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tefi: Tefifon Anodenspannung zu niedrig

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Stefan Hammermayer
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29.Dec.19 10:58
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Guten Morgen,

im November konnte ich in Holland ein grosses Tefifon (Chassis T 5521) kaufen und habe damit ein Anodenspannungsproblem und mir fällt keine Fehlermöglichkeit mehr ein.

Erneuert: ALLE Teerkondensatoren, EL 84, AZ 11, EM 80. Ergebnis: Spielt irgendwie, aber Klang nur leise, verzerrt, spitz und dünn, auf UKW nur ein Sender breit auseinandergespreizt auf den gesamten Skalenbereich und immer hörbar, andere Sender nur andeutungsweise im Hintergrund wahrnehmbar, sonst nichts. Also erstmal Spannungen messen:

Am Netzteil-Doppelelko vor/nach der Drossel nur 240/220 Volt, an der Anode EL 84 sind es dann nur noch 208 Volt, viel zu wenig.

Der Netzteildoppelelko 50 plus 50 µF ist einwandfrei, kein Isolationsfehler, hat volle Kapazität. Aus dem Netztrafo kommen zur AZ 11 hin 490 Volt ~ bei kaltem Radio heraus, sobald die Röhren heizen und Strom wegziehen geht es herunter auf 472 Volt ~, also das sollte doch eigentlich genügen. Radio ist auf 220 Volt Netzspannung eingestellt. Die EL 84 braucht nach Handbuch min. 250 Volt und kriegt nur 208 Volt, alle anderen Röhren kriegen dementsprechend auch zu wenig, kein Wunder, dass es nicht ordentlich funktioniert.

Es ist ist mir ein völliges Rätsel, wo die Anodenspannung verlorengeht und was sie auf 208 Volt herunterzieht. Mir gehen die Ideen aus, wo ich noch einen Fehler suchen könnte. Der Gedanke, nach einem noch unentdeckten kaputten Bauteil zu suchen, das Energie in Wärme verbrät, hatte kein Ergebnis. Fällt jemandem etwas dazu ein?

 

Viele Grüsse

Stefan

Andreas Steinmetz
 
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29.Dec.19 17:34
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Ich kenne die Tefi-Geräte zwar nicht genauer, aber ein kurzer Blick in den Schaltplan zeigt, dass es sich wohl mehr oder weniger um eine Standardschaltung handelt. Also sollte der Fehler auch zu finden sein.

Als Ursache für eine zu niedrige Anodenspannung kommen in erster Linie ein zu hoher Innenwiderstand des Netzteils oder eine zu große Strombelastung in Frage. Nachdem Ersteres nach bisherigem Kenntnisstand ausgeschlossen werden kann, kann ich nur den allgemeinen Tipp geben, die fließenden Ströme zu messen. Vor allem die großen Verbraucher wie z.B. die Endstufe können einen großen Einfluss haben.

This article was edited 29.Dec.19 17:34 by Andreas Steinmetz .

Stefan Hammermayer
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05.Jan.20 10:59

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Guten Morgen,

 

hatte heute früh ein wenig Zeit, mal wieder zu versuchen, mit dem Tefifon weiterzukommen. Leider erfolglos.

Aus dem Netzteil kommt genug Saft, die AZ 11 ist neu und hat volle Leistung, Ebenfalls kein Fehler an der Röhrenfassung. Netzteil inklusive Siebelkos und Drossel ist also völlig in Ordnung. Abtrennen einzelner Stufen von der Spannungsversorgung brachte auch keine Auffälligkeiten. Alle Vorstufen brauchen nicht mehr als das Übliche.

Wenn ich die Endstufe aus der Versorgung herausnehme, steigt die Anodenspannung auf 297 Volt, das entspricht dem Normalzustand *mit Endstufe* in den ersten Sekunden direkt nach dem Einschalten, da die AZ 11 direkt geheizt sofort arbeitet, die EL 84 aber erst anheizen muss. Sobald die EL 84 betriebsfähig wird, geht die Spannung herunter bis auf 208 Volt.

Leider konnte ich bisher weder in der Endstufe noch im Ausgangsübertrager noch sonstwo im Umfeld der Endstufe irgendeinen Fehler finden.

