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Breitbandaufzeichnungen von historischen AM-Bändern

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Hermann Scharfetter 
 
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Forum » Radio- and technical History » Cohiradia - Historical Broadband Recordings » Breitbandaufzeichnungen von historischen AM-Bändern
           
Hermann Scharfetter
Hermann Scharfetter
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19.Dec.21 00:45
 
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Liebe RM Gemeinschaft,

Mit 16 Jahren Verspätung möchte ich ein Thema wieder aufgreifen, das Jakob Roschy am 16.Sep.05, im Thread zum Durchstimmen eines Radios gepostet hatte, und das zu einem möglicherweise für einige RM-Mitglieder sehr interessanten Projekt geführt hat. Obiger Thread begann 2004 mit dem wegweisenden Aufruf von Ernst Erb, die aussterbende AM-Technolgie auf MW, KW und LW durch Aufnahmen des Durchstimmens eines Radios für die Nachwelt nach-empfindbar zu machen - eine für sich schon ausgezeichnete Idee. Herr Roschy schlug dann vor, direkt von der Antenne Breitbandaufzeichnungen des gesamten MW oder LW-Bandes mittels eines Videorecorders durchzuführen, da ein solcher ja einige MHz Bandbreite hat. Vorteil: Wenn man den Antenneneingang eines AM-Empfängers an den Videoausgang koppelt, kann man beim Abspielen des Bandes sämtliche Sender wieder durchstimmen, hat also eine exakte 'Konserve' des AM-Bandes zur Aufnahmezeit - eine geniale Idee.

Einige RM-Mitglieder unternahmen dazu Versuche und die Berichte ermutigten mich, dasselbe zu probieren. Es gelang mir, ab Ende 2006 eine Reihe von Videobändern mit MW- und KW- Breitbandsignalen auf einem portablen Philips VR6711 mit akzeptabler Qualität aufzuzeichnen. Dabei habe ich das gesamte von einer Wurfantenne eingefangene Hf-Signal z.B. zwischen 500 und 1700 kHz bandpassgefiltert, breitbandverstärkt und in den Videoeingang des VR eingekoppelt. Von diesen Bändern kann man tatsächlich sämtliche damals einigermaßen stark empfangenen Sender durchstimmen und wieder anhören. Damit verfüge ich nun über ein Archiv historischer Original-Radiosignale.

Leider gibt es einen Pferdefuß: Wie damals von RM-Mitgliedern diskutiert wurde, haben Videorecorder keinen besonders guten Störabstand (SNR), wodurch schwächere Stationen verrauscht sind oder gar untergehen. Es kommt auch zu einem geringen Frequenzversatz, bei meinem VR6711 um ca +3%, da das Tracking ohne echtes Videosignal offenbar eine Regelabweichung besitzt. Weiters konnte ich meine Bänder nicht ohne weitere Signalverluste kopieren und anderen Radiofreunden zur Verfügug stellen, obwohl ich meine 'Schätze' gern geteilt hätte.

Die von Herrn Truppel im Forum geäußerte Anregung, mit 16Bit direkt digital aufzuzeichnen konnte ich leider mangels eines schnellen Digitizers nicht umsetzen. Mein Traum wurde erst Ende 2020 mit dem STEMLAB125-14 von RedPitaya wahr. Das ist ein, unter Amaturfunkern inzwischen bekannter, ca. 10x6 cm 'kleiner' Einplatinencomputer mit FPGA-gestützter Signalverarbeitungshardware, mit der man u.a. Oszilloskop, Funktionsgenerator, Netzwerkanalysator und software-defined radio (SDR) bis 60MHz bei 14 bit Auflösung auf jeweils 2 Ein- und Ausgängen über einen PC betreiben kann. Er erlaubt aber auch, kontinuierlich breitbandige Hochfrequenzsignale aufzuzeichnen und wieder abzuspielen. Dazu kopple ich den Ausgang des STEMLAB125-14 lediglich mit dem Antenneneingang eines AM-Radios, meist eines Röhrengeräts.

