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SABA Wildbad W5 - Gehäuse Restauration und Reparatur

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Hans Kamann
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15.Sep.03 14:42

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Restauration eines SABA Wildbad W5

Nachfolgend demonstriere ich anhand eines ziemlich heruntergekommenen SABA Wildbad W5 wie man mit relativ einfachen Mitteln ein Holzgehäuse wieder in einen ansehnlichen Zustand bringen kann. Aufgrund der Schwierigkeit, die ursprünglichen Farben einsetzen zu können habe ich den Schwerpunkt auf Wiederherstellung eines ansehnlichen Zustandes und nicht auf 100%ige Originaltreue gelegt.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Text ist ein Erfahrungsbericht und stellt keinen Anspruch an die absolute Richtigkeit der beschriebenen Maßnahmen. Sicherlich habe andere Sammler und Restauratoren andere, möglicherweise bessere Techniken benutzt bzw. Erfahrungen gemacht. Wer sich an die Restauration von Oldtimer Radios machten will sollte daher selbst beurteilen, ob er den Herausforderungen gerecht werden kann.

Es sei ausdrücklich davor gewarnt, an Radios ohne ausreichende Vorkenntnisse herumzubasteln, die Spannungen und die daraus resultierenden möglichen Ströme innerhalb eines Röhrenradios sind teilweise lebensgefährlich und erfordern maximale Sorgfalt und Erfahrung im Umgang mit Elektrizität.

Folgende Werkzeuge werden mindestens benötigt:

  • Verschiedene Schraubendreher
  • Lötkolben, ab 25 Watt
  • Spitzzange
  • Schmirgelpapier 40er und 80er
  • Möglichst ein Schwingschleifer, Mundschutz nicht vergessen
  • Putzlappen

Das Gerät sah beim Erwerb ( es wurde mir geschenkt ) so aus:

Man kann sehr gut den schlechten Zustand des Anstriches sowie den stark verschmutzten Schallwand-Stoff erkennen. Außerdem sind nahezu alle Teile mit einem harzähnlichen Schmutz überzogen.

Hinweis: Meine Kamera hat offensichtlich ein verschmutztes Objektiv, daher sind kleine Unreinheiten in den nachfolgenden Bildern entstanden.

Ausbau:

Zunächst wird die Rückwand abgenommen. Danach wird die Bodenabdeckung entfernt. Jetzt werden die Kabel zu den Lautsprechen abgelötet und deren Position auf einem Notizzettel vermerkt. Kleine, versteckte Striche auf Kabel bzw. Lautsprecher mit Edding sind evtl. hilfreich. Sinnvoll ist auch ein Photo des Innenlebens mit einer Digitalkamera. Hierbei sieht man später leicht die Kabelfarben und die zugehörigen Lötpunkte.

Jetzt werden die Bodenbefestigungen des Chassis gelöst und die Schrauben entfernt. Dazu lege ich das Gerät mit der Front auf einen weichen Untergrund und komme so leicht an die Schrauben. Achtung, Vorsichtig hantieren, damit die Skala nicht beschädigt wird.

Nun wird das Gerät wieder auf den Boden gestellt und das Chassis vorsichtig nach hinten herausgezogen. Achtung: Oftmals ist die Skala im Laufe der Jahre mit dem Gehäuse verklebt. deshalb behutsam arbeiten und keinesfalls Gewalt anwenden ! Bei einigen Geräten müssen vorher evtl. weitere Teile im Innern, z.B. Lautsprecher oder Magische Augen, ausgebaut werden.

Beim SABA Wildbad W5 muss nun der Lautsprecherträger ( Schallwand ) ausgebaut werden. Dazu sind die Holzschrauben im Innern des Gehäuses zu entfernen. Danach wird der Frontrahmen aus Plastik ausgebaut. Hierzu sind ebenfalls im Innern des Gehäuses die Halteschrauben zu entfernen. Achtung: Der Plastikrahmen kann am Gehäuse festkleben, vorsichtig und behutsam ausbauen, keine Gewalt anwenden.

Jetzt ist das Gehäuse leer, lediglich der UKW Dipol ist noch vorhanden, da die Teile geklebt sind stören sie auch nicht weiter. Lose Ecken werden mit Kleber, z.B. UHU wieder sauber befestigt. Das Antennenkabel wird mit Isolierband am Deckel befestigt damit es nicht stört.

Vorarbeiten:

Das Gehäuse hat goldbronzene Linien, die Position merke ich mir mit einer selbst gefertigten Schablone. Auf ein Blatt Papier, an die Seitenteile gehalten, werden die Positionen und Dicken der Linien übertragen. Mit Schieblehre die genauen Maße erfasst.

