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Was ist ein Ultra-Steilkreistransformator?

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Gerhard Eisenbarth
 
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19.Nov.18 19:56

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In meinem Radio-Bauteile-Vorrat befindet sich eine Luftspule mit folgendem Aussehen:

Luftspule mit Abschirmbecher                     Steckspule im Innern

Aufschrift auf dem Spulenkörper

 

Basisplatte mit Anschlusstechnik                 Sicht auf die Steckerstifte

 

Die Höhe des Abschirmbechers aus Alu ist ca. 12 cm und der Durchmesser ca. 8 cm und damit für einen Einsatz in einem Empfänger beachtlich voluminös!!!

 Am Umfang verteilt befinden sich auf der Grundplatte 7 Anschlusspunkte. Ein Anschluss mit der Bezeichnung „E“ ist mit dem Abschirmbecher verbunden. Die restlichen 6 Anschlüsse führen zu zwei  Luftspulen.

Die Außenspule hat zwei Anschlüsse. Im Innern befindet sich eine kürzere Spule mit geringerem Außendurchmesser, mit zwei Anzapfungen.

 

Auf der Suche nach weiteren Details über das Bauteil von Fa. Radix fand ich in einem Radio-Katalog von 1935 die folgende Beschreibung:

 

Ob es sich bei meinem oben beschriebenen  Bauteil um den Ultra-Steilkreis-Transformator handelt, ist noch ungeklärt.

Fragen:

a) Wer kann Informationen und/oder Unterlagen zum Radix-Bauteil „Steilkreistransformator“ beisteuern?

b) Wozu und in welchen Geräten  wurde dieses voluminöse Bauteil eingesetzt?

 

 

Weitere gefundene  Informationen über den Begriff „Steilkreis“:

Bei der weiteren Suche nach dem Begriff „Steilkreis“  fand ich im Radiomuseum bei der Radioserie „Atlantis“ der Firma Reico Hinweise in einem Prospekt von 1933 mit dem Titel „Atlantis taucht auf“:

„Atlantis“, der bahnbrechende Weltempfänger, bringt durch die millionenfache Verstärkung der neuen Steilkreis-Schaltung alle europäischen Stationen und die Weltsender auf kurzer Welle in unübertroffener Tonqualität klar und trennscharf in Ihr Heim.“

Die Besonderheit bei dieser Reico-Steilkreisschaltung ist die Verwendung von steilen HF-Pentoden (RENS1818; RENS1820)  in Verbindung mit einer Rückkopplungsschaltung um eine hohe Verstärkung zu realisieren. Die Rückkopplung erfolgt über zwei Stufen.

Die theoretische Verstärkung beider HF-Pentoden ist mit 360000 (900 x 400) in Telefunken Unterlagen angegeben. In Verbindung mit einer Rückkopplung über beide Stufen ist wahrscheinlich eine Verstärkung von 1 Million erreichbar, wie von Reico im Prospekt angegeben.

Der Begriff "Steilkreis" wird bei einigen Geräten von Reico verwendet.

Fragen:

c) Ist bei dem Schaltungskonzept des Radiotyps „Atlantis“ ein Steilkreis-Transformator verwendet worden?

d) Welches Prinzip (Bauteile, Schaltung) verbirgt sich hinter dem Begriff Steilkreis?

e) Hat der Röhren-Begriff "Steilheit" mit dem (anscheinend von Reico geprägten) Begriff "Steilkreis" eine gemeinsame Bedeutung?

 

Wer kann Informationen zum Steilkreistransformator bzw. zum Steilkreis beitragen.

 

Giovanni Cucuzzella
 
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20.Nov.18 09:24

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Hallo Herr Eisenbarth,

das ist wohl ein Antennentransformator/Hochfrequenztransformator und im RM hier bereits angelegt.

Ihre Fragen zum Thema Steilkreis kann ich leider nicht beantworten. Das werden sicher andere RM-Mitglieder mit dem entsprechenden Wissen tun.

Freundliche Grüße

Giovanni Cucuzzella

This article was edited 20.Nov.18 09:30 by Giovanni Cucuzzella .