Bei der Anpassung der Python-Software für Aufnahmen bis 2.5MHz Bandbreite hat mir dankenswerterweise Pavel Demin, ein Programmierer von RedPitaya geholfen. So konnte ich alle zwischen 2006 und 2009 gemachten Analogaufzeichnungen (gut 50 Stunden Spielzeit) digitalisieren. Aktuelle MW-, LW- und KW-Signale, die derzeit ausgestrahlt werden, zeichne ich seit Anfang 2021 in gewissen Abständen stundenweise auf, da ich am Stadtrand von Graz mit einer im Garten gespannten Außenantenne noch viele süd- und osteuropäische Stationen ohne allzu viele urbane Störungen empfangen kann. Die Qualität ist sehr befriedigend, sogar eine schwache griechische Amateurstation auf 1660 kHz konnte ich klar aufnehmen. Die Wiedergabe auf einem guten MW-Radio unterscheidet sich für mein Gehör praktisch nicht vom Original.

Damit könnte ich meinen Fundus nun erstmals der Allgemeinheit zur Verfügung stellen, und würde das auch gern tun - wieso sollte nur ich mich an meinen Aufzeichnungen erfreuen? Da habe ich natürlich sofort wieder ans RM gedacht. Immerhin finden sich auf meinen Videobändern noch einige deutsche Stationen wie DLF, SWR, MDR und Bayern1, weiters  'Option Musique' des Schweizer Senders Sottens, NPO in den Niederlanden sowie französische Stationen, die alle inzwischen ihren Dienst  eingestellt haben. Sogar Beromünster findet sich noch auf 531 kHz, von Graz aus leider nur zu bestimmten Zeiten und dann meist sehr schwach zu empfangen.

Als Beispiel habe ich in den letzten Monaten zusammen mit Herrn Heribert Jung ein 'Projekt' in der Rubrik 'Audio' erstellt, das ein Durchstimm-Video aus einer am 30/31. Dezember 2006 (Mitternacht) gemachten Aufnahme des ganzen MW-Bandes zeigt. Dazu gibt es unter 'Parallele Clips' 15 verlinkte Audio-Clips mit 15 parallel laufenden Sendern, die aus dieser Aufzeichnung extrahiert wurden und die exakt synchron zum Video laufen, sodass man zu jeder Station im Video eine ganze, knapp 11-minütige Tonspur hat. Im Video finden sich neben anderen sämtliche og. Sender außer Beromünster (war an diesem Tag zu schwach), meist mit Stationsansage und Nachrichten um Mitternacht, sowie oft auch mit Bundes /Landeshymmne.

An dieser Stelle möchte ich mich bei Herrn Jung herzlich für die unermüdliche Hilfe beim Hochladen, Nachkorrigieren und das immer sehr konstruktive, kritische Gegenlesen meiner Beiträge bedanken !

Sollte das Ansehen/-hören dieser Aufzeichnungen Ihr Interesse wecken, dann könnte ich gern etwas im Sinne gelebter Technikgeschichte beitragen. Jede Person, die ein STEMLAB125-14 besitzt (kostet ca 350 - 400€, derzeit wegen der aktuellen Lieferengpässe für Chips leider steigend), es übers Netzwerk an einen PC koppelt, die passende Software installiert, und auf meine Daten zugreifen kann, kann dieselben Signale abspielen, und zwar auf jedem beliebigen Radio mit externem Antenneneingang. Man braucht nur noch einen Hf-Koppeltrafo zum Abtrennen der meist auf den Antennenbuchsen von alten Röhrenradios vorhandenen parasitären netzfrequenten Spannungen.

