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roberts: RecordR bootet unvollständig

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Dietmar Rudolph
Dietmar Rudolph
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31.May.21 11:44

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Der Roberts RecordR wurde im August 2013 gekauft. Es ist einer von 3 Empfänger für DAB+, die ich habe. In Betrieb war er zum Schluß nur noch sehr selten. Sein Klang ist wenig brilliant, eher etwas "topfig". Eventuell ist bei dem Gerät die "spectral band replication" noch nicht implementiert, da es ein sehr früher DAB/DAB+ Empfänger ist?


Auszug aus einem Post vom 6.9.2011, der im "Talk" steht:

Was ist "+" an DAB+? Hier hat sich nur die Audio-Codierung geändert.

  • DAB verwendete "Musicam" bzw. MPEG-1 Layer 2
  • DAB+ verwendet MPEG-4 HE-AAC(v2): improved AAC quality below 64 kbit/s

Auswirkungen und Features von HE-AAC(v2)

  • In HE-AAC ist bereits in Version (v1) das SBR (spectral band replication) Verfahren integriert. SBR bedeutet, daß Frequenzanteile oberhalb von ca. 5 - 6 kHz nicht mehr frequenzgenau sondern nur pauschal pro Terz übertragen werden - weil das "normale Ohr" diesen Unterschied nicht bemerkt.
  • HE-AAC(v2) beinhaltet ein "Parametric Stereo Tool" um die Effektivität der Quellcodierung zu erhöhen. Damit kann Stereo bereits mit 16 - 48 kbit/s übertragen werden.
  • In den COFDM Frequenzblock passen bei DAB+ ca. 3 mal so viele Programme wie bei DAB, weil HE-AAC(v2) mit entsprechend geringerer Datenrate auskommt.
  • Das L-Band ist nun nicht mehr notwendig. Zusätzlich sind mittlerweile auch die ehemaligen TV-Kanäle im Bereich 5 - 11 verfügbar.

Wenn man sich die ziemlich "scharfe" Audiocodierung mit geringen Datenraten vor Augen hält, kann man sich über die DAB+ Werbesprüche nur wundern, wonach das mindestens so gut, wenn nicht noch besser klingen soll als von einer (uncodierten) CD.


Der RecordR bietet die Möglichkeit, DAB+ Sendungen auf SD Karten im MP3 Format aufzunehmen und auch wieder zu geben. Diese Möglichkeit des bequemen Mitschnitts machte den RecordR interessant.

Der RecordR kann außer DAB+ auch UKW empfangen. Für UKW gibt es keinen extra Tuner. Vielmehr geschieht der UKW Empfang mit der gleichen Hardware wie für DAB+. Hierfür wird dann die digitale Signalverarbeitung entsprechend "umgeschaltet". Die Empfindlichkeit für UKW ist sehr gering. So war z.B (vor ca. 5 Jahren) auf Usedom kein einziger UKW Sender empfangbar und DAB+ nur mit Mühe.

In letzter Zeit wurde der RecordR nur noch selten betrieben, eben weil sein Klang "topfig" ist. Bei einer neulichen Überprüfung stellte es sich heraus, daß er nicht mehr komplett bootet. Das wirkt sich so aus, daß er zwar Datum und Uhrzeit korrekt anzeigt, jedoch keine der Tasten funktioniert. Genauer gesagt, die "Einschalt-Taste" bewirkt keine Reaktion. Folglich funktionieren auch alle anderen Tasten nicht.

Da Datum und Uhrzeit korrekt angezeigt werden, empfängt das Gerät ganz offensichtlich einen DAB+ Sender und wertet diese informationen aus. Aber, das wars dann auch schon.

Zur Überprüfung, ob alle Spannungen (5,1V; 3,0V; 1,2V) vorhanden sind, wurde das Gerät geöffnet. 

Links im Vordergrund ist die Hauptplatine zu sehen. Rechts davon - noch mit Kablen verbunden - das Lesegerät für die SD Speicherkarten.

