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Grundig Musikgerät, Konzertgerät, Musikschrank

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Ernst Erb
Ernst Erb
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29.Jul.08 07:29

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Generelles:

Wie aus der Firmengeschichte bekannt ist, steigt Max Grundig mit dem Bausatz Heinzelmann nach dem Krieg frühzeitig in die Fabrikation von Rundfunkgeräten ein. Nach dem Heinzelmann gibt es Geräte mit verschiedenen Namen wie Liliput, Weltklang Super, doch Heinzelmann verschwindet nie ganz, ausser zwischen 1956 und 1994). Dafür gibt es ab 1949 ein erstes Reisegerät, Weltklang Reisesuper 216B mit Batterieröhren. Bei der Namensgebung kommen auch reine Zahlenkombinationen vor, wie 286W etc.

Mit Musikschrank I von 1949 beginnt ein Begriff, den man auch später lange weiter zieht. Noch ist aber keine Konsequenz bei der Namensgebung ersichtlich, die über viele Jahre hält. Einzig die vierstelligen Nummern sind in der ersten Hälfte der 50er Jahre: 1001GW2000GW etc.

1950 bringt Grundig die ersten seiner Auto-Super, AS238 und AS248, gefolgt von AS52 und "Drucktasten-Autosuper" im 1952. Wenn man bei "Erweiterte Suche ..." beim Modelltyp "nur Autoradio" wählt und beim Hersteller "Grundig", dann erhält man 86 Modelle, oft als Weltklang bezeichnet. Es sind sicher einige mehr. 1950 beginnt eine Namensserie mit dem zweiten Reisesuper: "Boy" (156B). Das ist auch das Jahr der Einführung von UKW bei Tischgeräten. Weltklang kommt einige Male vor, auch Musikschrank, Spitzen-Musikschrank. Ebenfalls gibt es für wenige Modelle Ortsnamen wie Ulm, Bamberg etc.

1951 kommt ein erstes Tonbandgerät von Grundig als "Einbauchassis STD" und "Reporter 600L", im Jahr darauf gefolgt von Reporter 300L etc. Später heissen die Geräte meist schlicht "TK" gefolgt von einer Nummer - Grundig hat sich mit Tonbandgeräten einen Markt erobert. Bei den Cassettengeräten (Kassettentonbandgeräten) ist es ähnlich, "C" oder "CR" für Cassetten-Recorder. 1951 steigt Grundig auch in die Fernsehgeräte-Produktion ein - mit dem "Fernseh-Standgerät" (20 Röhren), gefolgt im Jahr darauf mit dem ersten Tischgerät, Modell 210.

Natürlich gibt es auch Radio-TV-Kombinationsgeräte: Ab 1953/54 mit "Fernseh-Kombinationsschrank 642". Man beginnt auch recht rasch zu exportieren, denn durch die Besetzung entsteht für viele Amerikaner eine Wertschätzung Deutscher Radios. Ein Beispiel dafür ist die Grosshändler-Marke Majestic, z.B. hier mit Majestic 5040W/USA. Unterlagen dafür gibt es vor allem in den USA - und die erhalten wir dank der internationalen Zusammenarbeit im RMorg.

1956 Einführung einer Namensgebung über länger Zeit

Ab  1950 gibt es "Musikschrank" als Namensgebung für die Standmodelle. Eine besondere Vielzahl findet man 1954/55. Spitzengeräte zeigen 11 Röhren. Doch bleibt das als konsequente Namensgebung für eine bestimmte Art Gerät noch alleine - bis man 1956 - nach ca. 600 Modellen - konsequent eine Art Preisklassen durch die Namensgebung zeigt.

