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loewe-opta: UKW Fernempfang in den 1960er Jahren mit dem Löwe 821W

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Dietmar Rudolph
Dietmar Rudolph
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02.May.21 15:27
 
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Die Vorgeschichte

Meine Eltern hatten bis in die 1980er Jahre nie ein Radio mit UKW. Hintergrund war, daß das im Krieg zerstörte Reihenhäuschen wieder aufgebaut wurde und für ein UKW Radio das Geld nicht reichte. Man begnügte sich mit dem vorhandenen AEG 709WK, auf dessen Skala die Marke für "Stuttgart" recht gut mit der neuen Frequenz übereinstimmte. Damit konnte man nun den SDR aus Mühlacker (575 kHz: Kopenhagener Wellenplan vom 15.03.1950; 576 kHz ab 23.11.1978 gemäß Genfer Wellenplan) empfangen, allerdings (bei Dunkelheit) oft mehr schlecht als recht, weil genau in unsere Richtung das Antennen-Diagramm des Senders Mühlacker eine "Nullstelle" hatte. Das war nach dem Krieg erforderlich, weil auf der gleichen Frequenz nicht nur Riga sendete, sondern auch die DDR Sender Potsdam (ab Mitte Juli 1950) und Leipzig (ab 20.02.1953) später dann Schwerin sendeten. Durch geringe Frequenzabweichungen der Gleichkanal-Sender traten dabei unangenehme Interferenz-Störungen auf.[1]

Ich selbst hatte Ende der 50er Jahre eine Siemens Kammermusik-Schatulle 85W von unserem Pfarrer erhalten. Irgendwie hatte er mitbekommen, daß mich Radios interessierten. Mit diesem Gerät, aber später auch noch mit einem Körting AS7340 (ohne Bedienteil), der über ein Netztgerät versorgt wurde, wurden alle "empfangbaren" MW und LW Sender "genossen" - mit allen dabei aufgetretenen ausbreitungsbedingten Störungen.

Dann kam mir ein Zufall zu Hilfe. Mein Onkel hatte einen Löwe-Opta 821W. Und weil ein Radio in der Stube so ganz allein nicht gut aussieht, hatte die Tante mitten drauf einen Blumenstock gestellt. Nun sah es "besser" aus. Allerdings müssen Blumen so ab und zu auch mal gegossen werden. Ja, und dabei passierte es: das Wasser lief nicht nur die Rückwand des Radios herunter, sondern auch in das Radio hinein und setzte eine Pertinax-Fassung im ZF Teil unter Wasser. Der "Erfolg" davon war, daß beim nächsten Einschalten Rauchwölkchen dem Radio entstiegen und - glücklicherweise - die Sicherung auslöste. Außer der verschmorten Fassung mußte nur ein durchgebrannter 1 kΩ Widerstand ersetzt werden. In meinem "Fundus" war noch ein alter von "Hoges".

Die Verwandtschaft wußte natürlich, daß ich Radios reparieren konnte. Also durfte ich die Fassung ersetzen. Als Ersatz wurde eine keramische Fassung verwendet. Man sieht diese zwischen dem 2. und dem 3. Filtertopf. Da das Gerät - vom Aufbau her - zwei gleiche ZF Stufen (mit der EF89) hat, war die Reparatur verhältnismäßig einfach. Man sieht auch rechts bei der EL84 eine keramische Fassung. Diese war später "fällig", weil die EL84 im Betrieb so heiß wird, daß das Pertinax der Fassung  - mehr oder weniger - verkohlte.

Die Freude über das reparierte Radio war natürlich groß. Gekriegt hatte ich  -soweit ich mich erinnern kann - nichts dafür. Aber mein Onkel war wenige Jahre später der Meinung, daß eine Musik-Truhe (Metz ? ; Mono-Gerät) seinen Ansprüchen viel besser entspräche. Und dann brauchte er den Löwe 821W nicht mehr - und ich habe ihn dann "geerbt".

