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Restaurationsprojekt Grundig 5005W Wurzelholz

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Manfred Tonn
 
 
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01.Oct.14 12:38

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Guten Tag, bei dem o.g. Projekt benötige Ich Ihren Rat. Folgender Iststand: Den alten unbrauchbaren Schelllack habe ich mittels Azeton entfernen können. Nun möchte ich nach der Ausbesserung von Fehlstellen und Egalisierung der Oberfläche nicht wieder einen Lack auftragen, sondern einen Wachs( zB den hier im Forum erwähnten Renaissance-Wachs oder den Antik-Wachs von Clou) verwenden. Die daraus resulteirende Oberfläche gefällt mir deutlich besser als eine Lachoberfläche. Nun will ich aber auch nicht erreichen, dass nach meiner Behandlung die Herstellung des Originalzustandes für einen Nachfolgesammler unmöglich wird. In einer Produktbeschreibung heißt es dazu:" Sollte eine Reparatur oder Restaurierung erforderlich sein, kann das Renaissance Wachs vollständig durch einreiben mit Terpentinersatz entfernt werden". Nun, meinen Sie, ich kann mich darauf voll verlassen? Was halten Sie im übrigen von meiner Idee temporär mit Bienenwachs zu arbeiten? Es soll nur dieses Gerät so behandelt werden, welches dann im Wohnzimmer neben anderen Möbeln mit gleicher, gewachster Oberfläche stehen soll. Danke für Ihr Intersse und vorab schon herzlichen Dank für Antworten. Mit freundliche Sammlergrüßen. Manfred Tonn 

Andreas Peukert
Andreas Peukert
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02.Oct.14 17:13

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Hallo Herr Tonn,

ein optisch sehr schönes Gerät, dass Sie da haben. Allerdings wurde bei Geräten dieses Baujahres kein Schellack mehr verwendet. Dies war den Vorkriegsgeräten vorbehalten. Es wurde hier schon ein Nitrolack verwendet. Ob ein Gehäuse mit Schellack versehen wurde erkennt man am Besten, wenn man auf die Oberfläche Spiritus gibt. Die neueren Lacke werden hier nicht angegriffen, zumindest nicht, wie das bei Schellack der Fall ist.

Zu Ihrer Frage zur Wachsbehandlung kann man an sich nur sagen, es ist zwar keine Gerätetypische Optik, aber das kann man schon tun. Sollte das Gehäuse allerdings eine Wachsbehandlung hinter sich haben, wäre ich allerdings skeptisch, ob hier ein Lack, der dem Alter des Gerätes entspricht ordnungsgemäß aufgetragen werden kann. Auch trotz der Entfernung des Wachses mit Terpentin-Ersatz. Man muß sich also vorher im Klaren sein, wie man ein Gehäuse bearbeitet. Entweder nach persönlichen Gesichtspunkten oder halt dem Originalzustand entsprechend. Auf eine Wachspolitur würde ich jedenfalls persönlich keinen Klarlack mehr auftragen. Bei einer Schellack-Politur ist dieser Untergrund übrigens nicht weiter störend.

Viele Grüße

Andreas Peukert

Manfred Tonn
 
 
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05.Oct.14 19:28

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Vielen Dank Herr Peukert. Nun weiß ich bis zu welchem Baujahr Schellack zu erwarten ist und wie man es genau heraus bekommt, was wirklich verwendet wurde. Bei meinem 5005W wurde also definitiv Nitrolack verwendet. Ich habe mich nun so entschieden, dass ich einen Zettel in das Gehäuse klebe mit der Info, welcher Lack vom Hersteller verwendet wurde, warum ich den Lack entfernen mußte, wie ich die Oberfläche derzeit behandelt habe(mit Bienenwachs) und was man tuen kann, wenn man die Oberfläche mit Lack versiegeln will(Schellack auftragen- nach eventueller Terpentinersatzbehandlung).

Eine generelle Frage tut sich mir allerdings noch auf: wie weit sollten wir eigentlich versuchen das alter des Rundfunkgerätes oder anderer historischer Geräte optisch unkenntlich zu machen. Mal abgesehen von der Situation, wenn Mann sein Lieblingsgerät im hoheitlichen Wohnzimmerbereich der Ehefrau etablieren will.- Kann es nicht auch ähnlich elegant gestaltet werden, wie es in Museen bei restaurierten Wandgemälden oder Fresken gehalten wird. Dort ist eigentlich genau erkennbar, was Original ist und was ergänzt wurde. Allerdings muß ich auch sagen, daß dort immer gut sichtbar Profis am Werke waren, so dass die Ästhetik hervorragend gewahrt bleibt. Vielleicht haben Sie und/ oder andere Holzspezialisten Ideen oder Vorschläge/ Ablehnungsgründe dazu. Das würde mich sehr interessieren.

Mit freundlichen Sammlergrüßen. Manfred Tonn  

This article was edited 07.Oct.14 23:16 by Manfred Tonn .

