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Relikt aus der Vergangenheit (Boeing-Deckel)

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Forum » Commercial sets (incl. valve testers) » Military equipment 1930 and later » Relikt aus der Vergangenheit (Boeing-Deckel)
           
Eilert Menke
 
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24.Jan.07 22:21

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Vor einiger Zeit war ich mal wieder bei einem befreundeten Funkamateur und Sammlerkollegen (Jahrgang 1930) in Oldenburg i.O. zu Besuch. Da wir hinsichtlich unseres Hobbies nahezu gleichartige Interessen haben, die hauptsächlich professionelle, röhrenbestückte Funktechnik sowie militärische Technik - insbesondere des WKII - tangieren, ergab sich natürlich auch umfangreicher Gesprächsstoff. Bei dieser Gelegenheit erzählte er auch aus seiner Kindheit/Jugendzeit. Er lebte damals im Dorf Ochholt, südlich von Bad Zwischenahn. Der Krieg war für seine Freunde und ihn ein großer Abenteuerspielplatz. So waren sie regelmäßig mit dem Fahrrad und Werkzeug in der Gegend unterwegs auf der Suche nach den Wracks der soeben abgeschossenen großen allierten Bomber. Oft gelang es ihnen, noch vor der örtlichen Polizei und militärischer Dienststellen, die Wracks zu finden, in sie einzudringen und nach brauchbaren Dingen zu durchsuchen bzw. auch auszuschlachten (ein großer Fundus an Material hat sich bei ihm bis heute erhalten). Daß dabei manchmal auch weniger angenehme Tatsachen, nämlich die Leichen der Besatzungen anzutreffen waren, versteht sich sicher von selbst. Dies war aber nicht die Regel, da das fliegende Personal oft bereits vorher per Fallschirm "ausgestiegen" ist.

Jedenfalls zeigte er mir von einem seiner Streifzüge ein ganz besonderes Fundstück. Es handelt sich um einen gewölbten Aluminiumdeckel, am Rand gebördelt, dessen Durchmesser ca. 84 mm (~3,3 Zoll)  beträgt und etwa 14 mm (>1/2 Zoll) hoch ist. Das Metall ist schwarz lackiert und trägt die geflügelte Beschriftung "Boeing":

Auf der Rückseite dieses Deckels befindet sich folgende, leider nur noch schwer entzifferbare Bleistift-Inschrift, vermutlich die eines Besatzungsmitgliedes oder technischem Bodenpersonals:

Grover Mc/Lain, 823 Bur????nk st., Artesia/Calif.

Write me

Good luck

Diese Inschrift ist zusätzlich noch mit ein paar, leider nicht näher definierbaren Zeichen verziert. Hier hat sich also ein gewisser Herr Grover McLain "verewigt". Leider kann mein Bekannter sich nicht mehr an den genauen Zeitraum und die Umstände erinnern, als er in Besitz dieses Stücks kam. Sicher ist nur, daß es vom einem Flugzeugwrack aus der Gegend um Oldenburg/südöstliches Ostfriesland stammt, in dem sich keine Besatzung mehr befand. Es muß in der Zeit zwischen 1943 - 45 gewesen sein.

Leider läßt sich der Straßenname nicht mehr rekonstruieren. Artesia ist ein Vorort von Los Angeles. Es lag daher zunächst nahe, "Burbank street" anzunehmen, da sich diese Stadt ganz in der Nähe befindet. Allerdings ergab meine bescheidene Google-Recherche in Artesia keine Straße dieses Namens. (Auch "Burxiank" oder "Burkiank" etc. ergibt keinen Sinn).

Folgende Fragen suchen eine Antwort:

- um was für ein Teil handelt es sich?

- was war dessen genaue Funktion?

- an welchen Flugzeugtypen wurde es verbaut?

- zu welcher Einheit gehörte die Maschine?

- wann hat sich Herr McLain verewigt?

- gehörte er zur Besatzung oder zum Bodenpersonal?

