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funkwe-erf: Reparatur-Tipps zur Musikbox Polyhymat 80 D

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Uwe Ronneberger
Uwe Ronneberger
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20.Dec.08 16:02

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Reparatur-Tipps zur Musikbox Polyhymat 80 D

- Zum Austausch der Rückwandbeleuchtung muß nicht die komplette Rückwand abgebaut werden. Es genügt das geschlitzte Blech ( Lüftungskiemen ) abzuschrauben. Die unteren Schrauben nur etwas locker drehen und die oberen entfernen. Danach lassen sich die beiden Leuchtstofflampen ( U-Röhren je 25 Watt, alte, schmale Ausführung ) und gegebenenfalls auch die Starter auswechseln.

Rückwand

Falls keine originalen U-Rohre mehr zu beschaffen sind, muß man die Fassungen durch moderne, breite Ausführungen ersetzen, um aktuelle Lampen nutzen zu können.

alte und neue LS-Röhre

Sollte dennoch die Rückwand abgenommen werden, so ist auf die Steckerleiste am Bedienteil zu achten. Das Koaxkabel für die NF-Leitung bricht sehr leicht ab.


Steckerleiste

- Der Lederriemen, welcher die Fronttür zum Zecke des Plattenaustausches oder bei Servicearbeiten in geöffneter Position hält, sollte auf Festigkeit überprüft werden. Oft sind diese schon versprödet oder eingerissen und es besteht die Gefahr des Absturzes der Tür mit den diversen Folgeschäden.

Zunächst sollte man sich alle beweglichen Teile, Motoren und Lüfter ansehen. Meißt sind die Lüfter stark verschmutzt und lassen sich von Hand nur schwer drehen. Hier hilft nur eine Demontage, das Reinigen mit Waschbenzin, Industriereinigerspray oder ähnlichem und beim Wiederzusammenbau neu ölen. Wer sichergehen will, kann jetzt noch die Wicklung auf Durchgang prüfen.

Analog geht man bei den Motoren vor. Bei Universalmotoren sind auch die Kohlebürsten auf Beweglichkeit und Verschleiß zu überprüfen.

Wahlhebel


Alle Wählhebel sollte man auf Beweglichkeit überprüfen und eventuell mit Pressluft reinigen. Ein Hebel war absolut nicht beweglich. Die Ursache sah einem  Batterie-Säurefleck ähnlich. Wahrscheinlich war es aber Vogelkot, da die Box jahrelang in einer Scheune gestanden hatte. Da auch rostlösende Versuche mit Petroleum und Öl nicht den gewünschten Erfolg brachten, wurde der gesamte Block ausgebaut und der Hebel mittels einer kleinen Hartholzleiste und kleinem Hammer vorsichtig aus dem Spalt geschlagen. Der Spalt, sowie der Hebel wurden mit Schmirgelpapier vorsichtig gereinigt und nach Ölen wieder montiert.

Schlitten


Die 4 Kontakte ( je Block einer ) wurden mit kontaktspraygetränktem Zeichenpapierstreifen gereinigt und auf ihre richtige Funktion durch Sichtkontrolle und mittels Durchgangsprüfer überprüft. Ich nutze als Durchgangsprüfer einen kleinen Piezosummer mit Batterie und Prüfstrippen (Marke Eigenbau ). Das hat den Vorteil, das man nicht den Blick vom zu prüfenden Bauteil abwenden muß, um das Meßgerät ( Ohmmeter ) abzulesen. Selbstverständlich gibt es auch Durchgangsprüfer mit Glühlampe oder Digitalmultimeter mit Piezosummer, aber bei mir ist dann meißt deren Batterie leer, wenn ich es gebrauchen möchte.
Auch alle anderen Relaiskontakte werden gleichfalls gereinigt und geprüft. Im Laufe der Jahre sind alle Kontakte mit einer starken Oxydschicht überzogen.
Vor der ersten Inbetriebnahme sollten noch die Sicherungen auf Unversehrtheit und die richtigen Werte überprüft werden. Wenn z.B. der Kettenantrieb nicht richtig montiert wurde, quält sich der Motor und die Sicherung spricht an.
Zunächst wird auf Servicebetrieb umgeschalten und das Gerät eingeschalten. Tut sich nach dem Wählen und Betätigen der Starttaste noch nichts, so sind nochmals alle Relaiskontakte zu überprüfen.
Wenn der Schlitten ordnungsgemäß bis zum gewählten Titel ( Hebel ) fährt und dort stoppt, sollte die Platte eingeschwenkt werden und wenn diese in Abspielposition ist, der Löschmagnet den Hebel niederdrücken ( Löschen ). Gegebenenfalls ist die Leichtgängigkeit des Löschmagneten zu überprüfen.

