US-Metallröhren und deren Glastypen G und GT sowie GT/G

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US-Metallröhren und deren Glastypen G und GT sowie GT/G 
09.Oct.22 16:45
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Ernst Erb (CH)
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Ernst Erb

Bei der Einführung von Röhren und Röhrenseiten im RMorg im Jahr 2004 beschäftigte uns das Problem der Röhren mit dem von Sylvania eingeführten Octalsockel im Zusammenhang der US-Metallröhren (Stahlröhren).

Damit man GT/G-Röhren und andere unterschiedliche Suffix für das Gleiche anlegen aber nicht einem Modell zuweisen kann, haben wir Gesperrt (Code-9)" im Feld "Type" vorgesehen. Wir unterscheiden übrigens etwa 235 Typen! Da sind auch die Halbleiter mit dabei. Man kann einzelne Röhren pro Typ einsehen auf der Röhren-Hauptseite unter Auswahl "Typ" bei "Röhre/Halbl. nach Kriterium" - inkl. Anzahl damit verknüpfter Modellseiten.

Wichtig: GT/G-Röhren unterscheiden sich absolut nicht von den GT-Röhren. Da man zu der Zeit zumindest in den USA einfach beim Radiohändler Röhren prüfen liess und schwache ersetzte, wollten einige Hersteller zeigen, dass die Röhre für alle drei Typen einsetzbar ist. Ähnlich steht es mit Doppelbezeichnungen auf Röhren, die in den USA und Europa genau gleich gebaut sind aber einem unterschiedlichen Bezeichnugssystem folgen. Beispiele sind Raytheon 12AU7/ECC82 oder Hoges ECC82/12AU7. Und viele mehr wie ECH81/6AJ8, 19D8/UCH81 (Indien), 12AX7/ECC83 etc. Alle diese legen wir gar nicht an, sondern führen beide Röhrenbezeichnungen separat.

US-Metallröhren und deren Glastypen G und GT sowie GT/G: Was bedeutet das?

Für Senderöhren benutzt man Metall (z.B. Kupfer) als Mantel seit kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Dazu kommt später in gewissen Fällen auch Silika-Quarz oder Keramik als Alternative zu Glaskolben in Gebrauch.

Geschichtliche Entstehung der Metallröhren

Im Mai 1933 stellt die Marconi Osram Valve Company (MOV) erste Empfängerröhren mit Kupferkörper vor und schützt diese mit einem gelochten Metallzylinder, besonders wenn das die Anode ist. Man nennt diese Bauart "Catkin". Diese 4 Röhren kamen zusammen auf den Markt: MS4B, VMS4, MS4? und MPT4. Sie waren elektrisch identisch mit vorhandenen Glasröhren mit gleicher Bezeichnung. Im Jahr darauf folgten noch drei Typen: W30, VMP4K und N30 mit neumem 7-Stift-Sockel, doch 1935 blieb nur eine auf dem Markt und sie verschwanden 1936 im Angebot. Trotzdem interessierte sich 1934 die RCA für die Produktionsmethoden.

John W. Stokes schreibt in "70 Years of Radio Tubes and Valves" auf Seite 97:
„Ursprünglich bestand das einzige verwendete Glas aus einer winzigen Perle, die jeden herausführenden Draht umgab. Wegen den hohen Produktionskosten wurde diese Methode im Jahr 1937 zu einem Typ geändert, der als "Knopfsiegel" (button seal) bekannt ist, bei dem die Drähte in eine Glasscheibe eingebettet wurden. Eine etwas ähnliche Art von Siegel wurde bei den British Catkins verwendet, wo die herausführenden Drähte direkt durch den Boden des Glasteils der Hülle geführt wurden."

USA

Die erste Serie von Empfängerröhren aus Metall in den USA führte RCA 1935 mit dem neuen Octalsockel von Sylvania ein. Zitat aus Radio-Engineering April 1935, Seite 18, plus meine Notizen:

"Die bisher angekündigten Metallröhren sind die 6A8 als Pentagrid-Converter (Heptode); die 6C5 Detektor-Audio-Verstärker-Triode; die 6D5 Leistungsverstärker-Triode; die 6H6 Zwillingsdiode; den Pentode-Detektorverstärker 6J7 und die geregelte HF-Pentode 6K7. 