Ich habe das auf meinem Ingelen Columbus51, Minerva375, Atwater Kent10 und Eumigette W ausprobiert, es funktioniert sehr gut. Weiters kann jeder mit dem STEMLAB125-14 selbst Aufzeichnungen aktueller MW/LW/KW-Bänder machen und damit der Nachwelt einen kleinen Querschnitt dessen erhalten, was derzeit noch gesendet wird. Ich benutze zusätzlich einen rauscharmen Breitband-Vorverstärker, um den Dynamikumfang des STEMLAB möglichst voll zu nutzen, und geeignete passive Bandpassfilter zur Vorselektion. Diese kann man mit etwas Elektronik-Geschick leicht selbst basteln. Ich stelle meine Unterlagen dazu gern jedem zur Verfügung.

Besonders spannend fände ich, wenn der eine oder andere Liebhaber auch so ein Ding irgendwoanders in Europa oder sogar USA betreiben würde, dann könnte man eine überregionale Sammlung verschiedenster über die Welt verteilter, noch aktiver AM-Bänder aufbauen.

Derzeitige Baustellen:

(1) Meine Aufzeichnungen sind derzeit lediglich auf meinen lokalen Festplatten gespeichert, weil das Datenaufkommen mit 20GB je Stunde riesig ist. Da sind inzwischen viele 100 GB zusammengekommen. Mangels eines Servers kann ich daher derzeit nur auf Anfrage ausgewählte Datensequenzen, z.B. über ein Cloud-Verzeichnis bereitstellen. Bei breiterem Interesse müsste man eine brauchbare und kostengünstige Serverlösung finden.

(2) Meine Aufzeichnungen haben variable Qualität, viele habe ich noch gar nie voll abgespielt und kenne den Inhalt nicht. Ich habe mir zwar einige Analyse- und Korrekturwerkzeuge unter MATLAB geschrieben, aber selbst mit diesen kostet die Sichtung viel Zeit. Daher kenne ich die Inhalte meiner Sammlung noch gar nicht wirklich - da warten sicher noch Überraschungen.

In meinem Kopf kreisen einige noch unausgegorene Ideen, wie man diese historischen Daten einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich machen könnte (falls es diese noch gibt) – leider bin ich ein lausiger Programmierer und habe viel zu wenig Zeit, daher ist das alles noch Zukunftsmusik.

Es würde mich aber jedenfalls freuen, wenn sich im RM der/die eine oder andere InteressentIn fände, mit dem/der ich meinen Enthusiasmus teilen kann.

Mit besten Grüßen

Hermann Scharfetter, Graz, Österreich

 

 

This article was edited 03.Apr.22 11:09 by Hermann Scharfetter .

Ernst Erb
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19.Dec.21 10:29
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Lieber Herr Scharfetter

Dank Ihrer Initiative und Ihrem Können existieren nun interessante Aufzeichnungen. Nur so aus dem Bauch heraus meine ich, dass moderne Speichermedien nicht nur eine riesige Speicherkapazität haben, sondern auch schnell "liefern" können. Falls die Bandbreite zu wenig wäre für ein Streaming, könnte man den Träger-Frequenzbereich eingrenzen. Die Daten sollten wegen den "langsamen Verlusten" jedenfalls nicht auf einem Videoband bleiben und wenn möglich auch örtlich verteilt sein. 

Als Stiftung Radiomuseum Luzern könnten wir auch unter RMorg Serverkapazität bereitstellen - und ich kann mir vorstellen, dass wir z.B. ein fixes Streaming einrichten, das man nicht unbedingt beliebig anfordern kann, sondern einfach als eine bestimmte Zeitschlaufe sendet. Das wäre auch viel ökologischer als ein beliebiges Streaming wie es wohl die meisten Sender heute tun, also zeitversetztes Hören nach Wunsch.

