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Trichterlautsprecher, Pruefung, Reparatur

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Hans-Georg Schirmer
Hans-Georg Schirmer
 
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02.May.11 11:50

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Hallo allerseits,

ich habe einen Trichterlautsprecher erworben, Fabrikat Sterling, London, Ohne Typenangabe, Baujahr unbekannt. Um ihn zu testen, habe ich einen "umgedrehten" Roehren-Ausgangsuebertrager niederohmig an einen 8 Ohm Lautsprecherausgang, die hochohmige Wicklung an eben diesen Lautsprecher angeschlossen. Grundsaetzlich funktionierte der Lautsprecher auf Anhieb, im Vergleich zu einem direkt angeschlossenen, modernen 8 Ohm - Lautsprecher jedoch sehr leise (ich kann diese Aussage leider nicht quantisieren). Mit der Raendelschraube an der Seite des Sockels laesst sich einstellen: Lauter, aber verzerrt bzw. unverzerrt, aber noch leiser. 

Als Gruende fuer die geringe Lautstaerke koennte ich mir vorstellen:

Das dem dynamischen Lautsprecher grundsaetzlich im Wirkungsgrad unterlegene magnetische Wandlersystem, den gealterten Magneten und eine Fehlanpassung durch den von mir willkuerlich ausgesuchten Uebertrager.

Meine Fragen:

1. Waere eine Lautstaerkevergroesserung im realen Betrieb zu erwarten, bei dem das Wandlersystem des Trichterlautsprechers vom Anodengleichstrom (quasi als Vormagnetisierung) durchflossen wird?

2. Gibt es bei diesen, ueber 80 Jahre alten Lautsprechern bestimmte mechanische Maengel, deretwegen es sich lohnen wuerde, das System zu zerlegen und zu reparieren / neu zu justieren, oder richtet man als feinmechanischer Laie eher noch groesseren Schaden an?

Dankbar fuer eine Antwort

Hans-Georg Schirmer

 

  

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Konrad Birkner † 12.08.2014
Konrad Birkner † 12.08.2014
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02.May.11 14:58

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Gratuliere!

Ich bin ziemlich sicher, dass es sich um den Audivox 1284 handelt.

Es gab ihn in 120 Ohm und in 2000 Ohm.

Fast alle zu leisen Trichter leiden an der selben Krankheit: Magnet zu schwach geworden. Damals gab es noch kein AlNiCo oder ähnliche Materialien mit lang anhaltender Koerzitivkraft.

Anodengleichstrom trägt zum Magnetfeld bei, je nach Stromrichtung unterstützend oder schwächend. Die Wirkung ist aber nicht bedeutend, aber immerhin im Regelbereich des Luftspaltes am System. Hauptsächlich deshalb wurde überhaupt eine Verstellmöglichkeit vorgesehen.

Bitte nicht überlasten! Die damaligen Endröhren schafften kaum mehr als 20 mA. Meist wurde sogar nur um die 10 mA gearbeitet. (gilt für 2000 Ohm).
Die Ausgangsleistung selbst von kleinen Empfängern mit modernen Endröhren (z.B.EL84; aber auch die EL95 liefert schon 3 W) kann u.U. tödlich sein für das System!

Die Einstellschraube wird im Betrieb so weit gedreht bis die Lautstärke plötzlich abbricht und nur noch leises gequetschtes Gequäke kommt. Dann zurückdrehen um das Maximum einzustellen.

Es kann auch sein, dass sich Rost zwischen Membran und Polschuhen angesetzt hat.

Um eine vorsichtige Demontage des Systems und sorgfältige Überholung wird man kaum herum kommen.

Manche Magnete lassen sich ersetzen durch passende Kopfhörerteile (meist schade um den alten Hörer), oder durch Einfügen eines kleinen modernen starken Magneten an/in die Polschuhe. Das hängt ab vom verfügbaren Platz und den mechanischen Möglichkeiten bzw. Fähigkeiten des Bearbeiters.


 

Nikolaus Löwe
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Sehr geehrter Herr Schirmer,

bitte prüfen Sie doch erst einmal den Widerstand des Systems. Oft enthalten die Schalldosen (ebenso wie ein Kopfhörer) zwei Spulen. Manchmal können die zur Anpassung des Widerstandes mit einem Umschalter in Reihe oder parallel geschaltet werden, z.B. beim Amplion AR-23.

Wenn die Schalldose insgesamt gut aussieht, aber der Widerstand deutlich über 2 - 4kOhm liegt, ist wohl was an den Spulen faul, das passiert gern bei dem sehr dünnen Draht. Besonders oft korrodieren die Verbindungen der Anschlußdrähte zum dünneren Wickeldraht - wenn man Glück hat, außen an der Spule, manchmal auch innen.

Vielleicht ist der Widerstand eher niedrig, und sie haben die Ausführung in 120 Ohm? Dann ist das Problem bloß Fehlanpassung.

Hochohmige Trichterlautsprecher sind sehr stark im Wirkungsgrad. Oft hört man schon etwas, wenn nur eine Seite angeschlossen wird. Probieren Sie mal, die Verbindung am Lautsprecher jeweils an einer Seite abzutrennen. Bleibt in einem Falle das Signal hörbar, spricht das für einen schlechten Kontakt an der anderen, abgeklemmten Seite des Systems.

