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Radioaktive Porzellanstecker, -schalter und -verteiler

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Tobias Otto
Tobias Otto
 
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10.Jul.15 19:22
 
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Der vereinzelte Einsatz von Urandioxid in frühen Stromregelröhren ist bekannt. Auch die Verwendung von Krypton-85 zur Vorionisation von Glimmstartern für Leuchtstofflampen oder Ziffernanzeigeröhren [1]. Manche Schutzfunkenstrecken enthalten Caesium-137 oder Radium-226.

Über radioaktives Installationsmaterial aus Porzellan wurde bisher nichts berichtet.

Porzellan wird seit Ende des 19. Jhs. als Isolationsmaterial verwendet. Die Oberfläche wurde mit farblosen, braunen oder schwarzen Glasuren versehen, um eine Durchfeuchtung des Scherbens zu vermeiden.

Von 1910 bis zum Ende des 2. Weltkriegs existierte eine blühende (oder besser strahlende) Radiumindustrie, die aus Pechblende Radiumsalze gewann. Diese wurden für die Strahlentherapie, für Leuchtziffern, allerlei Wundermitteln wie Radiumbutter oder strahlender Zahnpasta verwendet [2], [3]. Das  in den Uranerzen zu ca. 1 % enthaltene Uran fand andere Verwendung [4]; im Kunstgewerbe als Uranglas, als Uranrot- oder Urangelb-glasierte Keramikwaren, die immer noch auf vielen Flohmärkten zu finden sind.

Das Installationsmaterial allerdings radioaktive Glasuren trägt, war mir bisher nicht bekannt. Das tiefe Schwarz lässt sich durch Urandioxid (UO2) erzeugen, während die o.g. roten Glasuren meist Bleiuranat (PbUO4) enthalten. Dies lässt sich eindrucksvoll mit einem einfachen Geigerzähler nachweisen.

Wie in [5] bericht wird, enthalten Uranglasuren die Alphastrahler U-238, U-234, U-235, die Betastrahler Th-234, Pa-234 und die Gammastrahler U-235, Th-234 und Pa-234. Die Autoren weisen daraufhin, dass die Strahler in festumschlossener Form, der Glasur, keine Gefahr für Mensch und Umwelt darstellen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im ersten Bild sind einige radioaktive Belegstücke zu sehen. Ein Stecker der Firma Schortmann & Sohn Leipzig  (Marke FELMAS, unten, Mitte), ein Drehknopf des Drehschalters eines Föns, ein Stromverteiler und einige weitere Drehschalter und Stecker. Mithilfe eines Strahlungsmessgeräts (SV500, Friesecke & Höpfner mit Endfensterzählrohr) wurde die Aktivität gemessen. Als Referenz diente 10 g KCl, das eine Aktivität von 180 Bq besitzt. Der Zähler zeigte einen Nulleffekt von 120 Imp/min., 10 g KCl zeigte eine Impulsdichte von 500 Imp/min. Die am Zähler jeweils angezeigten Impulsdichten der einzelnen Objekte sind in Abb. 1 dargestellt. Das Zahlrohr wurde möglichst dicht am Objekt platziert. Allerdings können keine spezifischen Aktivitäten (Bq/cm2 oder Bq/g) angegeben werden, da es sich nicht um Flächenstrahler handelt und ebenso wenig die Masse der Glasur bekannt ist. Die Aktivität hängt somit in erster Linie von der Kontaktfläche des Zählrohrfensters mit der Glasurfläche ab.

 

 

 

 

 

 

 

Im zweiten Bild sind  zwei fast identische, schwarz glasierte Stecker mit der Bezeichnung FELMAS 0789a zu sehen, allerdings ist nur der rechte Stecker radioaktiv.

Wer einen Geigerzähler besitzt, findet hier eine lohnende Aufgabe, sich auf Spurensuche nach Uran in der heimischen Sammlung zu begeben.

 

[1] W. Müller, Funkgeschichte 25 (2002), Nr.143, S. 166 ff.

[2] R.J. Schwankner et. al., GEOWEW 10 (1992),6, S. 155-184

[3] R.J. Schwankner et. al., GEOWEW 10 (1992),7, S. 190-198

[4] J. Abele, „Wachhund des Atomzeitalters“, Geigerzähler in der Geschichte des Strahlenschutzes, Deutsches Museum, 2002

[5] H. v. Philipsborn, R. Geipel, Uranfarben, Urangläser Uranglasuren, Schriftenreihe des Bergbau- und Industriemuseums Ostbayern in Schloss Theuern, Bd. 46, 2005

  
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