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stassfurt: 5 (5 W); Imperial: 'Kondensator-Kur'

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Dietmar Rudolph † 6.1.22
Dietmar Rudolph † 6.1.22
 
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15.Jun.14 21:36
 
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Wie praktisch jedes über 80 Jahre alte Radio hatte auch der Imperial5W mit der Nummer 02804 (mit einer Ausnahme) keine intakten Kondensatoren mehr. Die Netzelkos waren ausgetrocknet und die Papier-Wickel leck.

Da die Absicht bestand, das Gerät wieder spielfähig zu machen, wurden alle defekten Kondensatoren ersetzt, wobei Becher neu befüllt wurden.

Als das Gerät wieder "spielte" war seine Empfindlichkeit völlig unzureichend. Eine Messung der ZF-Kurven zeigte jedoch eine brauchbare Selektionskurve.

Die einzige Abgleichmöglichkeit beim Imperial 5W sind die oben auf dem Drehko angebrachten Quetscher, während keiner der Filtertöpfe (HF, Oszillator, ZF) eine Abgleichmöglichkeit hat.

Die Eingangskreise (Bandfilter & Einzelkreis) ließen sich gut abgleichen und ergaben eine (unterkritisch gekoppelte) Durchlaßkurve im MW Bereich 530kHz - 1450kHz, was der damals vorgesehene Bereich war.

Aber der Oszillator lag nicht um die ZF-Frequenz von 124kHz jeweils oberhalb, sondern er war teilweise nur 107kHz oberhalb. Das machte sich besonders im Bereich unterhalb ca. 1MHz bemerkbar. Weiter oben konnte so abgegelichen werden, daß die Oszillatorfrequenz passend lag.

Wenn aber bei tiefen Empfangs-Frequenzen die Oszillator-Frequenz zu niedrig liegt, ist die (resultierende) Kapazität im Oszillator-Schwingkreis zu groß. Diese setzt sich zusammen aus der Kapazität des Drehkos (4. Paket) und der Serienschaltung des Padding-Kondensators. (Der Quetscher hat bei niedrigen Frequenzen kaum Einfluß.) Da der Drehko ein Luft-Dielektrikum hat und seine 3 anderen Pakete völlig in Ordnung waren, mußte der Fehler beim Padding-Kondensator liegen. Das bedeutet eine "Kondensator-Kur" der besonderen Art.

Das hieß aber: Oszillator-Topf ausbauen. Dazu waren 8 Verbindungen (A bis H) abzulöten, ehe der Topf herausgenommen werden konnte. (Der weiße Kreis markiert den Ort des Filterbechers, der oberhalb des Chassis sitzt.)

Nachdem die Bördelung am unteren Rand des Bechers aufgebogen war, ließ sich sein Inhalt herausnehmen.

Man sieht in der Mitte einen Bakelit-Zylinder, auf den die (im Schaltbild gut erkennbaren) 6 Spulen (Luft-Spulen, kein Ferrit o.ä.) aufgewickelt sind. Aber wo sind die Padding-Kondensatoren?

Eine genauere Inspektion ergibt, daß die seitlich befindlichen langen und dünnen "Spulen" auf Messing-Röhrchen aufgewickelt sind und nur einen einseitigen Anschluß haben. Das Messing-Röhrchen ist seinerseits auch angeschlossen. Also stellt diese Konstruktion einen Kondensator dar, dessen einer Belag das Messing-Röhrchen ist und der andere Belag durch die aufgewickelte "Spule" dargestellt wird. Eine Kontrolle der Anschlußbelegung bestätigt das.

Mit dem "KARU" läßt sich der Wert dieser Kapazitäten ermitteln:

  • Padding für MW: 2900pF (der lange links im Bild)
  • Zusatz-Padding für LW: 1200pF (der kürzere rechts)

Das KARU kann zwar keine Güte messen, aber wenn man die Verstärkung ganz aufdrehen muß um überhaupt einen Zeigerausschlag zu erhalten, heißt das schon, daß die Güte eines solchen Kondensators sehr schlecht ist. Das traf für beide Paddings zu. Verlustreche Kondensatoren ergeben meßtechnisch praktisch immer zu große Kapazitätswerte.

