radiomuseum.org

 
Please click your language flag. Bitte Sprachflagge klicken.

Zweifarbige Gehäuse neu lackieren

Moderators:
Ernst Erb Martin Renz Bernhard Nagel 
 
Thread locked Thread closed by a moderator. But replies can be made through a moderator.
Please click the blue info button to read more about this page.
Forum » Technique, Repair, Restoration, Home construction ** » How to store and to treat radios » Zweifarbige Gehäuse neu lackieren
           
Frank Ebinger
Frank Ebinger
 
D  Articles: 93
Schem.: 0
Pict.: 39
19.Apr.16 23:50

Count of Thanks: 5
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   1

Hallo liebe Sammlerkollegen!

Seit mehreren Jahren stehen bei mir zwei Radios an deren Gehäuse ich mich bisher nicht heran getraut habe. Während die Chassis schon längst überholt wurden, sind die Gehäuse noch im Originalzustand. Der Grund liegt daran, das beide Gehäuse jeweils um Schallwand und Skalenscheibe einen schwarz lackierten Holzrahmen haben. Ich habe bisher nicht herausgefunden wie ich das neu lackieren soll ohne auseinander zu bauen. Es handelt sich um einen Saba 580WK und einen Seibt 11W. Bei dem Saba kommt noch erschwerend hinzu das in dem schwarzen Holzrahmen helles Holz eingelegt ist. So scharfkantig wie der schwarze Teil in den transparent lackierten Teil des Gehäuses übergeht, kann ich mir nur vorstellen das diese beiden Teile getrennt lackiert wurden und erst danach zusammengeklebt wurden. Kann man das nur perfekt lackieren indem man den schwarzen Rahmen wieder abnimmt oder gibts da einen Trick wie man das im eingebauten Zustand richtig lackieren kann? Vielleicht hat schon jemand ein solches zweifarbiges Gehäuse restauriert und kann mir da entsprechende Ratschläge geben.

Viele Grüße

Frank Ebinger

Andreas Peukert
Andreas Peukert
Editor
D  Articles: 309
Schem.: 1
Pict.: 73
20.Apr.16 00:30

Count of Thanks: 4
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   2

Hallo Herr Ebinger,

ich restauriere auch öfter Radiogehäuse. Diese unterschiedlichen Holzfärbungen veranlassen einen an sich zu zwei Überlegungen. Die 1. ganz klar, man versucht die abgesetzten Holzteile vorsichtig vom eigentlichen Gehäuse zu trennen. Das geht mitunter leichter, als man sich das vorstellt. Ich verwende dazu stets eine Holzleiste, die ich auf die zu trennenden Holzteile von innen drücke. Dann wird vorsichtig ! mit einem Gummihammer auf die Leiste geklopft. Das sollte insbesondere bei Ihrem Seibt 11 eine Möglichkeit darstellen. Aber Vorsicht, schnell ist die Einfassung gebrochen. Auch sollte man mit dem Gummihammer nicht direkt auf eine zu lösende Komponente schlagen. Hier kann das Holz unschöne Dellen bekommen. Sollte man dann wirklich den Rahmen o. Ä. vom Gehäuse trennen können, sollte man hier in dem gewünschten Farbton beizen. Dann klebt man die entfernten Teile wieder in das Gehäuse und der Lackiervorgang kann beginnen.

Wenn das nur immer so ginge. Meist lassen sich Anbauteile nicht entfernen. Die Verleimung gibt nicht nach. Dann gibt es nur die 2. Variante. Man muss ja eh zunächst das Gehäuse komplett entlacken. Diese Vorgehensweise hat Herr Renz schon sehr ausführlich hier beschrieben. Darauf brauche ich daher nicht eingehen. Wenn das Gehäuse entlackt und vorsichtig geschliffen wurde, muß der Schleifstaub penibel entfernt werden. Die entsprechend dunkel oder farbig abgesetzten Teile sollte man wieder mit Holzbeize bearbeiten. Dazu sollte man das Gehäuse an den Übergängen mit Maler-krepp abkleben. Hier reicht das schmalste Band. Ist die Abklebung sorgfältig gewesen, sollten kaum farbliche Überstände vorhanden sein. Falls es doch zu vereinzelten Ausreißern gekommen ist, entferne ich das entweder mit sehr feinem Schleifpapier oder mit feiner Stahlwolle. Ich habe auf diese Weise stets gute Ergebnisse erzielt. Man umgeht so das Herausbrechen der abgesetzten Gehäuseteile.

Ein wichtiger Hinweis noch zur Holzbeize. Es gibt 2 unterschiedliche Ausführungen. Einmal ist die Beize wasserlöslich und einmal mit Spiritus versetzt. Man muss vorher wissen, mit welcher Lackierung man arbeiten möchte. Wasserbeize eignet sich nicht für wasserlösliche Lacke. Spiritusbeizen sollte man widerum nicht für z. B. Schellack-Polituren verwenden. Das sollte man unbedingt beachten. Sonst wird aus dem satten Beize-Auftrag eine "verwaschene" Optik. Ich hoffe, Ihnen mit diesen Hinweisen etwas weiter geholfen zu haben. Viel Erfolg!