Dietmar Rudolph † 6.1.22
Dietmar Rudolph † 6.1.22
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20.Nov.18 11:17

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Die ersten Zylinderspulen wurden noch mit Cu-Volldraht mit zweifacher Seide- bzw. Baumwoll-Isolation gewickelt. Wurde daraus ein Detektor gebaut, dämpfte die Belastung durch den Kristall und den angeschlossenen Kopfhörer den Schwingkreis zusätzlich (zur Dämpfung durch die Antenne). Ein solcher Schwingkreis hatte folglich eine sehr bescheidene Betriebs-Güte und deshalb eine sehr flache Durchlaßkurve, was ihn breitbandig machte. Die Selektion von Empfangsstationen war somit bescheiden.

Mit zunehmender Senderdichte und dem Wunsch der Hörer, auch ferne Stationen aufnehmen zu können, wurde eine höhere Selektion der Schwingkreise benötigt.

Ein Ansatz dazu war, die (vor dem Aufkommen von Ferritmaterial) übliche Zylinderspule mit HF-Litze zu bewickeln. Damit ließen sich höhere Güten - und damit "steilere" Schwingkreise realisieren. 

Und "Ultra-Steilkreis" war vermarktungstechnisch ein sicher gut gewählter Begriff.

Im Thread "Abgleich von Spulen" finden sich weitere Informationen zu der Themenstellung.

Im linken Bild ist eine solche Spule von einem Siemens47 zu sehen. Rechts ein Diagramm, das zeigt, wie viel größer die Spulengüte bei Verwendung von Litze werden kann.

 

 

 

 

MfG DR

Gerhard Eisenbarth
 
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20.Nov.18 11:56

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Hallo Herr Cucuzzella,

danke für Ihre Information. Damit kann ich das Bauteil in meiner Sammlung als Antennentransformator einordnen.

Offen bleiben die Fragen nach einem Steilkreis.

Mit der Information aus dem Illustrierten Radio-Großkatalog 1935/36 könnte man das Bauteil „Steilkreis-Transformator“ anlegen. Die mechanische Ausführung von Firma Radix wird so sein, wie beim Antennentransformator. Lediglich die Steckspule ist der Funktionalität eines Steilkreis-Transformators angepasst.

Grüße von G. Eisenbarth

Gerhard Eisenbarth
 
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20.Nov.18 11:56

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Hallo Herr Rudolph,

Ihre Ausführungen erläutern mir verständlich, was man mit dem Begriff Steilkreis bei Schwingkreisen aussagen will. Der Begriff „Ultra“ ist dann noch wie eine Steigerung dieser Schwingkreis-Eigenschaften (Güte) zu sehen. Die Fig. 21 ist dazu sehr aussagekräftig.

Für Ihre kompetente und schnelle Antwort möchte ich mich recht herzlich bedanken.

Grüße von G. Eisenbarth

Dietmar Rudolph † 6.1.22
Dietmar Rudolph † 6.1.22
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20.Nov.18 14:31

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In "Lehmann, W.: Die Rundfunk- und Tonfilmtechnik, 2.A., Killinger, 1932" gibt es eine zeitgenössische Beschreibung der Problematik, allerdings ohne daß der Werbe-Begriff "Ultra-Steilkreis" dabei vorkommt. Aber auf der ersten hier gezeigten Seiten ist in Abb. 410. genau der RADIX "Bechertransformator" abgebildet.

Bei dem in Abb. 413 gezeigten Chassis handelt es sich um den Telefunken 40W bzw. 40W_spez.

Mit dem "bestimmten Winkel" für die Anordnung von Zylinderspulen ist der Hazeltine "Magic Angle" gemeint.

Bei der auf der 2. Seite angesprochehen "Einknopfbedienung" von mehrkreisigen Geradeaus-Empfängern kommt das Problem des L-Abgleichs von Zylinderspulen zum tragen.

Aus den Bildern Abb. 412 (Baster-Gerät) und Abb. 413 (Industrie-Gerät) ist erkennbar, daß 1931/32 der Übergang von dem Brett-Aufbau zum Chassis-Aufbau errfolget - und damit der Übergang in der Darstellung der Röhren-Sockel - von oben: noch bei Bastlern zu von unten: bei Industriegeräten.

MfG DR

  
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