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Sachsenwerk nach 1945 zwei eigenständige Betriebe

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Wolfgang Eckardt
Wolfgang Eckardt
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17.Nov.09 12:19
 
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Ein kurzer Rückblick:      

Die Geschichte der Firma „Sachsenwerk“ geht  als „Sachsenwerk Licht- und Kraft- Aktiengesellschaft“ bis auf das Jahr 1903 zurück. Ab 1924 entstehen auch Radios unter dem bekannten Markennamen ESWE. 

1934 gab Sachsenwerk diesen Namen auf und brachte seine Rundfunkgeräte als „Olympia-Empfänger“ auf den Markt.
Ab Anfang der 1920er Jahre produzierte Sachsenwerk auch in einem zweiten Werk, in Radeberg, einer kleinen Stadt in der Nähe Dresdens. Es gab also zwei Betriebsstätten: das Werk Niedersedlitz und das Werk Radeberg, die hier auf einer Postkarte zu sehen sind:

Soviel als Rückblick auf die Zeit vor 1945. Dazu siehe  diesen Beitrag im Forum.


 
Nach 1945 starteten beide Werke unabhängig voneinander als Betriebe der „Staatlichen Aktiengesellschaft der Elektrotechnischen Industrie >Kabel<“ (SAG-Betriebe) und stellten bereits ab 1946 in den von den Besatzungsmächten demontierten Werksanlagen mit dem „Restbestand“ wieder Radios nach dem Vorbild der Vorkriegsmodelle her.
 
Es bestanden also ab 1945/46 im Raum Dresden
a) das Sachsenwerk Radeberg
b) das Sachsenwerk Niedersedlitz als relativ eigenständige Betriebe.
 
1. Zur  Entwicklung der beiden Betriebe nach 1945.
 
1.1.  Das Sachsenwerk Radeberg
war bis 1952 ein SAG-Betrieb. Als Radiomodelle sind nur bekannt die beiden Modelle
463W und 482W.
 
Ab Ende 1949 beginnt die Produktion von Fernsehgeräten als Reparationsleistung (Typ "Leningrad"), die dann auch für das Inland fortgesetzt wird. Als Nachfolgegeräte entstehen dann  „Rembrandt“, „Rubens“ .u.a.

1952 erfolgt die Rückgabe des Betriebes an die DDR, heißt VEB Sachsenwerk Radeberg und gehört zum Warenverbund RFT. In dieser Zeit arbeitet man in Radeberg auch an der Entwicklung der neuen UKW-Sendetechnik und so entsteht „nebenbei“ auch 1955 das UKW-Vorsatzgerät „UKV841 Filius“ als Ergänzung für die zahlreichen Radios ohne UKW-Bereich..


1956 erfolgt die Umbenennung in VEB RAFENA Werke Radebergmit der Produktion von Fernsehgeräten, bis 1969 die gesamte TV-Produktion eingestellt wird und das Fernsehgerätewerk Staßfurt der Hauptproduzent von Fernsehern in der DDR ist. Bereits ab 1963 werden aber schon Rechner in Radeberg entwickelt und ab 1968 auch in Serie hergestellt (R300).

Der Radeberger Betrieb wird 1969 dem Kombinat VEB Robotron zugeordnet und wird zunächst Stammsitz des Kombinates. Er heißt nun VEB Robotron-Elektronik Radeberg und stellt nur noch Rechner, Groß-Rechenanlagen und Richtfunkanlagen her.  


 

 
1.2.  Das Sachsenwerk Niedersedlitz

war ebenfalls bis 1952 ein SAG-Betrieb. Unabhängig von Radeberg werden auch in Niedersedlitz Rundfunkempfänger entwickelt und produziert mit den vorhandenen Resten. Offensichtlich hat die vor 1945 erfolgte gemeinsame Produktion der Werke in Niedersedlitz und Radeberg dazu geführt, dass die gleiche Systematik der Modellbezeichnung erfolgte und so heute zu Irritationen bei der Feststellung des Herstellers führt. Aber ab 1948 wird wieder der Modellname „Olympia“ verwendet, den die Modelle bereits seit 1934 trugen.

 

Ebenfalls 1952 erfolgt die Rückgabe des Betriebes an die DDR und heißt nun
VEB Elektromaschinenwerk Sachsenwerk, Dresden-Niedersedlitz (VEM).

 

 So ist es auch möglich, auf Prospekten und Bedienungsanleitungen unterschiedliche Firmenlogos zu finden:


Bis 1960 laufen noch Radios vom Band, dann entstehen nur noch Elektromaschinen in Niedersedlitz. 1990 bleibt nach dem Mauerfall noch eine kleine „VEM Sachsenwerk GmbH“ übrig.
 
