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Braunbuch-Beschreibung (ARD, IRT)

German | Catalogue Models (not tubes)
 
Author Editor
ARD/IRT
Publisher ISBN
NWDR, IRT München, Germany
Date of issue / Date of first publication Periodicity
Format Pages
DIN A4 Portrait
Print Type Type
Catalogue Models (not tubes)
Short Description
Description
Created by: Ernst Erb (18.Mar.12)
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Braunbuch-Beschreibung (ARD, IRT)
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  Das Braunbuch und die Braunbuch-Bezeichnungen
Nikolaus Löwe
03.Nov.20
 
  1

Im Zusammenhang mit Geräten der Tonstudiotechnik ist immer wieder vom „Braunbuch“ beziehungsweise von „Braunbuch-Beschreibungen“ die Rede. Geräten, die im Braunbuch stehen, werden geradezu mystische Eigenschaften nachgesagt. Aber was ist das Braunbuch eigentlich, und was bedeuten die Braunbuch-Bezeichnungen? Ziel dieses Artikels ist es, etwas Licht ins schummrige Halbdunkel der Legende zu bringen.

NWDR Braunbücher

Die NWDR Braunbücher, Ausgabe 1959

Meistens ist mit „Braunbuch“ das NWDR Braunbuch gemeint. Der NWDR ist der Nordwestdeutsche Rundfunk, erste deutsche Rundfunkanstalt nach dem 2. Weltkrieg und Vorläufer der ARD.

Das NWDR Braunbuch wiederum basiert auf dem RRG Braunbuch: Bereits 1930 bis 1933 wurde bei der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft eine Benennung sämtlicher für den technischen Betrieb vorgesehenen Geräte nach einem System aus Buchstaben und Zahlen eingeführt (siehe auch NWDR Braunbuch, Teil II „Studiotechnik“, Z20). Die Unterlagen zu diesen Geräten wurden in Mappen gesammelt. Nach dem Krieg war der Herausgeber die NWDR Zentraltechnik, daher wurden auch Eigenentwicklungen des NWDR mit aufgenommen.

Ein Braunbuch-Auszug ist eine einzelne Gerätebeschreibung, die oft mehrseitig ausfällt, und wichtige Service-Informationen sowie Schaltpläne enthält. Braunbuch-Auszüge sind auch hilfreich beim Datieren von Geräten, da die Betriebseinführung darauf vermerkt ist. Bei komplexen Geräten gibt es einzelne Beschreibungen für die Bestandteile, z.B. das Tonbandlaufwerk AEG K4, dazu die Magnetköpfe, Aufnahme- und Wiedergabeverstärker, und das Netzteil.

RRG Braunbuch V1_01RRG Braunbuch V1_02RRG Braunbuch V1_03RRG Braunbuch V1_AnlageRRG Braunbuch V1_schema

RRG Braunbuch-Auszug des Verstärkers V1 von 1936

Neben den Unterlagen in Teil I („Gerätebeschreibungen“), die meistens gemeint sind, wenn man verkürzt vom „Braunbuch“ spricht, gibt es noch den Ordner Teil II („Studiotechnik“), in dem Hinweise zu Einrichtung und Betrieb kompletter Studioanlagen stehen. Dazu gehören Aufbaurichtlinien für Studioanlagen, messtechnische Begriffe, Pegeldiagramm, Angaben zum Rundfunkleitungsnetz, Funkschutz, aber auch die Organisation des NWDR. Daraus wurden später die technischen Richtlinien der ARD, die bei Ausschreibungen noch heute gern zugrundelegt werden, auch weil es kein anderes Regelwerk gibt, das derart umfassend die technischen Aspekte des Studio-Anlagenbaus behandelt. Teil III des NWDR-Braunbuchs handelt von der Sendertechnik.

Die Braunbücher sind nicht im eigentlichen Sinne fest gebundene Bücher, sondern Loseblattsammlungen in den charakteristischen farbigen Ordnern. Es war vorgesehen, sie regelmäßig zu aktualisieren, wobei auch veraltete Beschreibungen oder solche von ausgemusterten Geräten ausgesondert wurden. In einem gut gepflegten Braunbuch fehlen deshalb die Blätter für Geräte, die nach dem Krieg aus der Vorkriegszeit übernommen wurden, weil diese in der Regel im Laufe der 50er Jahre durch Neuentwicklungen ersetzt wurden. Beispiel: Die Neumann-Flasche B-V30.