Andreas Peukert
Andreas Peukert
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06.Oct.14 10:29

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Hallo Herr Tonn,

ich finde es gut, dass Sie sich Gedanken machen, wie das Gerät in näherer Zukunft sein Dasein verbringen soll. Ich persönlich finde, dass man bei einem Gerät diesen Alters auch einmal eine Abweichung bei der Originallackierung wagen kann. Wichtig ist ja bei allem, dass es fachkundig gemacht wird. Ich bin manchmal entsetzt, wenn ich im großen Auktionshaus Geräte sehe, die dermaßen unprofessionell bearbeitet wurden. Da wird ein Pinsel genommen, eine Dose Klarlack und dann geht es drauf los. Das kann nichts werden, was die Bilder ja beweisen. Gerade im Holzbereich wird aus Unwissenheit viel gepfuscht.. Da werden Furnierausbrüche nicht vorher behoben. Da kommt der Klarlack auf teilweise abgeblätterten Altlack.   Da finde ich gut, dass sie sich vorher Überlegungen gemacht haben und dann zur Tat schreiten.

Ich weiss nicht, ob Sie schon mal im großen Auktionshaus die Radios mit den neu angefertigten, auf Antik getrimmten Radiogehäusen gesehen haben. Ich denke da auch oft, ob man die Geräte nicht durch solche Umbauten verfremdet. Aber es sind halt Einzelanfertigungen und wem es gefällt.

Viele Grüße

Andreas Peukert

Steffen Thies
 
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07.Oct.14 20:33

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Hallo Herr Tonn,

ich bin zwar kein Holzexperte, aber Gedanken über das Wie des Restaurierens habe ich mir auch schon öfter gemacht. Das ging soweit, daß ich einige Jahre Mitglied im Restauratorenverband war, bis der ein unbezahlbarer Berufsverband wurde.

Seinerzeit und wohl mehr oder weniger noch heute wurde da fürchterlich über frühere Sünden gegen die Originalität geschimpft - meistens mit gutem Grund. Das gipfelte jedoch in der Aussage, man solle doch ein besseres Objekt kaufen, wenn das gerade verfügbare zu starke Behandlung nötig hatte. Das wiederum ist meiner Ansicht nach eine hochnäsige Einstellung, die selbst Museen schlecht ansteht, die das nötige Kleingeld haben. Es hieße doch im Klartext, daß alles, was eine Restaurierung nötig hätte, reif für die Tonne ist (oder verachtenswerte Privatleute). Viel bliebe da nicht übrig!

Es wurde sogar ein zerbeulter, rostiger Kleinwagen als Gegenstück zu den "überrestaurierten" Exemplaren des durchschnittlichen Oldtimerbesitzers gelobt. Nun wird aber nicht jeder bei der Vorstellung glücklich sein, einen nicht fahrfähigen Schrotthaufen im klimatisierten Glaskasten zu haben. Mehr Spaß macht es doch, Autos und Maschinen auf einem Treffen in Aktion zu sehen. Ohne diese Motivation würde vieles nicht erhalten.

Richtig ist aber auch, daß eine gnadenlose Bearbeitung auf "besser als neu" viele Spuren vernichtet. So gilt es, einen Kompromiß zwischen persönlichem ästhetischen Anspruch und unweigerlicher Beseitigung von originalen Eigenschaften zu finden. Eine gute Leitlinie ist, möglichst den Charakter zu erhalten. Schellack auf einem ursprünglich nitrolackierten Gehäuse ist deshalb keine Sünde. Hier stand ja auch ursprünglich kein hochkünstlerischer Anspruch im Vordergrund, sondern die industrielle Machbarkeit. Wachs ist eine Veränderung, die ich nicht vorgenommen hätte, doch gehört so etwas durchaus zur künstlerischen Freiheit, und es ist einigermaßen reversibel. Dokumentiert, noch besser! Noch schöner ist es, wenn man den Originallack erhalten kann (da geht einiges), aber manchmal ist das eben wirklich vorbei.

Es gibt also keine glasklare Richtlinie, an die man sich ohne weiteres Nachdenken halten kann. Sie werden immer wieder auf Fälle stoßen, wo die Entscheidung schwierig ist. Die Tatsache, daß Sie sich darüber Gedanken machen, wird Sie vor manchem Fehler bewahren.

Weiterhin viel Spaß,

Steffen Thies

Ernst Erb
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07.Oct.14 21:58

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Es ist schön, dass hier verschiedene Aspekte der Restauration vorkommen, doch vermisse ich immer wieder den Hinweis auf fachmännische Beiträge, die man bei uns über das Thema Restaurierung (Restauration), Neulackierungen oder Ausbesserungen von Gehäusen lesen kann. Ohne gross recherchieren zu müssen, findet man z.B. unter "Wie antworten? Musterbeiträge" einen besonders guten Beitrag von Martin Renz. Oder auch das hier von ihm.

Es wäre manchmal viel klüger, einfach auf solche ausgezeichnete Beiträge von Fachleuten in unserer Gemeinschaft hinzuweisen ... Angebracht wären auch Wertungen solcher Beiträge ... Diese sollten sich nicht verlieren können im Anwachsen von Mittelmässigem, sondern wir sollten Qualität fördern.