Das erste Radio mit UKW

UKW! Das war ein ganz neues Klangerlebnis. Gut, in der Jugend reicht die Hörfähigkeit noch bis über 20 kHz hinaus. Aber Sprache und Musik mit 15 kHz oberer Grenzfrequenz statt mit höchstens 4,5 kHz, oder mit noch weniger (z.B. 1,5 kHz), wenn die AM-Störungen dies erforderten; das war wirklich etwas Besonderes. 

Folglich hört man dann nur noch über UKW. Zumal es da die "zweiten Programme" gab, die nicht über MW empfangbar waren. Endlich Konzerte hören zu können, ohne Störungen durch Fading und durch andere Sender, das war wirklich eine Freude.

Der Löwe "Venus Plastik 821W" hat mit 11 Kreisen einen recht brauchbaren AM-Teil, wenn auch ohne HF Vorstufe. Noch wurde im AM-Teil praktisch nicht gespart - im Unterschied zu späteren Geräten, bei denen der AM Empfang nur noch ein "add-on" war. Aber AM war schon damals kaum von Interesse, weil alle interessanten Programme in viel besserer Qualität über UKW empfangbar waren. Eine Ausnahme bildete nur der Deutschland-Funk (DLF), der ausschließlich über LW und MW zu empfangen war.  

Traditionell ist es ja so, daß Kultur- und Klassik-Programme im Österreichischen Rundfunk im ersten Programm gesendet werden. Im SDR & SWF (heute: SWR), im HR sowie im BR und SR in den zweiten Programmen und nur bei den Rundfunkanstalten nördlich des "Weißwurst-Äquators" (Mainlinie) in den dritten Programmen. Aber 3. Programme gab es damals noch kaum.

UKW Fernempfang

Auf dem Dachboden des elterlichen Häuschen wurde folglich ca. 1963 eine  UKW Richtantenne (Hirschmann U6) montiert.

Diese Antenne mußte natürlich drehbar sein. Nur, viel kosten durfte das nicht. Ein befreundeter Schlosser (dem ich auch Radios repariert hatte) konstruierte ein "Dreibein" unter dem eine Fahrad-Felge (Hinterrad) gedreht werden konnte. Durch die leer geräumte Nabe wurde ein Mast aus zwei Antennen-Stangen gesteckt und fixiert. In ca. 1,5 m Höhe wurde ein Kugellager an einem Dachsparren befestigt, dann ging es durch das Dach ins Freie. Na ja, so ganz "frei" war es dann doch nicht, weil die Häuser damals noch über "Oberleitungen" mit Strom versorgt wurden. Die Antenne überragte die Stromleitungen mindestens ca. 2m, auch war ihr Standpunkt ebenfalls ca. 2 m von den Leitungen entfernt. Passiert ist glücklicherweise nichts. Aber wenn ich heute so daran denke, wundere ich mich heute über meinen jugendlichen Leichtsinn.    

Bei dieser Konstrukton einer drehbaren Antenne hatte sich der Mast als Ganzes gedreht. Zum Antrieb wurde ein 24V Gleichstrom-Motor (mit Schnecken-Getriebe) verwendet. Zur Gleichrichtung wurde eine Brückenschaltung aus 4 AD152 (Kollektor - Basis - Diode) gebildet, die als "Ausschuß" bei der Transistor-Fertigung im Fachpraktikum 1963 bei Telefunken HN anfielen. Rückmeldung über die Richtung der Antenne gab es nicht. Man mußte sich merken, welcher Sender zuletzt eingestellt war. Und im Ausschlag des Magischen Auges war ja auch zu erkennen, ob das Maximum erreicht war.

 

Empfangbar waren außer dem "Haussender" Südfunk Stuttgart (SDR) der Südwestfunk (SWF), der Hessische Rundfunk (HR), der Bayerische Rundfunk (BR), aber auch Programme von Radio France.

Modifikationen des Gerätes

Es bleibt nicht aus, daß am Radio "herumgeschraubt" wird, auch wenn man (noch) nicht alles versteht, was man da tut. Damals von Interesse war, den lokalen Polizeifunk hören zu können - wenn gleich der im Grunde recht langweilig war. Aber dafür mußte an der UKW-Box alles mögliche verdreht werden. Und das damals ohne geeignete Meßgeräte. Irgendwie ist es gelungen, den UKW Empfangs-Bereich ca. 1,5 MHz zu tieferen Frequenzen hin zu verschieben. Und in diesem Zustand bleib das Radio, auch weil es ab 1969 durch den Revox A76 ersetzt wurde und ab da praktisch nicht mehr betrieben wurde.

