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Geschichte einer wenig bekannten Firma

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Günter Denoth
Günter Denoth
 
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01.Dec.05 17:17

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   1 Ich habe mal einen alten Forumsbeitrag aus den Untiefen von rm.org hervorgeholt und glaube er passt hier sehr gut:

Sehr geehrte Radiofreunde,

Von einem guten Freund und Siemens Mitarbeiter habe ich eine Siemens Austria Festschrift bekommen, in der sehr gut auf die Geschichte der Siemens Austria, WSW eingegangen wird. Folgendes möchte ich daher zitatweise wiedergeben, um offene geschichtliche Fragen zu klären:

1.) Warum baute Siemens Österreich in den Dreissiger Jahren alle Geräte der Telefunken AG in Österreich?

Siemens Österreich bzw Siemens generell hatte 50% an der Telefunken Gesellschaft, weshalb es in den Dreissiger Jahren zu einer sehr intensiven und guten Zusammenarbeit kam, die schlussendlich auch darin Ausdruck fand, dass die damals noch österreichische Sparte von Siemens für die Firma Telefunken eigene Modelle für den Österreichischen Markt fertigte. Man kann daher bewusst die Telefunken Modelle Österreich der Dreissiger Jahre als erste "Siemens Austria" Modelle, das heisst in dem Fall erste auschliesslich in Österreich gefertigte Modelle, bezeichnen. Die Firma selbst war aber ein Teilbetrieb des deutschen Mutterkonzerns (mit sarkem Eigenleben).

2.) Warum von der Siemens Austria AG zur WSW?

Als deutsches Eigentum wurden die Siemens Werke von den Allierten 1945 beschlagnahmt und von Österreich 1946 verstaatlicht, das war die Geburtsstunde der Siemens Austria AG. Die Teilung in Besatzungszonen traf die Siemens Werke voll: in die amerikanische Zone fielen die Siemens Reiniger Werke (Elektromedizin und Röntgentechnik), in die französische Zone die Odelga und die Siemens Bau Union auf die englische Zone die Siemens Halske AG. Die in der russischen Zone gelegenen Wiener Kabel und Metallwerke AG, die OES (Ostmärkische Eisenbahn Signalwerke GmbH) und die Werke der SSW wurden von der Sowietunion in den USIA Konzern eingebracht.
Ab 1950 ging die Kriegswirtschaft zu Ende, auch die Siemens Austria AG konnte sich entfalten. Ab 1954 begann Siemens mit dem Bau von Transistoren und "Computertechnik" (Lochkarten usw...). 1955 wurden die sowietischen Betriebe in der Engerthstrasse und Siemensstrasse an den österreichischen Staat übergeben.

..."die österreichische Siemensgesellschaften in Staatsbesitz mussten sich allerdings im sogenannten Innsbrucker Dokument vom August 1955 verpflichten sich auf mögliches Verlangen im Namen und Firmenzeichen vom deutschen Konzern so abzugrenzen, dass er nicht mehr an Siemens (Schuckert oder Halske) errinnere. Die Auflagen wurden erfüllt und die SSW änderte ihren Namen in Wiener Starkstromwerke GmbH und die S&H in Wiener Schwachstromwerke (WSW).  1967 schliesslich erfolgte die Gründung der Siemens GmbH und 1969 die Gründung der Nachrichtentechnischen Werke (NTW) durch die Wiener Kabel und Metallwerke und die WSW....

Man sieht daher ganz deutlich liebe Radiomuseumsmitglieder, dass die Siemens Austria AG und auch die WSW nie Teilbetriebe der Siemens Deutschland AG waren sondern von 1946 bis 1967 eine eigenständige Firma ohne Einfluss eines gleichlautenden deutschen Mitbewerbers! Das erklärt auch die deutlichen Unterschiede in der Produktion, da die verstaatlichte Siemens Austria AG ein eigener Betrieb ohne Einfluss von aussen war. Dieses bitte in der Firmengeschichte berücksichtigen!

freundliche Grüsse aus dem Radiomuseum Neugötzens

Günter Denoth
  
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