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saba: 8; Meersburg-Automatic, Reparaturbericht

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Hans-Dieter Haase † 5.2.18
Hans-Dieter Haase † 5.2.18
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01.Aug.06 15:14

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Eigentlich wollte ich ja keine Gebissradios der 50'er und 60'er Jahre mehr, aber bei einem äußerlich recht gut erhaltenen Saba Meersburg-Automatic 8 für 10,- Euro konnte ich dann doch nicht nein sagen zumal ich vor 10 Jahren schon einen Saba Meersburg-Automatic 9 erstanden und restauriert hatte. Nach einer längeren Phase mit Geradeausempfängern reizte mich dann doch dieses technisch etwas anspruchsvollere Gerät.

Befund mechanisch:
äußerlich recht gut erhalten, nur übliche Gebrauchsspuren.
innen stark verstaubt, waagerechte Chassisflächen unter dem Staub leicht angerostet, da längere Zeit nach Außerbetriebnahme im Keller gelagert.
Antriebsachse für Ferritantenne festgerostet.
Seilscheibe auf Drehko locker.

Befund elektrisch:
Stromaufnahme ca. 20% über Nennwert.
Anodenspannung ca. 20% unter Nennwert.
eine Skalenlampe und Lämpchen in KW-Taste defekt.
Entstör-C sekundärseitig (C58) Vergussmasse ausgelaufen.
AM-Empfang schwach mit Krachgeräuschen (Kontakte an der Ferritantenne).
FM-Empfang gut, aber Ratio-Detektor nicht korrekt abgeglichen.
Verzerrungen Nf-seitig, beeinflussbar durch Betätigung des Basseinstellers.
EM34 schwach aber gerade noch brauchbar.
Sendersuchlauf und Schnellverstellung funktionierten nicht, Steuerwippe rastete nicht ein, aber leichtes Drehmoment am Abstimmknopf spürbar.
nach 10 Minuten Probebetrieb brannte der 1,6 k Siebwiderstand (R82) im Netzteil durch.

Nach gründlicher Reinigung des Chassis wurden alle erkennbaren mechanischen Defekte behoben und alle Kontakte gereinigt.
Für die zu hohe Stromaufnahme und die durch den Basseinsteller beeinfussbaren NF-Verzerrungen war (was schon ein leicht angebräunter Kathodenwiderstand der Endröhre vermuten ließ) der Koppel-Kondensator C73 zur EL84 verantwortlich. Die Gittervorspannung der EL84 betrug nur noch knapp -2 Volt. Nach Austausch von C73 hatten sowohl die Stromaufnahme als auch die Anodenspannung Nennwert.
Der Selen-Flachgleichrichter wurde versuchsweise durch eine Silizium-Brücke ersetzt. Durch deren geringeren Innenwiderstand lag die Anodenspannung ca. 20% über Nennwert. Dies hätte durch einen Widerstand ausgeglichen werden können. Da aber der Selen-Gleichrichter noch nicht auffällig war, wurde er dann doch belassen.
Die noch bei größeren Lautstärken auftretenden Verzerrungen wurden durch defekten C98 im Stummschaltungszweig hervorgerufen (Beeinflussung der Gittervorspannung der EF86).
Für das zu geringe Drehmoment des Verstellmotors war der defekte 0,4µF Kondensator C116 parallel zur Steuerwicklung verantwortlich.
Da nun schon der dritte braune Kondensator (Fabrikat Saba) für einen Fehler verantwortlich war, wurden alle Kondensatoren dieser Bauform untersucht. Obwohl äußerlich ok, also keine ausgelaufene Vergussmasse, wiesen alle Kondensatoren Isolationswiderstände zwischen 1 bis 3 M auf, also unbrauchbar, besonders in den hochohmigen Schaltungsteilen. Sie wurden alle ausgetauscht. Das Gleiche galt auch für einen Teil der blauen Kondensatoren (Fabrikat Saba), jedoch lag der Innenwiderstand bei diesen Typen nicht ganz so niedrig. Hier hat Saba also ganz schlechte Qualität eingebaut. Das Foto zeigt beide Bauformen.

