abgespielt, so genannte „hudební panely“ (‚Musik-Panele‘). Es konnte vorkommen, dass im Laufe eines Jahres ein und dasselbe Musik-Panel mehrmals wiederholt wurde – aufmerksamen Hörern konnte das nicht entgehen! In der Regel begann so ein Musik-Panel mit einem Instrumental-Titel, über den nach einigen Takten der Dienst habende Stationssprecher die nun folgenden Interpreten, Gruppen, Orchester oder zuweilen auch konkrete Titel ankündigte. Nur am Morgen zwischen 4 und 8 Uhr mussten die Hörer auf eine solche Inhaltsangabe verzichten. Manches Musik-Panel stand unter einem bestimmten Motto (z.B. „Písničky s gitarou“ ‚Lieder mit der Gitarre‘ oder „Písničky o ženách“ ‚Lieder über Frauen‘) oder enthielt nur Titel eines einzigen Interpreten bzw. einer Gruppe (z.B. „Zpívá národní umělec Karel Gott“ ‚Es singt der Nationalkünstler Karel Gott‘, „Zpívá zasloužilá umělkyně Helena Vondráčková“ ‚Es singt die verdiente Künstlerin Helena Vondráčková’ oder „Hraje a zpívá skupina Elán“ ‚Es spielt und singt die Gruppe Elan‘). Im Archiv des Prager Funkhauses sollen etwa 1 400 Tonbänder mit derartigen Musik-Panelen gelagert haben. 

 

Neben gängiger Unterhaltungs- und Schlagermusik sowie konventionellem Pop & Rock war klassische Musik - z.B. die Reihe „Hudba starých mistrů“ (‚Musik alter Meister‘) - auf HVĚZDA ebenso vertreten wie der unmoderierte „Klub přátel sovětské písně“ (‚Klub der Freunde des sowjetischen Liedes‘) oder temperamentvolle Zimbal-Weisen von slowakischen Volkskunstensembles und wuchtige Polka-Klänge heimischer Blasorchester. Ab und zu wurde es bisweilen arg exotisch und es erklangen beispielsweise Volksweisen aus Algerien – immerhin auch ein sozialistisches Land!

 

Wann die Hörer mit welcher Musik berieselt wurden, war nicht immer vorhersagbar. Nach den 8-Uhr-Nachrichten und der anschließenden Programmvorschau war werktags relativ treffsicher Pop- und Schlagermusik (überwiegend inländische - versteht sich!) zu hören, nach den schier unendlichen Zahlenreihen der meteorologischen Durchsagen um 8:30 folgte stets authentische Volksmusik oder Folklore unter dem Motto „Hudba z krajů“ (‚Musik aus den Regionen‘), nach dem Wortblock um 10:35 Uhr kamen meist Werke der populären klassischen Musik, werktags nach den 12-Uhr-Nachrichten fast immer Melodien aus Operetten, Musicals oder Filmen und werktags nach den 18-Uhr-Nachrichten Blasmusik. 

 

Neben den geläufigen Musik-Panelen gab’s einige wenige moderierte spezielle Musiksendungen, wie diverse Ausgaben der jeweils einem bestimmten Interpreten bzw. einer Gruppe gewidmeten Reihe „Z galerie populárních postav zábavné hudby“ (‚Aus der Galerie populärer Persönlichkeiten der Unterhaltungsmusik‘), „Z galerie slavných postav vážné hudby“ (‘Aus der Galerie berühmter Persönlichkeiten der ersten Musik‘) oder „Z galerie folkloru a dechové hudby“ (‚Aus der Galerie der Folklore und Blasmusik‘).

 

Besonders bei den jüngeren Zuhörern beliebt war die Hörer-Hitparade „Start“, die am Samstag und Sonntag von 18:06 bis 18:30 Uhr auf dem Programm stand und am Montag und Dienstag von 21:06 bis 21:30 Uhr wiederholt wurde. Bei „Start“ wurden vier neue inländische Poptitel vorgestellt (d.h. an den Start geschickt), über die dann die Hörer per Postkarte abstimmen konnten. Die vier Titel mit den meisten Stimmen wurden dann zum Ende einer Wertungsrunde (d.h. nach mehreren Ausgaben von „Start“) in einer „gala-přehlídka“ (‚Gala-Präsentation‘) nochmals gespielt. Unter denen Hörern, die mitgespielt und der Redaktion eine Postkarte geschickt hatten, wurden Schallplatten verlost. Nicht abstimmen konnte man allerdings über die beiden ausländischen Titel, die – außer Konkurrenz - zum Schluss jeder Ausgabe von „Start“ präsentiert wurden. Da gab’s stets einen Titel aus dem Westen, gefolgt von einem aus einem sozialistischen Bruderland (UdSSR, DDR, Ungarn, Polen, Bulgarien, Rumänien, Kuba). Scharen von jungen Pop-Musik-Fans sollen „Start“ eingeschaltet haben, um ihre Lieblingstitel mit Kassettenrekorder oder Tonbandgerät mit zu schneiden, denn aktuelle westlichen Pop und Rock gab es in der ČSSR auf Schallplatten kaum. Und auch Československý rozhlas hat sie seinen Hörern nur in homöopathischen Dosen zugemutet…

 

Am Morgen sendete HVĚZDA zwischen 4 und 8 Uhr halbstündlich Nachrichten, dazwischen wurden Musik-Panele mit Unterhaltungsmusik – Schlager, Pop, instrumentale Tanzmusik, gehobene Unterhaltungsmusik, Blasmusik - abgespielt. Immer um „Viertel nach“ und um „drei Viertel“ blendeten die Sendetechniker im Funkhaus die Musik herunter und der Stationssprecher meldete sich über der weiter laufenden Musik nach dem Zeitzeichen mit einer Zeitansage. 

 

Freitags und samstags abends lieferte HVĚZDA unter dem Titel „Hvězda hraje k poslechu i k tanci“ (‚Der Stern spielt zum Zuhören und zum Tanz‘) zwischen 19 Uhr und Mitternacht Unterhaltungs- und Popmusik diverser Stilrichtungen (hier wechselten sich Polka, Disko, Standard etc. halbstündlich ab). In diesem fünfstündigen Block waren solche Reihen wie „Start“ oder „Z galerie populárních postav zabavne hudby“ integriert.

 

Einen Großteil des gesamten Musikangebotes auf HVĚZDA machten Instrumentaltitel aus - vorrangig aus der Produktion des „Taneční orchestr Československého rozhlasu/TOČR“ (‚Tanzorchester des Tschechoslowakischen Rundfunks‘) und der übrigen Orchester und Klangkörper des Tschechoslowakischen Rundfunks. Dadurch wirkte das Programm besonders auf junge Hörer sehr altmodisch und altbacken. Jährlich veranstaltete Československý rozhlas einen nationalen Schlagerwettbewerb unter dem Motto „Písničky pro Hvězdu“ (‚Lieder für den Stern‘), bei dem zu einem vorgegebenen Thema „engagierte“ Pop-Songs eingereicht werden konnten. Ein internationaler Popmusik-Wettbewerb im Rahmen der OIRT hieß „Osm písní ze studia“ (‚Acht Lieder aus dem Studio‘). Schlager-, Pop- und Rockmusik aus dem Ausland – ob nun aus West oder Ost - wurden im Hörfunk der ČSSR generell nur selten gespielt. In der Hörer-Hitparade „Start“ gab’s  - außer Konkurrenz - d.h. über diese beiden Titel konnten die Hörer nicht abstimmen (!) - immer zum Schluss einen Hit aus dem westlichen Ausland und einen aus einem sozialistischen Bruderland, als „ukázka“ (‚Vorführung’). Zwei, drei westliche Titel wurden meist auch bei „Pozor, zákruta!“ oder im Nachmittagsmagazin „Vysílá studio 7“ und vereinzelt auch in den vorproduzierten Laufbandsendungen (Musik-Panelen) eingesetzt. Der Musikanteil am Gesamtprogramm von HVĚZDA lag bei etwa 70%. 