Dabei wäre es sinnvoll, sich auch in den USA nach "Informationsgebern" umzusehen. Denn dort ist AM noch nicht gestorben. Auch Amateurbänder - die Konzession zum Empfang ist glaube ich nicht mehr nötig für "Nichtamateure" -  (oder auch andere Bänder, die "öffentlichkeitstauglich" sind) wären eine interessante Sache - aber auch FM-Sender (Bänder). Ihnen könnte ich dortige technisch versierte Mitglieder nennen, die Sie unterstützen könnten. Das zumindest in dem Fall wenn Sie nach wie vort "den Motor" (und Motivator) dazu spielen könnten.

Zuvor wäre es aber wichtig Sie würden sich mit Ueli Kurmann über unsere Möglichkeiten und Grenzen unterhalten. Er ist ein Top-IT-Mann (System-Architekt) und die Aufgabe könnte ihn reizen, sofern er die Zeit aufwenden kann. Zumindest könnte er erklären, was er als technisch (für uns) möglich sieht und was nicht. Sollte die Idee nicht gangbar sein für uns, kämen immer noch verkaufbare HDs mit Aufzeichnung und "Abspielsoftware" in Frage, falls Sie das entwickeln würden oder ein Team dazu finden.

Ihnen kann ich nur zu Ihrer ausgezeichneten Lösung gratulieren und hoffen, dass Sie die nächsten Schritte schaffen. Zudem wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie schöne Festtage.

Herzlich grüsst Sie
Ernst Erb

 

Hermann Scharfetter
Hermann Scharfetter
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12.Feb.22 19:53
 
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Lieber Herr Erb,

Herzlichen Dank für Ihre ermutigenden Worte und die Bereitschaft, einen Teil meiner Sammlung zu hosten. Das ist eine große Hilfe und sehr motivierend für die Weiterentwicklung. Ich hatte inzwischen intensiven Kontakt mit Ueli Kurmann, bin begeistert von seiner Kompetenz und Hilfsbereitschaft und möchte mich an dieser Stelle sehr herzlich für seine Unterstützung bedanken. Entgegen meiner ursprünglichen Intention, neben den Daten zunächst nur ein sehr einfaches Python-Skript zum Abspielen bereitzustellen, hat die Zusammenarbeit mit ihm dazu geführt, dass wir nun ein relativ einfach zu bediendendes Softwarepaket zusammengestellt haben. Ich habe eine graphische Abspiel-App für Windows10 und er ein LINUX-Installationsskript für das STEMLAB125-14 geschrieben. Weiters habe ich ein Datenfile eingespielt, das eine etwas mehr als 14-minütige Aufzeichnung des gesamten MW-Bandes am 31. Dezember 2006 beinhaltet, aus der auch der im RM eingespielte Durchstimm-Clip stammt. Zusätzlich existiert noch ein kurzes Testfile mit einem etwas mehr als eineinhalbminütigen Ausschnitt aus einer neuen Aufzeichnung aus 2021.

Damit ist es für einigermaßen geübte PC-NutzerInnen nun relativ einfach, die bereitgestellten Daten mittels eines STEMLAB125-14 abzuspielen und auf jedes beliebige MW-Radio mit Antenneneingang einzukoppeln. Ich habe das Projekt 'COHIRADIA' getauft, ein Akronym für 'COnservation of HIstorical RAdiofrequency bands by DIgital Archiving'. Ist nicht so wahnsinnig kreativ, falls es bessere Ideen gibt, freue ich mich über Vorschläge.

Grundsätzlich hat jedes eingeloggte Radiomuseums-Mitglied die Möglichkeit, auf das COHIRADIA-Verzeichnis zuzugreifen, um die Files herunterzuladen. Der Link ist: https://cohiradia.radiomuseum.org/download/. Dort befinden sich

Es würde mich sehr freuen, wenn sich in naher Zukunft einige 'Beta-Tester' fänden, die sich ein Redpitaya-STEMLAB zulegen und die Software ausprobieren. Als nächstes werde ich in den nächsten Monaten die Python-Sourcen meines Programms als Open-Source-Projekt auf GITHub anlegen, sodass auch andere Begeisterte mitprogrammieren können. Damit könnte man dann die Software auch für LINUX-Benutzer verfügbar machen. Weiters hoffe ich, innerhalb der nächsten 2 Monate auch eine graphische Aufnahme-App bereitstellen zu können. Eine sehr einfache Python-Variante kann ich bereits jetzt auf Anfrage zur Verfügung stellen, aber die ist nur für Python-Benutzer und auch für solche eher umständlich zu bedienen.