Jetzt werde ich die Sache erstmal zurückstellen und erst dann weitermachen, wenn ich Abstand habe und auch im Kopf beim Nachdenken "reset" machen konnte. Ohne frische Gedanken komme ich hier nicht mehr weiter vorwärts.

 

mfG Stefan

Eilert Menke
 
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05.Jan.20 16:30

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Anhand Ihrer Beschreibung im letzten Post vermute ich einen schadhaften Koppelkondensator an G1 der EL84. Prüfen Sie daher bitte C182. Am besten die Endröhre ziehen und dann bei eingeschaltetem Gerät mit hochohmigem Voltmeter am Pin 2 der Endröhrenfassung gegen Masse messen. Sollte dort eine Spannung größer Null Volt anliegen ist der Kondensator auszutauschen.

This article was edited 05.Jan.20 19:08 by Eilert Menke .

Stefan Hammermayer
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06.Jan.20 00:39

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Sorry, wie schon ganz zu Beginn geschrieben:

ALLE Teerkondensatoren, auch dieser Koppelkondensator sind nagelneu und nachdem ich auch bei neuen Teilen schon einmal tote Leichen dabeihatte, löte ich nichts mehr ohne vorherige Prüfung ein. Geprüft, ok, erst danach eingelötet, keine positive Spannung am G 1 vorhanden daran liegts leider nicht.

Momentan mach ich erstmal nichts mehr dran und erst, wenn ich im Kopf ein reset habe und wieder frei bin für neue abseitige Fehlermöglichkeits- Gedanken, werde ich weitermachen.

Stefan Hammermayer
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28.Jan.20 23:51
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Guten Abend allerseits,

nach wochenlangen Frusterlebnissen *Fehler, komm raus, Du bist umzingelt* und es war weiterhin kein Fehler zu finden hab ich einen Freund aus der Kindheit besucht, er wurde nach der gemeinsamen Sandkastenzeit dann später Elektroniker, ich Orchestermusiker. Sein Wissen und seine Messgerätesammlung ist beachtlich und er kann damit umgehen und kann noch dazu komplizierte Berechnungen mit Kopfrechnen machen, die ich nicht einmal mit Papier und Bleistift machen könnte.

Kurzum: Am Ende kam eine Umwegreparatur dabei heraus und das Tefoifon tönt wieder. Eine tote AZ11 aus der Schrottkiste entsockeln und in den Sockel zwei Halbleiterdioden einlöten mit je 100 Ohm Schutzwiderstand davor. Und siehe da, schon raffte sich die Anodenspannung von vorher 206 auf 239 Volt auf und der UKW-Tuner tat, was er sollte und die Endstufe machte nebengeräuschfrei Musik.

Sicherheitshalber alles abgeprüft im Sinne von: Von allen Röhren die Stromaufnahmewerte gemäss Röhrendatenbuch aufaddieren und das Ergebnis vergleichen mit dem, was das Radio tatsächlich braucht. Die Rechnung ging auf. Vorher mit der Original-AZ11 waren Spannungen und alle Ströme viel zu niedrig, der UKW-Tuner ging nicht und die NF-Endstufe hatte weder Klang noch Lautstärke zu bieten.

Er, der Profi, meinte dann beim Feierabendbier: "Schon seltsam. So ein Riesenbollen von Netztrafo und einwandfrei noch dazu und es kommt nix raus, was soll denn das? Dass Radiokonstrukteure sozusagen Schonschaltungen gebaut haben, die unter der normalen Betriebsspannung bleiben, damit die Röhren geschont werden und länger halten, hab ich schon ab und zu mal gesehen, aber Anodenspannung 50 Volt unter Sollwert  gemäss Röhrendatenblatt ist schon heftig. Hab ich ja noch nie gesehen. Vielleicht stehen deswegen im Schaltplan keine Soll-Spannungen drin wie sonst allgemein üblich, weil sonst der KOnstruktions-Murks dokumentiert worden wäre?"

Endresultat: Mit Halbleiterdioden statt AZ11 kommen die Betriebsspannungen in Bereiche, wo sie sein sollen und dasRadio funktioniert, wie es soll.

