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Röhren der SABA Kriegsproduktion nach 1940

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Martin Steyer
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04.Jul.07 18:19

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Ehe ich (mindestens!) zwei neue Modelle anlege, möchte ich im Forum nachfragen, ob nicht doch noch jemand vorher zur Klärung der folgenden Sachverhalte etwas beitragen kann.

Vorweg grundsätzliche Bemerkungen zu den im Kriege gebauten SABA-Geräten 360WK und 460WK. Diese sind laut RMorg, dem SABA-Buch von Menzel und den Ausführungen von Opperskalski in der Funkgeschichte vom Chassis her die Nachfolgemodelle der 1939er-Geräte 357WK und 457WK. Sie enthalten die Röhrenbestückung ECH11, EBF11, ECL11 und AZ11. Soweit ist das alles klar und unstrittig.

Nun habe ich vor einiger Zeit einen 460WK über ebay erhalten, der laut Rückwand eben diese oben genannte Bestückung aufweist und das Holzgehäuse wie das Foto im RM hat. Der Verkäufer hatte mir auf Bitte ein in der Beschreibung nicht enthaltenes Innenfoto geschickt, auf dem zu meiner Überraschung Topfröhren erkennbar waren. Zunächst wollte ich daraufhin nicht mitbieten, habe es aber (zum Glück!) doch gemacht.

Dieser 460WK enthält in typischer SABA-Bauweise (Vergleich mit dem 457WK meiner Sammlung zeigt bis auf die Röhren identischen Aufbau) anstelle der Stahlröhren-Fassungen Topfsockel mit den Röhren ECH4, ECH4 und EBL1, sowie die AZ11. Das erschien mir mysteriös, weshalb ich davon absah, ein neues Modell anzulegen. Ausführliche Recherchen aller mir zugänglichen Quellen ergaben aber kein Chassis, was eventuell durch Umbau da hineingeraten ist.

Gerade ist aber ein weiteres Gerät (ebenfalls über ebay) eingetroffen, das die Bezeichnung „360WKP“ auf der Rückwand trägt. Dies ist eingestanzt und nicht mit Aufkleber (wie z.T. bei SABA-Nachkriegsgeräten) versehen. Die ursprünglichen Bezeichnungen der Stahlröhren wurde mit brauner Farbe übermalt, weshalb sich auf der Rückwand keine Röhrenbestückung befindet.

Im Inneren sind aber ebenfalls Topfröhren ECH4, ECH4, EBL1 mit der AZ11 verbaut! Auch hier entspricht das Chassis ansonsten voll dem 360WK, bzw. dem 357WK (auch den habe ich hier) mit Stahlröhren.

Daraus ergeben sich folgende Schlußfolgerungen:

  1. Feststellung: Es muß neben dem 360WK mit Holzgehäuse (im RM angelegt) einen 360WKP mit gleicher Röhrenbestückung und gleichem Chassis, aber Phenoplast-Gehäuse gegeben haben.

  1. Vermutung: Möglicherweise nach 1942 wurden beide Geräte im Werk von Stahlröhren auf Topfsockel umgerüstet und so für den Export gebaut, damit ergeben sich zwei neue, bisher nicht erfaßte Modelle.

  1. Vermutung: Möglicherweise hat es auch einen 360WKH mit Topfröhren gegeben.


Möglicherweise kann jemand hierzu noch weitere Fakten beitragen, die zur Auflärung beitragen.

Am Schluß noch eine Bemerkung zu ebay-Käufen: Ich biete nur, wenn Fotos und Beschreibung aussagekräftig sind, ich wegen Unklarheiten eindeutige verbale und bildliche Ergänzungen erhalte und ich mich beim Verkäufer rückversichere, daß die Verpackung wirklich gut erfolgt. Damit habe ich nach anfänglichen Reinfällen in der letzten Zeit keine Enttäuschungen erlebt.

Martin Steyer
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09.Jul.07 13:01

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Inzwischen erhärtet sich der Verdacht, daß die Geräte nicht aus der Kriegsproduktion stammen, sondern erst nach dem Krieg aus Produktionsresten gefertigt wurden.

Die Angaben bei Menzel hatten mich zunächst vermuten lassen, daß die SABA-Fertigung erst 1948 wieder in Gang gekommen ist. Dies mag für die offizielle Serienfertigung gelten, aber die Anmerkung bei der Firmengeschichte von Ernst Erb (Text auch hier im RM), daß eine "inoffizielle" Geräteproduktion für Kompensationsgeschäfte vor 1948 abgezweigt wurde, führt wohl auf die richtige Spur.

Die Angabe bei Menzel, daß der "Sport WK" im Chassis und Gehäuse dem "360WKP" entspräche, ist definitiv falsch. Der Sport WK hat eine andere Anordnung der Röhrenfassungen und Filter auf dem Chassis und stellt damit eine Neukonstruktion dar, auch wenn sich die Schaltungen weitgehend entsprechen, wenn man von der Röhrenbestückung absieht.

Für die Annahme, daß die Geräte 1946/47 gefertigt wurden, sprechen drei Gründe:

1. Die Bestückung ECH4, ECH4, EBL1 (+ Gleichrichterröhre) kam erst nach 1945 in Mode, es wurde die ECH4 als Mischröhre davor praktisch nicht verwendet. Dieser Röhrensatz entspricht dem "Standardsuper", wie er von vielen Firmen gefertigt wurde.

2. Die enthaltenen Röhren sind nicht aus der "roten Serie", sondern goldfarben metallisierte Valvo-Röhren aus der Nachkriegsproduktion. Es ist unwahrscheinlich, daß in beiden Geräten der komplette Röhrensatz schon 1947 getauscht wurde.

3. Ähnliche Ungereimtheiten gibt es auch beim 582WKRO, siehe auch Post von Dirk Becker:

http://www.radiomuseum.org/forum/saba_582_wkro_582wkro.html
Martin Steyer
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13.Aug.07 11:00

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   3 Nach gründlicher Untersuchung des 460WK mit Topfröhren ergibt sich folgendes Bild:

Es muß sich um eine Art "Nullserie" des Favorit WK handeln. Es steckte eine falsche Röhre drin, die Röhrenbestückung lautet richtig ECH4, EF9, EBL1, EFM11, AZ11. Diese Bestückung und der Chassisaufbau entsprechen völlig dem Favorit WK, innen fand sich auch noch ein Zettel mit "Favorit WK". Es sind aber durchgängig alte Bauteile aus der Zeit vor 1945 verbaut (Widerstände, Kondensatoren). Der Lautsprecher entspricht nicht der SABA-Nachkriegsproduktion, diese hatten 1948 einen beige-braun lackierten Korb und Magneten (Vergleich mit allen anderen Modellen dieses Jahrganges). Auch die Skala entspricht dem alten 460WK mit europäischer Senderanordnung.

Die Röhrenfassungen sind für ECH4 anstelle ECH11, EF9 anstelle von EBF11 und EBL1 anstelle von EL11.

Der "echte" Favorit WK meiner Sammlung hat schon Bauteile der Nachkriegsfertigung und eine Skala mit Nachkriegsangaben, allerdings steht da wiederum "SABA Reporter" drauf..... Bei SABA wurde also wohl die Produktion mit Restbeständen an Bauteilen vom 460WK wieder aufgenommen, ehe Neuteile eingesetzt wurden und der Typ als "Favorit WK" in den Handel kam.
  
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