Alle diese Röhren sind vom 6,3-Volt-Heiztyp bei 0,3 Ampere. Bisher wurden Hochspannungsgleichrichtern keine Typennummern zugeordnet, die sich von der typischen Metallröhre dadurch unterscheiden, dass die Metallhülle mit Löchern zur Unterstützung der Wärmeabstrahlung gestanzt ist. Aufgrund der besseren Wärmeabstrahleigenschaften des Metalls gegenüber der Glashülle wird für Leistungsverstärkerröhren ein höherer Wirkungsgrad behauptet. Obwohl die Wärmeübertragung an die Umgebungsluft effektiver ist, soll die Temperatur des Metallmantels und der Luft in der Nähe des Mantels nicht höher sein als die relativen Temperaturen von Glasröhren."

Erste Geräte erschienen im Spätsommer 1935. Die erste Zahl in Klammer hält die Anzahl dann eingesetzter Röhren fest, gefolgt vom Total insgesamt und insgesamt für G und GT. Auch von MG, damit man erkennt, dass diese in Frankreich ganz anders gebaut sind. Die 6D5 hat man für Rundfunkempfänger nahezu gar nicht eingesetzt.

6A8: 307 / 2952 + 3010=G ab 1936 + 315=GT ab 1938; Frankreich 6A8MG = 22 Modelle.
6C5: 185 / 1563 +   415=G,                     8=GT                                  6C5MG = 35.
6D5:     0 /       3 +       1=G                 keine GT                                  6D5MG =  0.
6H6: 337 / 3157 +   506=G,                   50=GT                                  6H6MG =   3.
6J7:    98 / 1489 +   504=G,                   58=GT                                   6J7MG =  4.
6K7: 523 / 6049 +  2278=G,                458=GT                                  6K7MG = 68.
Interessant ist gleiches Registrierjahr 1935 für die Röhren aus Frankreich mit Suffix MG. Siehe auch z.B. die 6H6 aus der DDR mit 22 Nachkriegsmodellen. und weitere andere Typen wie 6H6V etc.

Diese Metallröhren ersetzen meist vorhandene Röhren, doch mit einem ganz anderen Preis (zu der Zeit): So kostet die 6K7 99 cents, die ersetzte 78 nur 44 cents! Genau gleich wie 6J7 zu 77. Die 6A8 1.09 ersetzt die 6A7 zu 56 cents. Alle drei stammen von 1933.

In den USA folgen noch 1935 die 5Z4 als Gleichrichter als Metallröhre und einige weitere. Wichtig ist noch die 6L6 vom Frühling 1936 als erste Beam-Power-Tetrode zur Umgehung des Pentoden-Patents von Philips.

Nicht ohne Grund sind die Metallröhren (Stahlröhren) für Empfänger einige Jahre nach Vorstellung wieder aus Glas. Dies, obwohl der bekannte Hugo Gernsback in Radio-Craft vom Oktober 1935 meint, dass das für alle Zeiten der Fall sein würde, so gut seien die Röhren...

Nur bei speziellen Anwendungen mit mehr Verlustleistung, z.B. Senderöhren gibt es weiterhin Metallkörper statt Glas. Für Empfängerröhren erwies sich schliesslich eine Glasausführung als besser und günstiger. Beispielsweise lässt sich die Entgasung durch Hochfrequenz realisieren, Metallröhren benötigen etwa 1000 Grad Hitze dafür. Der Heizfaden brennt später bei etwa 780 Grad Celsius. Trotzdem bringt man in Deutschland 1938 eigene Stahlröhren auf den Markt. 