Wenn das Projekt auf Interesse stoßen sollte, lade ich gern größere, ausgewählte Breitband-Aufzeichnungen hoch. Ich hätte da zum Beispiel zwei synchrone Aufnahmen auf Lang- und Mittelwelle zu Silvester 2021/22, bei der man der endgültigen Abschaltung des tschechischen AM-Rundfunks auf LW und MW um Mitternacht beiwohnen kann.

Mit herzlichen Grüßen

Hermann Scharfetter

Gerald Gauert
 
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27.Feb.22 20:32
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Hallo Herr Scharfetter,

Heute habe ich den ersten Test mit einem Staßfurter Mikrohet Baujahr 1928 durchgeführt. Ich bin begeistert! Beim Durchstimmen bin ich dann bei der Neujahrsansprache unserer Bundeskanzlerin gelandet. Eine echte Zeitreise in das Jahr 2006.
Als Auskoppeltransformator habe ich einen Ferrit-Ringkern bewickelt, primär 65µH, sekundär 1,3mH. Der Mikrohet ist ein Rahmenempfänger, deshalb wurde das AM-Signal über eine zweite Rahmenantenne induktiv eingekoppelt. Die Qualität der schwächeren Stationen ist sehr gut, die Stationen mit stärkeren Pegeln verzerren etwas. Das kann allerdings auch an den Eigenschaften des primtiven Empfängers liegen. Den nächsten Test werde ich mit einem hochwertigen, moderneren Gerät durchführen.

Es wäre schön, wenn auch eine standalone Lösung möglich wäre, bei der die Datenfiles direkt von einem am STEMLAB angeschlossenen externen Datenträger geladen werden können.
 
Vielen Dank für diese Entwicklungsarbeit.
 
Gerald Gauert

 

 

Hermann Scharfetter
Hermann Scharfetter
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28.Feb.22 08:07

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Hallo Herr Gauert,

Das ist ja phantastisch - ich bin von Ihren Fotos ebenfalls begeistert ! Wunderschöne 20-er-Jahre High-Tech beim Stelldichein mit 90 Jahre jüngerer High-Tech - oder 'Ururgroßvater singt ein Duett mit Ururenkelin' ? Größer könnte der Kontrast kaum ausfallen.

Ich freue mich sehr, dass Sie den ersten 'Beta'-Test meiner Software erfolgreich durchgeführt haben und dass das Installationsskript von Herrn Kurmann überall so problemlos funktioniert.

Ich finde es auch sehr interessant, dass Sie das Signal induktiv über die Rahmenantenne eingekoppelt
haben - an diese Variante hatte ich bei meinen Empfehlungen für den Balun nicht gedacht, denn
der ist für deren Impedanz wahrscheinlich suboptimal. Können Sie mir die Induktivität der Rahmenantenne und das Kernmaterial Ihres Ringkerns mitteilen ? Ich selbst kopple für Testzwecke oft induktiv über eine Spule mit wenigen Windungen an die Ferritantenne eines Transistorempfängers an, schalte dort aber ganz 'hemdsärmelig' lediglich 100 - 200 Ohm in Serie, um den Frequenzgang etwas zu bügeln. Ist auch suboptimal, aber funktioniert halt behelfsmäßig.