 
2. Modelle aus Radeberg und Niedersedlitz nach 1945.
 
2.1. Sachsenwerk Radeberg
 
Bereits 1946 entstanden die ersten Rundfunkgeräte 463W, wobei die 46 für das Jahr steht, die 3 ist eine Typenunterscheidung. (Gab es auch 461 und 462?)
Im RM sind nun vier dieser Modelle gelistet. Drei stimmen vom Aussehen her überein und tragen auf ihrer Skala den Schriftzug „Sachsenwerk Radeberg“:
        ID= 6414 (Walz)         ID= 17487 (Neubert)      ID=17488 (v. Bechen)

Das ist doch der eindeutige Beweis, dass sie auch dort hergestellt worden sind und nicht in Niedersedlitz. Da von keinem der Geräte eine Rückwand vorliegt, lassen sich keine weiteren Unterschiede feststellen. Auch ist anzuzweifeln, dass der Markenname „Olympia“ von Radeberg benutzt wurde. Den tragen später nur die Modelle aus Niedersedlitz wieder.
 
Ich bin deshalb folgender Meinung:
Olympia 463W“ (ID=17487) und „Radeberg 463W“ (ID=6414) sind identisch, also ID=17487 ist eine Dublette!
Das dritte Modell „463W“ (ID=17488) besitzt eine andere Röhrenbestückung und kann als Variante des 463W gelten, aber ebenfalls in Radeberg hergestellt.
(Wurde alles inzwischen korrigiert. 12.09/W.E.)
 
Eines der gelisteten 463W (ID=17468) bildet eine Ausnahme, denn es soll in einem Blechgehäuse als Autoradio gebaut worden sein. Weitere Angaben sind nicht bekannt, nur die, dass es in Radeberg gebaut worden sein soll. Betrachtet man aber die Ausführungen von Herrn Angermann, Dresden, in der Funkgeschichte Nr. 104/1995 [1], so ist davon auszugehen, dass dieser Autosuper mit der gleichen Bezeichnung „463W“ in Niedersedlitz entstand, denn alle anderen 463W sind ja keine Super. (Warum aber erhält ein Autosuper den Zusatz „W“ ??)
 
Weiter mit Radeberg.
Das nächste aus Radeberg gelistete Modell ist ein „482W“, also 1948 gebaut als 2. Modell. Hier beginnt nun eine Problematik, die zu Verwechslungen führte. Es schien bisher so, dass dieses Modell aus Niedersedlitz kam. Dank der Aufmerksamkeit von Herrn Klaus Bayer können wir nun nachweisen, dass es sowohl ein Modell 482W aus Radeberg gibt (ID=6419), dem das 1939er Modell Olympia 392 äußerlich und mechanisch als Vorbild diente, als auch ein Modell 482W aus Niedersedlitz (ID=17492) mit dem Olympia 421 von 1941/42 als Vorbild. (siehe auch 2.2.) 
Allerdings sind auch Hinweise zu zwei getrennten DDR-Betrieben bei Hein und Pötschke zu finden [2] S. 167 und 40.
 
An Rückwänden lässt sich ebenfalls nachweisen, dass Sachsenwerk Radeberg als eigenständiger Betrieb Modelle baute, ohne "Olympia", wie diese beiden Bilder als Ausschnitte der Rückwände zeigen:

Nach 1956 ist bisher keine weitere Radio-Produktion nachweisbar. Erst als Betrieb des Robotron-Kombinates entstehen nach 1973 noch einmal kurzfristig einige einfache Radiomodelle.
 
 
2.2. Sachsenwerk Niedersedlitz
 
Der erste Empfänger ist der 465W (ID=17489), ein Einkreiser, dem bald im gleichen Jahr in kleinster Stückzahl ein Kleinsuper 463W (A?) folgte. Dieser wurde auch auf Wunsch im Blechgehäuse als Autosuper gefertigt [1].
1947 folgten dann der 475W (ID=17491) als Einkreiser und der 473W (ID=17490) als Superhet.
Mit dem 482W (ID=17492) aus Niedersedlitz beginnt man, die alte Tradition des Markennamens „Olympia“ wieder zu beleben, wobei zuerst das Modell 421 (ID=6411) von 1941/42 als Vorbild dient. Von nun an erhalten alle Empfänger aus dem Sachsenwerk Niedersedlitz den Zusatz „Olympia“.
Da man aber zur gleichen Zeit in Radeberg ebenfalls einen 482W baute (ID=6419), kommt es natürlich zu Irritationen und falschen Zuordnungen des Herstellers.
(siehe 2.1.)
Ein Blick auf die Gehäuseformen lässt aber eindeutig den Unterschied erkennen.