Metallröhren sind aber noch lange am Markt, so findet man z.B. in Radio-Craft September 1948 auf Seite 61 ein ganzseitiges Inserat der Niagara Radio Supply Corp. mit um die 800 Röhren. Dabei ist die Preisgestaltung sehr unterschiedlich zwischen Metallröhren (ohne Suffix), G und GT. Mal sind alle gleich, mal sind Metallröhren billiger oder teuerer - das widerspiegelt aber nicht die initialen Preise, denn es hängt rein vom Lager und Bedarf ab. Sicher war die Herstellung von Metallröhren teurer als von Glasröhren. Sie wären sonst kaum so schnell aus den Angeboten der Hersteller verschwunden. Ein anderer Grund war die fortschreitende Miniaturisierung - bis hin zu den Nuvistoren der RCA von 1959, die wieder einen Metallkörper aufwiesen. Siehe Beispiele: 7586 (erste Triode), 13CW4 und die oft verbaute 6DS4. Welche Ironie, denn da etwa stellte Telefunken die Herstellung von Stahlröhren ein. Es begann auch der Siegeszug der Halbleiter und schliesslich der ICs.

Zum Octal-Sockel der Metallröhren in den USA

Zitate aus dem Buch "Radios von gestern" (Rvg), Seite 231)

Das Buch mit 456 Seiten A4 hatte ich in den 1980er Jahren geschrieben, mehrere Jahre vor Internet. 

"1935 kommen die Stahlröhren der RCA-GE auf den Markt, doch Philco, der grösste Radiohersteller, bleibt bei Glasröhren und bringt sie im August 1935 mit dem gleichen Octal-Sockel. Andere Hersteller ziehen nach und 1936 bestehen bereits 34 Typen, die entweder Stahlröhren oder ältere Röhren ersetzen. Als Kolben dient immer noch die Domform mit oder ohne Obenanschluss. Mit einer 1,4-Volt-Serie bringt Sylvania 1938 einen kleineren, röhrenartigen Kolben (z.B. 1A5G und 1H5G) heraus. Kurz darauf stellt Hytron unter dem Namen Bantam eine Röhrenserie vor, die ebenfalls den kleinen, röhrenartigen Kolben und die Zusatzbezeichnung GT (glass tubular) trägt. Da diese Röhren weniger Platz benötigen und Stahlröhren ersetzen können, produziert man 1941 mehr von diesem Aufbau als von jedem anderen, nämlich 52 Millionen Stück. Stahlröhren sind es 27 Millionen und alle anderen Typen zusammen 56 Millionen Stück. 1948 bringt Raytheon mit der Variante Bantal die letzte Verbesserung der Röhren mit Octal-Sockel.

Im November 1938 stellt Sylvania mit dem Typ 1231 eine HF-Pentode für TV-Zwecke vor, die sie wohl für Philco, den Gegner von RCA, entwickelte. Sie stellt die erste Allglasröhre für Rundfunk dar, wenn man von der Acorn von RCA absieht. Mit dieser Loctal-Röhre (Loktal, Oktal = deutsche Schreibweise) gerät die Röhrenentwicklung in neue Bahnen. Im Mai 1939 stellen Sylvania und Raytheon eine Serie von zwölf Loctal-Röhren vor. Die erste Ziffer heisst nun zur Unterscheidung 7 statt 6 und 14 statt 12. Die Ziffer 1 bleibt, doch erhalten die Buchstaben ein L vorangestellt (z.B. 1LA6). Bis 1954 entstehen ca. 100 Typen dieser Röhren."

Andere Firmen folgten rasch mit entsprechenden Glasröhren und setzten ein G als Suffix hinter die Bezeichnung - oder später GT für solche Typen. Das GT hat man zuerst als "glass tiny" gesehen, doch der Ausdruck Glass Tubular hat sich durchgesetzt. Um dem Publikum zu zeigen, dass man damit auch die anderen Röhren ersetzen konnte, brachten einige die Bezeichnung GT/G für die GT.