Betreff Signalstärke und Verzerrungen: Das STEMLAB liefert sehr starke Pegel, da ich den Dynamikumfang von 1Vss mit dem Gesamtbandsignal meist zu mindestens 80% ausnutze. Das kann bei empfindlichen Empfängern tatsächlich zu Verzerrungen führen, sofern die Schwundregelung nicht ausreichend kompensieren kann. Sie können das durch Variation der Kopplung zwischen den beiden Rahmenantennen ausgleichen.
Bei Empfängern mit Antenneneingang schalte ich in solchen Fällen einen 20dB-Koaxialabschwächer in den STEMLAB-Ausgang. Man kann sich bei diesen Frequenzen aber auch mit einen einfachen Widerstands-Spannungsteiler behelfen, z.B. 470 vs 47 Ohm.


Zum Thema Stand-alone Betrieb: Das ist eine gute und sehr berechtigte Frage, ich hatte auch schon mit diesem Gedanken gespielt. Der USB-Stecker ist dafür glaube ich nicht geeignet, der dient wohl hauptsächlich zum Anschluß eines WLAN-Dongles. Die Doku von Red Pitaya ist diesbezüglich leider
sehr dürftig, man müsste wohl bei Pavel Demin direkt nachfragen. Die Stecker S1, S2 laut Hardware-Doku sind offensichtlich Festplattenstecker. Leider habe ich dazu auch keine näheren Angaben gefunden, aber evt. könnte man dort Festplatten mounten. Es müsste auch gehen, Daten direkt auf die SD-Karte zu spielen und den SDR-Server umzuprogrammieren, sodass er die Daten direkt
von der Karte liest und abspielt. Das C-Sourcefile hab ich schon mal grob analysiert, das
müsste meiner Meinung nach funktionieren. Pavel Demin meinte allerdings auf meine diesbezüliche Anfrage, dass die maximale Datenrate wahrscheinlich dann geringer sei als über die Ethernetschnittstelle. Ich bin leider noch nicht dazugekommen, das zu versuchen. Falls es ein interessiertes RM-Mitglied mit C-Programmierkenntnissen gibt, der/die sich damit befassen möchte, wäre das evt. ein lohnender Versuch.

Alles in Allem bin durch Ihre Ergebnisse sehr ermutigt und bedanke mich herzlich für Ihren Bericht. Fühle mich nun noch motivierter, meine nächste Software-Version endlich fertigzustellen. Der Prototyp mit zusätzlichem Aufnahmeteil funktioniert schon, ich muss ihn aber noch ausgiebig testen. Ich freue mich jedenfalls auf weitere Berichte und weiteres spannendes Experimentieren.

Mit besten Grüßen

Hermann Scharfetter

 

 

Hermann Scharfetter
Hermann Scharfetter
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12.Mar.22 19:56

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Liebe Radiomuseums-Gemeinschaft,

Mittlerweile hat sich einiges Neues getan: Ein Fileserver wurde von Ueli Kurmann eingerichtet, großzügig Speicherplatz für COHIRADIA-Aufzeichnungen vom RM zur Verfügung gestellt und eine Landing-Page ist in Vorbereitung (vielen Dank an Ernst Erb und Ueli Kurmann).

Ich habe dort eine neue Softwareversion 'Cohiradia-RFCorder' bereitgestellt, die neben dem Abspielen von Breitband-Daten nun auch das Aufzeichnen ermöglicht. InteressentInnen können nun also an jedem Standort eigene Aufnahmen von Rundfunkbänern mit bis zu 2.5 MHz Bandbreite machen, wenn sie das STEMLAB mit einem Breitband-Vorverstärker und geeigneten Bandfiltern an eine Antenne koppeln.