Nach dieser Radikalkur funktionierte das Gerät schon recht gut.
Blieb also noch die Kontrolle des Abgleichs und die Funktion des Sendersuchlaufs.
Um das Anschließen von Instrumenten zu erleichtern, wurde ein Adapter für die 7-polige Röhrenfassung angefertigt. Er wurde in einer vorhandenen Bohrung befestigt und kann leicht wieder entfernt werden (siehe Foto).

Eine Überprüfung ergab, dass die Skaleneichung stimmte, also Oszillator nicht abgeglichen werden musste. ZF-Teil wurde neu abgeglichen. Dies wäre aber bis auf das Ratio-Filter für FM nicht notwendig gewesen. Lediglich der geringfügige Nachgleich der AM-Vorkreise brachte eine Verbesserung.

Die Reparatur der Abstimm-Automatic ist hier ausführlich beschrieben.
Leider fand ich diesen Beitrag erst nach erfolgter Reparatur, aber dem ist kaum etwas hinzuzufügen und bestätigt meine Erfahrungen. Einige Anmerkungen seien trotzdem erlaubt:
Das maximale Drehmoment und die maximale Geschwindigkeit sind nur mit den im Schaltplan angegebenen Werten für die Motor-Kondensatoren C116 = 0,4µF und C119 = 0,35µF und einer neuen ECL80 zu erreichen. Wenn dann auch noch die Seilzüge und das Motorgetriebe gut leichtgängig sind, kann das dazu führen, dass die Motorgeschwindigkeit für den  Suchlauf auf KW zu hoch ist. (Die Schaltung bezüglich Bremsstrom bei Suchlauf weicht hier vom Freiburg 125 ab). Man bedenke, dass bei KW der bestrichene Frequenzbereich pro Motorumdrehung rund 10 x größer als bei MW ist. Eine Vergrößerung von C116 um 0,1µF oder eine etwas schlechtere ECL80 kann hier Abhilfe bringen. Den leichten Rückgang von Drehmoment und Geschwindigkeit kann man verkraften, wenn man auf die korrekte Suchlauf-Funktion auf KW Wert legt. Möglicherweise gibt es aber noch eine elegantere Methode, die Suchlaufgeschwindigkeit zu reduzieren, aber an den Widerstandswerten wollte ich nichts ändern.

Man vermeide bei den Versuchen, ein Optimum des Steuerfilter-Abgleichs zu finden, ein zu häufiges Verdrehen der Kerne. Die Kerne werden immer leichtgängiger. Das Einstellen wird somit immer schwieriger. Einen Versuch, die Kerne wieder schwergängiger zu machen, habe ich nicht unternommen. Man kann es bei diesen filigranen Filtern meist nur noch verschlimmbessern, aber vielleicht kennt ja jemand eine Lösung.

Mit einem Röhrenvoltmeter (Nullpunkt Mitte) zwischen den Prüfbuchsen M und Y lässt sich sehr gut der richtige Abgleich des Steuerfilters kontrollieren (Symmetrie und Verlauf der Abstimm-Spannung). Saba empfiehlt hier ein Mikroamperemeter mit Nullpunkt Mitte aber ein RVM tut es auch.

Hier verweist Herr Bauer noch auf einen Tipp von Herrn Knoll bezüglich der Funktion der Steuerwippe und des 1k-Widerstandes R75. Bei meinem Gerät war ein defekter C117 dafür verantwortlich, dass die Steuerwippe nicht abfiel.

In PCB-Kondensatoren  (Post 9) verweist Herr Hasselmeier auf den PCB-haltigen 0,35µF-Motor-Kondensator C119. Wenn ich mich dazu entschließen sollte, das Gerät für Dauergebrauch herzurichten, werde ich wohl diesen Kondensator und auch den Selen-Gleichrichter aus Sicherheitsgründen auswechseln müssen.

Weitere Arbeiten am Gerät waren die bei einer Restaurierung üblichen und müssen nicht extra erwähnt werden.

Die verwendeten Unterlagen, auf die sich auch die Bauteileangaben beziehen, waren die auf der Modellseite hinterlegten Original-Unterlagen von Saba und die beim Freiburg 125 hinterlegte Beschreibung der Motor-Elektronic.