Viele Grüße

Andreas Peukert

Frank Ebinger
Frank Ebinger
 
D  Articles: 93
Schem.: 0
Pict.: 39
20.Apr.16 14:59

Count of Thanks: 3
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   3

Hallo Herr Peukert,

vielen Dank für die ausfühliche Beschreibung! Das mit dem Gummihammer und Leiste werde ich am Wochenende mal probieren. Würde es etwas nutzen wenn man die Klebestellen mit einem Heißluftgebläse oder Fön vorher erwärmt? Vielleicht löst sich damit der Leim besser. Ich hoffe, das der ca. 80 Jahre alte Leim schon etwas an Festigkeit eingebüßt hat und den Rahmen ohne größere Widerstände frei gibt. Ich habe schon ein paar Gehäuse gehabt wo der Leim sich zwar schon freiwillig gelöst hatte; aber wie es nun mal ist: Meist da wo der Leim halten soll! Da wo er nicht halten soll klebt der in der Regel noch bombenfest. 

Zuerst werde ich das Verfahren an dem Seibt ausprobieren da dort die dunklere Farbe gebeizt ist; falls sich der Rahmen nicht löst kommt Verfahren Nr.2 zum Einsatz. Bei dem Saba ist leider richtiger schwarzer Lack drauf; aber dort bin ich guter Hoffnung da sich schon die Seitenwände angefangen haben zu lösen. Das deutet darauf hin das der Leim da schon nachgegeben hat.

 

Vielen Dank und viele Grüße

Frank Ebinger

Andreas Peukert
Andreas Peukert
Editor
D  Articles: 309
Schem.: 1
Pict.: 73
20.Apr.16 18:26

Count of Thanks: 2
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   4

Hallo Herr Ebinger,

ich hoffe, dass Ihnen die geschilderten Methoden zum Erfolg verhelfen werden. Allerdings erlauben Sie mir noch zwei Hinweise.

Es wird nicht viel bringen, wenn sie den alten Knochenleim (Glutinleim) mit dem Heißluftfön erwärmen. Er wird Blasen schlagen und anfangen zu stinken. Also, sollten Sie wirklich versuchen, ihn durch Hammerschläge mürbe zu machen, so dass er das entsprechende Holz frei gibt.

Wenn Holzleisten o. Ä. auch schwarz lackiert sind, können sie schwarze Holzbeize verwenden. Allerdings sollten Sie hinterher bei der Lackierung einiges beachten. Falls Sie mit Klarlack arbeiten (welche Beize, s. 1 Ausführung) müssen Sie die Beize sozusagen versiegeln. Bei Klarlack reichen ca.2 Aufträge bis man vorsichtig zwischen schleifen kann. Sollten Sie mit Schellack-Politur arbeiten, können sie nicht nach der Grundierung die Holzporen mit Bimsmehl verschließen. Das würde die Beize übel nehmen. Sie müssen einige Aufträge mit Schellack vornehmen und dann bei entsprechender Versiegelung der Beize mit Bimsmehl arbeiten.

Vielleicht können Sie uns ja mal schreiben, welches Lackverfahren Sie bevorzugen.

Viele Grüße

Andreas Peukert

Frank Ebinger
Frank Ebinger
 
D  Articles: 93
Schem.: 0
Pict.: 39
20.Apr.16 23:13

Count of Thanks: 5
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   5

Hallo Herr Peukert,

da lasse ich das Heißluftgebläse besser weg. Zum neu lackieren verwende ich die klassische Methode: Beize auf Lösungsmittelbasis (Die neuen sind ja alle Aqua-Beizen) in Verbindung mit Nitro- Klarlack. Ich hoffe das man die Nitrolacke noch eine Weile bekommt; mit Wasserlacken habe ich schon sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Ich habe verschiedene Klarlacke ausprobiert und bin über Parkettlack beim Bootslack von clou gelandet. Der ist nach dem austrocknen sehr hart und man muß schon kräftig schmirgeln bis man da die Deckschicht angeschliffen hat. Die ersten zwei Lagen bringe ich mit einer feinen Walze auf (mit anschleifen dazwischen), danach wird der Lack etwas verdünnt gespritzt. Anschließend poliert. Je nach Holz mische ich auch die Beizen; um z.B. bei einem kalt wirkenden Nussbaum dunkel einen wärmeren Farbton zu erreichen kommt ein Schuß Mahagoni dazu; nicht zuviel, sonst wird es zu rot. Bei Makassar mische ich Effektbeize dazu damit die Maserung stärker zur Geltung kommt.

Schellack verwende ich eigentlich nur da, wo es auch original dran war; so z.B. bei den Atwater Kent aus den 20er Jahren. Beizen tue ich hier gar nicht da es mittlerweile Schellack in allen Farbtönen von transparent bis schwarz (Klavierlack) und den passend eingefärbten Sealern (Bimsmehl zum verschießen der Poren) gibt. Einzige Ausnahme: Mein DESO Tokio, der hat ein sehr schön gemasertes Holz und das kommt mit Schellack einfach besser raus!

Viele Grüße

Frank Ebinger

 

Andreas Peukert
Andreas Peukert
Editor
D  Articles: 309
Schem.: 1
Pict.: 73
21.Apr.16 09:01

Count of Thanks: 3
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   6

Hallo Herr Ebinger,

vielen Dank für die ausführliche Schilderung Ihrer Lackverarbeitung. Ja, das machen Sie so professionell, da gibt es an sich nichts hinzuzufügen. Damit sind die Radiogehäuse auf einem guten Weg. Dann nochmals viel Erfolg bei der Umsetzung.

Viele Grüße

Andreas Peukert

Thread locked Thread closed by a moderator. But replies can be made through a moderator.
  
rmXorg