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zerbrochene Skalenscheiben kleben und restaurieren

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Gerhard Wickern
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24.Jan.15 15:24
 
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Beim Versand von Röhrenradios kommt es immer wieder zu Transportschäden - sei es durch nicht ausreichend gute Verpackung oder durch zu starke Belastungen bei Transport oder Sortierung durch den Paketdienst. Besonders problematisch ist dabei in der Regel die Skalenscheibe, weil sie relativ leicht zerbricht und schwer zu reparieren ist, aber für das Aussehen des Gerätes eine wichtige Rolle spielt.

Nach einigem Herumprobieren mit den verschiedensten Klebemethoden habe ich jetzt einen halbwegs tauglichen Weg für eine Reparatur von Skalenscheiben gefunden. Je glatter der Bruch, desto einfacher natürlich die Reparatur. Die Klebung teilt sich grob in zwei Abschnitte: die Festigkeitsklebung, mit der die Scheibe wieder zu einem stabilen Ganzen zusammengesetzt wird, und die Auffüllung von Oberflächenausbrüchen (Ausmuschelung).

Als Kleber bzw. Auffüllmaterial wird in beiden Fällen UV-aushärtendes Harz verwendet. Für die Festigkeitsklebung verwende ich den Glaskleber CONLOC 665, der ähnlich dünnflüssig wie ein Sekundenkleber ist. Zum Auffüllen der Oberflächenschäden nehme ich den UV-Kleber Bondic aus dem Baumarkt (Kleberflaschen siehe erstes Bild).

Zum Wiederzusammensetzen lege ich die Teile der zerbrochenen Scheibe auf ein sehr ebenes Holzbrett. Darunter lege ich ein saugfähiges Stück Zeitungspapier, damit die Scheibe nicht am Holz festklebt und durchsickernder Kleber nicht die bedruckte Rückseite anlöst. Die Bruchstücke müssen sehr genau zueinander ausgerichtet werden, da man bei der spiegelnden Glasoberfläche auch kleinste Verschiebungen sofort sieht. Wenn alles gut ausgerichtet ist, wird entlang der Risslinien der Kleber außen aufgetragen und man sieht, wie er sich durch Kapillarkräfte auch in feinste Fugen hereinzieht. Ist ein Riss in der Scheibe nicht ganz durchgelaufen, kann es nötig sein durch ganz leichtes Biegen das Hineinlaufen in den Spalt bis in die äusserste Spitze zu unterstützen. Dann die Ausrichtung der Bruchstücke nochmal kontrollieren und dann das Ganze mehrere Stunden mit starkem UV-Licht bestrahlen. Mein Aufbau dazu ist in Bild 2 gezeigt. Ich härte vorsichtshalber immer 24 Stunden lang aus, obwohl weniger Stunden wahrscheinlich ausreichend sind. Der Kleber härtet nur in den feinen Rißen aus, der überschüssige Kleber aussen auf der Scheibe kann nach dem Aushärten einfach weggewischt werden.

Glatte Risslinien sind nach der Festigkeitsklebung kaum noch zu sehen, sehr stark sieht man aber immer noch die oft vorhandenen Oberflächenausbrüche. Diese müssen auf beiden Seiten mit durchsichtigem Material aufgefüllt werden. Dazu verwende ich Bondic, das mit einer kleinen dazugehörigen LED-UV-Lampe in wenigen Sekunden ausgehärtet wird. Mit der Auftragespize füllt am eine möglichst genau passende Menge des Bondic-Harzes in das Loch in der Oberfläche und klebt dann ein Stück klares Tesafilm darüber, so dass das Harz dadurch in eine glatte und ans Glas angepasste Oberflächenform gebracht wird. Dann wird durch den Tesafilm das Harz ausgehärtet und danach der Tesafilm wieder abgezogen. Dabei muß man darauf achten, dass das ausgehärtete Harz nicht mit abgezogen wird. Dies passiert besonders dann, wenn nicht lange genug ausgehärtet wurde oder die Harzschicht zu dick war. Das UV-Licht dringt nur begrenzt ein und daher ist es bei tieferen Fehlstellen sinnvoll, die Füllung in mehreren Schichten aufzubauen. Größere Bruchstücke sollte man nur begrenzt mit Bondic ersetzen, da es nach dem Aushärten einen leichten Gelbstich bekommt (ist bei dunklen Skalen aber häufig kein Problem).

