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Rias Berlin und seine Störsender

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Forum » Radio- and technical History » Decades of broadcasting » Rias Berlin und seine Störsender
           
Wolfgang Lill
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25.Aug.19 19:25
 
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Foto

RIAS Berlin ist ein Sender im der amerikanischen Besatzungszone Berlins, der am 5.September 1946 unter diesem Namen startete.

Mir geht es jetzt nicht darum, die Sendergeschichte neu zu schreiben, darüber gibt es genügend Veröffentlichungen...aber die Störsender auf dem Gebiet der DDR sind interessant. Welche Effekte hatten diese und war es ein Grund des RIAS nicht zu hören ?

Der Rias sendete zunächst auf Mittelwelle mit einem Kleinsender von 800 Watt, sozusagen als Berliner Stadtsender. Im Juni 1947 wurde dieser  ersetzt durch einen alten 20 KW Wehrmachtssender, zunächst auf 610 KHz. Im Jahre 1949 wurde die Leistung auf 100 KW erhöht und auch von Hof kam inzwischen ab 1.11.1948  der RIAS auf Mittelwelle über einen 20 KW Sender. Die Übertragung von Westberlin erfolgte übrigens per Kabel durch die sowjetische Besatzungszone / DDR nach Hof.

 So hatten auch viele Bürger der sowjetischen Besatzungszone die Möglichkeit den Rundfunk aus dem amerikanischen Sektor zu hören.

Dazu kam ein Kurzwellensender vom Standort Britz auf 6005 KHz und stundenweise wurde die Langwellenfrequenz der Stimme Amerikas vom Standort Erching, auf 173 KHz  ,Sendeleistung 1000 KW !, bei München, genutzt. 

Mit diesem starken Sender konnte das gesamte ostdeutsche Gebiet erreicht werden.

Im Mai 1952 begann der RIAS auch auf UKW 89,6 MHz von Britz und mit Sendebeginn RIAS2 kam auf dem gleichen Standort ein weiterer UKW Sender dazu auf 94,3 MHz.

Die Kurzwelle und UKW waren relativ schwierig störsendertechnisch zu beherrschen. Dazu kam auch die Sichtweise der DDR. Dort hatte man in dieser Zeit hauptsächlich Empfänger mit Mittel- und Langwelle. 

Das war neben dem Hörverbot für DDR- Bürger, das von staatlichen Behörden sehr scharf überwacht wurde, der Hauptschwerpunkt in der Abwehr. Das Hören der Mittel- und Langwellensender mußte unmöglich gemacht werden. 

In der Internetzeitschrift RADIO 5/2018 erschien dazu eine interessante Veröffentlichung von Karel Honzik, die ich hier auszugsweise übernehmen darf:

Hier dieMittelwellenfrequenzen 

Mittelwelle Berlin RIAS 1  auf 989 KHz, ab 15.01.1953 Sendeleistung 300 KW. Damit damals der leistungsstärkste Mittelwellensender Europas !

Mittelwelle Berlin RIAS 2 auf 737 KHz ( später 855 KHz) ,Sendeleistung 50 KW, Sendestart am 1.11.1953 

Mittelwelle Hof RIAS 1 auf 737 KHz , Sendeleistung 40 KW . Die Frequenz wurde mehrfach geändert !

Hier nochmal eine Übersicht: 

Berlin 300 kW: 989 kHz durchgängig (ab 1953)
Berlin 100 kW: 989 kHz durchgängig (bis 1953), 683 kHz tags (ab 1953), 854 kHz nachts .
Berlin 20 kW: 737 kHz nachts (1953-58), 854 kHz nachts (1958-61)
Hof 40 kW: 683 kHz durchgängig (1950-53), 737 kHz tags (ab 1953), 683 kHz nachts (ab 1958, mit Ausblendung Belgrad)
Von 1953 bis etwa 1963 stundenweise über Langwellensender.

es gibt dazu eine CIA Veröffentlichung, welche nach 50 Jahren freigegeben wurde.