Löschmagnete

 Falls die Platte nicht abgespielt, sonder gleich wieder ausgeworfen wird und sich dieses Spiel ständig wiederholt, so ist der Kontaktsatz links neben dem Tonarm zu überprüfen.

Umschaltkontakte

Der zweite Kontaktsatz ist für die Drehrichtung des Abspielmotors verantwortlich. Wenn dieser verschmutzt oder nicht richtig justiert ist, läuft der Motor verkehrtherum oder gar nicht. Das findet man zwar auch in den Serviceunterlagen, die wahrscheinlich jährlich verbessert wurden und zum Ende umfangreiche Einstell- und Justierhinweise mit Pond- und Millimetertoleranzangaben enthalten. Aber ich hatte diese vor Jahren noch nicht und oft sind auch die kleinen Schiebebilder mit den Bauteilnummern verschwunden.

Es kann vorkommen, das sich nicht alle Titel anwählen lassen. Es kann ein Draht am Tastensatz durch Herausklappen der Tastatur abgerissen sein, oder die Tastenaggregate sind durch Schmutz und Oxydation schwergängig geworden.  Der untere Schieber wird durch Tatendruck nach unten geschoben und sollte sich bei Neuwahl durch Federkraft zurücksetzen. Hier kann es klemmen.

Tastatur

Wenn nun erst einmal alles Mechanische zu funktionieren scheint, wird der Verstärker eingeschaltet. Dank der guten Vorarbeit von Ingo Rosenblath ( Elektromuseum Erfurt ) der die Verstärkereinschübe überprüft und instandgesetzt hat, funktionierte dieser sofort. Beim Berühren der Kontakte an den Tonarmen, kommt ein Brummton aus den Lautsprechern.
Während meine Box offensichtlich schon zu DDR-Zeiten auf die neuen Tonarme mit KS 22-Systemen (von  80 E ? ) umgebaut wurde, ist diese hier noch original mit den Metalltonarmen und TAK 0159 bestückt. Bereits in den späten 60er Jahren konnte in diversen Tabellen für dieses System kein Ersatztyp angegeben werden.

Ersatzliste für Systeme

Reparaturversuche zeigten nur selten Erfolg. Ich konnte einige Originalsysteme erstehen, aber zu über 95% waren defekt, beim Rest ist es vielleicht nur eine Frage von Tagen. Auch ein verpacktes System mit Original-Banderole war durch Feuchtigkeit zerstört worden.
Heute gibt es verschiedene Anbieter, die alte Kristalle durch  neu Zugeschnittene ersetzen und so den Originalzustand wieder herstellen können. Das ist kostenintensiv und wer die Box häufig nutzt, muß das System zum Nadelwechsel wieder einschicken, da der Nadelträger direkt auf dem Kristall aufgeklebt ist.

gebrochener Kristall

Auf der Suche nach Alternativen, ohne die Arme komplett zu wechseln, wurden verschiedene aktuelle Abtastsystem ausprobiert.
Bei der Firma Stamann ( jukeboxworld.de ) fand ich ein kleines amerikanisches Monosystem, das ich in das alte Gehäuse des TAK 0159 einsetzen konnte.

Original Pfanstiehl System

 

System zerlegt

 

 

Pfanstiehl im TAKS 0159-Gehäuse und altes TAKS 0159

 Ich finde es klingt besser als das  KSS-System von meiner Box. HiFi-Spezialisten behaupten oft, ein Stereo-System würde bei Mono-Platten etwas hinzumogeln. Vielleicht ist da ja wirklich was dran. Zumindest ich bin mit diesem kleinem Pfanstiehl-System sehr zufrieden und habe damit mehreren Polyhymaten wieder Leben eingehaucht.

Übrigens hat die Polyhymat 80 D einen sehr wirkungsvollen Falschgeldprüfer. Hier wird die eingeworfene Münze nicht nur auf Geometrie und Gewicht geprüft. Bekannterweise waren die DDR-Münzen nicht magnetisch und ein einfacher kleiner Dauermagnet läßt nur unsere alten  " Aluchips " passieren.

This article was edited 20.Dec.08 16:04 by Uwe Ronneberger .

  
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