Dann gab es auch noch die "Mär" von der endlichen Lebensdauer der Röhren, welche in den Inseraten der Röhren-Fabriken in der Größenordnung von wenigen Jahren angegeben wurden. Ja, vielleicht hilft es wirklich, wenn man die Röhren ersetzt? Da gab es in Nürnberg einen Röhren-Vertrieb "Eugen Queck". Die von ihm gelieferten Ersatz-Röhren für den 821W stammten dann von Firmen wie "Industria" oder "Karo". Diese waren damals zwar neu, aber hatten sie wirklich bessere Werte als die dadurch ersetzten Röhren von Valvo? Die "Ersatz-Röhren" steckten bis jetzt noch im Radio. Was macht man in der Jugend nicht alles für einen Blödsinn.

Neuabgleich des Radios

Da außer an der UKW-Box nichts an dem Radio verdreht war, sollte diese nun wieder in den Ursprungs-Zustand zurück versetzt werden. Beim Wobbeln des FM ZF-Verstärkers (Einspeisen mit "Aufblas-Kappe" an der ECC85 und Messen mit 10:1 Tastspitze "in der Nähe" der EABC80) zeigte sich folgende ZF Durchlaßkurve.

Das ist also das Ergebnis des früheren "Abgleichs" (in den '60er Jahren und ohne Hilfsmittel), bei dem die UKW Empfangs-Frequenzen um ca. 1,5 MHz nach unten verschoben wurden.

Die Durchlaßkurve des FM ZF Verstärkers ist breit und schief. Sie hat ein Maximum bei 10,7 MHz. Empfängt man einen Sender, so "zischelt" die NF Wiedergabe. 

Das könnte (rein theoretisch) daran liegen, daß zur Zeit, als der Löwe 821W gebaut wurde, es noch kein Stereo gab, geschweige denn die weiteren Zusatz-Signale wie RDS. (Der Grund für das Zischeln lag tatsächlich am damaligen Fehlabgleich der gesamten UKW-Box.)

Der erste Versuch

Beim Versuch, die UKW-Box abzugleichen, zeigte sich daß der Kern in der Spule "LO 17" (S5 &S1) sich nicht mehr drehen ließ - auch nicht obwohl in den Spulenkörper etwas Öl eingebracht wurde. Mit diesem Kern wird die selbst schwingende Misch-Stufe auf die Soll-Frequenz abgeglichen.

  • Die Verschiebung des Frequenzbereichs ließ sich leider nicht rückgängig machen.

Oszillator-Brücke

Alle UKW-Boxen haben (unabhängig von ihrer Schaltung im Detail) am Eingang des Mischers stets eine Brückenschaltung, die verhindert, daß die Oszillator-Schwingung abgestrahlt wird. Empfangs-Schwingung "E" und Oszillator-Schwingung "O" liegen jeweils an einer Diagonale der Brücke an. Ist die Brücke exakt abgeglichen, sind die beiden Schwingungen entkoppelt. Schaltungsmäßig gibt es dabei (theoretisch) 4 Möglichkeiten diese Brückenschaltung zu realisieren, Abb 916 & 917.[2]

Praktisch werden nur 2 Möglichkeiten davon angewendet: eine für "C"-Abstimmung mit Drehko und eine für "L"-Abstimmung mit Variometer.

Abb. 920 [2] zeigt eine selbstschwingende Misch-Stufe und die dabei angewendete Oszillator-Brücke. Diese entspricht der Abb. 916 (rechts) mit dem Unterschied, daß hierbei keine Variometer-Abstimmung, sondern eine Abstimmung mit Drehko erfolgt. Hier bildet die mittig angezapfte Spule LR zusammen mit der Eingangs-Kapazität der Misch-Röhre und dem (nicht bezeichneten) Trimmer CN einen Brücken-Zweig. Mit dem Trimmer wird die Brücke so abgegelichen, daß (möglichst) keine Oszillator-Strahlung zur Antenne gelangt. (An diesem "Neutralisations-Trimmer" CN soll folglich nicht gedreht werden, wie in der Anleitung oben steht.)

