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rtw radiot.werke münsingen, rul bückle

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Armin Eppinger
Armin Eppinger
 
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09.Oct.09 22:31
 
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Hallo und guten Tag -ein kleiner Beitrag  zu  :

RTW Radiotechnische Werke Münsingen .

Unter der Rubrik  : " Firmen " fand ich den vorgedruckten Hinweis auf : mehr Informationen  erwünscht ,  und vielleicht kann  der kleine Auszug  die Probleme der Radioindustrie nach dem Krieg und bis zur Währungsreform etwas erhellen .

Rul Bückle schreibt in seinem Buch  " TURBULENZEN " S.27 , dass er aus dem Erlös seiner Erfindung einer ZEITWAAGE 20 000 Mark angeboten bekam .

"Allerdings war das damals lediglich ein paar Stangen Lucky Strike wert" . Aber daraus leitete er  den Grundstock für seine eigene Radiofirma in der leerstehenden ehemaligen Gaststätte seiner Grosseltern in Münsingen ( Gasthaus zur LINDE ) her .

Benennung : Radiotechnischen Werkstätten RTW GmbH.

Der Vorteil war die Lage von Münsingen in der französischen Besatzungszone . Hier durften Radios gebaut und verkauft werden . In den anderen drei  Besatzungszonen war dies verboten .  So kam Grundig in Fürth auf den Trick ,  den HEINZELMANN  an die Händler als Baukasten anzubieten . Diese wiederum setzten das Gerät ,  als "Serviceleistung " getarnt  , zusammen . RTW konstruierte ein Radio namens Skorpion Studio 47 . Zu Beginn wurden Skorpion-Geräte bei einem Radiogrosshändler in Ulm gegen Teile für die Serienproduktion getauscht . Die Fabrikation begann  mit  zwei gebrauchten Spulenwickelmaschinen und einer Fusspendelpresse, die Löcher in die Chassis stanzt . Ein Schreiner in Dapfen , einem Dorf im benachbarten Lautertal ,  erstellte wunderbare Gehäuse . Die Skala war dreifarbig . Der Standortvorteil liess das Geschäft blühen. RTW war bald 18 Mann stark , die 20 Radios pro Tag fertigten . Hauptabnehmer wurde  die " Kaufstätte für Alle" ,  das erste Nachkriegskaufhaus in Stuttgart  .  Einen Teil brachte ein Vertreter in Süddeutschland an Radiohändler , ein anderer Teil ging an die Ulmer Firma im Tausch gegen Ersatzteile. Mittlerweile klopften Grundig und Autoradio Becker bei Rul Bückle an , um bei RTW ihre Radiogeräte  bauen und verkaufen zu lassen . Rul Bückle lehnte ab , denn er stand mit dem Skorpion konkurenzlos da und war voll ausgelastet .  Reich werden konnte er damit allerdings nicht ,  denn die Reichsmark war kaum etwas wert. Nur Sachwerte zählten . Als die alliierten die  harten Gesetze lockerten , brachte TELEFUNKEN ein kleineres  Gerät als den Skorpion heraus das billiger war und ein modernes Plastikgehäuse hatte . Der Filius war ein 5 Kreissuper und kostete 218 Mark  , der Skorpion-Einkreiser dagegen 258 Mark   . Innerhalb weniger Wochen musste die Produktion eingestellt werden , RTW fand keinen Absatz mehr . Es ging unglaublich schnell .

Durch Annonce in einer Fachzeitschrift  suchte Rul Bückle Aufträge bei anderen funktechnischen Betrieben  und kam so zu Firma RUPON in Deisslingen bei Rottweil. Es wurden dann Spulen für   Autowinker gebaut. Rul Bückle konstruierte  einen neuen Winkertyp  und  meldete darauf ein wertvolles Patent an  ,  für  das sich Mercedes und Bosch mit guten Geboten interessierten . Da passierte das Unvorstellbare : die Bestimmungen änderten sich zu Gunsten des Blinkers . Ein plötzliches Aus für die Winker ! Anschliessend wurden noch primitive Gücksautomaten hergestellt , die aus einer  einfachen Holzkiste  mit Löchern  und Punkten bestand .Das Geschäft lief schlecht   und bald packte der Vertreter den Firmenlieferwagen randvoll , fuhr los  -und ward nie mehr gesehen .

Auf Seite 30 endet das  Kapitel von RTW in Münsingen . Der  Werdegang des Firmengründers vom jungen Jagdflieger zum Erfinder und Radiofabrikanten fand seine bewundernswerte Krönung in der Schaffung der  legendären SÜDFLUG  .

Meine Suche nach einem Skorpion blieb bis heute vergeblich , Leider .

Zu seinem 75 ten Geburtstag schenkte ich Rul Bückle einen dem Skorpion  ähnlichen Dreiröhrenapparat mit RV12P2000 ,  worüber er sich sehr gefreut hatte  , sich die Bemerkung aber nicht verkneifen konnte - "es isch aber koe Originel Skorpion".

Hoffentlich hatten Sie Spass beim Lesen

Armin Eppinger

  
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