Altanstrich entfernen:

Jetzt kann das Entfernen der Farbe beginnen. In diesem Fall handelt es sich um ein deckend lackiertes Gehäuse, deshalb ist das Abschmirgeln erlaubt. Bei lasiertem Holz sollte auf jeden Fall mit Beize die Farbe bzw. der Lack entfernt werden um das darunter liegende Holz nicht zu beschädigen. Zum Entfernen der Farbe verwende ich einen Schwingschleifer, einfache Modelle aus dem Baumarkt reichen dazu vollkommen aus. Ich beginne mit 40er Schmirgel und entferne alle Farbschichten. Danach wird leicht mit 80er Schmirgel verfeinert. Das Gehäuse sieht danach so aus:

Zum Vorschein kamen hier auch bereits herstellerseitig eingebrachte Spachtelarbeiten. Es kann sich bei der Lackierung also nur um einen deckenden Anstrich gehandelt haben.

Untergrund vorbereiten:

Jetzt werden vorhandene Kratzer und Dellen im Holz mit Holzspachtel beseitigt. Nach Aushärtung, ca. 6 Stunden warten, werden die bearbeiteten Stellen geschliffen bis man keine Erhöhung mit den Fingern mehr wahrnehmen kann.

Lackierung:

Nun ist es Zeit für die Lackierung. Ich habe mir in einem Fachmarkt eine Farbe im gewünschten Farbton anrühren lassen. Die ich die genaue Farb-Bezeichnung nicht kannte musste das Auge, auch vergleichend mit einer Fotografie entscheiden. Wir haben uns anhand einer Farbkarte auf einen bräunlichen Ton geeinigt. Die Farbe wird nun vorsichtig mit einer Kunststoffrolle aufgetragen. Hierbei muss man sorgfältig darauf achten, dass keine Laufnasen entstehen und keine Tierchen sich auf den noch feuchten Lack setzen. Bei mir bot sich dazu der Keller an. Das Gehäuse sieht bereits jetzt wesentlich besser aus als vorher:

Die zweite Farbschicht wird frühestens am nächsten Tag aufgetragen, sie muss 100%ig getrocknet sein. Dies Schicht muss ebenfalls absolut ausgehärtet werden. Meine Erfahrung hat gezeigt dass evtl. zwei oder mehr Tage gewartet werden muß bevor eine Farbschicht gut durchgetrocknet ist, die Herstellerangaben sind meist nur grobe Richtwerte

Bei anschließendem Vergleichen mit den vorher gemachten Fotos und anderen Geräten aus dieser Zeit stellte sich heraus, dass die Farbe keineswegs dem Anspruch, zumindest einigermaßen "naturgetreu" zu sein, gerecht werden konnte. Es musste also ein anderer Farbton her, ich habe mich für eine Dickschichtlasur "Palisander" entschieden. diese habe ich nun als "dritte" und "vierte" Farbschicht aufgetragen. Das Gehäuse sieht nun bereits ganz manierlich aus:

Dekorationslinien:

Als letzter Schritt der Farb-Restauration werden die Linien mit Goldbronze aufgetragen. Dazu muss zunächst die erste Linie mit Tesafilm abgeklebt werden. Der Zwischenraum wird mit einem kleinen Pinsel ausgemalt. Das Ergebnis kann sich jetzt schon sehen lassen:

Ist die Farbe trocken, nach ca. einem Tag, wird die zweite Linie ebenfalls aufgetragen. Die zwei Schritte sind notwendig, da ich kein entsprechend schmales Klebeband auftreiben konnte.

Endmontage:

Alle abnehmbaren Teile wurden vorher gründlich gereinigt und fehlende bzw. defekte Teile ersetzt.
Das Gerät kann jetzt komplett wieder zusammengebaut werden. Vorher habe ich das Chassis repariert, hier waren Seilzüge gerissen, die Stab der drehbaren Ferrit-Antenne aus der Halterung gebrochen, mehre Kondensatoren defekt, die ECH81, die EM80 sowie die Skalenlampen und die Tastaturbeleuchtung und der Papierhintergrund der Skala defekt.

Nach ca. 25 Stunden Arbeit sieht das Gerät nun weiteren 50 Jahren entgegen:

© 2003-09-12
Hans Kamann

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Franz Gysi
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Gestern habe ich dieses Gehäuse einer Restauration unterzogen:

http://www.f23.parsimony.net/forum45451/messages/59508.htm

Dabei habe ich KEIN Schleifpapier verwendet, das könnte Probleme geben (helle Stellen).

Das Vorgehen war ganz einfach: mit Brennsprit hat sich die alte Lackschicht aufgelöst und liess sich mit Mikrofasertuch entfernen, bis auf die alte Farbschicht hinunter. Dem Geruch nach hat es sich um einen Zelluloselack gehandelt.

Die Farbe habe ich mit Acryl-Künstlerfarben aus der Tube aufgebracht (es braucht relativ wenig Uebung, sich aus geeigneten Tönen die Farben zu mischen: man nehme als Basis z.B. Umbra gebrannt, Siena gebrannt, Elfenbeinschwarz). Diese Farbe lässt sich gut und schön langsam verarbeiten. Mittels Naturschwamm können noch Maserierungseffekte angebracht werden, was aber einige Uebung erfordert.

Die Oberfläche wurde klassisch mittels Schellack poliert und mit Stahlwolle-Zwischenschliffen mattiert.