ZF-Brücke

Im Unterschied zur Brücke am Eingang für die UKW-Frequenzen, hat die ZF-Brücke eine andere Aufgabe zu erfüllen. Dies soll nämlich dafür sorgen, daß die Misch-Triode, trotz ihres kleinen Innenwiderstandes, den ZF Kreis möglichst nicht (zu sehr) bedämpft, Abb. 925 & 927. [2]

Wie man aus Abb. 926 sieht, kann durch entsprechenden "Abgleich" dieser Brücke ein Mitkopplung entstehen, wodurch der (erste) ZF-Kreis entdämpft wird.

Bild 6a ist ein Beispiel für eine Trioden-Mischstufe mit einer (zusätzlichen) ZF-Brücke, Bild 6b.[3]

  • Die erste Brücke ist die Oszillator-Brücke, die mit dem Trimmer C6 exakt abgeglichen wird, damit keine Oszillator-Stör-Strahlung entsteht.
  • Die zweite Brücke ist die ZF-Brücke, die durch geeignete Wahl des Kondensators CF so weit in die Nähe des Brücken-Abgleichs gebracht wird, bis die Bedämpfung des ZF-Kreises den gewünschten Wert erhält.

Bei den Schaltbildern für die Brücken, z.B. Bild 6b, ist berücksichtigt, daß die UKW-Frequenzen ca. 10fach höher sind als die Zwischenfrequenz.

  • Deshalb werden in Bild 6b für die ZF-Brücke die Spule L5 und die Spule L6 für die ZF-Frequenz als Kurzschluß angenommen, während der Trimmer für die Oszillator-Brücke C6 als "offen" angesetzt wird.  Diese Bauelemente erscheinen daher nicht in der Ersatzschaltung Bild 6b.
  • Im umgekehrten Fall werden bei der Betrachtung der Oszillator-Brücke "große" Induktivitäten, wie L4 in Bild 6a, für die UKW-Frequenzen als "offen" angesetzt und "große" Kapazitäten wie C4 als Kurzschluß angenommen, während der Trimmer C6 als "offen" angesetzt wird.

 

Abgleich der ZF-Brücke

In Bild 11[3] sind berechnete Zusammenhänge dargestellt, die zeigen für welchen Wert der Anoden-Rückwirkung "a" die ZF-Brücke optimal abzugleichen ist: a = D. Der Faktor "a" entspricht dem Teilerverhältnis   a=R2/R1 in der Prinzipschaltung Bild 3.[3] "D" ist der Durchgriff der Röhre.

 

 

 

 

 

Meßergebnisse

Da sich die Verschiebung des Frequenzbereichs nicht rückgängig machen ließ, wurde nun versucht, wenigstens das ZF-Filter in der UKW-Box abzugleichen. (Meßanordnung wie bei der ersten gemessenen Durchlaßkurve) Dabei ergaben sich folgende ZF-Durchlaßkurven.

 

 

 

 

 

 

 

 

Diese Durchlaßkurven das ZF-Verstärkers erscheinen zunächst symmetrischer als die erste gemessene oben. Jedoch sie sind viel zu schmal!

Beim Empfang eines FM Senders ist die Wiedergabe völlig verzerrt und "verzischelt" - besonders schlimm bei lauten NF Passagen - und damit auch absolut unbrauchbar. Was ist also los mit der UKW-Box?

Das magische Auge des Löwe 821W zeigte beim Abstimmen oft "Voll-Ausschlag". Folglich war der ZF-Verstärker mit diesem "Abgleich" instabil geworden und ganz dicht an der Schwing-Grenze. 

  • Hans Knoll hat aus seiner langjährigen Erfahrung als Entwickler von UKW-Geräten bei Grundig berichtet, daß der Abgleich des ersten ZF-Filters in der UKW-Box tatsächlich besonders kritisch ist und daher sehr sorgfältig vorgenommen werden muß.