 

Auf dem Gebiet der DDR sollen laut dieser Studie 60 Störsender im Einsatz gewesen sein.

CIA Central Intelligence Agency (CIA) ist ein US-amerikanischer Geheimdienst mit einem externen Tätigkeitsbereich ( d.h. einem Spion), der auch die Aufgabe hat, Operationen für die USA weltweit durchzuführen. Er wurde am 18.September 1947 nach dem National Security Act, unterzeichnet vom Präsidenten Harry S. Truman, gegründet. Er ist der Nachfolger von OSS (Office of Strategic Services).

INFOBericht v 6.Mai 1955  Fall-Land; Ostdeutschland                                                                  Thema: Störsender und Anweisungen  in Ostdeutschland

1.Ungefähr 90 % der absichtlichen Störungen der aufkommenden DDR werden an die RIAS- Station weitergeleitet. Die Standorte der Störsender und die von ihnen abgedeckten Gebiete sind auf der Karte ( oben) aufgeführt. Diese Karte wurde vom Hauptsitz der DDR- Post und Telekommunikation erstellt ( Post und Fernmeldetechnisches Zentralamt - PFZ) und wurde auf der Grundlage von Ergebnissen gezogen, die mit Meßfahrzeugen im Gebiet erzielt wurden. 

2. Die russischsprachigen Programme wurden für die Störung der 173 KHz- Frequenz verwendet. Der Sender befand sich in Königs-Wusterhausen und arbeitete nach einem engen Zeitplan. 

Die Frequenzen 989, 737 und 683 KHz wurden vom Sender vor Ort unterbrochen, Beeskow sowie das Berliner Programm. Die Modulation wurde von UKW - Sendern übernommen. 

Ein Nauen- Sender mit einer Leistung von 5 KW störte die 6005 KHz- Frequenz.

3.Die Kontrolle der Störsender liegt in den Händen der Ostdeutschen, die zuvor unter sowjetischem Kommando gearbeitet hatten. Die von Radecki (fnu) unterzeichnete Weisung wurde von der Hauptverwaltung Funk ausgestellt. Geplante Störbefehle wurden zwei bis drei Tage im Voraus erteilt und basierten auf den Informationen zur Interferenzwirksamkeit, die von den übergeordneten Stationen in Königs- Wusterhausen, Schwerin, Köpenick, Leipzig und Dresden gemeldet wurden. In naher Zukunft ( so der damalige CIA- Bericht) wird Plauen auch eine übergeordnete Station.  Die Ausführung der Befehle wurde militärischen Einheiten anvertraut, welche in drei Schichten arbeiteten. 

Kurzfristig wurden auch Aufträge für Frequenzänderungen erteilt, die innerhalb von 15 Minuten ausgeführt werden müßten. Aber diese wurden nicht immer efffektiv erledigt, da das Personal nicht gut geschult war.

4. Das sowjetische Spionageabwehrzentrum für Funküberwachung befand sich in Beelitz, wo die VOPO  ( Volkspolizei-) Mitglieder einen Kurs zur Funküberwachung absolvierten. Nach einer kurzen Ausbildung von nur vier Wochen wurden diese Männer mit Geheimdienstaufgaben beauftragt.

Im Oktober 1954 besuchten 42 Männer diesen Kurs. Das wichtigste Thema war die Theorie der Aufnahme-  und Überwachungsaktivitäten. Zur Unterstützung des Praxistrainings in diesem Kurs befand sich in Beelitz ein Feldmeßfahrzeug, welches von der Hauptfunkstelle gesteuert wurde. 

5. In Beeskow, Cottbus, Herzberg und Burg nutzten die Beelitzer Ballone für den kabellosen Empfang von Störvorgängen. Das empfangene Signal wurde sofort an diese Station gesendet. 

