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Zink-Überzüge für Röhren

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Rüdiger Walz
Rüdiger Walz
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26.Jan.04 22:08

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Bei mir hat sich seit Jahren folgendes Rezept bewährt:

Die Glasoberfläche muß sorgfältig gereinigt werden und der Kupferdrahtring am Sockel mit einem Glaspinsel oder Schlüsselfeile ( vorsicht Glas nicht verletzen) blank geputzt werden. Nach Abkleben des Sockels und ggf. der Anodenkappe wird die Röhre mit Kontakt-Chemie Graphitlack ( Quelle: Conrad Electronic o.ä.) besprüht. Diese Schicht gewährleistet die Leitfähigkeit. Vor Aufsprühen der zweiten Schicht sollte die Graphitschicht mit einem weichen Tuch poliert werden, um ihr Leitfähigkeit zu erhöhen.

Die zweite Schicht wird mit Zinkspray, Goldspray oder Silberspray aus dem Baumarkt aufgebracht. Dünn sprayen in mehreren Gängen, so daß eine etwas rauhe Oberfläche entsteht, wie beim Original. Besonders der Zinkspray hat aufgrund seines hohen Feststoffgehaltes ein originalgetreues Aussehen. Er ist in fast jedem Baumarkt erhältlich.

Inzwischen habe ich mir von den alten REN(S) Röhren Stempel anfertigen lassen. Preis pro Stempel ca. 5-8 Euro um dem Ganzem zum Schluß ein professionelles Aussehen zu geben. Die Röhren sehen Anfangs neu und frisch aus, was sich nach jahren aber ändert.

Bisher ist bei Keiner die Farbe abgeblättert.

 

Jacob Roschy
Jacob Roschy
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27.Jan.04 20:41

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auch ich habe die Methode mit Graphitspray erprobt und wurde davon enttäuscht. Nach dem Auftragen der Graphitschicht wurde vom Masseanschluss bis zum oberen Ende der Röhre ein Widerstand von einigen kOhm gemessen, was zum Zweck der Abschirmung ausreichend ist.

Nachdem die obere Farbschicht (Gold oder Silber) aufgetragen und getrocknet war, wurde erneut der Widerstand gemessen. Hier wurden schon nach nur wenigen mm vom Massedraht Werte im MegOhm- Bereich gemessen, auch nach Abkratzen der oberen Farbe. Diese Farbe hatte höchst wahrscheinlich den Graphitbelag aufgelöst, wodurch sich die Graphitpartikel mit der Farbe vermischten und somit elektrisch kaum noch miteinander verbunden waren.

Erfolgreicher war die Anwendung von EMV-Kupferspray von Kontakt-Chemie mit anschließender Überlackierung mit Gold- und Silberspray, eine bestimmte rote Farbe vertrug sich jedoch nicht mit diesem Spray.

MfG JR

This article was edited 27.Jan.04 20:42 by Jacob Roschy .

Georg Schön
 
 
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27.Jan.04 22:02

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   3 Die Röhren der 30er Jahre wurden "geschoopt".
Dabei wird Zinkpulver (auch andere Metalle?) durch eine Flamme hindurch geblasen.
Das Verfahren wurde auch später noch verwendet, um
die Stirnseiten von Folienkondensatoren zu kontaktieren.
Kennt jemand die ungefähren Bedingungen dieses
Metallspritzens, oder hat jemand schon Versuche damit
gemacht?
Nach den Bildern im Ratheiser zu urteilen, müsste man
einen solchen "Schoop"-brenner basteln können,
wenn man ungefähr die Prozessparameter kennt.
Grüße,
Georg Schön


Rüdiger Walz
Rüdiger Walz
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30.Jul.05 18:20

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   4 In meinem ersten Thread hatte ich bereits kurz mein Verfahren, das sich seit Jahren bewährt hat beschrieben. Nachfolgend das ganze noch einmal mit Bildern dokumentiert.

Das erste Bild zeigt drei Röhren mit beschädigten Abschirmungen (alle RENS 1204). Die beiden linken zeigen Blasen und das Zink blättert ab. Die rechte zeigt nur eine Unterbrechung am Sockel, der Rest der Abschirmung ist zwar sehr dunkel, aber fest.

Hier beschichte ich nur die beiden linken Exemplare, die rechte Röhre bekommt nur eine neue leitfähige "Bauchbinde", der originale Anteil ist noch zu groß um durch Erneuerung zerstört zu werden.
Die restliche Abschrimung muß restlos entfernt werden. Herr Georg Schön hat in einem anderem Thread bereits beschrieben, daß die Abschirmung durch Aufspritzen von flüssigem Zink durch eine Flamme aufgebracht wurde. Lösemittel helfen hier also nicht. Die Abschirmung wird mit einem flach (!!!) angesetzten Messer vorsichtig abgeschabt.