Die Berechnung (in Kombination mit Messungen) ergab folgende Werte:

  • Padding für MW: 1,81nF
  • Zusatz-Padding für LW: 1,182nF

Der MW Padding-Kondensator liegt also total daneben und wurde durch einen Styroflex-Kondensator (1,8nF) ersetzt. Der LW Zusatz-Padding wurde belassen, weil die 177kHz hier gut empfangbar sind.

Mit dieser Änderung ist nun wieder im gesamten MW Bereich guter Empfang möglich. Und im LW Bereich ist auch Donebach auf 153kHz empfangbar.

Die Endstufe ist auf die RENS1374d umgebaut. Die aktuelle Schaltung des Imperial5W mit der Nummer 02804 zeigt die Graphik. Die eingetragenen Nummern für die Anschlüsse des Oszillator-Bechers korrespondieren mit denen im Bild oben.

Wenn die Skala nicht (nachträglich) ersetzt wurde, stammt dieses Gerät vom Frühjahr 1934.

MfG DR

This article was edited 16.Jun.14 09:24 by Dietmar Rudolph † 6.1.22 .

Dietmar Rudolph † 6.1.22
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17.Jun.14 12:13

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Mit Hilfe eines Sprktumanalyzers konnte (im Bereich 500kHz bis 1600kHz) der Frequenzunterschied zwischen der Durchlaßkurve der HF Eingangskreise und der Frequenz des Oszillators bestimmt werden. Es zeigte sich, daß der Soll-Abstand von 124kHz, welcher der ZF-Frequenz entspricht, bei den niedrigeren Frequenzen nicht eingehalten werden konnte; hier war die Differenz zu groß. Bei den hohen Frequenzen war mittels der Quetscher ein Gleichlauf einstellbar.

Das war aber unbefriedigend. Beachtet man, daß die Eingangskreise bei den niedrigen Frequenzen eine schmalere Resonanzkurve als bei den höheren Empfangsfrequenzen ergeben (Verhältnis < 1:3), so folgt daraus, daß bei den niedrigen Empfangsfrequenzen die 124kHz Differenzfrequenz möglichst sehr genau einzuhalten ist. Bei den hohen Empfangsfrequenzen ist das unkritischer, weil die Resonanzkurve der Eingangskreise hier breiter ist, so daß dort immer noch die Gleichlaufbedingung erfüllbar ist. 

Prinzipiell sieht die Fehlerkurve dann so aus, wie sie in "Tucek / Irmler: Überlagerungsempfänger, Gleichlauf, Abgleich, Reparatur, VT, 1961" dargestellt ist.

Um den richtigen Wert des Paddingkondensators zu finden, wurde beim eingebauten Oszillatorkreis bei abgenommenem Schirmbecher ein (keramischer) Zusatzkondensator eingelötet. Für die Messung mußte aber der Schirmbecher wieder übergestülpt werden, weil dieser die Induktivität der Oszillatorspule erniedrigt*) und es ohne Schirmbecher zu einer Fehlmessung käme.

Als notwendiger Zusatz-Wert für exakten Gleichlauf ergab sich 270pF.

*) Schirmbecher aus Kupfer oder Aluminium führen zu einer Erniedrigung der Induktivität ohne unzulässig hohe Bedämpfung. Ein Schirmbecher aus schlechter leitendem Material, wie z.B. Eisen, ergäbe eine hier unerwünschte Bedämpfung und damit eine schlechte Güte des Oszillator-Kreises. 

MfG DR

This article was edited 17.Jun.14 15:12 by Dietmar Rudolph † 6.1.22 .

  
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