Aber irgendwie komme ich nicht aus dem Gedankenkreisel heraus, was das konstruktiv sein soll. Ich werde bestimmt auch kein zweites typgleiches Tefifonradio kaufen um zu prüfen, ob an dem dasselbe Problem auftritt mit der Erkentniss "Fehlkonstruktion, Serienfehler" oder ob ich da einen Ausreisser *Montagagsradio statt Montagsauto* erwischt habe.

Fazit: Das war echt der absolut dämlichste Fehler, den ich in 40 Jahren radiobasteln jemals hatte. Nämlich ein Konstruktionsfehler statt kaputter Bauteile.

Mit sowas hätte ich echt nie gerechnet...

 

 

Ralph Oppelt
Ralph Oppelt
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02.Feb.20 18:32
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Hallo Stefan,

hast Du mal die Heizspannung der AZ11 kontrolliert? Wenn die - aus welchen Gründen auch immer - zu niedrig ist, nützt auch eine nagelneue AZ11 nix, weil einfach zu wenig Emission da ist und die Röhre zu hochohmig wird. Ich kann das auch nicht so leicht glauben, dass das ein Konstruktionsfehler sein soll. Und dieses Fehlerbild würde dazu passen, dass es mit den Si-Dioden klappt. Will damit nur sagen: Ich habe schon Reparaturfälle gehabt, wo man sich einfach nicht vorstelen kann, was da abgeht. Auch oft wochenlange Bedenkzeiten für "reset". Und plötzlich fand sich eine Lösung, die im Nachhinein alles erklärt. D.h. auch das Ohmsche Gesettz stimmt dann wieder...

Drei Beispiele:

MW geht nicht, weil das Lautstärkepoti defekt war (ich habe es einfach überbrückt). KW geht aber. Was soll das denn sein? Es gibt eine erklärbare Fehlerursache und ich habe sie dann auch gefunden!

Oder: Ein D-Röhrenradio (DF90-er Serie) geht nach dem Einschalten ganz gut, mit der Zeit beginnt es zu verzerren. NF-Teil ist aber alles ok. Fehler ist reproduzierbar und nicht thermischer Natur (diese Röhren werden eh nicht heiß). Wenn ich mit Ge-Diode an der letzten ZF-Anode provisorisch demodulierte, ging alles verzerrugsfrei. Letztlich war die Ursache eine HF-Litze, die am Kappenkern des Demodulatorkreises hingeklebt war. Leider hatte die Litze gerade an der Klebestelle einen kaum sichtbaren Isolationsfehler und zudem war der Ferrit-Kappenkern (was eher selten ist) leicht leitfähig. Er streifte auch am ALU-Schirmbecher an, der Arbeitspunkt für die Demodulation hat sich dann dahin verschoben, dass nur noch ein stark verkratzter Klang aus der DA(F)96 kam.

Ein altes AM-Radio hatte im NF-Endstufen-Teil immer so ein leichtes Knacken. Hier habe ich natürlich alles getauscht, was es zu tauschen gab: Die NF-Röhre, alle Cs, alle Rs, Heizspannung und Anodenspannung extern eingespeist, neuen Lautsprecher angeschlossen - das Knacken blieb. Und was war es letztlich? Das, womit man einfach nie rechnet: Der Ausgangsübertrager hatte einen CuL-Draht, wo im Laufe der Jahrzehnte der Lack spröde wird, so dass ich auf der Anodenseite kleine sporadische Windugsschlüsse ergaben. Durch das Vibrieren des Lautsprechers (der Trafo war daran montiert) gab es hinreichend solcher Wackelkontakte im Trafo. Neuer Ausgangstrafo und das Knacken war weg.

Dennoch hatte ich auch schon Effekte erlebt, die ewige Rätsel beliben. Ich tröste mich dann damit, dass man ja nicht alles verstehen muss.

Gruß Ralph

This article was edited 02.Feb.20 18:38 by Ralph Oppelt .

Stefan Hammermayer
Stefan Hammermayer
 
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02.Feb.20 20:15
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Guten Abend Ralph,

zuerst: Freut mich, dass sich mit Jahrzehnten Verspätung der Kreis schliesst und sich aufgrund der Freundschaft der Eltern *wie, Dein Sohn spinnt auch mit alten Radios herum?* .