Für tiefer an Radioröhren interessierte LeserInnen

Im Buch Radios von gestern (Rvg) , das in der 6. Auflage auf dem Markt ist, finden Sie im Kapitel "Röhren als Basis" ab Seite 197-260 eine ausführliche Beschreibung zu Geschichte, Technik und Daten von Radioröhren. Beispiele:

Kurzinformation über die RCA: (Rvg Seite 210)

"Am 5.4.19 intervenieren zwei hohe Marineoffiziere bei der Direktion von GE, die von Marconi bestellten 24 Stück 200-kWh-Maschinensender nicht zu liefern, um einer ausländischen Gesellschaft keinen so grossen Vorsprung für interkontinentale Verbindungen zu geben. Dafür bitten die beiden Offiziere GE, eine nationale, starke Organisation zu bilden, die American Marconi und möglichst alle erreichbaren Patente kaufen soll. Am 17.10.19 gründet man im Staat Delaware die Radio Corporation of America (RCA) und übernimmt die American Marconi. Gleichzeitig entsteht ein Gegenseitigkeitsabkommen zwischen RCA und GE. Am 1.6.20 folgt ein ähnliches Abkommen zwischen AT&T und GE, in einem anderen Vertrag zwischen RCA und WECO und am 30.6.21 bezieht man Westinghouse mit ein. Erst die spätere Gründung der RCA Radiotron Inc. im Jahre 1930 durch RCA erlaubt dem Unternehmen eine eigene Fabrikation. Zuvor fungiert RCA im Röhrensektor lediglich als Koordinator und Verteiler von GE, (WECO) und Westinghouse. RCA kündigt im November 1920 erste Röhren an. Es sind die von GE fabrizierten UV200-Detektor-Röhre (mit Argongas) und UV201-Verstärkerröhre (Hochvakuum). ..."

Miniaturisierung

Peanut von 1919 ab S. 212: Western Electric (WECO)
"Eine für Sammler interessante Röhre von WECO bildet die von H.J. van der Bijl entwickelte peanut-tube. Als Type N ist sie im November 1919 fertig entwickelt und kommt zu Beginn der 20er Jahre als erste Röhre der WECO mit konzentrisch-zylinderförmig angeordneten Elektroden mit der Bezeichnung 215A auf den Markt. Das Gitter besteht aus einer kleinen Spirale, die Anode aus einem Zylinder. Die "Miniröhre" und deren Bajonettsockel haben einen Durchmesser von 15 mm und eine Länge von 60-65 mm, je nach Ausführungsform. Die Heizspannung beträgt 1 V, die Anodenspannung bis 45 V. Bald lässt WECO die Röhre auch in Kanada und Europa herstellen."

Obwohl man bei der 215A und deren Abkömmlingen 1919 von Miniaturröhren sprechen könnte, gerät die die Miniaturisierung der Radioröhren erst in den 1930er Jahren in Fahrt:

(Rvg Seite 230): "... Miniaturröhren entstehen gegen Ende des Ersten Weltkriegs durch Round für Marconi in England als Typ V24 und Q. Die Nachfolgetypen DEV und DEQ (dull-emitter) stehen bis 1939 im Angebot. Auch früh entwickelt, aber erst ab 1923 auf dem Markt, sind die für lange Zeit kleinsten Röhren von WECO, die sogenannten Peanut-Röhren 215A und deren Lizenzfabrikate mit einem Durchmesser von 16 und einer Länge von 65 mm. Es ist wohl die erste Röhre ohne Metallsockel; sie bleibt bis 1939 im Angebot.

Der eigentliche Durchbruch zur Miniaturröhre erfolgt mit der Acorn-Serie, der ersten Allglasröhre der RCA, der Triode 955 von 1934 für Radio-Amateure und extrem kurze Wellen, der HF-Pentode 954 von 1935, der Regelpentode 956 von 1936 etc. Die Röhren weisen fünf Seitenkontakte auf. Die deutsche Kriegswirtschaft stellt kurz darauf ähnliche und nur wenig grössere Allglasröhren, sogenannte Eichelröhren (Knopfröhren) wie die 4672, 4676, DA2 etc., her.