 Und vor allem

- wie ist seine die genaue Anschrift (Straßenname)?

Gerade dies wäre von besonderem Interesse, um seinem Wunsch nach einer Antwort ("write me") schließlich zu entsprechen. Es ist durchaus möglich, daß Herr McLain noch am Leben ist, da es sich damals in der Fliegerei um durchweg junge Leute unter 25 Jahren handelte. Er also heute ein rüstiger Rentner in den 80er Jahren ist, er es sich unter Kaliforniens Sonne gutgehen läßt ;-)

Wer weiß, auch wenn wir nicht mehr über den rätselhaften Mr. McLain erfahren werden und die genauen Umstände nicht mehr rekonstruieren können, so ist - denke ich - diese Angelegenheit es sicher Wert, hier für die Nachwelt erhalten zu bleiben.

EM

This article was edited 24.Jan.07 22:59 by Eilert Menke .

Wolfgang Scheida
Wolfgang Scheida
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24.Jan.07 22:39

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Ähnliche Erzählungen kenne ich von einem Hobbysammler und Radiobastler welcher mit seinen Brüdern als Kind beim ehem. Flugfeld Aspern/Wien seine ersten RV12P2000 Schätze erobert hat. Auch die Fliegerhauben mit Kopfhörer wurden adaptiert und viele Jahre verwendet.

Von einem ehemaligen Berufschullehrer vernahm ich wiederum das es "spezialisierte" Sammler gab - die einen mit dem Schwerpunkt Waffentechnik/Munition - die anderen Elektronik allg. und nicht zu vergessen in jenen Tagen die begehrten Überlebenspakete mit Kaffee, Schokolade etc., .

Dazu passt das Originalzitat vom leider verstorbenen Sammlerkollegen und Stammgast des einstigen "Wiener Radiomuseums" Herrn Balaty: ".....wenn ich an den starken Bohnenkaffee zurückdenke bekomme ich heute noch Herzschnaggerln...."  - er war zusammen mit Kriegsgefangenen am Militärflugplatz Seyring mit Abwrackarbeiten an abgeschossenen Flugzeugen beschäftigt und berichtete von der privaten Verwertung des Materials vom beschußsicheren Tank zur Verwendung als Schuhsole....

.

Herr Balaty hat uns viel zu berichten gehabt - insbesonderrs aus den ersten Tagen des Radios  - ich bedaure das seine Erzählungen nicht schriftlich oder akustisch festgehalten worden sind und das meiste deshalb wohl verloren ging.

Vielleicht läßt sich mit anderen damaligen Zuhörern das eine oder andere rekonstruieren.

Schreiben Sie mir wenn Sie noch Erinnerungen an Herrn Werner Balaty † 6.12.2002 OE1EBB in Wien haben.

Quelle: Museumsbote

Er wurde als alter Funkfreund und Gönner des Radiomuseums in der Eisvogelgasse im Nachruf beschrieben.

So soll der Vater von Herrn Balaty im Ersten Weltkrieg zur Funkerei und damit zu seiner und der Leidenschaft seines Sohnes gekommen sein.

Ein selbstgebauter Sender hatte dabei Prozellanisolatoren die aus alten zerbrochenen Geschirrtellern geschliffen worden sind. In den Tagen der politischen Unruhen in Österreich bzw. nach dem Anschluß 1938 vernichtete er den Sender aus Angst vor Nachbarn deshalb "vernadert", also angezeigt zu werden.

Genau das traf dann seinen Sohn, der in seinem kleinen Zinshaus in der Bentheimstrasse 11/2 im 21. Wiener Gemeindebezirk das er später geerbt haben dürfte auf dem Dachboden stand.

Bei geöffneter Lucke die er mir im Rahmen eines Auftrages zum Antennenbau zeigte stand er mit einer auf das 2 m Band umgebauten Wehrmachts Dorette und funkte. Dabei wurde er von Nachbarn gesehen und an die Russen - der lokalen Besatzungsmacht verraten (1945-1955). Es war schon die Zeit wo man dafür nicht mehr nach Sibirien musste schilderte Herr Balaty seine anschließende Konversation mit der russischen Übersetzerin.