Es hat viel Spaß gemacht und das Gerät spielt wieder hervorragend.

Hans-Dieter Haase

This article was edited 28.Aug.06 17:10 by Hans-Dieter Haase † 5.2.18 .

Hans-Dieter Haase † 5.2.18
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Nach dem Prinzip der größten Gemeinheit (Murphy) war das dann doch noch nicht alles.

Nach längerem Probebetrieb bei noch ausgebautem Chassis setzte plötzlich der Empfang auf UKW aus. Nach Ziehen und Stecken der Antenne setzte der Empfang wieder ein. Kurze Zeit später setzte der Empfang wieder aus. Ein Betätigen der Tasten, ein Wackeln an den Röhren, ja selbst das Berühren des Chassis ließen den Empfang mal ein- und mal aussetzen. Nach längerer Suche wurde als Fehlerquelle der Neutralisationstrimmer C204 im UKW-Teil gefunden. Die Spindel war stark oxidiert. Durch einseitiges Ablöten des Trimmers konnte der Fehler eindeutig reproduziert werden.

Um die doch etwas schwache EM34 etwas aufzuhellen, wurde der Selengleichrichter gegen eine Siliziumbrücke + 150 Ohm-Widerstand ausgetauscht und die Anodenspannung für die EM34 direkt hinter dem Gleichrichter abgegriffen. Das zusammen ergab eine Anodenspannungserhöhung von etwa 70 V für die EM34 und eine sichtbare Aufhellung. Auf das Abschalten der EM34 im TA-Betrieb muss dann allerdings verzichtet werden.

In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass ein Erhöhen der Anodenspannung bei magischen Augen die Anzeigeempfindlichkeit senkt. Die Sender fallen scheinbar schwächer ein (geringerer Anzeigewinkel), was aber natürlich nicht der Fall ist, wie ein Nachmessen der Schwundregelspannung zeigt. Es sind die gleichen physikalischen Zusammenhänge wie bei der Kathodenstrahlröhre.

Hans-Dieter Haase

This article was edited 06.Aug.06 16:57 by Hans-Dieter Haase † 5.2.18 .

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16.Sep.06 16:20

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Dritter Teil des Reparaturberichtes:

Nach 2 Wochen täglicher Benutzung und nach einer Anwärmzeit von etwa 10 Minuten fing die Abstimmautomatik bei UKW-Betrieb an, nach links wegzudriften.

Eine Messung an Punkt M ergab eine Verschiebung des Nullpunktes des Steuerfilters. Vorsichtshalber wurden auch allen anderen Werte in der Umgebung des Motors im kalten und warmen Zustand gemessen, um nicht z.B. einen schleichenden Windungsschluss in den Motorwicklungen und eine damit einhergehende Feld-Unsymmetrie zu übersehen. Ein zusätzlicher (erfolgreicher) Abgleichversuch des Steuerfilters im warmen Zustand erbrachte dann die letzte Gewissheit, dass der Fehler im Filter selbst zu suchen war. Der Verdacht fiel auf den Kondensator C106.

Also wurde schweren Herzens das Steuerfilter ausgebaut. Die für FM zuständigen Kondensatoren C105 und C106 sind recht gut zugänglich zwischen den Anschlussstiften 9 und 10 bzw. 7 und 14. Vorsichtshalber wurden gleich beide Styroflex-Kondensatoren gegen keramische Kondensatoren mit leicht negativem TK ausgetauscht. Die restlichen Styroflex-Kondensatoren wurden belassen, da sie schwerer zugänglich sind.

Vorteilhaft ist hierbei eine Lupenleuchte, da man sonst leicht die sehr dünnen Drähte beschädigt. Vorsicht ist auch beim Löten geboten, da bei zu starker Erwärmung der Lötstifte der Kunststoff des Filterbodens schmilzt. Also alte Kondensatoren nicht auslöten, sondern abzwicken. Bei den dünnen Anschlussdrähten der Styroflex-Kondensatoren stören die verbleibenden Reste nicht.

Nach Zusammenbau, neuem Abgleich des Steuerfilters und längerem Probebetrieb zeigte sich die Richtigkeit der Diagnose.

Hans-Dieter Haase

 

  
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