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Getter von Hochspannungsgleichrichterröhren

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Forum » Valves / tubes - Semiconductors » Valves / Tubes; practical use and procurement » Getter von Hochspannungsgleichrichterröhren
           
Alexander Jordan
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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   1 Beim Sortieren meines "Röhrenarchivs" ist mir aufgefallen, daß die meißten Hochspannungsröhren (DY 86, DY 802) keinen sichtbaren Getterspiegel aufweisen. (es gibt aber auch einige wenige diesen haben) Da sie trotzdem über eine Getterpfanne verfügen, liegt die Vermutung nahe, daß hier ein unsichtbares Gettermaterial verwendet wurde. Weiß jemand mehr darüber?
Wolfgang Bauer
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29.May.05 16:28

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   2
 

Sg. Herr Jordan,
die Röhren enthalten das Gettermaterial entweder wie gewohnt oder in der Getterpille, wie bei der Telefunken unten markiert. Das Getter ist dann nur auf der Innenseite der Pille als schwarzer Belag zu sehen.

MfG. WB

         Telefunken DY86    Ultron DY87    Miniwatt DY87    Philips DY802


This article was edited 29.May.05 16:39 by Wolfgang Bauer .

Alexander Jordan
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30.May.05 16:50

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   3 erst mal danke für die schnellen Antworten. Gibt es einen (physikalischen) Grund für die abweichende Aufbringung gegenüber "Standardröhren"? Hat das womöglich mit der hohen Spannung zu tun? Oder sind (wegen der hohen Spannung) die Anforderungen an das Gettermaterial nicht so hoch?
Wolfgang Bauer
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30.May.05 18:57

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   4 Sg. Herr Jordan,

es gibt 2 verschiedene Arten von Getter in den Röhren.

1.) Das normale Barium-Getter, das erkennen Sie am schwarzen Belag in der Röhre. Wenn Luftsauerstoff durch einen Vakuumverlust eintritt, verfärbt sich dieser Belag weiß.
2.) Das Zirkonium-Getter, das Sie z.B. an der kleinen Pille in der Telefunken DY86 erkennen. Da ist dann kein schwarzer Belag zu sehen.

Über die chemische Funktion kann ich Ihnen leider nicht mehr sagen, als dass beide die letzten im Hochvakuum verbliebenen Sauerstoffatome binden. Vielleicht kann aber jemand aus dem Forum mehr darüber berichten.

MfG. WB
Tobias Münzing
Tobias Münzing
 
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30.May.05 19:12

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   5 Hallo,
ich weiß zwar nicht wie gegettert wird aber ich kann erklären was es mit dem Barium aufsich hat: Der Barium-Getter soll die Röhre rein von Sauerstoff halten! Aber im lauf der Jahre kann es passieren, das z.B. durch die Kontaktstifte oder durch die Anodenkappe. Einzelne Sauerstoffatome in die Röhre eindringen. Diese Sauerstoffteilchen werden vom Getter regelrecht vernichtet! Der Getter nimmt sie auf wenn es nicht zu viele sind. Wenn es langsam mehr werden wechselt sich die Getterschicht von silbrig in braun oder wenn zu viel Sauerstoff eintritt, dann wird er ganz weiß. Dann kann die Kathode nicht mehr emissionieren. Oder die Heizwendel glüht überhauptnicht mehr. Wenn eine Röhre wärend dem betrieb Luft zieht sieht man richtig wie der Getter verbrennt. Mich würde auch interessieren wie gegettert wird?
Hoffe das ich weiterhelfen konnte!
Mfg
Tobias Münzing
Eckhard Kull
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31.May.05 19:25

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   6 Die letzte Antwort dieses threads kann man so nicht stehen lassen.

Die Gettersubstanz in einer Elektronenröhre hat die Aufgabe Gasreste in der Röhre zu binden, die bei der Herstellung nicht entfernt werden konnten oder aber die später während des Betriebes der Röhre von der Wand des Glaskolbens oder vom Elektrodensystem abgegeben werden. Bei der Herstellung der Röhre werden während des Pumpvorganges die Metallteile des Systems durch hochfrequente Wechselstrome erhitzt, damit die in und an den Metallteilen vorhandenen und anhaftenden Gase gelöst und abgepumpt werden können. Diese Gase würden den späteren Betrieb der Röhre durch das Auftreten von Stoßionisationsvorgängen erheblich beeinträchtigen.
Bei diesen Gasen handelt es nicht nur um Sauerstoff sondern auch um Stickstoff und andere den Werkstoffen anhaftenden Gasen.

Als Gettersubstanzen werden Erdalkalimetalle wie Barium oder Magnesium aber auch Zirkonium verwendet. Magnesium und Barium in Form von auf den Glaskolben aufgedampftem Metall und Zirkonium in Pulverform bzw. aus Pulver gepressten Pillen haben die Eigenschaft nicht nur Sauerstoff sondern auch Stickstoff und andere Gase durch Sorbtion oder durch direkte chemische Reaktion zu binden. Allgemein gilt je größer die Oberfläche der Gettersubstanz um so besser das Aufnahmevermögen. "Vernichtet" wird hier überhaupt nichts, alle Stoffe sind nach wie vor vorhanden, nur wie oben ausgeführt, entweder als unveränderter Stoff in der Gettersubstanz gebunden (adsorbiert) oder durch chemische Reaktion zu festen Stoffen umgewandelt, so daß der Betrieb der Röhre durch Gase nicht beeintächtigt wird!