Die erste allgemein zu verwendende Miniaturröhre bringt wohl Hivac in England 1935 für Schwerhörigengeräte. Sie messen später, mit einzulötenden Drähten fabriziert, 10 mm Durchmesser bei einer Länge von 24-30 mm und unterschreiten die Masse der ab 1934 von M-O.V. in England für den gleichen Zweck fabrizierten H11 und L11. Im Dezember 1938 bringt Hytron in den USA die ersten drei Röhren der Bantam-Junior-Serie, die HY113, HY115 und HY125. Ihre Super-Bantam-Röhren von 1941 für Hörgeräte sind für lange Zeit der Welt kleinste Röhren, nachdem Raytheon 1940 bereits sehr kleine Hörgeräteröhren der CK-Serie verkauft.

Für Radiozwecke stellt Anfang 1940 (Ankündigung 1939) RCA die ersten modernen Miniaturröhren (button base oder glass button stem, gbs) her. Es sind die Typen 1R5, 1S5, 1T4 und eine weitere Röhre mit dem Sockel B7G (ist die 1S4). Kurz darauf stellt RCA mit dem Personal-Radio BP10 das erste Handtaschen-Radio vor, ein Konzept, das in Europa erst nach dem Krieg, 1946 mit dem britischen Romac 106 zur Realisation kommt [738801].

Die Masse der Röhren betragen 9 mm Durchmesser und 54 mm Länge. In der gleichen Grösse stellt RCA 1941 die indirekt geheizten Typen 9001, 9002 und 9003 vor und 1942 folgen die 6C4, 6J6 und 6AC5. Im September 1945 gibt es miniaturisierte Röhren für 6,3 Volt und 150 mA mit den Typen 6BA6, 6BE6, 6AT6, 6AQ5 und 6X4 sowie entsprechende Röhren für Allstromapparate. Diese 7-Stift-Röhren (B7G) fabrizieren Firmen in Europa kurze Zeit danach bzw. entwickeln eigene Typen. Sie heissen in Deutschland Pico 7. Die im Dezember durch Sylvania vorgestellte Subminiaturröhre T3 (T-3) von 10 mm Durchmesser und 33 mm Länge kann sich nicht durchsetzen [237], denn 1950 führen lediglich RCA und Sylvania die Typen 1E8, 1AD6, 1T6 und 1AC5. Sie sind für 1,25 Vf und 0,04 A und 67,5 Va vorgesehen. Sylvania entwickelt mit den 6AD4, 6BF5, 6K4 sowie Röhren der fünf- und sechstausender Serie auch Subminiaturröhren für 6,3 Vf und kleinere Röhren Typ 5645, 5646 und 5647, wobei die 5647 nur 6 mm Durchmesser aufweist.

Ausser bei der Eigenentwicklung der Schlüsselröhren im Jahre 1939, z.B. UCH21, UBL21 und UY21 für den Apparat 203U (1941 auf dem Markt), und Rimlockröhren mit 8 Stiften, z.B. ECH41 im Jahre 1947 durch Philips, den Subminiaturröhren von Mullard für Hörgeräte (1948: DF70, DL71, DL72) und den Decal-Röhren von 1965 (B10B für 200er Serie) hängt sich Europa bezüglich modernen Röhren der Entwicklung in den USA an. Die Decal-Serie mit der ECH200, PFL200 etc. und eine Serie mit 12 Stiften bildet die letzte Entwicklung der Allglasröhren für Rundfunkzwecke überhaupt. Dagegen erweitert RCA in den USA erst mit der Noval-Serie von 1948 die 7 Stifte auf 9 - zuerst mit den Röhren 12AU7 und 12AX7. Die Familie wächst bis Mitte der 50er Jahre nur auf 17 Typen, da man die 7-Stift-Röhren beibehält. Gegen Ende der 50er Jahre gibt es Röhren für Autoradios, die mit der Anodenspannung von 12 Volt auskommen, wobei bis 1961 23 verschiedene Typen entstehen. Die 12K5 z.B. ist eine Raumladegitter-Tetrode als transformatorgekoppelter Treiber für den Endtransistor. In Europa entstehen nur vier vergleichbare Röhren, nämlich die EBF83, ECH83, EF97 und EF98, wobei die EF98 ähnlich der 12K5 funktioniert [237].

