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grundig: 5040W; Bandbreiten-Regelung

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Dietmar Rudolph
Dietmar Rudolph
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16.Jan.13 12:56
 
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Der 5040W hat, ebenso wie der im HF-Teil identische 5050W,  in der AM-ZF eine Bandbreitenregelung, die kombiniert ist mit dem NF seitigen Höhenregler (Rändelrad rechts).

Die Funktionsweise ist nun so, daß - ausgehend von der Stellung schmal oder "dunkel" - zunächst nur der NF seitge Höhenregler aktiv ist und erst kurz vor der der Stellung "hell" die AM Bandbreitenregelung zusätzlich in Funktion tritt.

Da die AM Bandbreitenregelung über einen Seilzug mit dem Höhenregler gekoppelt ist, bedeutet das, daß für eine einwandfreie Funktion der Anordnung, das Seil bis zum Einsatzpunkt der AM Bandbreitenregelung nicht gespannt, also locker sein muß.

Das ist eine "böse Falle" für den "normalen" Reparateur, sieht er doch, daß da ein Seil über einen weiten Bereich des Drehwinkels des Rändelrades des Höhenreglers "schlappert".
Und er schließt dann messerscharf, was nicht sein kann, auch nicht sein darf!
Denn in der Service-Anleitung ist zu diesem Problem (leider) nichts zu finden.

Mein 5040W war leider derart "verbessert".

Im oberen Teil des Bildes ist dieser Seilzug (teilweise) zu sehen. Man erkennt, wie über eine horizontale und eine vertikale Umlenkrolle das (straffe!) Seil an das Gestänge für den "Spulen-Fahrstuhl" des 2. ZF Bandfilters geführt ist. (Das 1. BF ganz oben ist hier nicht komplett zu sehen.)

Unter dem BF 3 sieht man einen der grünen Kondensatoren, die offensichtlich bei einer früheren Reparatur eingebaut wurden. Vermutlich wurde damals auch das "Geschlappere" des Seils beseitigt.

Aktuell wurden nun auch verschiedene Kondensatoren ersetzt, aber nur so weit, wie sie Spannung abblocken müssen, wie z.B. vor dem Gitter der EL12, oder wie oben zu sehen, der 0,047µF/630V. Die "blauen Bonbons" (Fa. Kunkler, "kontaktsicher, Ks"), soweit diese keine Spannung zu sperren haben, oder wo sogar noch ein Widerstand parallel liegt, wurden nicht gewechselt.

Als Abschluß der Arbeiten stand die Überprüfung des Abgleichs für die FM und AM Zwischenfrequenz mit Hilfe einer Wobbelmessung.

Das Problem ergab sich beim Abgleich der AM ZF. Hier ist ja zunächst in der Stellung "schmal" die ZF Durchlaßkurve  abzugleichen und in der Stellung "breit" zu korrigieren.

Da aber das Seil bereits in der Stellung "schmal" straff war, ergab sich in Folge dessen in der Stellung "breit" eine völlig schiefe und viel zu breite Durchlaßkurve. Nach mehrmaligem Hin und Her zwischen "schmal" und "breit" zeigte sich dann, daß die ZF Spule auf dem "Fahrstuhl" des 2. BF sich gelockert hatte und in das BF hineingefallen war.

Da blieb nichts anderes übrig, als das BF2 zu öffnen.

Man sieht hier das geöffnete BF2. Die beiden oberen Spulen links gehören zur FM ZF 10,7MHz. Die Spule links unten und die Spule rechts bilden das AM ZF Filter 468 KHz. Die rechte Spule bildet den "Spulenfahrstuhl". Sie ist an der oben heraus schauenden Stange befestigt. Die Stange wird dann vom Seilzug nach unten gezogen, wodurch sich die beiden AM ZF Spulen nähern, wodurch eine stärkere Kopplung entsteht und die Bandbreite das Filters sich vergrößert. 

Zum Abnehmen des Filterbechers mußten die beiden Laschen (Teil des Schirmblechs unter dem BF) hochgebogen werden, sowie der untere AM Kern herausgedreht werden. Dann ließ sich der Becher leicht hochhebeln.

Durch die straffen Seile war der Hub des Spulenfahrstuhls zu groß. Was dann passiert, sieht man am nächsten Detailfoto.

Der Spulenkörper ist quadratisch und kann damit ohne zu verdrehen in dem Schlitz hoch und runter fahren. Allerdings sieht man unten eine Aussparung, die dazu notwendig ist, um den Spulenkörper in den Schlitz einzuführen. 

Da nun aber das Seil zu straff war, fuhr die Spule in Stellung "breit" so weit herunter, daß sie in diesen Bereich der Aussparung kam. Die Kräfte, die beim Drehen des Kerns zwecks Abgleich auftreten, konnten nun nicht mehr von der Pertinax-Führung aufgenommen werden, sondern wirkten sich voll auf die Klebung der Spule an das Plastikteil des Fahrstuhls aus. Die Klebung ist dadurch abgerissen, wodurch die Spule locker war.