Ich habe auf dem Server die Installationssoftware und alle Dokumentationen auf den neuesten Stand gebracht und empfehle, nur mehr auf die neuesten Versionen mit den us. Links zuzugreifen. Sollte jemand noch mit der allerersten Software-Version arbeiten, so ist das natürlich o.k., aber ich werde diese nicht mehr weiterentwickeln sondern 'bastle' nun am 'Cohiradia-RFCorder' weiter. Downloads sind nun unter fogenden Verzeichnissen in strukturierter Weise möglich:

Dort finden sich neben englischsprachigen nun folgende deutschsprachige Dateien:

(1) Detaillierte Documentation von Zusammenbau und Installation von Hard- and Software:

(2) Deutsches Installationspaket cohiradia_V1.2.zip (176MB) mit

  • Installations- und Bedienungsanleitung (pdf)
  • Aufnahme/Abspielprogramm für Windows10 (COHIRADIA_RFCorder.exe, beta-version 1.1b)  
  • Videoanleitungen Teile 1 und 2 mit Schritt-für-Schritt Anleitungen

(3) eine kontinuierlich wachsende Sammlung an Datenfiles von alten und neuen Aufzeichnungen zum Download und Abspielen. Zusätzlich gibt es ein kurzes Testfile mit eineinhalb Minuten Spieldauer aus einer Aufzeichnung aus 2021. Derzeit sind die folgenden Aufzeichnungen verfügbar:

Die Installationsanleitung enthält nun auch Eagle-Files und pdf-Dateien für ein Breitbandverstärker-Board mit dem AD811, den ich selbst in meinen Aufbauten benutze.

Noch einige Anmerkungen zu den neu eingspielten Aufnahmen:

(1) Die Komplettaufnahme 30/31.12.2006 ist die vollständige digitalisierte Analogaufzeichnung mit ca 2h Spielzeit, aufgeteilt in 2 Files. Dies ist das Rohdatenfile, aus dem der bereits bisher verfügbare Ausschnitt um Mitternacht herum mit 4.2 GB und das Durchstimmvideo stammen.

(2) Silvester-Aufzeichnungen 2021/22: Hier handelt es sich um je 30 Minuten aus einer Langwellen und Mittelwellenband-Aufzeichnung in Graz am 31.12.2021/01.01.2022. Bemerkenswert ist darin auf Minute 20 die endgültige Abschaltung des LW-Sendersauf 270 kHz Topolna (Tschechien) knapp nach Mitternacht und kurz darauf auf der MW-Aufzeichnung dasselbe auf 639kHz. Auf der LW-Aufnahme finden sich einige andere noch empfangbare Sender: Solec Kujawski (Polen) Beidweiler (Luxemburg), Bod (Rumänien), das Funkfeuer des Flughafens Graz und (sehr schwach) Droitwich (BBC) .

(3) Aus gegebenem (traurigen) Anlass gibt es nun auch eine 25-minütige Aufzeichnung auf Mittelwelle am 27.Februar 2022, auf der auf 549 kHz der 2019 stillgelegte und temporär bis Ende 2021 reaktivierte ukrainische Mittelwellensender Mykolayiv offenbar aus Anlass des russischen Einmarschs in die Ukraine für einige Tage wieder eingeschaltet wurde. Dies wurde auch im Internet mehrfach bestätigt, eine Wieder-Abschaltung erfolgte am 6.3.2006. Sollte jemand an den vollständigen Aufzeichnungen zu (>3h bzw. 70 min) interessiert sein, kann ich diese gern gesondert zur Verfügung stellen.

Mit besten Grüßen

Hermann Scharfetter

This article was edited 04.Apr.22 13:50 by Hermann Scharfetter .

Gerald Gauert
 
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Hallo Herr Scharfetter,

wie schon beim Heimsenderlein, habe ich auch mit STEMLAB und Balun festgestellt, dass bei Radios aus den 20ern und Anfang der 30er Jahre, die für den Betrieb an einer Langraht-/Hochantenne vorgesehen sind, der Eingangskreis zu sehr bedämpft wird und die Selektivität leidet. Bei Detektorempfängern, die nur aus einer Schiebespule oder einem Variometer bestehen, fehlt als Schwingkreiskomponente die Antennenkapazität.
Eine Reihenschaltung aus einem 470Ω Widerstand und einem 220pF Kondensator in der Antennenleitung brachte ein entscheidende Verbesserung,

Heute habe ich das Signal für eine Vorführung über das beschriebene RC-Glied in einen Staßfurter Imperial 5 von 1932 eingespeist. Ich konnte die Lautstärke am Empfänger gut regeln und hatte auch bei starken Signalen keine Verzerrungen.