 

Mindestens die Hälfte des gesamten Angebots an so genannter leichter Musik („L-Musik“) bei Československý rozhlas musste laut höchster Anordnung inländischer Produktion entstammen. 25 % der Musik – so die Quote – musste in den sozialistischen Ton- und Rundfunkstudios der sozialistischen „Bruderländer“ entstanden sein. Die restlichen 25 % durften Titel „anderer Länder“ ausmachen - sprich: Musik aus dem Westen. Das „geeignete“ Verhältnis instrumentaler Titel zu gesungenen lag, so die Bestimmungen weiter, bei 60 : 40. Erst Mitte der 1980er Jahre war eine gewisse Lockerung bzw. Missachtung der festgesetzten Quoten hörbar und immer öfter war Pop und Rock aus dem Westen zu hören. 

 

 

Magazine

 

Nach den 11-Uhr-Nachrichten kamen auf HVĚZDA beinahe täglich halbstündige tschechisch- oder slowakischsprachige Austauschprogramme der in der OIRT zusammengeschlossenen Rundfunkanstalten der sozialistischen Bruderländer: „Hovoří Moskva“ (‚Hier spricht Moskau‘), „Hovoří Berlin“ (‚Hier spricht Berlin‘), „Hovoří Sofie“ (‚Hier spricht Sofia‘), „Hovoří Budapešť“ (‚Hier spricht Budapest‘), „Hovoří Varsava“ (‚Hier spricht Warschau’)... „Hovoří Moskva“ wurde den tschechischen und slowakischen Radiohörern übrigens schon in den 1950er Jahren zur Festigung des Klassenstandpunktes und zur Bestätigung der tschechoslowakisch-sowjetischen Freundschaft serviert.

 

Täglich zwischen 13:07 und 14 Uhr wurde HVĚZDA traditionell am meisten eingeschaltet. Denn in dieser Stunde war die lange Zeit populärste Radiosendung der ČSSR „Pozor, zákruta!“ (‚Vorsicht, Kurve!‘) zu hören. Die „zákruta“ (slowakisch für ‚Kurve‘) wurde aus dem slowakischen Funkhaus in Bratislava zugespielt, wo sie seit April 1962 bis heute produziert wird. In der „zákruta“ wurden in für realsozialistische tschechoslowakische Moderationsgewohnheiten ungewohnt lockerer Form mit Witz, Satire und Ironie Probleme des Straßenverkehrs in all seinen Facetten besprochen und diskutiert. Im Jahr 1987 hörten weit über zwei Millionen Tschechen und Slowaken täglich zu. Die „zákruta“ wurde abends vom slowakischen Nationalprogramm „Bratislava“ wiederholt.

 

Ab 14 Uhr wurden die Hörer vier Stunden lang von einem Magazin namens „Vysílá studio 7“ (‚Es sendet Studio 7‘) mit Kurzbeiträgen, Reportagen, Gesprächen und Musik durch den Nachmittag begleitet. Dieses Nachmittagsmagazin hatte seine Premiere am 1.Januar 1976. Wiederholt bemängelte die Leitung von Československý rozhlas den ihrer Ansicht nach zu hohen Wortanteil in diesem Magazin, denn HVĚZDA sollte den werktätigen Massen ja vorwiegend Musik zur Entspannung liefern. Für längere Wortbeiträge waren die beiden Nationalprogramme gedacht, das tschechische „Praha“ und das slowakische „Bratislava“. Durch das Nachmittagsmagazin aus dem Studio 7 begleiteten in der Regel zwei Moderatoren, ein tschechisch und ein slowakisch sprechender. Man bemühte sich um Hörerbindung, forderte die Hörer auf, sich in der Redaktion mit Fragen, Anregungen oder zu bestimmten Anlässen auch Musikwünschen zu wenden. Live auf Sendung genommen wurde freilich kein Hörer. 

 

Immer samstags von 12:05 bis 13 Uhr war das sehr beliebte Magazin „Zápisník zahraničních zpravodajů“ (‚Notizbuch der Auslandskorrespondenten‘) zu hören. Die Auslandskorrespondenten von Československý rozhlas sprachen darin über das aktuelle Geschehen, über Beobachtungen, Befindlichkeiten, Kuriositäten oder über den Alltag in ihren Berichtsgebieten. Das Magazin „ZZZ“ war wohl auch deswegen so erfolgreich, da nach den Korrespondentenberichten auch immer Musik aus dem betreffenden Land gespielt wurde.

 

Vorrangig für Angehörige der „Československá lidová armáda“ (‚Tschechoslowakische Volksarmee‘) - sprich: Soldaten - bestimmt war jeden Sonntag von 10:06 bis 11 Uhr das Magazin „Polní pošta“ (‚Feldpost‘).

 

Am Samstag wurden den Hörern zwischen 10:05 und 10:30 Uhr in „Sputnik – magazín vědy a techniky“ (‚Sputnik – das Wissenschafts- und Technik-Magazin‘) neue Entwicklungen in Wissenschaft und Technik erklärt. Mitte der 1980er Jahre wurde der Titel der Sendung leicht abgeändert in „Sputnik na sobotu – stereofonní týdeník vědy a techniky“ (‚Sputnik am Samstag – die stereofone Wochensendung für Wissenschaft und Technik‘) und die Ausstrahlung auf die Zeit von 10:30 bis 11 Uhr verlegt.

 

 

Verkehrsfunk „Grüne Welle“

 

Den Autofahrern und Radiohörern im Großraum Prag wurde ab März 1974 jeweils freitags und sonntags das mehrstündige regionale Sonderprogramm „oblastní Zelená vlna“ (‚regionale Grüne Welle‘) geboten. Anfangs lief das neue Programm auf der vom Rundfunk der ČSSR eigentlich nicht benutzten Mittelwellenfrequenz 1466 kHz. Aufgrund von Empfangsproblemen und Störungen anderer Sender auf dieser Frequenz wich die „Zelená vlna“ bald auf die Mittelwelle 1070 kHz aus, unterstützt von einem UKW-Sender: der UKW-Sender von HVĚZDA für Prag und Mittelböhmen auf dem Cukrák (66,83 MHz) klinkte sich aus HVĚZDA aus und verbreitete die „Zelená vlna“. Sie war freitags von 15 bis 19 Uhr und sonntags von 16 bis 19:30 (bzw. im Sommerhalbjahr: 20:30) Uhr on air und bot regionale Verkehrsmeldungen, Kurzbeiträge zum Thema Auto, Verkehr, Urlaub und Freizeit sowie Popmusik. Sie begleitete die Prager bei ihrem Exodus in ihre Wochenendhäuschen im Umland und zurück. Die „Zelená vlna“ war ein Gemeinschaftsprojekt von Československý rozhlas und der „Dopravní služba“ (‚Verkehrsdienst‘) der „Veřejné bezpečnosti“ (‚Öffentliche Sicherheit‘ - d.h. Polizei). Zur Beobachtung des Verkehrsgeschehens in und um Prag wurden Hubschrauber der Polizei eingesetzt. Die „Zelená vlna“ wurde offenbar anfangs aus dem Studio der Tschechoslowakischen Volksarmee gefahren, später dann aus dem Funkhaus an der Vinohradská. Das Personal bestand unter anderem aus Polizeibeamten, die in der Sendung stets mit Dienstgrad genannt wurden. Die „Zelená vlna“ war bei den Radiohörern so populär, dass das nationale Filmstudio „Barrandov“ im Jahr 1982 einen Kinofilm über sie gedreht hat.