Nun müssen zuerst die Anodenanschlüsse erneuert werden. Das nächste Bild zeigt, daß die Anschlußdrähte unmittelbar am Glas abgebrochen sind. Es handelt sich um Kupfermanteldraht, der eine Seele aus Eisen hat. Das macht ihn anfällig gegen Rost und leider auch sehr brüchig.



Mit einer Dreikanntschlüsselfeile wird die Durchschmelzung vorsichtig angefeilt, bis ein Stück des Drahtes (ca. 1mm ) herausschaut. Vorsicht, Feile anfeuchten und Zeit nehmen. Es dauert bei mir ca. 10 - 15 Min,  bis das Ergebnis des nächsten Bildes erscheint. Wer zu hastig arbeitet, riskiert das Drahtende abzubrechen. Nur leichten Druck verwenden, sonst wird das Kolbenglas verletzt.



An dieses Drahtende kann mit einer Schlaufe ein dünner Kupferdraht angeötet werden. Ich nehme ein Stück aus einem Litzenkabel. Das nächste Bild zeigt die verwendeten Materialien und das übernächste den angelöteten Litzendraht.





Nun kann die Kappe mit Hilfe von Patex Hochtemperturkleber aufgeklebt werden. Den Drahtkanal im Gewinde mit einer Entlötpumpe säubern und den Draht hindurchführen. Den Rest von altem Phenolharzkleber sollte man in der Kappe lassen, sie liegt dann besser auf. Aber darauf achten, das in der Mitte genügend Platz für die Spitze ist !.



Die Röhre wird mit Hilfe eines Statives zum Trocknen des Klebers fixiert. Patex bleibt leicht flexibel und ist genügend temperaturfest.



Zum Spritzen der leitfähigen Graphitunterschicht müssen Kappe und Sockel abgeklebt werden. Der Kontaktdraht zwischen Sockel und Kolben muß vorsichtig mit einer Dreikantfeile blank gefeilt werden. (Achtung das Glas nicht verletzen) Das Glas muß sorgfältig mit Spiritus oder Nitroverdünnung entfettet werden. Achtung, danach nicht mit bloßen Fingern anfassen.



Die Grahitschicht (hier von Kontakt Chemie) ist zuerst matt und leitet mäßig. Nach dem Polieren mit einem weichen Tuch glänzt sie und hat ihren Widerstand wesentlich erniedrigt. Bis zur Spitze der Röhre einige kOhm.
Im zweiten Arbeitsgang wird Zinkspray aufgetragen. Er dient zum einen der Optik und zum anderen trägt er je nach Fabrikat zur Leitfähigkeit bei. Anschließend wird die Röhrenbezeichnung aufgestempelt. Am gezeigten Beispiel leider zu niedrig. Der alte Telefunkenstern war ca. 20 mm über dem Sockelrand angebracht. Die Stempel kosten ca. 15,- Euro. Vorlagen kann ich gerne zur Verfügung stellen. Die Bezeichnung der Röhre kratze ich unauffällig in den Sockel um Mißbrauch und "Umbenennung" von Röhren zu verhindern.




Rüdiger Walz


This article was edited 25.Feb.07 18:34 by Rüdiger Walz .

Rüdiger Walz
Rüdiger Walz
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25.Feb.07 19:02

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Die gezeigte 13F7 von TeKaDe wurde in Nachkriegsempfängern von TeKaDe als Ersatzröhre für die CF7 verwendet. Mir lag daher daran, dass trotz beschädigter Abschirmung die Schrift erhalten bleibt.

Die lockeren Teile der Abschirmung wurden vorsichtig entfernt und die Abschirmung dünn mit Mattlack stabilisiert. Die blanken Stellen wurden mit Graphitlack eingestrichen. Da man hier nicht abkleben und sprayen kann, wurde ein wenig Graphitlack in ein kleines Gefäß gesprüht und mit dem Pinsel aufgetragen.


Die abschließende Zinkschicht wurde ein gleicher Weise aufgebracht und anschließend ebenfalls dünn mit Mattlack überstrichen, damit die Oberfläche gleich aussieht. Die neue Schicht ist derzeit noch heller als das Original, wird aber erfahrungsgemäß im Laufe der Jahre nachdunkeln.

Rüdiger Walz

This article was edited 25.Feb.07 19:03 by Rüdiger Walz .

  
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