Wenn die Spulen in Ordnung sind und keine massive Fehlanpassung vorliegt, können Sie testweise dem Magneten mit etwas Gleichstrom auf die Sprünge helfen. Schalten Sie dazu eine Gleichspannungsquelle von 12V (für einen Spulenwiderstand um 2000 Ohm) in Reihe mit Ihrem Lautsprecher und dem Ausgangsübertrager. Die Polung ist dann richtig, wenn Sie bei zugeschalteter  Hilfsspannung mit der Stellschraube den Abstand System - Membrane vergrößern müssen, um unverzerrten Klang zu erhalten.

Sollte die Lautstärke mit Hilfsspannung deutlich lauter werden als ohne, lassen sich unter Umständen die Magneten des Systems auffrischen - wenn Sie sie ausgebaut bekommen. Ich habe damit bei einigen Kopfhörern sowie einem Messwerk meines Röhrenprüfers (Neuberger WE252) gute Erfolge erzielt.

Bitte prüfen Sie bei Gelegenheit den Widerstand der Spulen, dann sehen wir weiter.

Mit freundlichem Gruß,

Nikolaus Löwe 

This article was edited 02.May.11 20:57 by Nikolaus Löwe .

Hans-Georg Schirmer
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03.May.11 17:51

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Sehr geehrter Herr Birkner, sehr geehrter Herr Loewe,

vielen Dank zunaechst fuer die hilfreichen Tips, Anregungen und Warnhinweise.

Der Gleichstromwiderstand der Spulen betraegt 4,28 kOhm - und nach Oeffnen des Gehaeuses zeigte sich: symmetrisch verteilt mit 2,14 kOhm je Spule. Soweit ist das in Ordnung, denke ich.

Auffaellig waren zwei Dinge. Verglichen mit einem normalen Kopfhoerer war der Magnet des Lautsprechers sehr viel schwaecher (wie Sie schon erwaehnten, Herr Birkner). Und die Membran war mit etwa 3 mm Abstand recht weit von den Polschuhen entfernt. Etwas kurios kommt mir nach Oeffnen des Systems die Funktion der Einstellschraube vor, die mit einer Art Linsenkopf ins Nichts, also in das Innere des Gehaeuses "schaut", ohne etwas zu beruehren. Obwohl sie im zusammengeschraubten Zustand eindeutig funktionierte, wie beschrieben.

Ein Bild ist beigefuegt. Ich muss aus gesundheitlichen Gruenden ein paar Wochen pausieren, wuerde aber anschliessend gerne Sie, Herr Loewe, nach Ihren Magnet-Auffrisch-Erfahrungen ansprechen.

Herzliche Gruesse

Hans-Georg Schirmer

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This article was edited 03.May.11 18:03 by Hans-Georg Schirmer .

Hans-Georg Schirmer
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02.Jun.11 20:38

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Sehr geehrter Herr Birkner, sehr geehrter Herr Loewe,

halbwegs genesen moechte ich auf diesen thread zurueck kommen. Das System des Lautsprechers liess sich problemlos zerlegen. Der Permanentmagnet besteht aus vier polgleich aufeinander gelegten Lamellen, auf die die Polschuhe mit den Spulen geschraubt sind. Der Fehler ist eindeutig: Der Magnetismus der Permanentmagnete ist fast ganz geschwunden, was Sie, Herr Birkner, ja schon als wahrscheinlich andeuteten.Legt man z.B. die Einzelmagnete polgleich lose aufeinander, bleiben sie liegen, ohne voneinander wegzustreben. Sie, Herr Loewe deuteten Erfolge mit dem Auffrischen von Magneten an. Vielleicht sind Sie so nett und kommen darauf zurueck. Ich selbst habe nur diffuse Vorstellungen von Re-Magnetisieren und stelle mir das Bewickeln mit Kupferdraht vor, um daraus voruebergehend eine Art Elektromagnet (mit Hoffnung auf Remanenz) zu machen . . .

Herzliche Gruesse

Hans-Georg Schirmer

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This article was edited 02.Jun.11 20:41 by Hans-Georg Schirmer .

Hannes Gerber
Hannes Gerber
 
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03.Jun.11 10:08

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hallo Herr Schirmer,
mit meiner Magnetisiervorrichtung habe ich erfolgreich ganz verschieden geformte alte Magneten wieder funktionsfähig zu machen.
Wenn Sie mir Ihre schwachen Magneten zuschicken, bin ich gerne bereit, sie wieder neu zu magnetisieren und mit einer magnetischen Kurzschlußbrücke zurückzusenden.

Magnetisiergerät

viel Erfolg wünscht Ihnen
Hannes Gerber

Hans-Georg Schirmer
Hans-Georg Schirmer
 
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03.Jun.11 18:57

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Hallo Herr Gerber,

danke fuer den netten Vorschlag, den ich gerne annehme. Anfang naechster Woche sende ich Ihnen die Magnetlamellen zu. Parallel dazu melde ich mich noch per mail bei Ihnen mit der Bitte um Ihre genaue Anschrift.

Herzlichen Dank

Hans-Georg Schirmer

  
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