Das „Jihomoravské krajské studio Brno“ (‚Südmährisches Bezirksstudio Brünn‘) wickelte für die Autofahrer im Großraum Brünn (Brno) eine ähnlich konzipierte regionale „Zelená vlna“ ab. Diese wurde ausschließlich auf Mittelwelle (603 kHz) ausgestrahlt.

 

Kurz nach Einführung der regionalen „Zelená vlna“ erschienen regelmäßige Verkehrshinweise im normalen Programm von HVĚZDA. Diese Verkehrsdurchsagen wurden mit einem eigenen Jingle – ein stilisiertes Martinshorn - als „Zelená vlna Hvězdy“ (‚Grüne Welle des Sterns‘) angekündigt. Neben aktuellen Berichten über Verkehrsbehinderungen, Straßensperren und Umleitungsempfehlungen enthielten die Meldungen Informationen über Wartezeiten an den Grenzübergängen und regelmäßig auch Bio-Wetter-Vorhersagen (geo-magnetische Aktivität der Erde, Eruptionsaktivität der Sonne etc.) aus dem Planetarium im ostböhmischen Úpice. Angeblich waren diese Durchsagen für Herzkranke bestimmt. Offenbar kamen auch diese Durchsagen der „Zelená vlna Hvězdy“ aus dem Sonderstudio des „Armádní rozhlas“, das HVĚZDA per Dauerleitung zugeschaltet war.

 

Nach umfangreichen Tests waren am 15.Januar 1987 die ersten drei UKW-Sender von HVĚZDA offiziell auf ARI-Betrieb umgerüstet – konkret die Sender Praha-Cukrák 66,83 MHz (60 kW ERP), Brno-Kojál 71,87 MHz (30 kW ERP) und Bratislava-Kamzík 67,76 MHz (60 kW ERP). Alle anderen UKW-Sender wurden in den folgenden Jahren mit ARI-Kodern ergänzt. Im Januar 1987 wurde der Verkehrsfunk-Jingle ausgewechselt, die neue Version enthielt die für den ARI-Betrieb benötigten Steuer- und Hilfssignale. Die im alten Jingle integrierte Ansage „Zelená vlna Hvězdy“ fehlte allerdings fortan.

 

 

Reformfreuden

 

Das oben vorgestellte Programmschema von HVĚZDA war beinahe die gesamten 1970er und 1980er Jahre gültig und änderte sich nur unwesentlich.  

 

Ab Mitte der 1980er Jahre, als auch die KPTSch-Führung widerwillig eine „přestavba“ (‚Umbau‘) – also eine Art „Перестройка – Perestrojka“ – in Angriff nehmen musste, wurde das Informationsangebot von HVĚZDA ausgeweitet und den Musikgestaltern größere Freiheiten zugestanden. So wurde eine moderierte und kommentierte Zusammenfassung wichtiger Meldungen des Tages zwischen 22 und 22:15 Uhr in einem neuen Magazin unter dem Titel „Zpravodajská magazín Hvězdy“ (‚Das Nachrichtenmagazin des Sterns‘‘) eingeführt. Die Zeit bis zu den täglichen Programmhinweisen um 22:30 Uhr wurde mit Musik gefüllt. Neu war auch eine zweite wöchentliche (diesmal: slowakische) Sendung für Angehörige der Tschechoslowakischen Volksarmee neben der sonntäglichen (tschechischen) „Polní pošta“ (‚Feldpost‘): immer Mittwoch Abend von 20:06 bis 21 Uhr lieferte die Armee-Redaktion am Funkhaus Bratislava das Magazin „Plná polná dobrých sprav“ (‚Ein voller Tornister guter Nachrichten‘) zu.

 

In den Programmzeitschriften wurde ab 1988 das Nachtprogramm von Mitternacht bis 4 Uhr gelegentlich als „Melodie pro dlouhé noci“ (‚Melodien für lange Nächte‘) bezeichnet.

 

Als die CSSR 1984 in Genf neue Frequenzen im UKW-Bereich von 87,5 bis 108 MHz zugesprochen bekam, konnte der Tschechoslowakische Rundfunk sein Programmangebot endlich erweitern und differenzieren. Am 1.Mai 1986 begann der Sendebetrieb des neuen Musikprogramms „Melodie“, am 4.September 1989 folgte das Jugendprogramm „EM“. Das hatte auch inhaltliche Auswirkungen auf HVEZDA. Die „oblastní Zelená vlna“ aus Prag wurde im September 1989 mit veränderten Sendezeiten in das Regionalprogramm „Středočeské studio“ (‚Mittelböhmisches Studio‘) integriert.

 

Kurz vor der Wende, im Oktober 1989, wurde das Programm von HVĚZDA nochmals bedeutend reformiert. Während das Programmschema am Wochenende im wesentlichen unverändert beibehalten wurde, tat sich von Montag bis Freitag einiges. Man wollte HVĚZDA offenbar für jüngere Hörer attraktiver gestalten.

 

Der tägliche Musikblock zwischen 5 und 8:30 Uhr erhielt erstmals einen Namen: „Hrajeme k příjemnému ránu“ (‚Wir spielen zum angenehmen Morgen‘). 

 

Von 9:06 Uhr bis Mittag wurden die Hörer von einem neuen Magazin namens „Dopoledne s Hvězdou“ (‚Der Vormittag mit dem Stern‘) begleitet. 

 

Ebenso neu war ein Nachrichtenmagazin namens „Ozvěny dne“ (‚Echo des Tages‘), das immer Punkt Mittag für eine halbe Stunde on air war. Danach folgte um 12:30 Uhr wie gewohnt der Blick in die ausländische Presse und anschließend bis 13 Uhr Operettenmelodien.

 

Die Nachmittagsmagazine „Pozor, zákruta!“ von 13:07 bis 14 Uhr und „Vysílá studio 7“ von 14:06 bis 18 Uhr wurden unverändert beibehalten. 

 

Die Hörer-Hitparade „Start“ wurde ersetzt durch eine neue Hitparade inländischer Pop- und Rock-Musik: „Formule Pop“ lief immer am Montag von 19:07 bis 20 Uhr. Vom tschechischen Radioprogramm „Vltava“ übernahm man die Disc-Jockey-Sendung über populäre Musik „Rytmus“. Kam „Rytmus“ vorher auf der „Vltava“ (‚Moldau’) immer am Nachmittag, lief sie auf der HVĚZDA täglich von 21:06 bis 22 Uhr und wurde nur von den gewohnten Sportnachrichten um 21:30 Uhr unterbrochen.