Der zweite Versuch

Es wurden nun alle (früher) verstimmten Spule und Kondensatoren in der UKW-Box, kontrolliert mit Hilfe des Spektrum-Analysators nachgeglichen. Die entscheidende Änderung der Durchlaßkurve erfolgte dann schließlich beim Nachabgleich der beiden Spulen S13 & S14  des ZF-Filters in der UKW-Box.

Ganz symmetrisch ließ sich die ZF nicht abgleichen. Jedoch ist nun die Wiedergabe klar und keinesfalls irgendwie verzischelt oder verzerrt.

Beim Empfang eines Senders sieht man in den "Sprechpausen" nun sogar den Stereo-Hilfsträger, wenn das ZF-Spektrum mit dem Analyser untersucht wird. 

Obwohl die Entwicklung des Löwe 821W vor der Einführung von Stereo statt gefunden hat, ist das Gerät nun in der Lage, das NF Summen-Signal unverzerrt wieder zu geben.

Bei diesem Abgleich passierte es:
Plötzlich war diese hier gezeigte Durchlaßkurve "verschwunden". Was um alles in der Welt ist denn jetzt wieder faul? Kontrolle der aufnehmenden Tastspitze in der Nähe der EABC80 ergab, daß diese sich nicht in ihrer Position verändert hatte. Erst wenn nun die Amplitude der über die Aufblaskappe eingespeiste ZF-Spannung um 50 dB angehoben wurde, war wieder eine Durchlaßkurve zu sehen!? Ja, was denn nun?

Beim Kontrollieren der Betriebs-Spannungen zeigte sich, daß die ZF-Röhre EF89 (auf der keramischen Fassung) keine Anodenspannung mehr hatte. Diese wurde ja über den 1 kΩ "Hoges" Widerstand zugeführt. Kurz und knapp: Dieser Widerstand wurde hochohmig just in dem Augenblick, als der Abgleich des 1. ZF Filters (in der UKW-Box) durchgeführt wurde. Zufälle gibt es!

Die Schaltung der UKW-Box

Das ist die Schaltung der UKW-Box im Löwe 821W. Die Röhre ist eine ECC85.

Die UKW-Vorstufe

Die UKW-Vorstufe ist als Zwischenbasis-Stufe ausgefürt. Weiteres zu Zwischenbasis siehe hier oder hier oder hier oder hier oder Cantz als .pdf.

C1 = 3pF ist zur Neutralisation erforderlich. Genau genommen handelt es sich dabei ebenfalls um eine Art Brücken-Schaltung.  (Bei anderen Radio-Geräten kann hier auch ein Trimmer sein - wegen der Brücken-Schaltung.)

Der Schwingkreis in der Anode enthält den Drehko (4,5 pF - 14,5 pF) und parallel den Trimmer C8 (2 pF - 10 pF), sowie die Spule S3. Weil die Anodenspannung der Vorröhre über S3 zugeführt wird, ist der Schwingkreis mit C26 (200 pF) geschlossen.  C26 ist ein (keramischer) Röhrchen-Kondensator längerer Bauform (bzw. versuchsweise ein Styroflex-Kondensator, siehe Foto weiter unten).

Über eine Anzapfung von S3 wird die Misch-Stufe angekoppelt. Diese Anzapfung verringert die Belastung des Schwingkreises der Vorstufe, was der Schwingkreisgüte zu Gute kommt.

Die UKW-Mischstufe

Die UKW-Mischstufe ist als selbstschwingender Mischer realisiert. Diese Art des Mischers war zunächst als "Tropadyne"-Schaltung bekannt geworden.

Die Mischstufe wird mit einem Widerstand R44 (100 Ω), um den einige Windungen Draht gewickelt sind, an die Anzapfung von S3 gelegt. Eine solche Anordnung von Widerstand und aufgewickeltem Draht wird meist mit "Dezi-Sperre" bezeichnet. Aber wie funktioniert eine solche Anordnung?