6. Es wurde geplant in Nauen eine neue große Telegrafenstation aufzubauen. Diese Station sollte 1956 fertiggestellt sein. Diese Station wird alle Sitzungen ( so der damalige Geheimdienstbericht), ausgenommen die sowjetische, übernehmen. Auch die Chinesische Mission in der DDR und das Außenministerium  nutzen diese Anlage. 

Der Sender 14 ( Königs- Wusterhausen ) hat experimentell einen Seitenbandmodulator installiert, um  die gleichzeitige Übertragung von zwei Störungen zu ermöglichen. Diese Sitzungen fanden von 20,00 Uhr bis Mitternacht statt.

Soweit aus dem Bericht des CIA- Geheimagenten in der DDR, freigegeben am 10.01.2008

Einen sehr interessanten Beitrag dazu fand ich im Radio Journal Heft 5/2011. Freundlicherweise wurde mir die Übernahme des Beitrages zugesagt:

Wer den RIAS hört, den Frieden stört !

Solche und andere Überschriften geisterten seit Anfang der 50iger Jahre durch die Presse und Medien der DDR. Ein ehemaliger WF ( Werk für Fernsehelektronik) - Mitarbeiter , Joachim Kullmann beschäftigte sich mit der Geschichte der Störsender in der DDR. 

Diese Sender wurden im WF in Schöneweide und von der Deutschen Post hergestellt . Die Initiative ergriff jedoch im September 1953 nicht die Regierung in Ostberlin sondern es waren  jene in Moskau, die insbesondere eine Störung des RIAS- Empfanges wünschten.

In einer vom sowjetischen Botschafter in der DDR, Waldimir Semjonow, getätigten Erklärung heißt es; "der RIAS habe seine reaktionären Rundfunksendungen gegen die DDR verstärkt" ...und bisher gäbe es nur unzureichende Gegenmaßnahmen.

Pikanterweise nahm man sich in Moskau ausgerechnet den Volksempfänger der Nazis zum Vorbild, dessen Prinzip, ausschließlich einheimischen, linientreuen Sendern den Empfang zu ermöglichen, auch in der Sozialistischen Diktatur seine Nachahmung finden sollte.(Foto; DKE38 )

Tatsächlich gab es diese "Goebbelsschnauze" der DDR als Einkreiser unter dem Namen "Kolibri" für 50 Ostmark zu kaufen, was vor allem bei Rentnern wegen des attraktiven Preises Anklang fand. ( Fotos Kolibri2 Baujahr 1954)

Bestückt war dieser Apparat mit einer Röhre UEL51 aus dem Funkwerk Erfurt. Empfangbar waren nur zwei voreingestellte Sender. Zum einen der jeweils örtliche Mittelwellensender und zum anderen die DDR-weit zu hörende Langwellenfrequenz des Deutschlandsenders. 

Begleitet wurde die Markteinführung des neuen Empfängers mit einer Kampagne im Sprachgebrauch des Kalten Krieges:

"Du willst kein AMI- Söldner sein, drum schalte nicht den RIAS ein !"

Der DDR Rundfunkhörer mußte pro Haushalt damals 2,05 DM ( Ostmark) an den Briefträger Rundfunkgebühr bezahlen Das setzte sich zusammen aus 2 DM Rundfunkgebühr und 5 Pfennig Kulturabgabe. Es kursierte damals im Berliner Raum der Scherz " 2 DM für den RIAS, 5 Pfennig für Radio DDR ". Viel mehr war damals der DDR- Rundfunk bei vielen Hörern nicht wert. Das wußten auch die Oberen der regierung der DDR und deshalb wurden die Quittungen häufig mit solchen Sprüchen versehen wie " Der RIAS lügt, die Wahrheit siegt" oder "Wer den RIAS hört, den Frieden stört". 