 

Das abendliche Nachrichtenmagazin „Zpravodajský magazín Hvězdy“ erhielt mehr Sendezeit, war fortan von 22:30 bis 23 Uhr auf Sendung und wurde in „Dnešní den ve světě“ (‚Der heutige Tag in der Welt‘) umbenannt.

 

Einer kleinen Sensation gleich kam die neue Reihe „Noční proud. Rozhlasová diskotéka“ (‚Nachtstrom. Die Hörfunkdiskothek‘) werktags von 23 bis 1 Uhr. Sie war ungewohnt flott moderiert und bot ungewöhnlich viel Pop und Rock aus westlicher Produktion. Eine weitere Premiere: erstmals setzte man auf HVĚZDA regelmäßig CDs ein, z.B. montags von 22:05 bis zum Beginn von „Dnešní den ve světě“ um 22:30 Uhr in „Hrajeme z CD desek“ (‚Wir spielen von CDs‘).

 

 

Posloucháte Hvězdu – Počúvate Hviezdu – Sie hören den Stern

 

 

In den 1970er und 1980er Jahren haben sich die Tschechen und Slowaken beim Radiohören ähnlich verhalten, wie z.B. die Radiohörer in Deutschland. Die meisten Radios waren werktags eingeschaltet von 6 bis 9, von 11 bis 12 und dann wieder von 15 bis 18 Uhr. Der Arbeitstag in der ČSSR hat verhältnismäßig früh begonnen, um 7 Uhr früh war Unterrichtsbeginn an den Schulen! Dem entsprechend war das Hörverhalten. Am Wochenende waren die meisten Radios von 8 bis 9, von 10 bis 12 und dann von 13 bis 15 Uhr auf Empfang. Täglich haben die Tschechen im Schnitt 189 Minuten Radio gehört – zum Vergleich: in der Bundesrepublik: 163, in Österreich 153 Minuten.

 

Lange Zeit hat Československý rozhlas nicht veröffentlicht, wie viele Hörer ihn wann einschalten, welche Programme und Sendungen am meisten Beifall finden. Laut interner „Referenční kniha 1985-1987“ (Referenzbuch 1985-1987) des „Výzkumné oddělení Českého rozhlasu“ (Forschungsabteilung des Tschechischen Rundfunks) hatte HVĚZDA an Wochentagen nachts gegen 2 Uhr in den Böhmischen Ländern (in der tschechischen Teilrepublik - Česká socialistická republika) am wenigsten Hörer, nur etwa 16 000 Tschechen haben sich mitten in der Nacht vom Programm berieseln lassen. Am Wochenende war nachts die Hörerschaft verständlicherweise etwas größer. Werktags ab 3 Uhr früh stieg die Hörerschaft auf 32 000 an, bis 4:30 war sie auf 127 000 angewachsen. Ihre Morgenspitze erreichte sie werktags früh gegen 6 Uhr: 658 000 Tschechen haben da zum Frühstück die Musik von HVĚZDA laufen lassen, vormittags zwischen 8 und 12 Uhr waren es dann noch um die 400 000 dabei. Zum Vergleich: das Morgenmagazin „Dobré jitro z Prahy“ (‚Guten Morgen aus Prag’) auf dem tschechischen Nationalprogramm „Praha“ (‚Prag’) haben gegen 6 Uhr früh 880 000 und gegen 7 Uhr 1 039 000 Tschechen eingeschaltet. Am Sonntag vormittag um 10 Uhr haben sich gut eine 1 000 000 tschechische Radiohörer das Magazin „Polní pošta“ (‚Feldpost’) auf der HVĚZDA angehört. Gegen 11 Uhr waren dann nur noch 300 000 Hörer dabei, als – oder weil (!) – das Magazin des sowjetischen Rundfunks „Hovoří Moskau“ (‚Hier spricht Moskau’) anlief. Anders war das Hörverhalten bei den ähnlich gestrickten Magazinen des DDR-Rundfunks „Hovoří Berlin“, des bulgarischen Rundfunks „Hovoří Sofie“ etc. jedoch auch nicht…

 

Seine absolute Einschaltspitze hat HVĚZDA das aus Bratislava von Československý rozhlas na Slovensku (Tschechoslowakischer Rundfunk in der Slowakei) zugelieferte Magazin für Autofahrer und andere Verkehrsteilnehmer „Pozor, zákruta!“ (‚Vorsicht, Kurve!’) beschert: 1 625 000 Hörer im tschechischen Landesteil haben sich das flotte Magazin von 13 bis 14 Uhr an Wochentagen angehört, in der gesamten ČSSR waren es wohl insgesamt über 2 000 000 Hörer. Am Samstag haben sich 2 466 000 Tschechen das slowakische Magazin angehört, am Sonntag waren es immerhin noch 1 887 000! „Pozor, zákruta!“ war damit die erfolgreichste Radiosendung der ČSSR - sie ist 1962 angelaufen und ist heute noch auf „SRo 1-Rádio Slovensko“ zu hören.

 

Um 14 Uhr haben viele HVĚZDA ausgeschaltet: nur noch 777 000 Tschechen waren bei den Nachrichten noch dabei; den Beginn des Nachmittagsmagazin „Vysílá Studio 7“ (‚Es sendet Studio 7’) haben dann wieder über 1 000 000 Hörer mitbekommen, was auf ein gezieltes Einschalten hindeutet.

 

War das tägliche vierstündige Magazin „Vysílá Studio 7“ um 18 Uhr zu Ende, haben sich noch 500 000 Tschechen die Nachrichten und das folgende Musikpanel (meist Blasmusik) angetan. Zur Hörerhitparade „Start“ um 21 Uhr haben viele wieder bewusst eingeschaltet, 1985/1986 waren werktags 238 000 Tschechen (mitsamt ihrem Tonbandgerät und Kassettenrekorder) dabei, 1987 noch 167 000. Am Samstag um 18 Uhr haben gut 515 000 „Start“ gehört, die Ausgabe am Sonntag um 18 Uhr 444 000 Hörer – alle Angaben beziehen sich auf die Hörerschaft in den Böhmischen Ländern. Auf großes Interesse sind zudem die Sportreportagen „S mikrofonem za kopanou“, „S mikrofonem za hokejem“ etc. gestoßen: gut 500 000 haben dazu ihr Radio eingeschaltet – oftmals wurde bei Live-Übertragungen von wichtigen Fußballspielen die erste Habzeit in Tschechisch und die zweite in Slowakisch reportiert.

 

Nach der Wende 1989/1990 hat sich das Hörverhalten zunächst nur wenig geändert:

Die Stationen (Programme) von Československý rozhlas haben in den Böhmischen Ländern (Tschechien) im Schnitt täglich 87,4% der Bevölkerung ab 15 Jahren und das 181 Minuten lang gehört. „Praha“ haben 62,4% der Bevölkerung 94 Minuten lang gehört, „Československo“ (vormals: „Hvězda“) 55,8% 77 Minuten lang, „Vltava“ 5,4% 4,7 Minuten, „Interprogram“ 5,1% 6,1 Minuten, „Melodie“ 1,2% 1 Minute lang. Die Sendungen Regionalstudios (Bezirksstudios) haben 9,6% der tschechischen Bevölkerung ab 15 Jahren 6,2 Minuten lang gehört.

