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Radio Nordsee international

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Wolfgang Lill
Wolfgang Lill
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16.Aug.19 13:04
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Ein Sender, an welchen ich viele Erinnerungen aus meiner Jugendzeit habe, ist                                                                                                                                

Radio Nordsee International.   

Zwei Schweizer, Me- ster und Bo-llier, rüsteten 1970 zwei Schiffe aus , das erste, MEBO 1, war ein umgebautes norwegisches Küstenwachschiff, was jedoch für den vorgesehenen Zweck zu klein war. 

MEBO 2 , ein ehemaliges Frachtschiff mit 570 BRT, startete dann am 28. Februar 1970 , vollgepackt mit Studio und Sendetechnik.

Auf einer QSL Karte sieht man das Schiff mit seinen Spezialaufbauten sehr schön, die Länge der MEBO2 war 60m, die Breite 9,00 m . Mit 11 Knoten konnte der Kahn über das Meer schippern. 

Der Sendemast ist beachtliche 52 m hoch und insgesamt waren 4 Sender an Bord:

Der Mittelwellensender mit HF 105 KW auf Frequenz 1367 KHz  ( anfangs auf 1610 KHz)

Zwei Kurzwellensender á 10 KW 1 x im 49m Band auf 6205 KHz und 1 x im 31m Band auf 9935 KHz

und für die küstennahen Empfangsgebiete noch ein UKW- Sender auf 100 MHz. Er hatte nur eine Leistung von 1 KW. Auch hier der Hinweis anfangs auf 102 MHz.

Zunächst sendete man außerhalb des Hoheitsgebietes vor der holländischen Küste, änderte jedoch alsbald den Standort vor die britische Küste bei Clacton-on . 

Hier wurden von den Briten Störsender eingesetzt, damit die Sendungen im Königreich nicht empfangbar waren. Selbst Wahlpropaganda von RNI für die Konservativen, die dann auch die Wahl 1970 gewannen, führte nicht zur Einstellung der Störsender.  

Foto 2+3 Eckhard Heuermann, vielen Dank !

Man schipperte wieder zurück vor die holländische Küste und ging bei Scheveningen vor Anker.

Der Mittelwellensender konnte nicht nur in Holland und Belgien empfangen werden, er war auch in Teilen der britischen Inseln, in Norddeutschland, Dänemark, Südnorwegen und nachts sogar in der DDR zu hören .

Tolle Musik, erfrischende Moderationen...so wie man es bis dato vom staatlichen Hörfunk nicht hören konnte. 

Mit Unterbrechungen im harten Konkurrenzkampf, sogar zwei Bombenanschläge, veranlasste die holländische Regierung auch das "Anti Pirate Law" zu ratifizieren. Damit wurde selbst die Versorgung dieser Schiffe mit Lebensmitteln und Treibstoff unter Strafe gestellt. Am 31.8. wurde der Sendebetrieb endgültig eingestellt. Die Schiffe wurden 1976 repariert und modernisiert , letzednlich an Lybien verkauft und sendeten im Mittelmeer von 1978 bis 1983 religiöse Programme  für die Revolutionäre Volksarmee al-Gaddafis in Lybien . Von der damals noch regulären Lybischen Marine wurden die zwei Schiffe 1984 im Golf von Sidra versenkt.

Radio Nordsee international lebt jedoch weiter, auch heute noch lassen sich diese Programme über Internet empfangen und was unser Freunde vom Radiomuseum.org sicher besonders interessiert, auch über Kurzwelle auf 6070 KHz sonntags von 10,00 Uhr bis 11,00 Uhr.  Es gibt Programmübernahmen von anderen Sendern, die jedoch nicht ständig fortgeführt werden.

Wenn jemand weitere Informationen dazu hat bitte gerne hier nachtragen. 

 

 

 

 

 

 

 

 

This article was edited 18.Aug.19 10:08 by Wolfgang Lill .

  
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