Gelebt hat er wohl zeitlebens in diesem Haus im Erdgeschoß als Junggeselle nachdem seine Eltern verstorben waren.

Am Dach war eine große drehbare Yagi Amateurfunkantenne für die üblichen Bänder, sowie eine eigene 6m Band Drehantenne nachdem dieses Band auch in Österreich freigegeben wurde. Die temporäre Lizenz gab man ihm ohne Auflagen. "Damit wir einmal eine Störmeldung bekommen" so soll es die Funkbehörde ihm gesagt haben. Dies vor dem Hintergrund, wonach der Band I Fernsehempfang im Wiener Raum schon kein Thema mehr war.

Zu seinem größten Funkerlebnis dürfte wohl die Verbindungsaufnahme mit Herrn Philips in Eindhoven gewesen sein. Er mit einem kleinen tragbaren Mobilgerät Unterwegs an einer Stelle "die topografisch Abstrahlungseigenschaften wie der Bisamberg" hatte. Die Non Plus Ultra Ausrüstung von Philips am anderen Ende konnte er sich dann denken.

Gearbeitet hat Herr Balaty allerdings in einer Firma die Waagen produzierte.

Medienhistoriker Wolfgang Scheida / Wien

 

 

 

 

 

 

This article was edited 17.May.13 18:49 by Wolfgang Scheida .

Mark Hippenstiel
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24.Jan.07 23:04

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Hallo Eilert,

ich habe die Stadtverwaltung von Artesia angeschrieben, eventuell können sie dort etwas zu Strasse oder Namen sagen.

Gruss,
Mark

Henning Oelkers
Henning Oelkers
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24.Jan.07 23:15

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Hallo, Herr Menke,

ich habe ein wenig gesucht, und einige Informationen gefunden. Die bekommen Sie per E-Mail, weil ich nicht möchte, das unkontrolliert vorgegangen wird.

Gruß aus Berlin,

Henning Oelkers

 

 

Nils Mühlbrandt
 
 
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25.Jan.07 05:00

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Hallo Herr Menke,

ich habe mir erlaubt, die Vorderseite des Fundstückes in einem speziellen Forum einzustellen, um die Frage der Herkunft/Verwendung zu klären. Auf Abbildung der Rückseite habe ich verzichtet, weil da ja schon Nachforschungen laufen.

Eine erste Reaktion war diese:
"Hallo,
kann nur soviel sagen, daß es sich hier um ein altes Boeing-Logo handelt, da Boeing  verschiedene Modelle produzierte, kann ich von der Plakette nicht ablesen, auf welchem Flieger sie klebte. Könnte z.B. von einer B 17 oder B 29 sein, aber das ist Raterei.
Grüße aus USA,  Charlie "

Falls noch konkretere Hinweise kommen, werde ich Sie natürlich informieren!

Mit freundlichen Grüßen, NM

Nachtrag :

Eben kam noch ein Hinweis, daß es sich hier wahrscheinlich um das Zieremblem auf der Mitte des "Steuerhorns" eines B 17 Bombers handelt !

Ich kann heute Abend eventuell ein Bild dazu liefern.

D.O.

This article was edited 25.Jan.07 06:53 by Nils Mühlbrandt .

Eilert Menke
 
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25.Jan.07 17:00

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Hallo Herr Mühlbrandt,

Sie haben einen Volltreffer gelandet! Es ist tatsächlich die Nabenabdeckung des "Lenkrads" der B-17:

Quelle: Brian J. McMorrow, www.pbase.com/bmcmorrow/image/24991767

Weitere Ergebnisse zu gegebener Zeit später (Dank auch an Mark & Henning).

EM

 

This article was edited 25.Jan.07 17:09 by Eilert Menke .

  
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