Beide Geräte haben Modelle von vor 1945 zum Vorbild:
                          links das Modell 421,      rechts das Modell 392W.
In [1] wird allerdings behauptet, der 482W aus Niedersedlitz habe das Modell 402W zum Vorbild, doch das muss wohl ein Irrtum oder auch nur ein Schreibfehler sein. Auch ist der dort genannte Verkaufspreis von 1500,- Mark (Ost) anzuzweifeln, auch wenn das Gerät vielleicht das erste in der Sowjetischen Besatzungszone war (DDR erst ab Okt. 1949), das im freien Handel angeboten wurde (HO-Geschäfte, HO=Handelsorganisation, staatl.).
 
Da nach 1948 nur noch Niedersedlitz Empfänger entwickelt und baut, diese im RM auch dokumentiert sind, möchte ich hier die Modellauflistung beenden. Aus Radeberg kommen nur noch Fernsehgeräte sowie einige Prüf- und Messgeräte und 1955 der UKW-Vorsatz „Filius“.
 
3. Schlussfolgerungen aus den Gegenüberstellungen.
 
Bisher wurde im RM die Betriebsgeschichte nach 1945 der beiden Werke in Radeberg und Niedersedlitz zusammen als ein Betrieb betrachtet, Radeberg evtl. als Zweigbetrieb von Niedersedlitz. Das ist meiner Meinung nach nicht mehr haltbar und entspricht auch nicht den Tatsachen.
 
Ich schlage vor, den Betrieb "VEB Elektromaschinenenbau Sachsenwerk Niedersedlitz" so wie bisher im RM zu belassen (Suchwort <sachsenwe2>) und den "VEB Sachsenwerk Radeberg" neu anzulegen (Suchwort <sachsenwe3>). Dazu müssten anschließend nur bei den Radiomodellen, dem „Filius“ , einigen Messgeräten und Fernsehgeräten der Hersteller  verändert werden.
 
Als Alternative wäre auch Folgendes denkbar:
Da Sachsenwerk Radeberg der Vorgänger von Rafena ist, könnte man die Betriebsgeschichte von Rafena etwas verändern und die Modelle aus dem Sachsenwerk Radeberg mit dort unterbringen. Diese Verfahrenweise ist im RM bei einigen Betrieben zu finden, um die Gesamtzahl der Betriebe, die nur den Namen aber nicht Ort und Gebäude verändert haben, gering zu halten. (Beispiel:  Elektro-Akustik Hartmannsdorf = Goldpfeil Rundfunkgerätewerk Hartmannsdorf.)
Ich halte diese Zusammenfassung aber für nicht gut und in den meisten Fällen wurden die Betriebe im RM auch getrennt aufgeführt. (Beispiele: 1.  EAK / Stern-Radio Sonneberg. - 2.  Phonetika / Stern-Radio Berlin).
Ein „Nichtkenner“ der Zusammenhänge sieht auf der Rückwand „Sachsenwerk Radeberg“ und käme erst über Umwege (alias) zu „Rafena".
 
Also mein Vorschlag: Sachsenwerk Radeberg als neue Firma.
(Wurde alles inzwischen realisiert. 12.09/W.E.)
 
Über Meinungen und Ergänzungen, vielleicht auch Korrekturen dazu, würde ich mich natürlich freuen.

Wolfgang Eckardt
 

 

 [1] Kurt Angermann, Dresden, in  Funkgeschichte Nr. 104 (1995) 
 
[2]  Hein/Pötschke "Die Geschichte der Rundfunkindustrie der DDR" B.1

(Edit: Bilder , Literaturangaben und Links)

 

 

 

 

 

This article was edited 04.Dec.09 09:57 by Wolfgang Eckardt .

Michael Seiffert
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18.Nov.09 11:28

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Mein Vorschlag: Firma nach gemachter Vorgabe neu anlegen und in der Firmengeschichte von Rafena entsprechenenden Passus dahingehend ändern.

Wolfgang Eckardt
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03.Dec.09 22:50

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Als Ergebnis der Recherchen wurde die Firma

Sachsenwerk Radeberg (VEB) neu angelegt.

Bei einer Modellsuche zu dem Hersteller Sachsenwerk ergeben sich somit drei Hersteller, wenn man als Suchwort "sachsenwerk" eingibt. Dabei sollte in dem Feld

΢Herstellerliste überspringen, wenn möglich

das Häkchen entfernt werden. Dann erhält man bei der Suche drei Hersteller:


sachsenwe2 = Sachsenwerk Niedersedlitz (VEB) - also nach 1945 

sachsenwer = Sachsenwerk (bis 1945) - also der Ursprungsbetrieb

sachsenwe3 = Sachsenwerk Radeberg (VEB) - also nach 1945

(Gibt man als Suchwort nur - sachsen - ein, werden es fünf Hersteller.)

Wolfgang Eckardt

 

This article was edited 03.Dec.09 23:00 by Wolfgang Eckardt .

  
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