Das damalige Werk für Fernmeldewesen  ( erst später wurde es das Werk für Fernsehelektronik) erhielt wohl Ende 1953 den Auftrag, einen kleinen Störsender mit 50 Watt Ausgangsleistung zu entwickeln, von denen später in Ostberlin und der DDR 50 bis 60 Stück eingesetzt wurden. 

Foto aus Radio Journal Heft 5/11 S 21 mit freundlicher Genehmigung der Redaktion, 50 Watt Sender  Der charakteristische , an- und abschwellende Pfeifton sollte die RIAS- Ausstrahlung überlagern und so den Hörgenuß deutlich mindern  oder sogar die Wortbeiträge aus der Kufsteiner Straße in Westberlin gänzlich unverständlich machen. 

Nicht unerwähnt bleiben soll, daß Störsender ausschließlich in den Sozialistischen Ländern zum Einsatz kamen. 

Ich möchte jedoch an dieser Stelle erwähnen, das ich auf den Skalen der Rundfunkempfänger der BRD- Hersteller noch nicht einen Ostdeutschen Sender gesehen habe. ...Es war eben der "Kalte Krieg"

Rücksicht nehmen mußte die DDR jedoch auf den Vier- Mächte- Status von Berlin, weshalb im unmittelbaren Umfeld der westlichen Hälfte keine Störsender zum Einsatz kamen, sonst hätte es mit Sicherheit diplomatische Verwicklungen gegeben.

Ich hatte Ende der 60iger Jahre mal Gelegenheit, dies als Jugendlicher, neugierig wie ich war, zu testen. Mit einem Kofferradio "Stern 4" bewaffnet, marschierte ich vom Alexanderplatz Richtung Friedrichstraße zur Grenze.  Auf dem ALEX hatte ich tatsächlich Störgeräusche beim Empfang beider Mittelwellensender des RIAS, dies nahm jedoch Richtung Grenze ab und war am Bahnhof Friedrichstraße nur noch sehr unterschwellig zu hören. Die letzten 150 m bis zur Mauer hätte ich gerne noch getestet, aber mein Kofferradio war damals den aufmerksamen Blicken der Grenzsoldaten nicht entgangen.... Damals war es für mich ein kleines Abenteuer, die Stärke des Störsignales zu ermitteln....

Diese Kleinsender wurden ab 1953 im Hinterland der DDR aufgestellt. Da sie einfach, auch von Laien, zu bedienen waren, wurden sie meist auf Volkspolizei-Kreisämtern, Kasernen und Stasi- Dienststellen installiert. Später folgten deutlich größere Störsender mit einer Ausgangsleistung von 2 KW.

 

Foto aus Radio Journal Heft 5/11 S 21 mit freundlicher Genehmigung der Redaktion: Joachim Kullmann vor dem 2 KW- Sender im Industriesalon Berlin .

Diese wurden von der Deutschen Post in Eigenregie gefertigt und häufig auf Geländen herkömmlicher DDR- Rundfunksender aufgestellt. Diese großen Störsender wurden in der Regel mit einem DDR- Hörfunkprogramm moduliert und um 1000 Hertz versetzt zu der zu störenden Frequenz der westlichen Sender ausgestrahlt. In der Nähe der Störquellen war dann das Programm von Radio DDR zu hören, da es stärker war, weiter weg überlagerten sich beide Aussendungen und es entstand ein Stimmenwirrwarr.

Da der RIAS, wie auch viele andere Rundfunksender, mit einer Tag- und einer Nachtfrequenz arbeitete, um angepasst an die IONISIERUNGSschichten der Hochatmosphäre die jeweils optimalen Sendebedingungen zu nutzen, mußten die Störsender bei Frequenzwechsel natürlich auch per Hand nachgestimmt werden. Später erleichterten Doppelfrequenzgeneratoren diese Arbeit. Wenn der RIAS seine Welle wechselte, mußte nur noch ein Drehknopf betätigt werden und der Störsender folgte. 