 

Von HVĚZDA zurück zu ČESKOSLOVENSKO und dann zu RÁDIOŽURNÁL

 

Nach der Wende im November 1989 und der Um- bzw. Rückbenennung von HVĚZDA in „Československo“ am 16.Dezember 1989 änderten sich Programmschema, Musikformat und Moderationsstil verhältnismäßig zögerlich. Die Wetterberichte für böhmischen Länder und die Slowakei nach den Nachrichten begannen nun mit der nicht mehr ganz so sperrigen Einleitung „zpráva o počasí pro Čechy, Moravu a Slezsko“ (‚Der Wetterbericht für Böhmen, Mähren und Schlesien‘) bzw. „zpráva o počasí pro Slovensko“ (‚Der Wetterbericht für die Slowakei‘). Das Vormittagsmagazin “Dopoledne s Hvězdou“ wurde zunächst in „Dopolední proud hudby a informací“ (‚Vormittagsstrom mit Musik und Informationen‘) und bald darauf in „Spektrum“ umbenannt. „Spektrum“ wurde abwechselnd im Funkhaus Prag und Funkhaus Bratislava produziert. Im Zuge der Querelen zwischen der tschechischen und der slowakischen politischen Führung nicht nur um den neuen Namen des gemeinsamen Staates wurde der Stationsname im tschechischen Landesteil weiterhin „Československo“, in der um mehr um Demonstration der Eigenstaatlichkeit bemühten Slowakei stets „Česko-Slovensko“ geschrieben.

 

In den turbulenten Tagen der politischen Wende im Herbst 1989 erschien auf HVĚZDA das politische Magazin „Vysílá Občanske forum“ (‚Es sendet das Bürgerforum‘), das jeweils von 7:30 bis 8 Uhr und von 18 bis 19 Uhr Berichte, Diskussionen und Reportagen zur aktuellen Lage in Politik, Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft brachte. Nachdem das Občanské forum als politische Vereinigung zu den Parlamentswahlen antrat und der Tschechoslowakische Rundfunk Neutralität wahren wollte, wurde die Sendung am 16.April 1990 in „Vysílá Radioforum“ umbenannt.

 

Jahre noch waren übrigens die gut bekannten Musik-Panele zu hören. Von HVĚZDA hatte „Československo“ die unglaubliche Anzahl von 1 400 derartiger Tonbänder geerbt, mit einer Laufzeit von jeweils ca. 30 Minuten. Einige dieser Bänder trugen auf ihrem Archivkarton immerhin das Produktionsjahr 1976...

 

Die allgemeine Verstimmung war groß, als der Slowakische Rundfunk (Slovenský rozhlas) am 4.März 1991 ein eigenes Pop-Programm namens „Rock FM Rádio“ einführte und dieses u.a. über die slowakischen Mittelwellensender von „Česko-Slovensko“ (1521 kHz) ausstrahlen ließ. Viele slowakische Radiohörer mit Geräten ohne UKW waren auf die Mittelwellenausstrahlung angewiesen und konnten „Československo“ plötzlich gar nicht mehr oder nur in schlechter Qualität empfangen.

 

Die Rückbenennung von HVĚZDA in „Československo“ bedeutete nur ein relativ kurzes Zwischenspiel. Am 1.Januar 1993 brach der gemeinsame Staat der Tschechen und Slowaken auseinander. Der Tschechische Rundfunk (Český rozhlas) führte und entwickelte das Programm unter dem neuen Namen „Rádiožurnál“ bzw. heute „Český rozhlas 1-Rádiožurnál“ in Eigenregie weiter.

 

 

 

 

Und so hörte sich HVĚZDA beinahe zwei Jahrzehnte lang an:

 

 

 

 

1                   Československý rozhlas nach der Programmreform Anfang der 1970er Jahre.

Die Stationssignale des tschechischen Nationalprogramms PRAHA („Vyšehrad“ von Bedřich Smetana), des slowakischen Nationalprogramms BRATISLAVA („Hej, Slováci“von Samuel Tomášik), von HVĚZDA („Směr Praha“ von Ervín Toman), der beiden UKW-Kulturprogramme VLTAVA (Vltava“ von Antonín Dvořák) und DEVÍN und der československé zahraniční vysílání, der tschechoslowakischen Auslandssendungen RÁDIO PRAHA (Kupředu, leva!“ von Jan Seidl).

Das Stationssignal von HVĚZDA bilden die ersten Takte des aus dem Zweiten Weltkrieg stammenden Marsches „Směr Praha“ (‚Richtung Prag‘). Die stets spöttischen tschechischen Radiohörer erfanden auch bald einen neuen Text und sangen gerne zur Melodie des Stationssignals „Pojď na panáka“ (‚Komm auf einen Schnaps‘).

Zum Stationssignal der Auslandssendungen RÁDIO PRAHA „Kuředu, levá!“ dichteten die findigen Tschechen „Dejete nám chleba!“ (‚Gebt uns Brot!’).

 

2                   Von diesem Marsch „Kupředu leva, zpátky ni krok“(Musik: Jan Seidl, Text: Bedřich Bobek) ist das Stationszeichen von RADIO PRAHA abgeleitet (‚Vorwärts links, keinen Schritt zurück’). Hier das Lied der werktätigen Massen in vorbildlicher Interpretation. „Die Zeit hat sich entfaltet und duftet nach Hoffnung, Freiheit, Sonne, regnen aus den Wolken. Vorwärts, Genossen, schaut, das versprochene Land, wo es keine Herren mehr gibt und auch

keine Bettler…“

 

3                   Aus diesem Marsch „Směr Praha“ stammt das Stationssignal von HVĚZDA.

„Über verbrannte Erde, über Ströme von Blut, Regiment für Regiment schreitet entschlossen voran…“. Gesungen auf Russisch.

 

4                   Hier „Směr Praha“ in einer weiteren Version (Midi).

 

5                   Nachrichtensendung (gekürzt) in slowakischer Sprache. Hier hört man das ewig gleiche Ritual: vor dem Zeitzeichen wurde - meist - ein Instrumentaltitel (die Musik-Panele wurden entsprechend produziert) gespielt, dieser Instrumentaltitel wird ausgeblendet, es folgen Zeitzeichen, Zeitansage, Stationssignal, Meldungen, Wetter für die Tschechische Sozialistische Republik und für die Slowakische Sozialistische Republik. Man hört immer deutlich, wenn das Mikrofon „aufgemacht“ wird (evtl. liegt’s am „Pumpen“ vom Optimod.). Die erste Meldung erzählt den Hörern in epischer Breite die äußerst weltbewegende Meldung, dass sich der Regierungspräsident von West-Australien in Karlovy Vary (Karlsbad) umgeschaut und sich dabei an der weltbekannten Mineraliensammlung von Johann Wolfgang von Goethe erfreut hat. Selbstverständlich hat der Gast nicht versäumt, das „entwickelte Kur- und Badewesen“ der ČSSR zu loben. Bei den Sportmeldungen (alles deutet auf 1987 hin) hört man bekannte Namen: Mandliková, Suková Graf(ová)...

 

6                   Beginn einer Nachrichtensendung (9 Uhr) in tschechischer Sprache und in Stereo. Erste Meldung: Verabschiedung einer tschechoslowakischen Delegation auf dem Prager Flughafen Ruzyňe vor ihrem Abflug zum offiziellen Besuch nach Rumänien. Es fliegen die Genossen („soudruzi“) Ladislav Adamec, Bohumil Urban, Pavel Sadovský, Jiří Němec, Jaroslav Dušek und Ján Papp.....