Der Blick auf die Hauptplatine zeigt links mitte und unten zwei rechteckige Abschirm-Becher. Darunter verbergen sich die Spannungswandler für 3,3V und 1,2V. Unter dem oberen Becher und rechts vom unteren Becher ist ein weiterer - nicht geschirmter - Spannungswandler für 5,1V.

Der große geschirmte "Becher" mit Aufschrift "Gyro Signal" ist der "eigentliche" Empfangsteil. Dieser ist auf einer steckbaren Platine montiert, die über 3 Reihen von Steck-Pins mit der Hauptplatine verbunden ist.

Dies ist nun ein Blick in das Empfangsteil bei abgenommenem "Deckel". Man erkent 3 abgeschirmte Kammern.

Das Gyro-1128 DAB Modul gab es (damals) komplett zu kaufen.

Das "L" Band war ursprünglich auch für DAB vorgesehen, wird jedoch heute dafür nicht mehr verwendet.

 

Die Rückseite der Hauptplatine zeigt i.W. nur das Display (unten) und die Taster (beim Gerät an der Front), sowie die beiden Schirmungen für die Spannungswandler für 3,3V und 1,2V.

Reparatur-Versuch

Unmittelbar nach Anlegen der Versorgungsspannung aus dem (weißen) Stecker-Netzteil kommt im Display zunächst "Welcome Roberts". Nach wenigen Sekunden erscheint dann das aktuelle Datum und die korrekte Uhrzeit.

An der Oberkante der Hauptplatine (2. Bild von oben) sind 4 Taster. Ganz rechts neben der roten LED ist der Taster für "Ein/Aus".

Drückt man nun die "Ein/Aus" Taste, leuchtet die rote LED (als Betriebs-Anzeige). Das nachdem die Kontakte des Tasters nachgelötet wurden. Allerdings läßt sich das Gerät über diese Taste nicht wieder ausschalten - auch nicht bei längerem Drücken.

Alle anderen Taster sind - trotz roter LED - funktionslos. Das obwohl auch hier alle Kontakte nachgelötet wurden.

Im Service-Manual des RecordR (beim Modell abrufbar ; .pdf 2,6MB) gibt es eine Anleitung zur Fehlersuche für den Fall, daß sich der Empfänger nicht einschalten läßt.

  • Testet man das Gerät gemäß diesem Schema, zeigt es sich, daß die dabei gemessenen Werte den direkten Weg auf der linken Seite ergeben. Danach sollte der Fehler im Gyro 1128 DAB Modul zu finden sein.

Daraus entstehen folgende Probleme.

  1. Details zum Gyro 1128 DAB Modul sind nicht bekannt.
  2. Gyro 1128 DAB Module werden nicht mehr angeboten. Das ist wenig verwunderlich, da diese aus der Übergangszeit von DAB zu DAB+ stammen und demzufolge noch beide Formate verarbeiten können. Auch könnten sie das nicht mehr genutzte "L" Band empfangen.
  3. Das Gyro 1128 DAB Modul hat an seiner Unterseite zwar mehrere Test-Punkte, aber es ist nicht bekannt, welche Werte da jeweils korrekt sind.
  4. Es ist ein Adapter erforderlich, damit das Gyro 1128 DAB Modul "über Kopf" mit dem Empfänger verbunden werden kann, weil man ansonsten nicht an die unterseitigen Test-Punkte heran kommt.
  5. So ganz defekt kann das Gyro 1128 DAB Modul allerdings auch wiederum nicht sein, denn sonst würde nach dem Einschalten des Empfängers nicht das aktuelle Datum und die aktuelle Uhrzeit angezeigt werden. Jedoch hilft das leider nicht weiter.

Die Konsequenz daraus ist, daß der RecordR DAB/DAB+ Empfänger nach weniger als 10 Jahren nur noch Schrottwert hat.

Das ist bedauerlich, aber wohl kaum zu ändern.

MfG DR

Dieser Beitrag wurde am 31.May.21 12:02 von Dietmar Rudolph editiert.

  
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