Ein Kuriosum ist mit dem zweiten RIAS- Sender im fränkischen Hof verbunden. Dieser wurde in erster Linie zur Versorgungng der südlichen DDR installiert.  Da das Modulationssignal live aus Westberlin dorthin übertragen werden musste, betrieb die DDR quasi "fernmeldetechnische Prostitution". Sie reaktivierte ein bereits im 3.Reich verlegtes Kabel, was von Berlin über Dresden, Leipzig, Chemnitz nach Hof und weiter nach München verlief.

Dafür kassierte die DDR harte West-Mark . Gleichwohl ermöglichte es die Ausstrahlung über den Sender Hof in bestmöglicher Studioqualität. Der Sender Hof wurde dann natürlich wieder von der DDR gestört.

So funktionierte damals der "Kalte Krieg".

Das der RIAS eine reale Gefahr für die DDR war, daran kann ich mich selbst noch erinnern. Wir waren an einem heißen Sommertag im Freibad in Pirna und empfingen den RIAS auf 6005 KHz . Plötzlich kam eine Durchsage mit etwa folgendem Inhalt; wir informieren Sie über Personen , die für die Staatssicherheit der DDR illegal tätig sind... unter anderem war ein Gastwirt aus Pirna dabei. Es wurden sogar Details seiner Spionage genannt... Das sprach sich so schnell herum. Der Mann war durch !  Von nun an gähnende Leere in seiner Kneipe .

Nicht immer steckt hinter technischen Problemen Absicht oder gar eine Verschwörung. Als der Pegel während der RIAS- Nachrichten in Hof immer um 6 dB abfiel, wußte man sich zunächst nicht anders zu helfen, als diesen nachzuregeln.  Als man bei den DDR- Vertragspartnern wegen vermeintlicher Sabotage protestierte, stellte es sich jedoch heraus, daß ein DDR- Posttechniker sich mit einem niederohmigen Kopfhörer parallel auf das Kabel nach Hof geschaltet hatte, um die Westnachrichten zu verfolgen.  Angeblich haben die RIAS- Techniker ihrem Kollegen bei der Deutschen Post einen hochohmigen Kopfhörer geschickt, bei dem das Problem nicht mehr auftrat. 

So plötzlich wie die Störsendertätigkeit 1952 begann, so unvermittelt war am 23.November 1978 schlagartig damit Schluß !

 

Weitere Informationen und Episoden gerne an mich schicken oder hier ergänzen . Vielen Dank !

 

 

 

 

This article was edited 01.Sep.19 20:15 by Wolfgang Lill .

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Ein interessantes Dokument wurde mir übergeben. Es ist ein Schreiben vom damaligen sowjetischen Botschafter in der DDR. Er wandte sich, nachdem er im September 1953 zum Botschafter der UdSSR in der DDR ernannt wurde, sogleich an den damaligen DDR Ministerpräsidenten Grotewohl und natürlich auch an Walter Ulbricht und drückte seinen Unmut aus , über die unzureichenden Maßnahmen die gegen den Hauptfeind, RIAS Berlin, seitens der DDR eingeleitet wurden.

Aber lesen sie bitte selbst (das russische Original des Schreibens ist im Bundesarchiv Berlin - Lichterfelde )

 

This article was edited 17.Mar.20 16:50 by Wolfgang Lill .

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Jetzt kommt natürlich bei unseren Lesern die Frage, was passierte auf dieses Schreiben des sowjetischen Botschafters  Wladimir Semjonowitsch Semjonow an die Genossen Grotewohl und Ulbricht ?

Dazu gibt es für die DDR, wo auch der Standort Dresden enthalten ist,  wieder einen CIA- Bericht datiert vom 3.August 1954:

Rundfunk und Störsender in Ost Deutschland auf Mittel und Langwellen.