 

7                   Mitternacht auf HVĚZDA: Zeitansage „in einer halben Minute wird es Mitternacht“, dann Glockenschläge vom St. Veits-Dom auf der Prager Burg (Hradschin), gefolgt von der tschechischen Nationalhymne, dann der slowakischen Nationalhymne (ergibt zusammen die „československá státní hymna“), Stationssignal und Ansage „Geehrte Hörer, von der Station Stern heißen wir Sie im neuen Tag willkommen. Es ist Sonntag, der 20.Oktober 1986. Hören Sie eine Übersicht der wichtigsten Ereignisse des vergangenen Tages“ und die Meldungen. Die erste erzählt vom Treffen von Ronald Reagan und Michail Gorbatschow auf Island.

 

8                   Ausschnitt aus einer der typischen Nachrichtensendungen im Duett: sie spricht tschechisch, er spricht slowakisch. Er heißt übrigens Ján Matejka und war im Rundfunk der ČSSR ein viel beschäftigter slowakischer Sprecher: auf HVĚZDA, im „Interprogram Rádia Praha“, im Auslandsdienst auf Kurzwelle „Rádio Praha“ („Vysílání pro Čechy a Slováky v zahraničí“ bzw. slowakisch „Vysielanie pre Čechov a Slovakov v zahraničí“ ‚Sendungen für Tschechen und Slowaken im Ausland‘). Nach der Wende ward Ján M. plötzlich nicht mehr zu hören…

 

9                   Hier haben wir ihn, den rätselhaften Schalt-Ton, der immer nach den 8-, 21-Uhr-Nachrichten kam. Tschechische Ansage „Es ist 21 Uhr 6 und eine halbe Minute. Es sendet die Station Stern“. Wie immer deutlich zu hören: das Schließen des Mikrofons.

 

10               In den Morgen-Nachrichten kamen nach dem Wetterbericht immer Durchsagen über die Versorgung des Landes mit elektrischem Strom („Stufe 6 gilt die ganzen 24 Stunden hindurch, ich wiederhole: Stufe 6 gilt die ganzen 24 Stunden hindurch“) und über die Situation in der Gas-Lieferung („Abnahme von Erd- und Leuchtgas nach der dritten Stufe..“). Hier der Schluss einer Nachrichtensendung am Morgen mit der slowakischen Sprecherin Ada Procházková um 5 Uhr 37 Minuten. Frau Procházková ist offenbar im Frühdienst nicht ganz fit, ihre Aussprache klingt schlampig, die Zunge ist schwer...

 

11               „Zelená vlna Hvězdy“ – eine Verkehrsfunkmeldung mit dem alten Jingle, d.h. vor Einführung des ARI-Systems 1987. Nach den Berichten über den Verkehrszustand (Bauarbeiten auf der Autobahn D 1) folgt die Durchsage des Planetariums in Úpice über die Aktivität der Sonne usw. („Die Eruptions-Aktivität der Sonne ist auf einem sehr niedrigen Niveau.... Heute ist das geo-magnetische Feld wieder ruhig, ohne bedeutendere Störungen...). Der Sprecher spricht tschechisch.

 

12               „Zelená vlna“ – eine Verkehrsfunkmeldung mit dem neuen Jingle, nach Einführung von ARI in Tschechisch. Winterliche Verkehrsbehinderungen, Lage an den Grenzübergängen, Bericht des Planetariums in Úpice. 

 

13               Meteorologische Informationen (gekürzt), täglich um 8 Uhr 30 Minuten. Diese zehnminütigen Zahlenkolonnen waren eine Qual für Zuhörer und Sprecher. Immer wieder drückt der bedauernswerte tschechische Stationssprecher auf die Räuspertaste und klagt wohl recht entnervt der Sendetechnikerin sein Leid: „Auf der Station Stern senden wir den Bericht über die Wettersituation von heute 1 Uhr in der Nacht“ - Druck-Höhe 998 Hektopascal, 346-11, Druck-Tiefe 990 Hektopascal, 358-13... Warmfront... Kaltfront... Okklusionsfront… Isobare... Taupunkt... Wetterlage, Wetterbericht“.

 

14       Beginn der täglichen Sportnachrichten um 21 Uhr 30 Minuten. Die tschechische Stationssprecherin übergibt an den tschechischen Sportredakteur Jan Kyselka.

 

15       Einer der typischen fünfminütigen Wortblöcke immer „um halb“. Hier einer um 20 Uhr 30 Minuten mit einem politischen Kommentar „Das amerikanische Nuklearwaffen-Testprogramm und die Perspektiven der Abrüstung“. Die Stationssprecherin spricht tschechisch, der Kommentator Ivan Mjartan slowakisch.

 

16       Hier ein weiterer der typischen Wortblöcke, z.B. um 19 Uhr 30 Minuten. Interview mit einem Buchautor, der warnende Worte zum Umweltschutz geschrieben hat. Der Stationssprecher, die Reporterin und der Buchautor („soudruhu profesore“ ‚Genosse Professor’) sprechen tschechisch.

 

17       Im folgenden Beitrag wird – wiederum um 19 Uhr 30 Minuten – über klinische plastische Chirurgie am Krankenhaus in Prag 10 gesprochen. Stationssprecherin, Interviewerin und Interviewter, der Chef des Fakultätskrankenhauses in Prag X. („Genosse Professor“) sprechen tschechisch.

 

18       Drei Mal am Tag hat HVĚZDA ausführlich über sein Musikangebot informiert. Hier erzählt uns der junge slowakische Stationssprecher um 8 Uhr 7 Minuten, wie’s im Programm in den kommenden Stunden musikalisch gehen wird. Wörtliche Übersetzung in Auszügen: „Und nach der Übersicht über Ereignisse des vergangenen Tages bei uns zuhause und in der Welt richten wir den Blick auf die musikalischen ‚Halbstündchen‘ („půlhodinky“) am Vormittags des 26.März (1987). Gleich erklingen beliebte Lieder des Jahres 1986 ‚Die Laune ist ausgezeichnet‘, ‚Verlerne Nein zu sagen‘, ‚Wir hätten uns früher kennen lernen sollen‘, ‚Sie hat den Tag ihres Lebens‘, ‚Adresse ich, Adresse du‘ in der Darbietung von – aber die Interpreten sind wohl kaum nötig vorzustellen. Vor 9 erklingt Folklore aus der Slowakei. (...) Nach den Nachrichten und der ‚Grünen Welle‘ stellen wir Ihnen das Werk von Jan Lehotský, František Svojík, Vladimír Forst, Milan Dvořák, Hana Čiháková und weiterer Musikautoren und Texter vor. Vor zehn hören sie flotte instrumentale Kompositionen unter anderem folgender Autoren (...). Michal David, Petra Zámečníková und Jiří Strnad, Anna Rusticano und die Gruppe Modus spielen nach den Nachrichten um zehn Uhr. Die Tschechische Philharmonie unter der Leitung von Zdeněk Košler trägt vor elf Uhr Kompositionen von Franz Schubert, Bohuslav Martinů und Antonín Dvořák vor. Die regelmäßige Wochenrubrik ‚Hier spricht Berlin‘ bieten wir Ihrer Aufmerksamkeit nach elf Uhr an. Auf ein kleines Treffen mit Blasmusik reservieren Sie sich die halbe Stunde vor zwölf Uhr. Die führende sowjetische Interpretin Ala Pugatschowa singt Kompositionen von Igor Nikolajew nach den Mittagsnachrichten. Bis 13 Uhr erklingen schon traditionell populäre und Operetten-Melodien, heute von Julius Fučík, Rudolf Friml (...). Aus dem erwähnten Programmangebot lassen sich viele schöne Melodien des Frühlings erahnen. Auch sie mögen beitragen zu ihrem Erfolg und zu ihrer guten Laune während des ganzen Tages. Das ist der Wunsch der Station Stern. Es ist 8 Uhr 8 Minuten.“ Dann läuft das vorproduzierte Musik-Panel mit den angekündigten Hits von 1986 an. Wie  immer ist der erste Titel ein Instrumental-Titel. Im Hintergrund ist Baulärm zu vernehmen, die akustische Isolierung der Studios war beizeiten etwas abenteuerlich...