Gerald Gauert

Hermann Scharfetter
Hermann Scharfetter
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15.Mar.22 18:25
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Hallo Herr Gauert,

Danke für diese sehr erhellende Bemerkung. Sie haben natürlich vollkommen recht, bei diesen alten Empfängern trägt die Antenne sehr deutlich zum Eingangs-Schwingkreis bei und dann ist die Ankopplung tatsächlich kritisch. Der von mir vorgeschlagene 1:9-Balun transformiert die 50 Ohm des STEMLAB ja nur auf 450 Ohm hoch, das dämpft dann stark und verstimmt den Kreis. Das von Ihnen vorgeschlagene Serienglied aus 220pF und 470Ω liefert zusammen mit der Ausgangsimpedanz des Baluns betragsmäßig eine Impedanz von ca. 1.2 kΩ @ 1 MHz, was dann offensichtlich hoch genug ist. Ich habe diese Anordnung dann auch gleich auf meinem AtwaterKent 10 ausprobiert, und konnte die Kapazität ohne nennenswerten Signalverlust sogar noch auf 100pF reduzieren. Die Selektivität wurde jedenfalls deutlich besser als mit dem nackten Balun. Ihre Strategie ist also für diese Klasse von Eingangsstufen ganz allgemein zu empfehlen.

Mit besten Grüßen

Hermann Scharfetter

This article was edited 15.Mar.22 18:31 by Hermann Scharfetter .

Hermann Scharfetter
Hermann Scharfetter
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02.Apr.22 17:56
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Liebe Freunde von COHIRADIA,

Um diesen Haupt-Thread von COHIRADIA kompakt zu halten sollen ab jetzt alle technischen Beiträge zum Thema Hardware und Software in zwei eigens dafür angelegten technischen Threads konzentriert werden. Wenn Sie also technische Probleme und Lösungen zu Hardware erörtern möchten, dann bitte im Bereich 'Hardware für COHIRADIA: Details und Problemlösungen' antworten und nicht mehr hier im Hauptthread. Beispiele könnten etwa sein:

  • Verwendung von Baluns oder anderen Kopplungsarten zu den Radios,
  • Breitbandverstärker für die Aufzeichnung
  • Antennenankopplung bei eigenen Aufzeichnungen
  • u.v.a. mehr

Wenn Sie dahegen Beiträge zu Software haben, dann bitte im Bereich 'Software für COHIRADIA: Details und Problemlösungen'. Dort freue ich mich über Beiträge wie:

  • Erweiterung der Funktionalität des COHIRADIA_RFCorders
  • Erweiterungen bzw. Standardisierung des Datenformats
  • Code-Beiträge (sobald ich das GITHub-Projekt gestartet habe)
  • neue SDR-Lösungen
  • evt. auch Signalverarbeitungs- und Darstellungsideen
  • u.v.a. mehr

Ziel ist es, den Hauptthread für die mehr historische Seite des Projekts frei und durchgängig lesbar zu halten. Hier sollen daher in Zukunft Dinge wie

  • interessante Anmerkungen zu eingespielten Aufzeichnungen
  • Berichte über die Anwendung von COHIRADIA auf historischen Geräten
  • andere Aktivitäten unter Einbeziehung von COHIRADIA (z.B. in Museen, bei Veranstaltungen o.ä.)
  • u.v.a. mehr

ihren Platz finden.

Herzlichen Dank und beste Grüße

Hermann Scharfetter

This article was edited 03.Apr.22 12:32 by Hermann Scharfetter .

  
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