  • Auf UKW-Frequenzen ist die Induktivität "Lds" (des aufgewickelten Drahtes) vernachlässigbar klein. Der parallele Widerstand wird dadurch kurz geschlossen und wirkt sich folglich überhaupt nicht aus. (Man hätte also auch gleich einen einfachen Draht nehmen können.)
  • Jedoch bei viel höheren Frequenzen wird der induktive Widerstand von "Lds" sehr groß gegenüber den 100 Ω, so daß dafür nur der Widerstand wirksam ist. Wollte nun die UKW-Vorstufe (aufgrund ihres Aufbaus) "gerne" bei diesen höheren Frequenzen instabil werden, "sieht" ein solcher "UHF-Generator" dann einen Lastwiderstand, so daß für die unerwünschte UHF-Schwingung die Schwingbedingung nicht erfüllt - und damit "Ruhe" - ist.

Über einen Trenn-Kondensator C23 (100 pF) für die Anodenspannung geht es dann an die Mittelanzapfung der Spule S1 (2 Windungen Lack-Seide-Draht). Diese Spule ist Teil der Ozillator-Brücke und die Anzapfung führt keine Oszillator-Spannung. Daher gibt es da auch einen "Meßpunkt", mit dem mit einem Voltmeter z.B. festgestellt werden kann, ob der Oszillator schwingt. Die dabei gemessene negative Gitter-Vorspannung entsteht durch den Spannungs-Fall an R24 (500 kΩ) infolge von "Gitter-Gleichrichtung".

Damit der Meßpunkt keine Oszillator-Spannung führt, wird die Brücke mit Hilfe von CN d.h. C10 (3 - 15 pF) so abgeglichen, daß CN auf den Wert der Kapazität des Steuergitters des 2. Systems der ECC85 (Oszillator-Triode) gebracht wird. Der Abgleich wird dabei am Meßpunkt kontrolliert. Wenn er stimmt, ist die dort gemessene Oszillator-Spannung minimal.

Die Spule S1 ist auf dem gleichen Spulenkörper wie die Oszillator-Kreis-Spule S5 (4 Windungen Cu-Ag Draht) aufgebracht. S5 bildet zusammmen mit dem Oszillator-Paket des Drehkos (4,5 - 15 pF), dem parallel geschalteten Trimmer C9 (3 - 15 pF) und dem  dazu in Serie liegenden Kondensator C17 (30 pF) den Schwingkreis des Oszillators. Dieser ist über C5 (10 pF) mit der Anode der Oszillator-Triode verbunden.

Oszillator-Spannungen haben infolge des "C" Betriebes der Oszillator-Röhre nie eine reine Sinus-Form, sondern enthalten immer Oberschwingungen, die zu Bildstörungen des analogen Fernsehens führen konnten. Um diese zu unterdrücken, gibt es einen Kondensator C6 (10 pF) zwischen Anode und Kathode. 

Der Anodenstrom der Oszillator-Triode fließt durch die Primär-Spule S13 des 1. FM-ZF-Filters und R17 (10 kΩ). Zwischen dem unteren Ende von S13 und R17 wird ein Teil der ZF-Spannung über den Spannungs-Teiler C48 / C30 zur Spule S3 und damit schließlich zum Gitter der Oszillator-Triode zurückgeführt.

  • Das bildet die ZF-Brücke. Aber stimmt denn das so einfach? Eher nicht!

Schließlich liegen die Kondensatoren C30 und C26 ja parallel, da sie über eine Leitung direkt mit einander verbunden sind - und nicht etwa duch eine Drossel (für die Oszillator-Schwingung) entkoppelt sind.  Diese Art der Verkopplung von Oszillator-Brücke und ZF-Brücke gibt es nur für Löwe-Geräte aus Mitte der '50er Jahre. Das macht die Analyse der Schaltung kompliziert und den Abgleich der UKW-Box schwierig, weil diese durch Fehlabgleich des ZF-Filters leicht instabil werden kann.

Bilder der Box

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Bilder zeigen jeweils links eine UKW-Box, wie sie im Löwe 821W zu finden ist und rechts eine spätere Löwe UKW-Box wie sie z.B. im Löwe Magnet 3737W zu finden ist. (Bei den Modellbildern des 3737W findet man ganz unten weitere Fotos vom "Innenleben" der dort verbauten UKW-Box.)