Bitte sucht immer zuerst nach besonders treffenden Beiträgen, die Ihr erwähnt und bitte meldet mir solche, die in der Liste erscheinen sollten. Danke.

Manfred Tonn
 
 
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08.Oct.14 15:04

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Guten Tag und vielen Dank für die Antworten von Herrn Peukert und Herrn Thies. Das auch Sie, Herr Erb, sich Zeit für einige Hinweise genommen haben freut mich. Aber leider war ich wohl nicht genügend präzise in meiner Eingangsfrage. Es ging mir nicht um die Methoden der Restauration (die Beiträge dazu habe ich natürlich vorher gelesen), sondern darum, unschädliche Möglichkeiten der Oberflächengestaltung in ästhetischer sowie schutzfunktioneller Hinsicht als Interimslösung zu erfahren. Zwischenlösungen sind bei mir notwendig, wenn ich ein Gerät unbedingt an andere Gegebenheiten anpassen muss um es nutzen zu können oder mir die Qualifikation/ Werkzeug/ Materialien fehlen um das Original zu adaptieren. Kann auch sein, das meine gesundheitliche Situation es nicht zulassen wird z.B. mit einem Nitrolack zu arbeiten. Möglichkeiten bei anderen Teilen, wie Skalenscheiben, Bedienknöpfen und innenliegenden Bauelementen sind mir dagegen gut bekannt und diese wende ich gern und mit gutem Gewissen an. Bei Holz war und bin ich mir immer noch unsicher.
Mit freundlichen Sammlergrüßen.
Manfred Tonn  

Hier noch Ausgangsbilder, der Lack sah zwar teiweise brauchbar aus, war es aber nicht!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und heute nun mit entferntem Nitrolack:

5005w Rechts ohne Lack

 

 

 

Heute nun einige Bilder von der bisherigen Reparatur. Ich benutze ein änliches Furnier von Herrn Peukert. Dabei habe ich darauf geachtet, die Ersatzstücke recht klein und in abgerundeten Formen (wie das Wurzelholz in seiner Struktur) zu halten. Die Passstücke adaptierte ich durch Bleifstiftmarkierung der Fehlstellenkante und anschließendem auflegen und vorsichtiger Hammerschlagsbelastung des Ersatzstückes. Anschließend konnte ich bequem an der übetragenen Bleisftspur auf dem Ersatzstück die notwendige Einpassstrucktur herausarbeiten. Nach dem Kleben und Beschleifen war ich ganz zu frieden mit meiner Erstlingsarbeit.

This article was edited 13.Jan.15 12:03 by Manfred Tonn .

Andreas Peukert
Andreas Peukert
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10.Oct.14 08:50

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Hallo Herr Tonn,

leider ist Ihr Radiogehäuse doch desolater, als man sich das erst vorgestellt hat. Problematisch sind die Ausbrüche am Wurzelholz. Auch für diesen Fall hat Herr Renz einen längeren Bericht geschrieben, wie man hier speziell bei Reparatur des Wurzelfurniers vorgehen sollte. Ich selber hatte vor längerer Zeit eine solche Reparatur und kann sagen, es ist nicht einfach. Ich möchte dem Bericht von Herrn Renz nicht vorgreifen, weil er hierin fachkundiger ist. Falls Sie einige Reparaturstücke Wurzelfurnier benötigen, lassen Sie mich das gerne wissen, ich habe noch Bestand von meiner Reparatur.

Viele Grüße

Andreas Peukert 

 

Manfred Tonn
 
 
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11.Oct.14 20:49

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Hallo und vielen Dank Herr Peukert, gern nehme ich Ihr Angebot, mir mit Wurzelfurnier auszuhelfen an. Habe mich richtig doll gefreut über Ihre Hilfsbereitschaft! Ich werde mich, wenn ich die benötigte Größe ausgemessen habe, bei Ihnen per Mail melden. Wenn es recht ist.

Vielleicht sollte ich auch ab jetzt unter dem Modell 5005w weiterschreiben und Fortschrittsbilder hochladen. Die Skalenscheibe ist noch defekt. Na, und angeschaltet habe das Gerät natürlich noch gar nicht. Ausser Elkoproblemen wird da sicher noch einiges sein- hoffentlich kein Schaden beim AÜ. Alles zusammen kann ja für Andere mit einem ählichen Modell auch von Interesse sein. Daher meine Frage an die Moderatoren: sollte ich ab hier wechseln, oder können/wollen Sie alle Beiträge verschieben?

Mit freundlichen Sammlergrüßen.

Manfred Tonn

Manfred Tonn
 
 
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13.Jan.15 19:44

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Hier das Ergebnis der Arbeit in einem größeren Bild.

Andreas Peukert
Andreas Peukert
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14.Jan.15 01:01

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Hallo Herr Tonn,

ich muss doch sagen, dass Ihnen die Ausbesserung des Wurzelfurniers sehr gut gelungen ist. Ich kann auf Ihrem letzten Bild kaum erkennen, dass hier etwas vom furnier ergänzt wurde. Ganz prima gemacht.

Viele Grüße

Andreas Peukert

  
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