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Krachen bei Siemens E311 xx in SSB Betrieb

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Thomas Brunner
Thomas Brunner
 
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21.Apr.09 15:33

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Info ueber E311 in SSB mit krachenden Stoerungen die von selbst oder bei Klopfen aufttreten,
mitunter auch ein sogenanntes `Krachsingen`bei zu weit aufgedrehter Lautstaerke ueber den eingebauten Lautsprecher.

Ich muss zugeben als ich diese Erscheinung zum ersten Male bei meinen E311s bemerkte und habe ich nicht voraussehen können so ins Detail gehen zu müssen, sogar ins Innere eines bestimmten Bauelements.
Nach dieser Dektektivarbeit festzustellen dass eigentlich unmögliches möglich wird freut das Technikerherz um so mehr, ein gefundener Fehler ist ein reparierter Fehler, oder ?

Aber lesen Sie selbst!

Ich war gerade mit Langwelle RTTY, DWD auf 147,3kHz und einem Telereader Dekoder unterwegs und bekam schoene Wetter Klarmeldungen herein.
Mein neu erstandener E311-e2 Bj 1960 hatte grade einen umfangreichen Abgleich hinter sich, Rasteroszillator und die Uebereinstimmung der Rundskala mit dem A1 Oszillator prima hinbekommen.
Also in freudiger Erwartung davorsitzen und noch eine Stunde pruefen und die Eckmarken jeden Bereiches nach Warmlauf nochmals kontrollieren. Eine erste leichte Vorfreude heute die Arbeiten am Siemens abschliesen zu können kommt leise.
Doch in SSB faellt ein unangenehmes Knistern auf.

Schon beim Umschalten der Bereiche oder Betätigen des USB-LSB Schalters fiel mir ein seltames, manchmal singendes Krachgeräusch auf, das ich wie ich anfangs glaubte, mit der Reinigung der Kontakte im Spektrumoszillator beseitigt zu haben.
Also das Chassis nochmals zu 2/3 herausziehen und die Module leicht abklopfen wie wir es ja in der
Fernsehtechnik mal gelernt haben, wer kann sich noch an die GRUNDIG Modultechnik erinnern ?

Erfreulicherweise war der Fehler dauernd präsent, so war er schnell lokalisert, beide Quarze an der Oberseite der NF-Kassette klopfempfindlich, Aufschrift 30 und  31kHz.
Dessen Zweck: Einseitenbandfilter für USB-LSB, nähere Beschreibung: siehe Gesamtunterlagen zum E311.
Nun denn, in meinem Servicekit wo alle moegliche E311 Schätze noch lagern waren die Quarze schnell ausgetauscht und es war wieder himmlische Ruhe.
Erklärbar war auch die Geräuscherzeugung bei zu hoch aufgedrehter Lautstärke weil in diesem Falle die Quarze wie ein Mikrofon wirkten und so die Rückkoppelung zum Lautsprecher stattfand.
Das wars ? Nein. Empfänger funktioniert prima! Aber,,,

Den groessten Aufwand betreiben diejenigen Techniker die nach erfolgreicher Reparatur auch noch unbedingt wissen muessen WARUM das Bauteil ausfaellt, zu denen gehoere ich leider auch.
Zudem würde es sich auch lohnen herauszufinden was denn genau innerhalb des Quarzes ausfaellt, und ob man das auch eventuell finden kann ? Gut, vielleicht, aber Quarze reparieren ? Ich kann mich entsinnen daß die irgendwie in einer Fassung stecken,Irrtum Herr Brunner!

