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In welches Gerät gehört dieser Drehkondensator?

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Harald Giese
Harald Giese
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23.Jun.20 22:27
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Im lokalen Antiquitätengeschäft fand ich diesen Drehkondensator, der mich durch sein solides Aussehen bestach. Leider fand der Antiquitätenhändler, dass die Drehkoplatten vergoldet sind und verlangte einen stolzen Preis. Ich konnte trotzdem nicht widerstehen und habe ihn erstanden. Hier einige Bilder (Alle Bilder können durch Anklicken vergrößert werden):


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Die Kapazitätsvariation beider Segmente ist identisch: 20 - 400 pF. Besonders erstaunt haben mich neben der präzisen Mechanik zwei Dinge:

(i) die entlang der äußeren Peripherie geschlitzten Rotorblätter.

(ii) die Oberflächenvergütung. Falls die Platten wirklich vergoldet waren, frage ich mich warum? Angesichts der hohen Kapazitätswerte kann man wohl davon ausgehen, dass hier keine sehr hohen Frequenzen im Spiel waren. Vergoldung von Oberflächen wählt man aber zur Reduktion von Skin - Verlusten und die spielen bekanntlich erst bei hohen Frequenzen eine wichtige Rolle. Wie klärt sich dieser Widerspruch? 

Das Logo auf der einen Seitenwange sieht aus wie Siemens-Halske. Die darunter stehenden Zeichen kann man leider nicht entziffern. 

Die solide Ausführung mit gefrästen Rotor- und Statorplatten lässt eine kommerzielle / militärische Nutzung vermuten.

Kennt jemand die Antwort?

MfG Harald Giese

Manfred Rathgeb
 
 
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24.Jun.20 23:54
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Sehr geehrter Herr Giese,

nicht dieses, aber ähnliche Teile kenne ich aus den mehrere Zentner schweren Sendern der Richtfunkstrecken (Post) aus der Zeit um  etwa 1948: Schwergewichtige Ausführungen, noch viel und überdiese sehr präzise Mechanik (auch Gußteile aus gutem Material),  kleine Servomotoren kombiniert mit manuellen Einstellungen. Und - deshalb schreibe ich Ihnen - die einzelnen Bauteile, ja sogar einzelne Widerstände und Kondensatoren  bekamen  eine  handschriftlich gefertigte individuelle  Zahl verpasst, die man wahrscheinlich im Schaltplan wiederfindet.

Mit freundlichen Grüssen

Manfred Rathgeb

 

Harald Giese
Harald Giese
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25.Jun.20 10:33
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Lieber Herr Rathgeb,

vielen Dank für Ihre Antwort!

Warum bin ich da nicht selbst drauf gekommen?! Wenn die Konstruktion besonders präzise und massiv ist, kann es sich um folgende Anwendungsbereiche handeln:

Post / Militär / Seefunk

Einige Kriterien:

Post: Muss zuverlässig sein / Lange Lebensdauer / Gewicht spielt keine Rolle.

Militär: Dito, aber Gewicht spielt schon eine Rolle, jedenfalls bei Geräten die man herumschleppen muss.

Seefunk: Wie oben, aber Gewicht spielt schon gar keine Rolle; was sind schon 100 kg im Vergleich zum Gewicht eines Schiffes und seiner Ladung!

Und hier sind wir möglicherweise auf der richtigen Spur. Die Kondensatorplatten wurden aller Wahrscheinlichkeit nach vergoldet, um sie unempfindlich gegen die korrosive Seeluft zu machen. Bei Platten aus Aluminium riskiert man, dass sie ausblühen und sich der Kapazitätswert ändert.

Hier noch ein paar technische Daten zu dem Drehkondensator:

Gewicht: 690 Gramm, BHT: 120 mm x 70 mm x 70 mm

Wer kennt sich mit dem Innenleben von Seefunkgeräten aus?

MfG Harald Giese

This article was edited 25.Jun.20 10:38 by Harald Giese .

Manfred Rathgeb
 
 
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25.Jun.20 15:43
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Lieber Herr Giese,

die von mir genannten Geräte (Sender-Empfänger) standen  auf den Plattformen der Türme hoch über den Wipfeln der Bäume, also nahe der Richtantenne. Ob in einem Raum oder mehr oder weniger ungeschützt beim Turmschaft, daran kann ich mich nicht mehr erinnern (Besichtigung Ende der 1960er, alles war eng und gefährlich). Jedenfalls sind fast alle Module in den Einschüben des umschlossenen Schrankes mit nur wenigen Lüftungsöffnungen extra gekapselt, Verbindungen zum nächsten Einschub über Stecker/Kupplung auf der Rückseite der Vorderplatte. Der Grund könnten nicht nur die Wellen sondern auch die Wetterbedigungen gewesen sein. Es handelt sich hierbei um die Nachfolger des bei uns angelegten DMG3aG "Rudolf", die  natürlich auch im Badischen auf den Türmen  standen und somit eine heimische Antiquität wären. Ich würde bei meiner Recherche zunächst nicht nur zur See gehen sondern auch auf dem Land suchen.

MfG

Manfred Rathgeb

Editierung:Antiquität

This article was edited 25.Jun.20 16:55 by Manfred Rathgeb .

  
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