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"gebraucht" gestempelte Röhre - wozu ?

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Iven Müller
Iven Müller
 
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21.Aug.03 00:49

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Moin allerseits,

ich habe bei der letzten "Röhreninventur" eine PCF802 gefunden, welche ohne Hersteller aber mit
"Gebraucht" gestempelt ist. Wozu wurden solche Röhren noch gestempelt ?
Waren es Prüfröhren beim Hersteller oder waren es Prüftypen für Werkstätten, welche nicht in den Verkauf gelangen sollten ?

Hat schon jemand so eine Röhre in seiner Sammlung oder Infos dazu ?

Das diese Röhren - wie diese EL84 hier - ohne weiteres den unentgeldlichen Weg in Bastlerstuben fanden, kann ich mir gut vorstellen :-) - keine Frage

viele Grüße

Iven

 

 

Eilert Menke
 
Redakteur
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21.Aug.03 13:45

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Hallo Iven,

ich denke, daß es sich um Röhren handelt, deren Betriebswerte etwas außerhalb der geforderten Toleranzgrenzen liegen und die in der DDR desöfteren ihren Weg in Bastelsortimente oder ähnliches gefunden haben. Dies war seiner Zeit auch bei Transistoren üblich. Hinweise darauf finden sich im "Radiobastelbuch" von Karl-Heinz Schubert, ex Y21XE. Selbst habe ich einige als "2. Wahl" gestempelte Röhren aus DDR-Produktion, allerdings keine "Versuchsröhren". Diese wurden vielleicht als Neuentwicklung an die Geräteindustrie zur Erprobung verteilt.

Gruß

Eilert

Dieser Beitrag wurde am 21.Aug.03 16:10 von Eilert Menke editiert.

Michael Seiffert
Michael Seiffert
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21.Aug.03 15:28

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Solche Röhren waren in der DDR zum etwa halben Preis in Elektronik-Bastlerläden des staatlichen Handels (RFT-Funkamateur) zu Bastlerzwecken zu haben. Die Röhren hatten in der Regel nahezu Prüfwerte wie Neuröhren, aber eine eingeschränkte Garantiezeit und auch die Einhaltung der Daten war nicht garantiert. Die Röhren waren nicht wirklich gebraucht, sondern aus der laufenden Produktion als 2.Wahl aussortiert. In der Praxis waren diese Exemplare durchaus brauchbar und auch die Haltbarkeit war nicht schlechter als die der doppelt so teuren Markenröhren.

Michael

Iven Müller
Iven Müller
 
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22.Aug.03 06:58

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aha 

Hallo Eilert und Michael,

danke für Eure Infos ! Bei Schaltkreisen kannte ich dieses Verfahren. Dort wurde ja der Anfangsbuchstabe geändert oder einfach ein roter Punkt ( bei normaler Bezeichnung ) draufgesetzt.

Was die Versuchsröhren betrifft - die sehen auch wirklich so aus.

Bei näherer Betrachtung wirkt das Innenleben sehr "bastelmässig".
Bei der mittleren Röhre auf dem Bild ist vielleicht zu erkennen,
wie wellig die Naht des Anodenbleches zusammengepunktet wurde.

Iven

Michael Seiffert
Michael Seiffert
Redakteur
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22.Aug.03 15:27

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Die Bastelschaltkreise, sprich beim Ausmessen nach der Produktion durchs Raster gefallenen Exemplare erhielten einen anderen Buchstaben. So wurde zb. aus dem NF-Verstärkerschaltkreis A 211 der R 211. Wenn die Schaltkreise Farbpunkte hatten, waren sie entweder direkt vom Hersteller, meist aber vom Anwender (Radioindustrie bzw. anderer Gerätehersteller) für spezielle Anwendungen ausgemessen und für gut befunden.

Wir hatten zb. im Betrieb eine recht grosse Abteilung mit Namen Wareneingangskontrolle, dort wurden dann, wenn nötig, die Bauelemente stichprobenartig oder Stück für Stück ausgemessen und für spezielle Anwendungen gekennzeichnet. Dabei gab es die verschiedensten Kriterien wie Ruhestrom bei Ge-Transistoren, Stromverstärkung, Paarigkeit, bei Kondensatoren Wertehaltigkeit, Temperaturtrift usw. Die ausgemessenen Bauteile erhielten dann rote, grüne,gelbe oder andersfarbige Punkte um sie später bei der Leiterplattenbestückung oder im Prüffeld von den anderen, nicht speziell sortierten, schnell unterscheiden zu können.

Diese Verfahrensweise ist mir auch aus anderen Betrieben, wie zb. Sternradio Berlin bekannt. 

Michael

 

Iven Müller
Iven Müller
 
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22.Aug.03 16:32

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Punkte 

P für D pder R für A oder S für U - das ist mir auch noch so im Gedächtnis.
Ende der 80er waren aber im örtlichen Bastelladen z.Bsp. IC´s "D100" mit rotem Punkt zu bekommen. Als Info dazu kam dann, dass es Basteltypen wären. Der Preis wa auch entsprechend niedriger als bei einem "richtigen "D100".

Nach Auflösung des Ladens 1990 sind die Restbestände bei mir gelandet. Ich muss direkt mal schauen wo die Dinger sind ...

Es kann natürlich auch sein, dass der Bastelladen selbst Restbestände von ehemals selektierten
IC´s bekommen hat. Die Materialbesorgung ging ja manchmal seltsame Wege.

So war der "Bastelladen" ein Geschäft für Seglerbedarf und Elektronikteile. Das passt überhaupt nicht zusammen, aber er hätte sonst keine Genehmigung für das Geschäft erhalten ...

So gab es dort dann Schäkel, Leuchtdioden, Tauwerk, Transistoren, Schwimmwesten ...

 

  
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