Die "ominöse" Leitung zwischen den Kondensatoren C30 und C26 ist im rechten Foto bei der UKW-Box (links) als (kurzes Stück) eines blauen Drahtes zu sehen, der abzweigt von der rechts unten erkennbaren Zwischen-Kreis-Spule (mit der Dezi-Sperre), dann sofort im Drehko "verschwindet" und links oben vom Drehko wieder heraus kommt, wo er an einem Lötpunkt zusammen mit dem (roten) Styroflex-Kondensator endet. (Bei der späteren UKW-Box ist der Draht schwarz und läuft oberhalb des Drehkos, also genau unterhalb der Pertinax-Platte.)

Beachtenswert sind auch die Gummi-Isolierungen an den Befestigungs-Laschen, die eine "undefinierte" Masse-Verbindung zum Empfänger-Chassis verhindern. Die UKW-Boxen haben deswegen an genau einer definierten Stelle eine gelötete Masse-Verbindung zum Chassis, wodurch unerwünschte Verkopplungen vermieden werden..

Die in den Fotos rechts gezeigte spätere UKW-Box ist komplett umkonstruiert, wie auch aus deren Schaltbild ersichtlich ist.

Die UKW-Vorstufe arbeitet nun in Gitter-Basis-Schaltung und die Dezi-Sperre ist an der Anode der Vorstufen-Röhre. Weniger verändert ist die Misch-Sufe. Hier ist der Trimmer "CN" durch einen Fest-Kondensator C13 (10 pF) ersetzt. Auch fehlt der Keramik-Trimmer für den Oszillator. In der Kathodenleitung der Misch-Triode liegt (HF mäßig) C16 (30 pF), welcher jedoch Gleichstrom-mäßig durch eine Drossel D4 überbrückt ist. Die direkte Leitung zwischen den beiden Kondensatoren C9 und C10 wurde jedoch beibehalten. Ein deutlicher Unterschied ist (auf den Fotos) bei der Pertinax-Print-Platte zu sehen: hier sind nun zwei Masse-Flächen aufgenietet.

Beispiel: Grundig UKW-Box

Die Grundig UKW-Box ist zwar schaltungsmäßig ähnlich zur Löwe UKW-Box.

Es bestehen jedoch zwei wesentliche Unterschiede.

  1. Die Vorstufe wird über eine Drossel BV1975 mit Gleichstrom versorgt. Dadurch kann ein zusätzlicher Kondensator zur Spannungs-Trennung im Zwischen-Kreis entfallen.
  2. Die ZF-Rückführung wird durch die Drossel BV1976 vom HF-Pfad getrennt. Eine Verkopplung wie bei der Löwe UKW-Box entfällt dadurch.

 

 


Bis auf den Schöheitsfehler, daß sich die Frequenz-Verschiebung nicht rückgängig machen ließ, ist der Neuabgleich der UKW-Box gelungen, so daß man jetzt wieder UKW ohne "Zischeln" empfangen kann. 

  • Nach der Erfahrung aus dem Neuabgleich fehlt bei den "Abgleichhinweisen" (s. oben) der dringliche Hinweis, daß an den Kernen des in der UKW-Box befindlichen 1. FM ZF-Filters nicht "herumgeschraubt" werden darf, weil das sehr leicht zur Instabiltät des FM ZF-Teils führen kann. 

 

Literatur:

[1] Großsender Mühlacker: Zur Technik- und Rundfunkgeschichte, Südfunk-Hefte 5, Süddeutscher Rundfunk 1980, darin: Brunswig, H.: Zur Technik-Geschichte; 50 Jahre Großsender Mühlacker, pp. 41 - 70

[2] Pitsch, H.: Lehrbuch der Funkempfangstechnik, Bd. 2, 4.A., VAG 1964

[3] Cantz, R.; Nowak, A.: Die Röhre im UKW-Empfänger, Teil 2; Mischstufen, Telefunken, Franzis, 1952

[4] Nowak, A.; Schilling, F.: Empfangstechnik frequenzmodulierter Sendungen, 2.A., Schütz, 1955


Vielen Dank an Hans Knoll für wertvolle Hinweise und Informationen!

MfG DR

This article was edited 05.May.21 09:16 by Dietmar Rudolph .

  
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