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Eumig - So war das damals; Interview mit ehem. Mitarbeitern

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Wolfgang Scheida
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14.Feb.12 18:30

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Eumig – So war das damals

Am 11. Februar 2012 hatte ich die Möglichkeit mit zwei ehemaligen Mitarbeitern des EUMIG Werkes, den Herren Dipl. Ing. Erich Beck (ehemals Konstruktion UE nach 1962 Forschungsabteilung) sowie Dipl. Päd. Ing. Wolfgang Skorsch (ehemals Entwicklung UE) ein nettes Gespräch über „alte Zeiten“ zu führen und damalige Interne Abläufe zu erfahren.

Beide Herren sind im Förderverein Eumig Museum engagiert, der sich um den Erhalt der Erinnerung an dieses Traditionshaus bemüht und noch dieses Jahr einen richtigen Dauerausstellungsmuseumsraum im ehemaligen Feuerwehrhaus von Wiener Neudorf erhalten wird.

Alte und neue Details zum Thema Eumigette die Anlaß meines Gesprächs waren werden in einem späteren Artikel zusammengefasst wiedergegeben.

So blieben Schilderungen wonach 1962 mitten in der Arbeit das Aus der weiteren Unterhaltungselektronikproduktion „ab Morgen“ bekannt gegeben wurde und so auch der Eumig 335 (?) Transistorradio sein jähes Ende mitten in der 0 Serie fand ehe er bei HEA seinen Erfolg feiern durfte.

Das damalige Verständnis der „Eumig Familie“ die auch in die privaten Bereiche ihren Widerhall fanden und einmal mehr von einer längst vergangenen Epoche einer Arbeitswelt die es nicht mehr gibt wurde berichtet wie etwa Eumig Bälle die es bis etwa Mitte 1950 gab und Betriebsausflüge für die Belegschaft.

Neue Modelle die man stets zur Frühjahrs & Herbstmesse unter der Leitung von Herrn Ing. Leopold Kreutz herausbrachte.

Weitere Themen:

  • Aufbau und technisch wie wirtschaftliche Führung des erfolgreichen Fertigungswerks für Tonköpfe in Deutsch Altenburg, in der ehemaligen Arwa Strumpffabrik wobei sich das Werk bereits nach einem Jahr amortisiert hatte und die eigenen Köpfe besser an das Schmalspurfilmmaterial angepasst waren. Zuvor erfolgte der Einkauf der Köpfe bei Bogen Berlin & Woelke München zu preisen um öS 235 was letztlich auf öS 80 in der Eigenfertigung gesenkt werden konnte.

 

  • 1968 ein Schmalspurfilm-Video Filmabtaster mit 1“ Vidicon für den Amateurgebrauch auf der Photokina.

 

  • Für das US Unternehmen CTI – Cartridge Television Inc. in Kalifornien fertigte man 10.000 Stück der „Cartrivision Instant Replay“ s/w Kamera auf Basis der günstigen Japanvidiconaufnahmeröhre 8844 für den Heimgebrauch für deren Videocassettenrecorder der „Ersten Stunde“ für US$ 80, was während der Fertigung aufgrund des schlechter werdenden Wechselkurses ein „Aufzahlgeschäft“ wurde.
    • So wurden rein rechnerisch aus der Auftragssumme von rund 20 Millionen öS letztlich nur 14 Millionen was einen 30%igen Ertragsverlust dargestellt haben muss.
    • Gefertigt hat man im vom ehemaligen Danubia Stromzählerhersteller übernommene Werk in Fürstenfeld in der Steiermark, wo man die im Hause verwendete adaptierte Optik der Super 8 Kamera >Mini 3< verwenden konnte.
    • Diese Kameratype (ob sie in den genannten 10.000 Stück bereits integriert war?) wurde angepasst auch für den EU Markt unter der Bezeichnung VC 551 gefertigt. 

Es folgten:

  • Wege und Irrwege zum Thema Videoaufzeichnungen mit Schrägspurverfahren sowie Aufnahme auf Longitudinalspur im sequentieller Mehrspurbetrieb mit französischen Partnern und Patente zum besseren Gleichlauf die man Philips ohne wirtschaftliche bedeutendes Echo angeboten hatte da man so letztlich nur eine verlängerte Werkbank dargestellt hätte.