Als letztes muß die Skalenglasbedruckung durch "Hinterglasmalerei" ausgebessert werden. Bei der Beschriftung hat man  kaum eine Chance, diese im Bruchbereich wieder herzustellen, aber bei Zierstreifen kann man durch Abkleben schon ganz gut fehlende Abschnitte ergänzen. Am leichtesten geht natürlich die Hintergrundfarbe nachzubessern. Bei den Farben ist darauf zu achten, ob der entsprechende Bereich undurchsichtig oder semitransparent ist. Ausserdem ist beim Anmischen des Farbtons darauf zu achten, dass gerade hellere Farbtöne beim Trocknen nachdunkeln. Ich verwende einen Lack aus dem Plastikmodellbau (Revell Email Color), den ich im Zweifelsfall auch nach dem Antrocknen mit Terpentin wieder abwischen kann. Wenn man ohne Auffüllen der Ausbrüche die Rückseitenfarbe ausbessert, sind durch das Glas die Unebenheiten sehr stark zu erkennen.

Ausgehend vom ursprünglichen Transportschaden habe ich zum Schluß noch 5 Bilder eingestellt, die Zwischenstände und das fertige Ergebnis zeigen. Natürlich erreicht man nicht ein Ergebnis, das dem unbeschädigten Skalenglas entspricht. Trotzdem meine ich, das Ergebnis lohnt den Arbeitsaufwand, vor allem bei Skalenscheiben, für die kein Ersatz mehr zu beschaffen ist. Das Gerät mit der reparierten Skalenscheibe ist hier zu sehen.

 

Herzliche Grüße

Gerhard Wickern

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This article was edited 24.Jan.15 15:26 by Gerhard Wickern .

Gerhard Wickern
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06.Aug.19 21:05
 
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Im Versandhandel wird mittlerweile UV-aushärtendes Harz speziell für die Reparatur von Fahrzeugscheiben angeboten. Ich hatte eine stark beschädigte Skalenscheibe von einem Heli 3000, die ich zunächst mit der oben beschriebenen Technik wieder zusammengesetzt habe (erstes Bild). Es gab aber  regelrechte Löcher und zahlreiche Abplatzungen in der Oberfläche. Diese Scheibe habe ich dann als Versuchsobjekt für das Harz aus der Fahrzeugtechnik verwendet.

Zur Aushärtung wird bei diesen Harzen starker Sonnenschein empfohlen - das funktioniert sehr gut, besser als die UV-Lampen. In der Regel ist das Harz nach einer Viertelstunde ausgehärtet, während es mit der Lampe oft Stunden dauert. Im angebotenen Set waren dünne Kunststofffolien dabei, an denen das ausgehärtet Harz nicht haftet und mit denen man - auf das flüssige Harz gelegt - eine glatte Oberfläche erzeugen kann. Das Standardharz ist sehr dünnflüssig und mit hoher Kapillarwirkung, um auch in kleine Spalte zu kriechen. Zum Füllen von größeren Fehlstellen braucht man zusätzlich ein dickflüssiges Harz, da das dünnflüssige Harz sich beim Auflegen der Glättungsfolie durch die Kapillarwirkung aus dem Hohlraum regelrecht heraussaugt. Man muss etwas herumprobieren, bis man die Handhabung des Harzes einigermaßen im Griff hat.

Das Endergebnis ist natürlich keine neue Skalenscheibe, aber meiner Meinung nach doch einigermaßen brauchbar. Mit mehr Übung ist sicher auch noch eine weitere Verbesserung möglich. Man muss beim ersten Zusammenkleben extrem darauf achten, das alle Bruchstücke genau ausgerichtet sind. Erst in der Spiegelung der Scheibe sieht man, ab alle Teile exakt plan sind.

Von weitem betrachtet ganz akzeptabel

In der Nahansicht ist der Schaden aber natürlich noch deutlich erkennbar.

 

Herzliche Grüße

Gerhard Wickern

  
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