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Kondensator Sendeuhr

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Forum » In General » Kondensator Sendeuhr
           
Eilert Menke
 
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29.Oct.03 12:37

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Kürzlich kam ich in den Besitz dieses interessanten Teiles aus der Frühgeschichte des Rundfunks:

 

Die Uhr hat einen Durchmesser von ca. 87 mm und besteht aus Celluloid, Pappe und Preßpappe.

In der Einkerbung vorne lassen sich Sender mit ihren Wellenlängen ablesen (z.B. Königswusterhausen 1300 Meter). Die äußere Skala beschreibt einen Vollkreis von 0 bis 360 Grad. Rückseitig findet sich eine Uhr und eine verstellbare Einkerbung, unter der eine verschieden schraffierte Linie verläuft. Mit ist der Sinn und die Funktionsweise bis heute nicht klar. Wer weiß mehr?

Jürgen Stichling
Jürgen Stichling
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29.Oct.03 13:33

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Ja, das scheint wirklich aus der Frühzeit des Rundfunks zu kommen. Mitte der 20er Jahre sendeten die Rundfunksender nicht rund um die Uhr, sondern nur zu bestimmten Zeiten. Da hatte der Hörer noch die Möglichkeit, z.b. um 20:00 den Sender A zu hören und dann um 21:00 bei dessen Programmende auf einen anderen, vielleicht erst dann beginnenden zu wechseln.

Meine Vermutung zur Vorgehensweise:

  • Man stellt eine Uhrzeit, zu der man hören möchte, mit der Uhrzeitskala ein.
  • Der schraffierte Ausschnitt könnte beispielsweise unterschiedliche Programmgenres (Oper, Hörspiel, Nachrichten) anzeigen, oder auch ein Indikator für täglichen/wöchentlichen Betrieb des Programms sein.
  • Auf der "roten" Seite lässt sich dann der Sender, der zur Uhrzeit sendet, ablesen.
  • Ebenfalls lässt sich die (Dreh-)Kondensatorstellung in Grad ablesen, um das Radio auf den Sender abzustimmen.

Gut funktioniert (so meine Vermutung richtig ist) hat das sicher nur für Einkreisempfänger mit definiertem Schwingkreis und definiertem Drehko-Plattenschnitt, wenn es überhaupt universell einsetzbar gedacht war. Ich kann mir vorstellen, dass es verschiedene Ausführungen für unterschiedliche Empfängertypen gegeben hat. Allerdings scheint es ja keinen Indikator dafür auf dem Stück zu geben.

Eilert Menke
 
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30.Oct.03 23:14

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Hallo Herr Stichling,

herzlichen Dank für die detailierten Hinweise und Anleitung. Ja, genauso könnte die "Uhr" funktionieren. Wieder ein Rätsel gelöst!

Eilert Menke

Holger Willkommen
 
 
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01.Nov.03 09:43

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Hallo Herr Menke, hallo Herr Stichling und alle Radiofreunde,

 

es gibt viele Widersprüche, zu den Annahme von Herrn Stichling. Leider weis ich auch nicht genau, wozu diese Scheibe dient, aber die Annahme, das die ersten Rundfunk Sender zu verschiedenen Zeiten senden kann ich widerlegen durch Programmzeitschriften dieser Zeit. So haben alle (fast alle - komm ich gleich zu) Rundfunkanstalten zu der Kernzeit von 19:00 Uhr und 21:00 Uhr gesendet. Die allermeisten Sender hatten auch ein Morgen- und ein Mittagsprogramm.  Nur ganz am Anfang - Ende 1923 bis Anfang 1924 könnte das mit den Unterschiedlichen Sendezeiten passen - aber bis Mitte 1924 gab es insgesamt ca. 10 Rundfunksender auf ganz Groß-Deutschland verteilt, meist  mit einer Sendeleistung kleiner 1 KW.  Da war ein Fernempfang nur in den Abendstunden möglich - und da sendeten eben  alle.

 

Der Sender Königswusterhausen sendete zu der Zeit wirklich nur Sonntags von 11:30 bis ca. 13:00 Uhr, allerdings auf Welle 2800m (Der deutsche Rundfunk, 28.12.1924), bzw. 1500 (Radio-Umschau 5.4.1925) und 1300 (Der deutsche Rundfunk, 24.5.1925), wie auf der Scheibe angegeben. Damit kann man in etwa das alter dieser Scheibe einschätzen. Leider ist die nächste Zeitschrift erst aus dem Jahr 1929 und da Sendete Königswusterhausen schon täglich auf 1635m, von Morgens bis Abends. Interessant wäre in diesem Zusammenhang die anderen Sender und Wellen zu wissen, vielleicht gibt Herr Menke ja noch weiter Angaben preis!

 

Auch kann das mit dem Drehkondensator und dem Abstimmen auf den Sender auch nur sehr bedingt stimmen. Da der Drehkondensator ein empfindliches Bauteil ist, wurde es schon bei den ersten Detektoren in ein Gehäuse versteckt. Allerdings kann man diese Angaben der Scheibe gut zum Abstimmen des Radios und der Skalenscheibe verwenden. Ich glaube kaum, das jemand zu dieser Zeit einen Messender zur Verfügung hatte. So war man auf die Frequenzen der einzelnen Sender angewiesen.

 

Ich hoffe, diese Angaben helfen ein wenig zur Aufklärung zu dieser Scheibe. Mit der Abkürzung D.R.G.M. kann ich auch nach wälzen von Literatur leider nichts anfangen.

 

Holger Willkommen

This article was edited 01.Nov.03 10:03 by Holger Willkommen .

Hans M. Knoll
Hans M. Knoll
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01.Nov.03 10:10

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D.R.G.M. Deutsches- Reichs- Gebrauchs- Muster.

Ein beim Patentamt eingetragener "Musterschutz" 

Wie auch das heute uebliche  "eingetragenes Warenzeichen" fuer Logos.

mfg Knoll

 

 

 

Eilert Menke
 
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01.Nov.03 14:04

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   6 Auf Wunsch von Herrn Willkommen hier die verzeichneten Wellenlängen in Meter: Malmö 229; München 241,9; Gleiwitz 250; Stettin 252,1; Kiel 254,2; Göteborg 260,9; Brüssel 265,5; Kassel 272,7; Barcelona 280,4; Dortmund 283;Dresden 294,1; Hannover 297; Königsberg 303; Mailand 315,8; Leipzig 322,6; Nürnberg 329,7; Kopenhagen 337; Breslau 357,1; London 361,4; Prag 365,8; Oslo 370,4; Madrid 375; Stuttgart 379,7; Hamburg 394,7; Bremen 400; Bern 411; Stockholm 416,7; Rom 422,6; Frankfurt 428,6; Brünn 441,2; Elberfeld 468,8; Berlin 483,9; Warschau/Zürich 500; Antwerpen 508,5; Wien 517,2; Riga 526,3; München 535,7; Budapest 555,6; Berlin II 566; Freiburg 577; Wien II 588,2; Lausanne 850; Basel 1000; Hilversum 1050; Sorö-Radio 1150; KWH 1300; Moskau 1450; Daventry 1600; Radio Paris 1750; Eiffelturm 2650.
  
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