Was das Tefifon angeht: Leider wird die AZ 11 ausreichend versorgt und auch an vergammelten Röhrenfassungskontakten liegt es nicht, also kurzum: Der Fehler ist nach wie vor nicht zu finden aber mit der Umweglösung Siliziumdioden in AZ11-Fassung bin ich vorerst zufrieden, die Kiste spielt gut und den noch kaputten Tefifon-Einsatz oben drin werde ich wohl auch wieder hinkriegen.

An Tefifons mangelt es mir gar nicht. Aktuell zwei. Aber: Ein Freund aus Holland hat einen Kumpel, der nicht nur das grosse 540er Tefifonradio loswerden will, sondern auch noch den dazu gehörigen Unterschrank. Auf den bin ich scharf. Falls das klappt hätte ich eine dritte Riesenkiste am Hals. Drei davon ist zuviel. Aber der originale Unterschrank, sorry, ich komme nicht daran vorbei. Bin da gerade schwer am Verhandeln und dann hab ich am Ende drei von diesen Riesenkisten. In dem Fall könnte ich mir vorstellen, das Problemtefifon aus diesem Beitrag hier einfach eines Tages bei Dir vor der Haustür abzustellen und möglichst unentdeckt das Weite zu suchen *grins*...meine und Deine Mutter werden indiskret genug sein, mir eine Adresse zu petzen...

Ein absolutes Sorgenkind meiner Mutter ist ein Blaupunkt 11W79.

Also kurz erklärt: Dass meine Mutter nur "stief" statt leiblich ist, weisst Du wohl.

Meine Mama war 1970 an Krebs verstorben und Papa hatte sich in Rumänien neu verliebt damals.

Der Vater meiner Stiefmutter war Flugzeugpilot und hatte bei einem internationalen Pilotenwettbewerb in 1938 gewonnen. Der Preis war u. a. ein Blaupunkt 11W79. Dieser Radio ist inzwischen im Besitz des Bruders meiner Mutter und leider hatte er irgendwann in grauer Vorzeit dumme "Lichtantenne"-Experimente gemacht und dabei gingen die Antennen-Eingangsspulen in Rauch auf. Seitdem ist der Radio nur noch stummer Staubfänger, aber meine Mutter träumt davon, dieses Radio nochmal funktionierend erleben zu dürfen, weil da so viele Kindheitserinnerungen dranhängen..

Das sage ich nur, damit Du weisst, was Dir arbeitstechnisch blühen könnte, wenn meine Mutter in Ihren Gedanken zusammenfügt, dass Du auch was von alten Radios verstehst.

Wo das Radio steht, beim Bruder in Frankfurt/M oder in der vom Staat Rumänien enteigneten und inzwischen zurückerkämpften Familienvilla in Bukarest, ich weiss es nicht.

Schau mer mal, dann sehen wirs schon, sagt man hier in Oberbayern, wo ich seit 32 Jahren lebe.

 

Viele Grüsse

Stefan

Steffen Thies
 
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03.Feb.20 20:53
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Einen Verdacht habe ich noch: Könnte es sich um einen Windungsschluß auf der Sekundärseite handeln? Falls nur ein kleiner Teil der Wicklung betroffen ist, ist die Auswirkung zunächst nicht alarmierend, nimmt aber bei Belastung möglicherweise zu.

Beobachtet habe ich das an einem alten Röhrenprüfgerät. Dort war eine Hilfswicklung betroffen, die ein Meßinstrument speiste. Die Ausgangsspannung war natürlich zu klein, aber auch nicht mehr proportional zur Primärspannung. Je höher diese war, desto geringer war der zugehörige Anstieg der Sekundärspannung, d. h. die Verluste nahmen zu. Ist aber zugegeben nicht dieselbe Situation.

Indizien: 
a) Die Leistungsaufnahme im Leerlauf ist zu hoch
b) Beide Wicklungshälften für die Anode sind nicht gleich und gehen unterschiedlich in die Knie, wenn die Belastung einsetzt.

Grüße,

Steffen Thies
 

  
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