Auf dem Deckblatt des CIA Berichtes ist die Station Z 3.1 in Berlin Köpenick ( Dauerbetrieb war ab  06.Juli 1952) und SM4 Dresden ( ab 8.Mai 1954 , Sendeleistung 250 KW !)  in  Wilsdruff als im Einsatz ausgewiesen.


In dem Bericht wird auf Seite 7 weiterhin darüber informiert, daß von Birkenhain, nahe Wilsdruff in Sachsen ein Störsender mit 159 m hohem Mast errichtet wurde...der Sender hatte laut diesem Bericht 300 KW und sendete auf 1019 KHz. Also drei technische Angaben die falsch sind.

Liebe Kollegen der CIA, der Bericht sollte nachträglich korrigiert werden, der SM 4 hatte 250 KW, sendete damals auf 1043 KHz und der Mast war 153 m hoch.

 Seitdem ist der RIAS Berlin auf 989 KHz in der Region gestört, d.h. nicht zu hören. ... Bauern die sich mißbilligend zur Station äußerten wurden noch in derselben Nacht verhaftet.

Dazu schreibt der letzte Leiter des Funkamtes Herr Hajo Böhme, 

...die CIA hatte wahrscheinlich Wasserwaagen und Zollstock als Messmittel!!!
Für Wilsdruff stimmt die Frequenz nicht und im kurzen Überfliegen des Textes stimmen etliche Ortsangaben, Leistungen usw. nicht...

Für Dresden wurde der RIAS von Anfang an (ab Mitte 1953 etwa) von der Neuländer Straße, heute LKA Sachsen, mit SM6 2 kW gestört. 1975 erfolgte die Umsetzung nach Dresden Hellerau (warum, habe ich noch nicht ergründet), von dort wurde bis zur Beendigung der Störtätigkeiten am 23.11.1978 mit 100 W gestört. Der Standort Neuländer Straße wurde aufgelöst.
Sowohl die Sender Neuländer Straße als auch Hellerau wurden von Wilsdruff aus überwacht und ferngesteuert.

Für mich war das natürlich ein Marschbefehl; auf nach Dresden Trachau zur Neuländer Straße 60 ;

In diesem Gelände befand sich also der Störsender.

1935 war dort eine Polizeikaserne, 1939 wurde ein Sendemast errichtet, welcher dann ab Mitte 1953 für den  Störsender genutzt wurde.

Foto:SLUB Dresden / Deutsche Fotothek / Else Seifert - vielen Dank- 

In dem Areal, was nach dem Kriege von 1945 bis 1954 als Klinik für Körperbehinderte genutzt wurde, anschließend dann wieder als Ausbildungseinrichtung für die Polizei und ab 1971 wurde hier die Offiziershochschule  des Ministeriums des Innern der DDR " Arthur Becker " bis zum 2.Oktober 1990 betrieben, standen zu DDR Zeiten drei Masten , diese sind jedoch sämtlich nicht mehr vorhanden. Der letzte Abriß auch der Fundamente erfolgte 2017.

Von hier aus wurde also der RIAS gestört und war damit im Großraum Dresden nicht mehr hörbar.

 

 

 

This article was edited 13.Jun.20 17:31 by Wolfgang Lill .

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16.Jun.20 08:55

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Herr Hajo Böhme, der letzte Leiter des Funkamtes in Dresden / Wilsdruff schreibt mir; 

Der 50 Watt Störsender im obigen Text des Radiojournales hat einen unteren Einschub, der nicht das original- Netzteil ist. Hier ist ein Foto von diesem Störsender, welcher sich ( noch ? ) in der Senderhalle in Wilsdruff befinden soll. Er wurde als Ersatzsteuersender für den 20 KW- Sender eingesetzt.

Foto Hajo Böhme ( 2003)

Auch Herr Böhme beantragte einen Besuch im ehemaligen Sendergelände an der Neuländer Straße in Dresden, leider wurde diese Anfrage abschläglich entschieden...Auszug

"...leider können wir Ihrem Anliegen, unser Behördenareal zu besuchen und fotografisch zu dokumentieren, nicht entsprechen .