Da diese Quarze am Boden rundum verloetet sind habe ich mir erlaubt diese zu oeffnen und dessen Kappe vorsichtig abzuziehen. Zunächst das Quarzpaar selbst:



Das Innenleben sieht aus wie folgt:

Man erkennt die Blechhülle, die Schutzhülle und die Quarzplatte mit den Abgriffen.
Manche Schutzhüllen die ich mit der Zeit sichtete haben, wahrscheinlich aus thermischen
Schützgründen eine den Glasfasermatten ähnliche Struktur.
Die Quarzplatte ist an beiden Seiten vergoldet und haben in der Mitte eine Trennung,
die ebenso vergoldeten Anschlussdrähte sindmit einem kleinen Lötpunkt angebracht und halten so
mal ganz nebenbei den Quarz mittig.
Aha, sagt das Quarzkochbuch im Internet, vermutlich ein Biegeschwingertyp,
XT oder NT Schnitt, soviel zur Theorie.(Quelle: Das Quarzkochbuch, Kap2, Bild 2.12
googeln sie bitte 'Quarzkochbuch, download' das Buch ist in pdf frei erhältlich)

Was kann den nun das Krachen verursachen ? Der Fehler war in den Lötpunkten.
Hier noch eine Seitenansicht der die feinen Haltedrähtchen gut darstellt, oben
die grössseren Träger, davon abgehend die Drähtchen:


oder hier:


und hier, achten sie auf den kleinen grauen Punkt am Ende des Drahtbügels an der goldenen Quarzoberfläche:

 

Rechts aus der Vogelperspektive, die Drahtbügel haben einen kleinen Ring der aufgelötet ist, dessen Funktion ist mir unbekannt:

Also: 4 Drähte, jeweils 2 auf der oberen und 2 auf der unteren sind mit dem aufbedampften Belag nur durch einen Zinnpunkt verbunden und einer davon war lose. Beachten Sie das Ende des roten Pfeiles:


Der Lötpunkt sah noch perfekt aus, aber mit einer feinen Pinzette angestubst war der Übeltäter
schnell gefunden. Dadurch dass dieser fehlerhafte Kontakt den Untergrund nur leicht berührte
und bei jeglicher Erschütterung sei es Umschalten oder weil die Lautstärke mal zu laut war, 
wurde dessen Übergangswiderstand von nieder- bis auf hochohmig verändert.
So ist ist auch die beschriebene Mikrofonwirkung aufgrund der Koppelung hinreichend erklärt.
Nun zur Mutprobe, die eigentliche Reparatur:
Man nehme dann eine feine Lötspitze und SMD Lötzinn, sowie ein gutes Mikroskop. Die Löttemperatur sollte nicht über
300 Grad und die Verlötung dann auch nur kurzzeitig erfolgen, bitte vorher an einer Probeplatine üben!

Vorsichtig, vorsichtig, denn die Lötstelle am Quarzplättchen soll sich nicht vergrössern.!
Die anschliessende Zupfprobe am Haltedraht gibt Aufschluss über die Haftung.
Nachdem jetzt das nötige Wissen, die Erfahrung und das Handwerkszeug
vorhanden war nahm ich meinen ganzen Mut nochmals zusammen und
untersuchte den zweiten Quarz der auch sehr sehr klopfempfindlich war.

Siehe da: 3 Anschlüsse waren lose, löten wie vorher und dann die Schätzchen in umgekehrter
Reihenfolge wieder zusammenbauen.
Mit einer breiteren Spitze die Lötzinnreste mittels einer Entlötlitze an Hülle und
Boden entfernen, Schutzhülle in die Kappe, Quarz zurück ins Häuschen und
einmal zweimal mit der breiten Lötspitze um die Hülse gezogen, fertig.
Fertig ? Nein, nicht ganz. Bleibt ja noch die Prüfung. OK, ist bestanden.

Was stört denn jetzt noch ? Richtig, die Lötstelle aussen sieht zu frisch aus.
Man nehme von den Tiffanybastlern eine Metall Patina für Zinn, Paste auf ein
Baumwolläppchen und ein wenig abgetupft.
Sieht wunderbar alt aus danach.
Ich leiste mir den Luxus dies nicht zu tun, denn beim Tausch weiss ich später immer genau welche Quarze
ich schon repariert habe und ich muss sagen da bin ich auch sehr stolz darauf.
Es ist immer mal das erste Mal!

Viel Erfolg !

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This article was edited 22.Apr.09 22:25 by Thomas Brunner .

  
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