 

19       Und hier eine der täglichen Programm-Inhaltsangaben von 19 Uhr. Die slowakische Stationssprecherin macht Appetit auf Musik der Brünner Bands („brněnské skupiny“) „Hráči“ (‚Spieler‘) und „Poutníci“ (‚Wanderer‘) nach 19 Uhr 30, auf ein „Profil der verdienten Künstlerin Eva Pilarová“ um „fünf Minuten nach der zwanzigsten Stunde“. Saxofone, Posaunen und Trompeten würden dann, so die Sprecherin weiter, in einer „bunten Mischung von Melodien“ diverser Orchester erklingen. Die Wiederholung („repríza“) der Hörer-Hitparade „Start“ warte nach 21 Uhr auf die Hörer. Das Orchester von Vaclav Hybš habe die Zeit von 21 Uhr 35 Minuten bis 22 Uhr reserviert. Melodien im Traumrhythmus der populären Sänger Hana Zagorová, Karel Gott, Jitka Zelenková und des Chores von Lubomír Pánek sollen die Hörer dann nach 22 Uhr 10 erfreuen. Danach, um 22 Uhr 30 Minuten, werde den Lauschern dann erzählt, was man auf HVĚZDA für die Nachtstunden vorbereitet hat. Gleich nach dieser Ansage komme Musik von populären ungarischen Gruppen, wie des Tanzorchesters des ungarischen Rundfunks und Fernsehens, V-Moto‘Rock, Expres, Nautilus, Bojtorjan und Europa.... - und so ähnlich lief das Musikprogramm auf HVĚZDA ab, fast zwei Jahrzehnte lang, 24 Stunden am Tag.            

 

20               Hier der Beginn des täglichen Verkehrs- und Autofahrer-Magazins „Pozor, zákruta!“, das das slowakische Funkhaus in Bratislava jeden Tag von 13 bis 14 zulieferte. Die beliebteste Sendung im ČSSR-Radio der 1970er und 1980er Jahre! Der Moderator spricht natürlich slowakisch, das erste Lied singt der auch in der DDR bekannte tschechische Allround-Unterhalter Jiří Korn (Friedrichstadtpalast!): „Kde holky krasné jsou, jsou, jsou“ (‚Wo die schönen Mädchen sind, sind, sind“.

 

21               Nach „Pozor, zákruta!“ folgte stets – es sei denn, es war tagelang nur Trauermusik angesagt wie 1984 beim Tod von Andropow und gleich drauf 1985 beim Tod von Tschernjenko - von 14 bis 18 Uhr das Magazin „Vysílá Studio 7“ (‚Es sendet Studio 7‘). Das Thema (Themamusik, Indikativ, Erkennungsmelodie) des meist im Doppel moderierten Magazins lief nur zum Einstieg der Vier-Stunden-Fläche nach den 14-Uhr-Nachrichten. Wie hier zu hören: ein Moderator ist Slowake, der andere Tscheche. Da die Aufnahme vorne angeschnitten ist, folgt gleich noch ein Beginn...

 

22               „Vysílá studio 7“ zum 2ten. Diese Ausgabe beginnt mit dem Lied „Ahoj, léto!“ (‚Servus, Sommer!‘) von Hana Zagorová, Stanislav Hložek und Petr Kotvald. Denn am Sendetag begannen die Sommerferien. Die Moderatorin ruft die Hörer dazu auf, zum Telefon zu greifen und im Studio anzurufen und – Überraschung! - es klingelt auch gleich: inszenierte real-sozialistische Hörerbindung, ganz unauffällig und undurchsichtig...  Der Mitschnitt beginnt mit dem Ende der Nachrichten um 14 Uhr (Wetter) und den Hinweisen auf die aktuellen Sendungen in den Nationalprogrammen „Praha“ (tschechisch) und „Bratislava“ (slowakisch).

 

23               Und so begann im Sommer 1982 eine der Hörer-Hitparaden „Start“. Der tschechische Moderator Jan Beneš arbeitet heute immer noch als Moderator und Musikredakteur im Rundfunk. Und vor Beginn von „Start“ nach den 21-Uhr-Nachrichten ist er wieder da, der rätselhafte Schalt-Ton... Das erste zur Abstimmung vorgestellte Lied von Petra Černocká gibt’s übrigens auch in Englisch als „Give me back my love“ des niederländischen Damen-Duos „Maywood“. Nachdem überwiegend inländische Musik gespielt werden musste, wurden die internationale Hits gern auf tschechisch oder slowakisch gecovert. Denn ganz abkapseln vom Popgeschehen in der Welt wollte man sich ja nicht, deswegen dieses Hintertürchen... Die beiden ausländischen Titel am Schluss von „Start“ (einer aus dem Westen, einer aus dem Osten) standen nicht zur Abstimmung, man befürchtete wohl einen Dauersieg der westlichen Hits...

 

24               Mitte der 1980er Jahre bekam „Start“ zunächst ein neues Thema (Themamusik, Indikativ, Erkennungsmelodie): „Blue Monday“ von „New Order“. Hier beginnt die Wertungsausgabe „Gala-Start“ - d.h. die vier von den Hörern meistgetippten Lieder vorausgegangener Ausgaben von „Start“ werden hier nochmals gespielt. Auf Platz vier kam in dieser „Gala-Start“ die populäre tschechische Liedermacherin Lenka Filipová mit „Prý se tomu říká láska“ (‚Angeblich sagt man dazu Liebe‘). 

 

25               Nach dem neuen Thema kam bei „Start“ eine neue Moderatorin zum Zuge: Eva Gultová. Auch hier die Gala von „Start“ („Heute werden wir nicht vorstellen und nicht abstimmen, sondern einzig und allein zuhören“). Eva G. nennt die Gewinner (unter den mittippenden Hörern wurden Schallplatten verlost) dieser zu Ende gegangenen „Start“-Runde. Auf Platz vier landeten in der Gunst der Hörer zwei Größen des slowakischen Pops: Marika Gombitová und Václav Patejdl, sie singen „Uličník bozk“ (‚Flegel der Küsse‘).

