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Kein Empfang auf UKW - grundsätzliches

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Eike Grund
Eike Grund
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11.Feb.07 18:18
 
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- Kein Empfang im UKW-Bereich - alles andere funktioniert -

so lautet eine relativ häufige Feststellung von noch weniger erfahrenen Radiofreunden, die dann als Frage nach der möglichen Ursache per email formuliert - oder in einem Forum veröffentlicht wird. Meistens fehlen weitere aufschlussreiche Angaben, bzw. werden diese schrittweise nachgereicht, was eine zielführende online-Beratung erschwert. Zu diesen Angaben zählen zum Beispiel: Was hört man aus dem Lautsprecher in Abhängigkeit von der Betätigung des Lautstärkestellers und der Senderwahl (über den gesamten Bereich!)? In welcher Weise reagiert die Abstimmanzeige? Welche Messgeräte sind vorhanden? (Und schlimmstenfalls: Riecht oder raucht es, wenn ja wo?)
Man scheut sich zunächst, eine solche Frage online zu beantworten, gibt es doch beliebig viele mögliche Ursachen und wäre doch ein Blick auf das Chassis und ein "Anfassen" für den Fachmann sehr aufschlussreich. Ich versuche trotzdem, eine möglichst systematische Vorgehensweise vorzuschlagen, die sich, das sei nochmals betont, vor allem an den technisch noch weniger erfahrenen und messtechnisch einfach ausgestattenen Radiofreund(in) richtet. Daher wird hier auch nicht auf die Problematik eines eventuell erforderlichen Nachgleichs nach Reparaturen der Schaltungstechnik im Hf-Bereich eingegangen, es geht hier lediglich darum, die grundsätzliche Funktion im UKW- Bereich wieder herzustellen, bzw. die noch offenen Fragen möglichst präzise stellen zu können.

1. Die UKW Röhre(n)
wird zuerst als mögliche Ursache gegen eine Referenzröhre getauscht. Die Oszillatortriode hat einen relativ hohen Anodenstrom und ist daher auch eher von Ausfällen betroffen. Weitere einfache Prüfungen: Glüht der Heizfaden, bzw. wird die Röhre (die Röhren) warm?

2. Störungen der Mechanik und des Antenneneingangs
Spätestens jetzt muss geprüft werden, ob die Bewegung des Abstimmknopfes auch am Drehkondensator bzw. am Spulenvariometer ankommt, ob sich diese Teile auch wirklich bewegen (Prüfungen im Bereich der Mechanik werden besser bereits im Zuge der Reinigungsarbeiten, vor dem ersten Einschalten des Gerätes durchgeführt). Die gut sichtbare und unkomplizierte Leitungsführung des Antennenkabels von der Eingangsbuchse zum UKW-Tuner kann eigentlich nur durch Gewalteinwirkung zu Schaden gekommen sein. Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass bei fehlendem Antennensignal der UKW- Tuner stumm bleibt.

3. Dann prüft man die dem UKW- Tuner zugeführte Anodenspannung,
die an den Anschlüssen am UKW- Kästchen (außen) gemessen werden kann. Es gibt nur wenige Anschlüsse: Heizspannung 6,3 Volt~, Anodengleichspannung, Zf- Ausgang (geschirmt) und Antenneneingang, so dass man den richtigen Anschluss auch ohne Stromlaufplan (Schaltbild) findet. Die Masseverbindung wird meistens durch ein Erdungsband (gelötet) hergestellt. Die Heizspannung kann durch einen Blick auf den Heizfaden oder durch Anfassen des Glaskolbens geprüft (natürlich auch gemessen) werden. Fehlt die Anodenspannung, so kommt der entsprechende Tastenkontakt oder ein in Reihe liegender Widerstand als Ursache in Frage. Ist der Widerstand durchgeschmort, muss vor weiteren Maßnahmen die Ursache für dessen Tod (ein Kurzschluss?) gefunden werden (das gilt grundsätzlich für alle Widerstände im Bereich der Anodengleichspannung).