Die einfachen bis mittleren Tischgeräte nennt man ab 1956 "Musikgerät" (12 Modelle), die hochklassigen "Konzertgerät" (7 Modelle plus Phono-Kombination 3026). Bei den Musikgeräten gibt es zumindest in den ersten Jahren am unteren Ende Plastikgeräte und im Preissegment darüber Holzmodelle. Eine solche Aufteilung sieht man auch bei den Standmodellen: "Musikschrank" (schon ab 1955) für die günstigeren Geräte (10 Ausführungen) und "Konzertschrank" (4 Grundmodelle). Hier eingerechnet sind keine Exportgeräte. Bei den Standmodellen verwendet man Chassis von Tischmodellen. Bei den Fernsehgeräten sind es "Zauberspiegel". Vor diesem Termin gibt es kein Gerät "Musikschrank"! Auch der Name "Transistor-Boy" taucht in diesem Jahr erstmals mit "Transistor-Boy T" auf - auch wenn es ein Hybride ist ... Mit "Transistor-Box 59", "Transistor-Luxus-Boy" und "Taschen-Transistor-Boy" kommen 1958 erste reinrassige Transistor-Empfänger von Grundig - glänzt nicht gerade als erster Hersteller in Deutschland. Später heissen die tragbaren Modelle schlicht "Transistor" gefolgt von einer Nummer.

Von den Musikgeräten führen wir bis 1968 ca. 175 Modelle, als Konzertgeräte zeigen wir bis 1970 dagegen 87 Modelle, Musikschrank kommt 1955 bis 1962/63 vor und es sind 156 Modelle - Konzertschrank kommt wohl bis 1965/66 ganze 69 Mal vor.

Angeregt zu dieser Analyse bin ich wegen Verwendung eines Hochladers von "Musikgerät" für 1950 geworden und wegen der Vielfalt von von Musikgerät 97 und seiner Namensvettern im Ausland, die es zu bereinigen galt.

1957 Musikgerät 97

Während die drei einfachsten Tischmodelle 1955 noch schlicht 80U, 80UL und 90U heissen (je mit ECC85 EBF80 ECL113) und um 150 DM kosten, bekommen diese rundlichen Geräte 1956 den Namen Musikgerät 85 (ECC85 EBF80 ECL82), Musikgerät 90U (ECC85, ECH81, EF89, EABC80, EL84) und Musikgerät 95GW (UCC85 UCH81 UF89 UABC80 UL84) und ausser dem Musikgerät 85 (DM 149) sind sie teurer als 200 DM.

1957 gibt es den UKW-Super 86 (als Ausnahme von der Namensregel, DM 129, ein ausgesprochenes Kampfmodell), Musikgerät 87 (149 DM) und Musikgerät 97 zu 212 DM.

Das Musikgerät 97 (immer in Kunststoff) von 1957 wird zumindest später in verschiedenen Varianten und Folgemodellen gebaut. Nicht immer klaren Aufschluss geben die Jahreskataloge, doch dienen Sie zu einer Zusammenfassung:

Katalog 1957: 
mittelrot mit elfenbein, 5 kg, 3-W-Endstufe, TA, "* Höhenregler", zu 212 DM.
Wegen der anderen Farbe, sollten wir das Gerät wohl separat führen und auf die Problematik aufmerksam machen - oder nur Letzteres tun. Möglicherweise ist die Ferritantenne nicht abschaltbar - oder im Katalog nur nicht genannt. Klärung auf dem Modell bitte.
TA-Anschluss 2 x 4mm Telephonbuchsen. Ausgangsübertrager 9048.

Katalog 1958: 
mittelrot, sahara-gelb oder rededagrün, 5 kg, 3-W, TA, "* Höhenregler". zu 216 DM.
Ferritantenne abschaltbar = stimmt nicht: alle 97er für D haben keine abschaltbare!
TA-Anschluss 2 x 4mm Telephonbuchsen. Ausgangsübertrager 9048.

Katalog 1959:   
mittelrot, sahara-gelb oder rededagrün, 5,8 kg, 4-W, TA, "* Höhenregler", zu 198 DM.
Ferritantenne abschaltbar = = stimmt nicht: alle 97er für D haben keine abschaltbare!
In diesem "Handbuch des VDRG" (Seite A26) ist ein Druckfehler: EM85 statt EM84, doch alle Originalunterlagen weisen gemäss Herrn Knoll eine EM84 auf. Siehe auch Skala links.
TA-Anschluss 2 x 4mm Telephonbuchsen. Ausgangsübertrager 9048.