Den Lautsprecherstoff konnte ich sorgfältig rauslösen und kalt von Hand in Shampoo waschen (ohne zu zerknittern, einfach mittels Frottetuch abtupfen). Ich habe den Stoff mit simplem Papierleim befestigt, damit auch später wieder die Chance besteht, ihn nochmals rauszulösen.

Die Messingteile habe ich mit Sigolin und einer elektrischen Zahnbürste poliert. Die Skalenumrandung hat dabei etwas zuviel an Patina verloren, was ich mit dem Auftrag von obiger Künstlerfarbe etwas egalisierte und nach dem Trocknen nachpolierte.

Ich hab echt Freude!

Franz

P.S.

Es ist ein US-Radio 25AY. Viel Info darüber hab ich noch nicht. Die Bestückung: 47 57 57 58 und 80.

This article was edited 22.Sep.03 19:17 by Franz Gysi .

Hans Kamann
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Das ist wirklich ein tolles Ergebnis. Beeindruckend !

Mich interessiert natürlich sofort, wie diese Naturfarben aufgetragen werden. Grossflächig wie eine Holzbeize ? Nur an den schadhaften Stellen ? Bleibt die Farbe dort durchscheinend ? Welche Werkzeuge ?  Ich bin also sehr an der Arbeitsweise interessiert.

Ich habe nämlich noch mehrere alte Geräte die auf eine Gehäuserestauration warten.

Franz Gysi
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22.Sep.03 15:27

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Danke fürs Kompliment, Hans!

Also, die Farbe (keine Naturfarbe, Acrylfarbe aus der Tube) habe ich deckend auf den Seitenflächen und auf der Oberseite aufgebracht. Mit breitem Pinsel. Anschliessend mit Schellack "poliert".

Da war schon vorher eine deckende Farbschicht drauf, die ich nicht vollständig entfernte, da sie noch gut haftete. Gewisse Unebenheiten sind noch vorhanden, macht aber nichts, da das Gerät ja nicht neu ist.

Die Vorderseite ist einzig und allein mit Schellack überzogen. Ausnahme: die Fräsungen bei der Lautsprecheröffnung, das ist wieder Acrylfarbe.

Die Vorteile dieser Farben sind, dass sie sehr lichtecht sind, pastös, können mit Wasser verdünnt und mit einem feuchten Lappen bei Misserfolg wieder weggewischt. Die Nuten habe ich mit einem feinen Pinsel, ohne abzudecken, mit brauner Farbe gestrichen, die Ueberschüsse mit feuchtem Lappen weggewischt.

Uebrigens: Vorsicht mit wässerigen Ablaugemitteln. Da kann oft (noch Tage später) eine hässliche Grünfärbung des Holzes entstehen!

This article was edited 22.Sep.03 15:31 by Franz Gysi .

Franz Gysi
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22.Sep.03 15:42

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So sieht eine Seitenfläche aus, mit meiner "Maserierung".

Die Maserierung wurde mit Naturschwamm aufgetupft. Regel: helle Farben zuerst (deckend), nach Trocknung immer mit dunkleren Farben. Drei Farben wirken am schönsten.

Das Bild täuscht etwas: das Ganze wirkt in Natura wesentlich dunkler, durch den getönten Schellack Ueberzug.

Mit dieser Technik lässt sich vieles Restaurieren. Aber: Uebung macht den Meister (was ich absolut noch nicht bin...). Man kann auf Karton üben. Manchmal wirken freche Farbunterschiede interessant (z.B. noch ein paar wenige karminrote Tupfer). Unbedingt auch auf den Testmustern mit Schellack zwei drei Lagen abdecken, um das Ergebnis zu prüfen!

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This article was edited 22.Sep.03 16:20 by Franz Gysi .

Franz Gysi
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22.Sep.03 20:13

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Die Technik harrt noch der Prüfung. Aber es schaut innen alles recht gut und unverbastelt aus.

Hier die aktuellsten Bilder:

 

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This article was edited 22.Sep.03 20:15 by Franz Gysi .

Franz Gysi
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16.Oct.03 23:32

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Das oben erwähnte US-Radio wurde von Walter Haring jetzt auch technisch überholt. Zwar nicht in "historischer" Form, d.h. es sind halt neue C's drin.

Aber: es funzt. Und wie!

Ich hatte dieses Gerät am letzten Reithalleflohmarkt zum Verkauf dabei. Da hat ein Interessent angefragt und gesagt, dass er es kaufen würde, wenn es repariert ist.

Darum hat Walter es gleich in betriebsbereiten Zustand versetzt.

Meine Messe Erfahrung sagt mir aber, dass der "Kunde" nie anrufen wird. Ev. werde ich ihn am nächsten Flohmarkt wieder sehen, dann wird es wohl klappen.

In der Zwischenzeit: falls jemand Interesse am Gerät hat, bin ich per Mail gesprächsbereit.

Franz

P.S.

Lieber Forenmaster: ist hier jetzt die Grenze zum Inserat überschritten? Hoffentlich nicht... Ich denke halt, hier lesen mehr Leute mit.

  
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