4. Prüfen des Oszillators
(man kann die Reihenfolge der Maßnahmenvorschläge 3. und 4. auch umkehren)
Ein nicht schwingender Oszillator zählt zu den häufigsten Ursachen, wenn auch beim Durchdrehen des Drehknopfes absolut kein Geräusch feststellbar ist. Lautes Krachen beim Durchdrehen deutet auf einen schwingenden Oszillator hin, dessen Funktion durch Plattenschlüsse oder verschmutzte Schleifkontakte des Drehkondensators beeinträchtigt wird.
Der Nachweis der Oszillatorschwingung mit einfachen Mitteln kann wie folgt erreicht werden:
Stellen Sie das zu prüfende Radio auf eine Empfangsfrequenz von 90 MHz ein. Nehmen Sie ein (Taschen)-Radio, und suchen Sie im Bereich 100 bis 101 MHz nach einem unmodulierten Signal, der Abstimmanzeiger des kleinen Radios muss ausschlagen. (Die Oszillatorfrequenz liegt - mit wenigen Ausnahmen - um 10,7 MHz über der Empfangsfrequenz). Glauben Sie das Signal gefunden zu haben, drehen Sie zur Bestätigung an dem Radio mit defektem UKW- Bereich den Abstimmknopf etwas hin und her.
Schwingt der Oszillator, kann eigentlich nicht viel fehlen. Sie müssen dann die Kontakte und Schaltungselemente der UKW- Vorstufe und des ersten Zf-Bandfilters prüfen.
Schwingt der Oszillator nicht - und die UKW-Röhre ist in Ordnung, nenne ich eine häufige Ursache: Jemand hat den Oszillatorkreis so stark verstellt, dass dieser nicht anschwingen kann oder sehr weit verschoben schwingt. Neben Kontaktproblemen liegt die Ursache für einen nicht schwingenden Oszillator oft an den Trimmerkondensatoren, keramische Kondensatoren können leicht Schäden durch mechanische Einflüsse erleiden, und so weiter, die Liste würde nun etwas länger werden, nun wird auch das Öffnen des UKW- Kästchens unumgänglich.
Vom Versuch des Nachweises der Oszillatorschwingung im UKW- Bereich durch den Anschluss eines Messgerätes sollte der Anfänger Abstand nehmen.

5. Nun müssen wir das UKW- Kästchen öffnen -
sofern wir es nicht mit einem UKW- Tuner in offener Bauweise (z.B. bei einer Philetta) zu tun haben. Spätestens jetzt brauchen wir den Stromlaufplan. Zuerst sollten Sie jetzt prüfen, ob die Anodengeichspannung auch wirklich an den Anoden der UKW- Röhre(n) ankommt. Fehlt diese, untersuchen Sie bitte die involvierten Kontakte, Widerstände und Kondensatoren. Ich gehe davon aus, dass Sie Sichtkontrollen bereits durchgeführt haben. Das Spulenvariometer oder der Drehkondensator könnte auch einen mechanischen Defekt haben. Für den Loewe-Opta "Schleifentuner" gibt es besondere Hinweise, hier ist eine Reinigung der Schleifen unerlässlich und evtl. eine Behandlung mit Kontaktfett sinnvoll.
Es sei darauf hingewiesen, dass allein eine Verschmutzung von Bauteilen im Hf-Bereich als Ursache von Störungen in Frage kommen kann.

6. Der Tausch des UKW- Kästchens
kann als letzte Möglichkeit in Betracht gezogen werden. Schwierig ist dabei nur die meistens erforderliche Fummelei. Vor einem Tausch sollte der "neue" Tuner in fliegendem Aufbau probeweise angeschlossen werden. Das abgeschirmte Kabel, das den Zf- Ausgang des Tuners mit der ersten Stufe des Zf- Verstärkers verbindet (meistens über einen Tastenkontakt zum Steuergitter der ECH- Röhre) sollte bei einem Austausch unbedingt wieder verwendet werden!
Die gute Nachricht zum Schluss: UKW- Tuner sind oft über mehrere Modelljahre, mindestens aber über verschiedene Gerätetypen des gleichen Modelljahres gleich geblieben. Vergessen Sie daher nicht, den UKW- Tuner zu retten, wenn Sie ein Chassis verschrotten!

7. Störungsursachen außerhalb des UKW- Tuners
sind - wenn alle anderen Funktionen gegeben sind - selten, aber möglich. Dazu zählt eine Verstimmung der Bandfilterkreise des Zf- Verstärkers oder ein Fehler im Ratiodetektor, wie zum Beispiel eine defekte Diodenstrecke oder schlechte Kontakte des Tastensatzes. Zur weiteren Fehlersuche in diesem Bereich misst man die negative Gleichspannung am Ausgang des Ratiodetektors, die sowohl als Regelspannung als auch zur Steuerung der Abstimmanzeige Verwendung findet. Man misst sich von Punkt zu Punkt anhand des Sromlaufplanes durch, was aber nur Sinn macht, wenn die Funktion des Tuners nachgewiesen werden konnte. Bei nicht lokalisierbaren Fehlern (Geräusche oder Hf-Schwingungen) kann ein Ziehen der Röhren (vom Tuner bis zur Demodulatorröhre - einzeln und nacheinander) hilfreich sein.

Viel Erfolg!


This article was edited 12.Feb.07 17:57 by Eike Grund .

  
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