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Warum beträgt die Netzspannung 220V bzw 230V

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Heribert Jung
 
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08.Feb.12 15:33

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In der Radioschau Heft 6 von 1955 fand Herr Sacherer folgenden Beitrag:

 

Warum beträgt die Netzspannung 220 V

Sicher hat sich schon mancher Leser darüber  über Gedenken gemacht, warum die üblichen Netzspannungen gerade 110, 220, 380 und 440 V betragen. Eigentlich wäre es doch naheliegender gewesen, ,runde Werte", wie 100, 200 und 400 V, zu wählen. Weshalb verfiel man gerade auf die üblichen Werte?

Um diese Frage beantworten zu können, versetze man sich in die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Das überwiegend gebräuchliche elektrische Beleuchtungsmittel war damals nicht die Glühbirne, sondern die Bogenlampe. Diese hat aber eine mittlere Brennspannung von 50 V. An die Einführung eines 50-V-Netzes war jedoch nicht zu denken, weil bei einer derart niedrigen Spannung zur Erzielung nennenswerter Leistungen ein sehr hoher Strom erforderlich gewesen wäre.
Leistungen für sehr große Ströme bei niedriger Spannung wurden aber auch schon damals als unwirtschaftlich betrachtet. Deshalb schaltete man je zwei Bogenlampen in Serie. Eine Bogenlampe ohne Vorwiderstand pflegt aber unruhig zu brennen. In Serie mit den beiden Bogenlampen wurde darum noch ein Vorwiderstand angeordnet. Die beiden in Serie geschalteten Bogenlampen benötigten 100 V. Für den Spannungsabfall am Vorwiderstand kamen noch 10V dazu. So entstanden die ersten Gleichstromnetze mit 110 V Spannung.

Mit dem Vordringen der Elektrizität erhöhte sich der Strombedarf, und die Leitungen wurden immer länger. In steigendem Maße wurden Glühlampen und Elektromotoren an das Netz angeschlossen. Bald war dadurch die Strombelastung so angewachsen, daß die Versorgung mit 110 V unwirtschaftlich wurde. Man müßte eine höhere Spannung einführen. Um die mittlerweile eingeführten 110-V-Generatoren weiter verwenden zu können, schaltete man je zwei in Serie. So entstand die Netzspannung von 220 V, die heute in Europa die häufigste Spannung ist.
Um große Motoren betreiben zu können, wurde diese Spannung nochmals verdoppelt, Da aber 440 V eine zu gefährliche Spannung für Hausanschlüsse wäre, wurde dieses sogenannte „Kraftstromnetz" mit geerdetem Mittelleiter ausgeführt. Dadurch ließen sich die
Hausanschlüsse weiterhin mit 220 V versorgen.

Bei der Einführung des Wechselstromes wurden die traditionellen Spannungen von 110 und 220 V einfach übernommen. Im Drehstromnetz entsteht durch Verkettung eine Spannung von
220 * √3 = 380V

Zusammenfassend kann man also sagen, daß unsere „ausgefallenen" Netzspannungen auf historische Ursachen zurückzuführen sind.

Literatur: Deutsche Funktechnik 7/53. S. 203.

 

 

Herr Beckmann ergänzt:

Warum haben wir jetzt 230V ?

Das kommt durch die Harmonisierung in der EU. Die Engländer hatten ein 240V Netz. Durch die
Umstellung auf 230V mit anderen Toleranzgrenzen sind dann beide Länder wieder gut bedient.

In großen Systemen ist eine Umstellung eben nicht einfach.

 

 

Herr Scheida fragt:

100 V & 127 V Netze - Warum gab es die?

Jetzt wäre es noch interessant die 100 V Netze Japans sowie die Europa 127 V Netze zu erklären die etwas außerhalb des beschriebenen Schemas liegen.

Herr Haase antwortet:

127/220V-Netze

127 V ist die Strangspannung eines 220 V-Drehstromnetzes, also eines Netzes, bei dem die verkettete Spannung (Außenleiterspannung) 220 V beträgt (127 V x Wurzel 3 = 220 V) analog zum 380 V-Drehstromnetz.

 

This article was edited 09.Feb.12 12:19 by Heribert Jung .

  
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