Katalog 1960: Musikgerät 97a
mittelrot, sahara-gelb oder rededagrün, 5,8 kg, 4-W, TA, Magnetton, * "Höhenregler", zu 195 DM.
Vermutlich ist es das Gerät, das auf der Rückwand die Bezeichnung 97/60 zeigt!
DIN-Buchse TA/TB statt 2 x 4 mm. Ausgangsübertrager 9048. Jetzt taucht das Schwestergerät Modell 2140 im Holzgehäuse mit gleichem Chassis aber Ausgangsübertrager 9054 und grösserem Lautsprecher auf. Nur noch im nächsten Jahr.


Katalog 1961: Musikgerät 97a
mittelrot, sahara-gelb oder staubgrau, 5,8 kg, 4-W, TA, Magnetton, zu 212 DM.
* "Klangregler": Stimmt nicht, alle Modelle für Deutschland haben je eine Taste Sprache bzw. Musik plus nur eine Tonblende als zweiter Knopf hinter der Lautstärkeregelung. DIN-Buchse TA/TB. Siehe oben. 

Katalog 1962: Musikgerät 97
mittelrot, sahara-gelb oder staubgrau, 5,8 kg, 4-W, TA, Magnetton, (Klangregler= nein) 239 DM.
Wie oben. 

Katalog 1963: Musikgerät 97
mittelrot, sahara-gelb oder staubgrau, 5,8 kg, 4-W, TA, TB, (Klangregler = nein), zu 259 DM.
Das Musikgerät 97 im VDRG-Katalog 1963/64 ist (wegen der TA/TB-Buchse) wahrscheinlich ein 97b. Siehe oben (obwohl es den 2140 nicht mehr gibt).

Katalog 1964:
durchwegs eckige Formen, kein Musikgerät 97 mehr, das sein Gehäuse und die Röhrenbestückung immer beibehalten hatte.

Natürlich darf man nicht nur auf die Jahreskataloge oder Prospekte etc. schliessen. Es kommen die technischen Unterlagen dazu, vor allem aber das unverbastelte Gerät selbst. Meist gibt die Rückwand Aufschluss, doch kann sie auch getauscht sein.

Wir fanden in anderen Ländern weitere Modelle: 97BE, 97BE1, Fleetwood 97CA, 97s (für Skandinavien), 97TE, 97WE, 97WE1, 97WE II, Majestic 97 (USA). Noch kennen wir nicht alle Zielmärkte, die Sie bitte anhand Besitzer/Rückwand etc. klären wollen. Bleibt es bei dem vollen Dutzend? Wir tragen natürlich nicht mehrfach ein, wenn das Modell in mehreren Jahreskatalogen vorkommt, doch genau gleich ist.

Die ganze Analyse und Berichtigung zeigte, wie wichtig lesbare Typenschilder-Abbildungen und Rückwandabbildungen sind.

This article was edited 29.Jul.08 17:56 by Ernst Erb .

Ernst Erb
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29.Jul.08 19:16

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   2 Herr Hans M. Knoll war über viele Jahre Entwickler bei Grundig. Ohne einen Hilferuf hat er mir auf Grund meiner Zeilen hier zwei Mal eine Aufstellung gesandt und auf Unstimmigkeiten im Jahreskatalog hingewiesen.

Nun haben wir ziemlich genaue Daten, die wir zur Bestimmung eines 97er-Gerätes für Deutschland heranziehen können.

Das nenne ich "ideale Hilfe", ohne die ich das nicht so präzise hätte herausarbeiten können. Trotzdem: Wir haben noch offene Fragen, z.B. zum Modell 97/60. Letztlich sollten wir die Erkenntnisse in die Modellseiten einfliessen lassen können.

Danke, Herr Knoll.
  
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