Die letzte Entwicklung von Empfangsröhren ist die Nuvistor. Die neue Metall-Keramik-Technik ohne Glas stellt RCA 1960 mit der Triode 7586 vor; 1961 folgt die 6CW4 und 6DS4. Die Röhren für Farb-TV baut nur RCA und lediglich in kleinen Stückzahlen. Weitere Nuvistor-Röhren sind die Trioden 7895, 8058 und die Tetrode 7587 für industrielle Anwendungen. Toshiba entwickelt eine 3D-HH13. Grösse (12 mm Durchmesser bei max. 25 mm Höhe) und Aussehen der Nuvistor-Röhren gleichen ersten Transistoren. Die Sowjetunion entwickelt in der Folge für ihre Jagdflugzeuge MiG25 ein Gebilde, bestehend aus zahlreichen kleinsten Röhren."

Einige Sockelstandards (Rvg Seite 231)

"1934 Acorn-Allglas-Miniröhre für UKW (bis 600 MHz, ab Dez. auch in GB)
1935 Octal-Sockel (Sylvania), "International Octal" (I.O. oder IO.)
     Erstmals mit der US-Stahlröhre eingeführt. Stiftkranz 17,45 mm.
     Ein starker, zentraler Kunststoffstift mit senkrechter Ausbuchtung
     verhindert falsches Einsetzen und hilft bei der Identifikation der
     Anschlüsse. Ab 1937 auch in Europa (selten) angewandt (30er Serie).
1938 GT-Octal ("Glass Tubular" von Hytron)
1938 Loctal von Sylvania (B8G und B9G) ist minimal anders als die
     Schlüsselröhre (gleicher Röhrenhalter möglich).
1940 1,4-Volt-Miniatur-Batterieröhren (B7G), z.B. die 1S5
1948 Noval (B9A) von RCA mit 12AU7 und 12AX7
1959 Novar, eine grössere Noval (sehr ähnlich Magnoval in Europa), z.B.
     für die 6AY3 und 12CJ5
1961 Decar, ein 12-Stift-Sockel für Compactrons der RCA"

Bedeutung der Suffix von US-Röhren (Rvg Seite 234)

"Die fakultativen Zusatzbuchstaben hinter der Bezeichnung sagen folgendes aus:
        P   = Pentode
        T   = Tetrode
        G   = Glasröhre mit Octal-Sockel
      GT  = Glas "tiny", also kleine Glasröhre (Bantam-Typ)
      MG  = "metal-shielded-glass", Glas mit Metall
        MS  = Röhre mit "metal-spray" (Metallfarbanstrich)
        X   = Keramiksockel für "low-loss-HF-Anwendungen"
        Y   = Phenolsockel für "low-loss-HF-Anwendungen"
        A,B,C, etc. bedeuten kleinere Abweichungen vom Grundtyp"

"Nicht nur die Bezeichnung der Röhren ist etwas verwirrend, sondern auch die Vielfalt. Bereits 1940 bestehen in den USA ca. 1500 Röhrentypen für Radios, die sich nach Ausklammerung der parallelen Ausführungen (Glas, Metall, metallisiert etc.) noch auf ca. 750 Typen summieren [122]. Von diesen tragen in der Praxis 90 Röhren 90 % des Umsatzes. RCA schlägt im Januar 1940 vor, für die Erstbestückung von Radios zur Vereinfachung lediglich die folgenden 36 Röhren zu verwenden [122]. Die wilde Röhrenentwicklung endet durch diesen Appell nicht."