 

26               Sehr apart und elegant ins laufende Programm eingebunden waren auch immer die Zeitansagen in der Früh zwischen 4 und 8 Uhr. Immer um „Viertel nach“ und „Viertel vor“ (bzw. „drei Viertel“): Musik gnadenlos runterblend’ Zeitzeichen d’rüberpiep’, Stationssprecher Zeit nenn!, Musik wieder hoch!... In diesem Mitschnitt wird grad der Titel „On ljubi Anu“ (‚Er liebt Anna‘) der kroatischen Supergruppe „Novi Fosili“ (‚Neue Fossilien‘) vergewaltigt: „Je päť hodín štiridsať päť minút, tri štvrte na šesť“ (‚Es ist 5 Uhr 45 Minuten, drei Viertel auf sechs’) – eine Zeitansage in Slowakisch.

 

27               Im Zuge von „Glasnost“ und „Perestrojka“ tat sich auch was auf HVĚZDA: werktags um 22 Uhr kam z.B. das neue, halbstündige und nicht mehr ganz so steif moderierte „Zpravodajský magazín Hvězdy“ (‚Nachrichtenmagazin des Sterns‘). Wie könnt’s auch anders sein: Zeitzeichen, der slowakische Stationssprecher darf die Zeit ansagen („bolo dvadsať dva hodín“, ‚Es war 22 Uhr‘), Intro und dann machen zwei tschechische Moderatoren weiter. Es geht am Anfang natürlich wieder um die sowjetischen Abrüstungsvorschläge, die selbstredend hoch gelobt werden. Und die USA und der Westen bekommen - wie üblich - ihr Fett ab...

 

28               Was wäre HVĚZDA ohne Musik? Hier der typische Beginn eines Musik-Panels von HVĚZDA mit leichter Musik. Inhalt: Duette der tschechischen Popsängerin Marie Rotrová mit anderen Popgrößen (Petr Němec, Jiří Bartoška, Pavel Bobek und Karel Gott) – das Panel hat den Titel „Večerník pro mladé“ (‚Abendunterhaltung für Junge‘). Die Inhaltsangabe wird wie üblich über den Instrumentaltitel am Anfang gesprochen. Dann wünscht der tschechische Sprecher „hezký poslech“ (‚schönes Zuhören’).

 

29               Ein weiteres Musik-Panel mit Popmusik: die Dienst habende tschechische Stationssprecherin hat ihre wichtigste Tat vollbracht und die Nachrichten gelesen: jetzt kündigt sie über den einleitenden Instrumental-Titel Lieder von populären Sängern - Petra Janů, Eva Hurychová, Jan Neckář, Milan Dyk, Helena Vondráčková (gut bekannt auch in der DDR), Karel Zich und Júlia & Peter Hečkovi - an. Das war der typische HVĚZDA-Pop-Sound…

 

30               Aber es gab ja auf HVĚZDA Musik aller möglichen (und auffallend oft auch unmöglichen!) Spiel- und Stil-Arten. Ohne die unvermeidliche Blasmusik geht bei den Tschechen sowieso gar nix. Und weil seiner Zeit die Aufnahmetaste um 21 Uhr 7 Minuten gedrückt wurde, kommt wieder der Schalt-Ton. Ja, so klingt’s, wenn HVĚZDA und der Böhme zünftig und fröhlich wurden!

 

31               Und hier der Beginn eines weiteren Musik-Panels: diesmal Volksmusik aus der Slowakei. Dass die Slowaken 1000 Jahre zu Ungarn gehört haben, hat deutliche Spuren hinterlassen....

 

32               Eins gibt’s noch: ein Panel mit „Hudba z krajů“ (‚Musik aus den Regionen‘), das kam stets nach den Zahlenreihen der meteorologischen Informationen um 8 Uhr 30. Hier folgt Volksmusik aus der Walachei im Nordosten von Mähren. Weil’s 8 Uhr 41 ist, piept wieder der gewisse Schalt-Ton, der ja immer gegen 8 Uhr 40 und 21 Uhr 7 kam...

 

33               Ein selten auf Tonband festgehaltener Leckerbissen: „oblastni Zelená vlna“, die ‚Regionale Grüne Welle‘. Der Prager UKW-Sender 66,83 MHz strahlte eigentlich HVĚZDA aus, freitags und sonntags von Nachmittag bis Abend aber lief über ihn ein regionales Serviceprogramm für Autofahrer („motoristé“) im Großraum Prag „Zelená vlna“(‚Grüne Welle‘). Hier der Beginn einer Sonntagsausgabe nach den 16-Uhr-Nachrichten. Die Einleitungsmelodie beginnt mit dem alten Verkehrsfunk-„Klackern“, über das reingemischte Thema (kurios: es ist die Instrumentalversion des deutschen Uralt-Schlagers „So eine Liebe gibt es einmal nur“ von Rudi Schuricke) kommt die Ansage „Grüne Welle. Ein gemeinsamer Dienst der Tschechoslowakischen Rundfunks uns des Korps der nationalen Sicherheit für Autofahrer“. Nach der Themamusik begrüßt die Moderatorin Eva Rubínová ihre Hörer mit unverbindlichen Worten und verkündet, wer alles an der Sendung mitwirkt. Sie nennt alle beim Namen nebst zugehörigem Dienstgrad: Musikredakteur Vladimír Zahradníček, die involvierten Mitarbeiter des Verkehrsdienstes der Öffentlichen Sicherheit (sprich: Polizei) Kapitän Ingenieur Jan Klaus, Kapitän Jan Vorel und Leutnant František Václav, die Besatzung der Flugstaffel des Föderalen Ministeriums des Innern Leutnant Zdeněk Linc und Hubschrauber- Pilot Major Jiř Vrtiška, Tonmeister Tomáš Gselhofr, Techniker Blanka Baseřová a Jaroslav Hořejší, Sendeleiterin Ober-Leutnant Olga Paterová und die Regisseurin Monika Hrušková. Merke: der Tscheche liebt Country-Musik (und Titel)!

 

34               Das lange Thema der „oblastní Zelena vlna“ kam nur zum Einstieg in die mehrstündige Sendefläche. Alle anderen Sendestunden wurden mit dem kurzen Thema eingeleitet „posloucháte Zelenou vlnu“ (‚Sie hören die Grüne Welle‘). Nach der aktuellen Verkehrsübersicht singt das tschechische Pop-Idol der 1980er Jahre Dalibor Janda „Vždycky jsem to já“ (‚Immer bin‘s ich‘).

 

35               Und so endete an einem Sonntag Mitte der 1980er Jahre kurz vor 20:30 Uhr die „oblastní Zelená vlna“. Die Aufnahme muss vom Sommerhalbjahr stammen, denn im Winterhalbjahr lief die „oblastni Zelená vlna“ nur bis 19:30 Uhr. Wieder kommt die ganze Litanei, wer an der Sendung mitgewirkt hat (nebst Dienstgrad in der Polizei-Hierarchie) und dann der finale Wunsch „pěkný večer, dobrou noc!“ (‚schönen Abend, gute Nacht!‘). Die folgenden 20-Uhr-Nachrichten werden wieder im Duett gelesen: ein slowakischer und tschechischer Sprecher wechseln sich beim Lesen der Meldungen ab: der Tscheche liest die Auslandsmeldungen („ze zahraničí“ ‚aus dem Ausland‘), der Slowake die Meldungen aus dem Inland („z domova“ ‚aus der Heimat‘).

 

 

This article was edited 25.Mar.19 11:54 by Wolfgang Lill .

  
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