 

 

  • Der Stolz galt dem Metropolitan und dessen Nachfolgern dem FL-900 & FL-1000 die Studiotauglich und voll PC-Fernbedienbar konstruiert waren. Selbst Herrn Nakamichi persönlich, dessen Produkte in dieser Klasse die Referenz am Weltmarkts darstellten, entlockte dies ein noch erhalten gebliebenes Anerkennungsschreiben, wonach man insbesondere in der Qualität der Hinterbandkontrollwiedergabe bessere Resultate als sein Unternehmen erzielt hat und die Vorderband-, Hinterband Unterschiede wie ein Probehören vor Journalisten und ausgewählten Kreisen auf der IFA Berlin bewies lediglich der Konzertmeister der Berliner Symphoniker ausmachen konnte was damals ein Novum darstellte.

 

  • Das Metropolitan selbst kam aufgrund des Entwicklungsaufwandes um rund ein Jahr „zu spät“ auf dem Markt da gerade der Wechsel von Pultgeräten hin zu Hifi-Komponenten Bausteinen vollzogen wurde was wieder eine Neuentwicklung erforderlich machte. Legendär blieb der „Sofortstart“ aufgrund des Fehlens einer mechanischen Schwungmasse, der ganze Gerätebatterien als sofortsteuerbare Zuspiel- bzw. Aufnahmeeinheiten möglich machte. (Der Wettbewerb tat dies für den gleichen Zweck mit stets laufenden Motoren was sich im erhöhten Verschleiß bemerkbar machte wie ich es selbst auszugsweise von Grundig Consumergeräten um 1990 her kannte. Stichwort: „neue 5000er Serie“.)  

 

  • Was Detaillösungen betrifft, so pendelte man zwischen „so einfach wie möglich“ und „gefinkelten Lösungen“ letztere vom Entwickler Chef Dr. Robert Scheiber kommend, die mitunter die Servicefreundlichkeit der Geräte aber auch das Finden von Problemlösungen noch während der Fertigungsphasen für dritte Mitarbeiter oder Werkstattpersonal erschwerten. Der stets direkte Kontakt zwischen Produktion und Entwicklung jedoch über kurze Wege über dem Hof erleichterten die Arbeit im zudem guten Betriebsklima.

 

  • Entwicklungen mit Laser Entfernungsmessgeräten in Verbindung mit dem Unternehmen Dr Riegel in Horn und dafür eigens geschaffenen Kristallzüchtungen für Helium Neon Laser samt Netzgeräte und Rubinlaser für Holografie Prüfgeräte für Reifen sowie Turbinenschaufelprüfung.    

 

  • Beschäftigung mit dem Thema Farbfernsehen auch noch nach dem UE Ende auf Basis von Philips Konzepten.

 

  • Kriegsfertigungen von Minenzündern sowie einem als „M-Gerät“ bezeichneten Peilsender für U-Boote ? nebst einem Tornisterempfänger sowie Verlagerungen u.a. auch nach Wien Hietzing Ober- St. Veit ins Faniteum wurden erwähnt. Mehr  zum Faniteum und Eumig ist hier bereits vorrecherchiert worden. Man legte bei Eumig wert auf die Fertigung von reinen Defensivwaffen wie dort zu lesen ist.
    • Das genannte „M-Gerät“ könnte mitunter das Frequenzmessgerät a K126X (Fre.Me.a), da es auch im TGM Wien 9 sowie Minerva Werk Wien 7 nach dem Krieg aufgrund seiner hohen Qualitäten eingesetzt wurde und im Zusammenhang erwähnt wurde.
    • Um welchen Tornistertyp es sich handelt ist noch zu klären (Herstellerkennung „bno“.

 

Das penibel genau von einem Buchhalter Herrn Macholder geführte Register mit den Seriennummernvergabeblöcken aller Erzeugnisse ist jedoch leider verloren gegangen. Das Nummernregister für die phototechnischen Artikel ab etwa ~1962? jedoch erhalten geblieben.

Es verblieb meine Bitte um Unterlagen zu den angeführten Themen aus dem Museumsarchiv falls man derer fündig wird.

Einige Details und chronologische Zusammenstellungen finden Sie auch direkt auf der Webseite des Vereins sowie zweier weiteren privaten Initiativen wie auch hier.

Das weiterleben des Markennamens Eumig ist bekannt und besteht ein gutes Einvernehmen mit dem ehemaligen Mitarbeitern und deren Bedürfnisse zur Markennamennennung hinsichtlich der Historie.

Auszug von Quellen & Verweise:

  1. Interview Wolfgang Scheida am 11. Februar 2012 mit den Herren Dipl. Ing. Erich Beck sowie Dipl. Päd. Ing. Wolfgang Skorsch in Wiener Neudorf.
  2. Faniteum – Kriegsfertigungen etc. www 1133.at v. Feber 2012 

 

W. Scheida im Februar 2012 Technikhistoriker

  
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