Wichtigste Retma-US-Röhren um 1940:
        "1A7GT, 1D8GT, 1G4G, 1G6G, 1H5GT, 1N5GT,
        2A3, 3Y3G, 3Q5GT,
        5U4G,
        6B8G, 6F6G, 6H6, 6J5, 6J5GT, 6K6GT, 6N7G, 6R7G,
        6SA7, 6SC7, 6SF7, 6SJ7, 6SK7, 6SQ7,
        6U5/6G5, 6V6G, 6X5G,
        12C8, 12SA7, 12SC7, 12SJ7, 12SK7, 12SQ7,
        35L6GT, 35Z5GT und 50L6GT"

"Wichtig ist zu wissen, dass in den USA Verbundröhren mit Kombinationen zur Anwendung kommen, die in Europa unbekannt sind - z.B. eine Endröhre mit Netzgleichrichtersystem. Statt der in Europa üblichen Triode-Heptode als Mischröhre gibt es in den USA vorwiegend die Heptode als Pentagrid-CONVERTER (z.B. 2A7, 6A7, 6A8, 12A8GT, 1A6, 1C6, 6SA7, 7B8)."

Stahlröhren / Metallröhren (Rvg Seite 238):
Z.T. oben erwähnt, doch hier vollständiger:

"Kurz nach dem Ersten Weltkrieg entwickelt Housekeeper bei M-O-Valve in Grossbritannien Senderöhren mit zylindrischer, offener Kupferanode, die zur direkten Kühlung (cooled anode transmitting, CAT) lediglich unten in Glas eingeschweisst ist.

Im Mai 1933 stellt Marconi-Osram eine Familie von Rundfunkröhren unter dem Namen Catkin vor, enthaltend die VMS4 als regelbare Schirmgitterröhre, MS4B als Schirmgitterröhre, MS4 als Triode und die MPT4 als End-Pentode. In der Funktion sind die Röhren identisch mit ihren gleichnamigen Vorgängern, doch gelten sie als erste Rundfunk-Metallröhren, die z.T. einen Schutz der Anode aus gelochten Zylindern tragen (Glas-Metallröhren). Später fabriziert Deutschland für Wehrmachtsröhren ähnliche Zylinder (Lockenwickler). 1934 kommen in England die Typen W30, VMP4K und N30 dazu. Sie tragen Aluminiumzylinder.

Im April 1935 bringt RCA eine ganze Serie von Stahlröhren auf den Markt mit den anfänglichen Typen 5Z4, 6A8, 6C5, 6F5, 6H6, 6J7, 6K7, 6F6 und 6L7. Gleichrichter- und Endröhren stehen wegen der grossen Hitzeentwicklung später wieder in Glasform zur Verfügung, doch erweitert sich die restliche Familie stark. 1936 erscheinen zudem Metall-Glasröhren mit der Zusatzbezeichnung MG;

1938 kommt eine Stahlröhrenserie ohne Obenanschluss auf den Markt mit den Typen 6SJ7, 6SK7, 6SF5 und 6SQ7. Der Buchstabe S steht für single-ended.

Gegen Ende 1938 stellt Telefunken ihre Stahlröhren mit neuem Sockel vor, die wegen horizontalem Aufbau der Systeme allerdings einen wesentlich grösseren Durchmesser aufweisen. Ein Jahr darauf stellen auch die Philips-Valvo-Werke diese Röhren her. Eigentlich für militärische Zwecke vorgesehen, bringt Telefunken eine Serie von vier Stahlröhren für 2-Volt-Batteriebetrieb auf den Markt - ein Novum für Stahlröhren. Noch in den 50er Jahren stellt Telefunken neue Stahlröhren vor. Die UdSSR produziert nach dem Krieg eigene Stahlröhren, die denen der USA ähneln und z.T. austauschbar sind."

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15.Oct.22 19:06
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Ernst Erb (CH)
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Ernst Erb

Der Link in der Beschreibung von Röhren mit Suffix GT/G führt hier hin.
Leider hatte ich nicht so viel Zeit zur Verfügung, um am Beitrag noch zu "feilen".
Deshalb bitte ich Sie, mir Ihre Anregungen und Korrekturvorschläge zu senden via "Mail an Autor", das alle eingeloggten Mitglieder einsehen können. Dies so kurz wie möglich.

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Herzlich grüsst Sie/Dich
Ernst Erb

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