Das Objekt ist erheblich umgestaltet, die „alten“ Gerätschaften und Bauten sind nicht mehr da oder in anderer – der Öffentlichkeit nicht zugänglichen – Nutzung. Von den drei Funktürmen steht nur noch einer und dieser ist schon erheblich zurückgebaut worden. 

Außerdem sind auf dem Areal mehrere Behörden mit Sicherheitsaufgaben untergebracht. Die Erteilung einer Besuchsgenehmigung und das Fotografieren im Gelände wird auch aus diesem Grunde abgelehnt..."

Da blieb nur, den inzwischen teilweise zurückgebauten Sendemast noch einmal von der benachbarten Autobahn aus zu fotografieren ( seit etwa 3 Jahren ist der Mast bereits abgerissen).

Foto Hajo Böhme

und hier noch das aktuelle Foto vom Juni 2020, etwa dort wo der Baukran jetzt ist, stand der alte Einzelmast.

Auf diesem Standort begann man Ende Oktober/Anfang November 1945 mit der Rundfunkausstrahlung für den Raum Dresden . Anfangs waren es 300 Watt Sendeleistung. Aber dazu ein gesonderter Beitrag.

Foto: Sammlung Gerhard Steinke , Rundfunkschätze, Landessender Dresden 1945

Ein Kontakt kam zustande mit Eberhard Köppe aus Berlin. Auch ihm hatten es die RIAS Störsender angetan und da war es natürlich naheliegend, sich diesen Wunsch zu erfüllen. 

Herr Köppe hat mir diese Bilder für den Beitrag im Radiomuseum freigegeben, um es gleich vorweg zu sagen, der Sender ist seit geraumer Zeit verschwunden....angeblich verliehen.

Nun wollte man diesen 2 KW- Störsender mal wieder in Betrieb setzen, damit Berlin erlebt, wie es damals bis 23. November 1978 in Berlin klang... Foto; Abgleich des Antennenkopplers

Herr Köppe schreibt dazu ..."Anläßlich der Funkausstellung 2005 sahen es Micha (Foto) und ich als unabdingbar an,nun endlich wieder die alten RIAS-Störsender in Betrieb zu nehmen,
um dieses ehemalige und bereits vergessene Geräusch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Damals hagelte es Proteste, als dies über Tageszeitungen angekündigt wurde...                              Für unser Radiomuseum  habe ich dieses Störgeräusch noch einmal aktiviert,

Bei den Abrechnungsbelegen , Rundfunkquittungen der DDR Rundfunkhörer , wofür in den 50iger Jahren monatlich 2 Mark zu entrichten waren, waren dann häufig rot aufgestempelte Sprüche wie " wer RIAS hört, den Frieden stört...." 

Nochmals ein herzliches Dankeschön, lieber Herr Köppe, für diesen Beitrag.

Was geschah nun mit den Störsendern nach Ende der Störtätigkeit? Hajo Böhme erinnert sich,

Es wurden in den Werkstätten des Funkwesens der Deutschen Post drei Typen dieser Sender hergestellt: Typ Leipzig mit zwei Schränken (in Zusammenarbeit mit der Firma Lorenz), Typ Königs Wusterhausen mit zwei Schränken und Typ Dresden mit drei Schränken. Vom Typ Dresden haben wir in Wilsdruff insgesamt 4 Sender ab 1979 umgebaut (jeweils 2x2 kW) als Reservesender für die 1044 kHz und die 1431 kHz. Jeweils eine Zusammenschalteinrichtung wurde durch uns berechnet und aufgebaut, die Schaltung auf Antenne erfolgte im Bedarfsfall über HF-Schütze und war über komplizierte Schaltungen in die Blockschleifen integriert.

This article was edited 21.Jun.20 18:01 by Wolfgang Lill .

  
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