Wenn eine Röhre Luft zieht, egal in welchen Mengen, ist sie unbrauchbar. Dies kann auch durch das Einbringen von Gettersubstanzen in den Röhrenkolben nicht behoben werden und für diesen Zweck ist die Gettersubstanz auch nicht vorgesehen.

Im übrigen stellt sich hier die Frage warum gerade einzelne Sauerstoff"atome" in die Röhre eindringen sollen. Luft besteht bekanntermaßen aus ca. 78% N², Stickstoff; ca. 21% O², Sauerstoff; ca. 0,93% Ar, Argon (Edelgas); ca. 0,03% CO², Kohlendioxid und anderen Bestandteilen. Es ist extrem unwahrscheinlich, daß einzelen Sauerstoffatome auftreten. Unter normalen Bedingungen, hier ist die Luft der Erdatmosphäre in bewohnbaren Gegenden gemeint, tritt Sauerstoff und Stickstoff immer als Molekül (O² oder N²) und nicht atomar auf.
Die Wahrscheinlichkeit, daß Stickstoff in die Röhre eindringen würde, ist übrigens wesentlich größer, man muß sich ja nur mal die Zusammensetzung der Luft anschauen. Eindringender Stickstoff wäre aber für den Betrieb der Röhre gleich schädlich. 

Wenn die Getterschicht einer Röhre im Laufe der Betriebsdauer ihr Aussehen von silbermetallig
oder schwarz in braun ändert liegt das in erster Linie nicht an verbrauchter Gettersubstanz
sondern daran, daß durch die Wärmebelastung die Gettersubstanz verdampft und sich das Material an kälteren Stellen im Glaskolben oder im System wieder niederschlägt. Barium hat z.B. einen Schmelzpunkt von 717°C. Dies kann man bei Endröhren mit größerer Betriebsstundenzahl sehr gut beobachten (EL84, EL34, Zeilenendröhren PL36, PL509, PL519). Bei den HF- und ZF-Stufenröhren in den Radio- und Fernsehgeräten tritt diese Erscheinung wegen der geringen thermischen Belastung nicht auf.

Wenn man eine Röhre mit Stickstoff oder Argon füllen würde, ohne nennenswerte Sauerstoffanteile, würde die Heizwendel beim Anlegen der Heizspannung sehr wohl glühen, auch die Kathode würde Elektronen emittieren, allerdings würde unter den normalen Betriebsspannungen kein Elektronfluß zur Anode stattfinden. Bei vorhandenem Sauerstoff verbrennt die Wolframwendel selbstverständlich.

Wenn eine Röhre während des Betriebes Luft bzw. Gas zieht, sieht man nicht die Feuererscheinung des Verbrennens der Gettersubstanz, eine Gettersubstanz in einer Röhre wird nie verbrennen, d. h. unter Feuererscheinung sich spontan chemisch umwandeln, diese chemische Reaktion läuft relativ langsam im Laufe von Minuten oder Stunden ab.
Eine Elektronenröhre hat normalerweise einen Innendruck von 10 hoch minus 5  bis  10 hoch minus 7 mbar. Wird dieser Innendruck durch Gasausbrüche oder ziehen von Luft grösser, d.h. das Vakuum verringert sich,  so kann man u.U. bei angelegten Spannungen im Betrieb Leuchterscheinungen von fahl violett über bläulich bis rötlich sehen. Diese Leuchterscheinungen sind Glimmentladungen (negatives Glimmlicht und positive Säule).

Der Getterspiegel in der Röhre ensteht, wenn die Gettersubstanz im Röhrenkolben,  nach dem Evakuiervorgang durch hochfrequente Wechselstrome gezielt erhitzt und verdampft wird.

m.f.G.
Eckhard Kull
Ernst Erb
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31.May.05 22:48

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   7 Grüezi Herr Kull
Danke für diese ausgezeichnete Antwort, die das Thema so richtig ausleuchtet.
Ich wurde von einem Mitglied per eMail angefragt, ob wir denn nciht auch die Röhrenboards mit den Rechten einschränken sollten, wenn Sachen gepostet werden, die haltlos sind. Darauf habe ich mir den Thread angeschaut, den ersten Post von Tobias Münzing gelöscht und """ An diesen Thread erinnern *** eingeschaltet, um zu sehen, ob sich ein Fachmann meldet und diesem etwas unglücklichen Text eine fachmännische Antwort entgegensetzt.

Tobias Münzing ist sich von einem anderen Forum her gewöhnt, einfach mal sein Halbwissen zu veröffentlichen, was gründlich schief gehen kann, wenn man das kritisch betrachtet. Wir wollen aber seinen Post belassen, um den Unterschied Fachforum und "Forum für alle" zu zeigen. Schon alleine sein Alter entlastet ihn und er wird sicher in Zukunft anders posten - hoffentlich unter dem Motto "Weniger kann mehr sein".

Ich werde auch das Röhrenboard weiterhin offen halten, wenn die Fachleute das selbst mit so guten Antworten regulieren können. Wir haben ja eine Vereinbarung: Nach drei Tagen Leere kann man auch "beschränktes Wissen" posten - bitte aber nicht Falschaussagen. Es geht hier z.B. nicht um Haarspalterei, sondern um Falsch und Richtig.
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