Versuche, die Spule ohne weiteren Ausbau anzukleben, waren erfolglos. Folglich mußte das BF ausgebaut werden. Man tut nun gut daran, den Zustand vor dem Ausbau zu fotographieren.

Hier nun ein Bild des ausgebauten BF 2.

Die Rückseite des BF 2 zeigt bereits die wieder angeklebte Spule.

Die Stromzuführung zu dieser Spule geschieht zum einen über eine bewegliche Litze, die in der Nähe der unteren FM ZF Spule endet und zum anderen über die Bronze-Feder, die an sonsten dazu dient, die Spule "hoch zu fahren", wenn die Spannung im Seil nachgibt. (Hier ist das Spulenende noch nicht an die Feder angelötet.)

Wenn die Stange sich etwas schwer bewegt, genügt die Federkraft nicht mehr, um die Spule wieder ganz hinauf zu schieben. Ein Tropfen Öl wirkt dann Wunder.

Für eine solche Klebung eignet sich "Contacta Professional" von Revell, falls der Klebespalt sehr klein ist. Hier bestand ein Spalt, weshalb "technicoll® L 530" (alte Bezeichnung: "RUDERER® L 530") verwendet wurde.

Spätestens jetzt stellt sich die Frage, wie weit der Fahrstuhl "rauf und runter" fahren darf. Denn bis zu der Aussparung ist sicher zu weit.
Dankenswerter Weise konnte mir Hans Knoll da weiter helfen. Herzlichen Dank! Er hat einen 5050W und hat da den Hub gemessen. Er berägt (nur) 11mm.

Auf dem wieder geschlossenen BF 2 ist das nun vermerkt.

Die roten Punkte betreffen das FM ZF Filter und die blauen das AM ZF Filter. Das Seil ist nun so lang zu machen, daß bei Stellung "breit" des Höhenreglers der Spulenfahrstuhl genau den Hub von 11mm macht.
Dadurch ist das Seil in Stellung "schmal" des Höhenreglers nun schlaff (wie es sein soll).

Auf diesem Bild ist mancherlei erkennbar:

Die vertikalen Umlenkrollen haben Sicherungs-Bügel (bei der oberen Rolle sehr deutlich zu sehen), damit das Seil im schlaffen Zustand nicht herunter springt.

Beim Ausbau des BF 2 wurde das Seil durchgezwickt, damit man es wieder exakt gleich zusammen bekommen hätte. Jetzt wurde aber ein Zwischenstück eingefügt, das mit Hilfe von Adernhülsen mit dem alten Seil verbunden wurde.

Über dem Drehko ist ein Pertinaxteil erkennbar, mit desen Hilfe die Länge des Seils dann noch fein justiert werden kann. Das wird so lange verändert bis der Hub von 11mm stimmt.

Die AM ZF Durchlaßkurve ist nun sowohl für "schmal" als auch für "breit" wie aus dem Bilderbuch.

MfG DR

This article was edited 16.Jan.13 13:33 by Dietmar Rudolph .

Dietmar Rudolph
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12.Apr.19 10:56

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Die Bandbreiten-Regelung (in der AM ZF) beim 5040W ist etwas "tricky", weil sie mit dem Höhenregler mechanisch gekoppelt ist. Grundsätzlich gilt die Aussage aus Teil #1 dieses Treads:

"Da die AM Bandbreitenregelung über einen Seilzug mit dem Höhenregler gekoppelt ist, bedeutet das, daß für eine einwandfreie Funktion der Anordnung, das Seil bis zum Einsatzpunkt der AM Bandbreitenregelung nicht gespannt, also locker sein muß."

Das Problem besteht darin, den "Einsatzpunkt" für die AM Bandbreitenregelung richtig festzulegen. Aus Analogie zum 5050W, der i.w. bis auf die Endstufe dem 5040W entspricht, hat Hans Knoll bei einem 5050W nachgemessen und dabei einem Hub von 11mm für die Verschiebung des "Spulenfahrstuhls" gemessen.

Da die Verschiebung ja sehr gering ist, kommt es aber schon sehr genau darauf an, daß man das korrekte Maß findet und einstellt.

Nun wurden zwischenzeitlich die AM-Durchlaßkurven (von verschiedenen Radios) gemessen und gezeigt. Dabei hat es sich herausgestellt, daß es nicht genügt, nur einen Hub von 11 mm einzustellen. Vielmehr ist es erforderlich, die AM ZF Durchlaßkurve in Stellung "breit" zu kontrollieren und dann den Hub ggf. zu modifizieren.

In dem zitierten Post wird auch das Vierkreis ZF Bandfilter des 5040W vorgestellt, das auch in den anderen "größeren" Grundig Empfängern dieser Jahrgänge, wie z.B. im 5040W/3D, Verwendung findet.

MfG DR

  
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