Der erste Buchstabe einer Braunbuchbezeichnung steht für die Gerätegruppe (z.B. V für Verstärker), gefolgt von einer ein- bis dreistelligen Zahl, gegebenenfalls mit einem Kleinbuchstaben oder einem Großbuchstaben als Zusatz. Es gibt auch manchmal vorangestellte Großbuchstaben, wovon aber nur das „B-“ des NWDR eine größere Verbreitung hat. Es kennzeichnet Geräte, die in der unmittelbaren Nachkriegszeit, aber vor Gründung der ARD eingeführt oder überarbeitet wurden, zur Unterscheidung von älteren RRG-Typen.

Bei dreistelligen Nummern, z.B. V476, kann die erste Ziffer ein Hinweis auf den Hersteller sein (4 -> Georg Neumann). Wie so oft, bestätigen aber hier Ausnahmen die Regel: Das Braunbuch-Modell M269 ist auch von Neumann (ein U67 mit Röhre AC701).

Firmenkennnummern
drittletzte ZifferFirma
1- frei -
2Siemens, auch NTP
3TAB (Tonographie Apparatebau)
4Georg Neumann
5Georg Neumann, Monitora
6Telefunken
7Telefunken (VCM)
8Gelling
9Lawo
10Delta
13Arnold/Nürnberg

 

Gruppenbezeichnungen
GruppeInhaltBeispiele
ASender und Tonsender-ÜberwachungsgeräteModulationsgradmesser, Quarzoszillator, Gegensprechsender
BBatteriekoffer, Batterie-Speisegeräte, Akkumulatoren 
CKabel, Leitungen, SteckvorrichtungenFlexo-Schnur, Mikrophonkabel, Mikrophonwinde
D1936: Drosseln - 1959: Röhren, Photozellen, QuarzeDrossel (Radio Frankfurt); Störfeldmeßspule - nach 1949 Spulen unter K
EEmpfänger (nur Tonrundfunk)Ballempfänger, Dienstempfänger
FFernsprechgeräte, SignaleinrichtungenLichtzeichengerät, Fernsprech-Klappenschrank
GMotoren, Umformer, GeneratorenSaja-Motor (Plattenspielerantrieb), Drehstrommotor mit Planetengetriebe
HTongeneratorenRC-Generator, Schwebungssummer, Rauschgenerator
I = JInstrumente bzw. MessgerätePegelmesser, Lichtzeigerinstrumente, Voltmeter, Klirrgradmesser, Stoppuhr
KKondensatoren, Spulen, DrosselnMesskapsel für Mikrophone, Störfeldmessspule, Anodendrossel
LScheinwerfer, Beleuchtung, Lüftung, Heiz- und Feuerlöschgeräte (selten anzutreffen)L1 Siemens Protos Staubsauger, B-L12 Thermostat für Gleichwellen-Gestell
MMikrophoneKondensatormikrophon, Mikrophonständer, Mikrophonkapsel
NNetzgeräte, Gleich- und Wechselrichter 
OLautsprecher, Schallerzeuger, MusikinstrumenteLautsprecherschrank, Lautsprecherchassis, Hallplatte
PPhoto- und Filmgeräte 
QUFernseh-Studio- und ÜberwachungsgerätePrüfzeilen-Austastgerät
RSchallspeicherung und -wiedergabeTonabnehmer, Plattenspieler, Tonbandgerät, Kopfträger
SSchalteinrichtungen, SteckfelderEinbauwanne für Pegelsteller, Kreuzschienenverteiler, Mikrophonkupplungsteile
TTrafos, ÜbertragerLS-Anpassungstrafo, Symmetrierübertrager, Netztrafo
UBegrenzerverstärker, AussteuerungsmesserKompressor, Richtverstärker für Pegelmesser, Aussteuerungsmesser
ÜÜbertragungswagenÜ6, Ü7
VVerstärker (nur Ton)Mikrophonverstärker, Hauptverstärker, Lautsprecherverstärker
WWiderstände, Dämpfungsglieder, Pegelsteller, Filter (nur passive Komponenten)Flachbahnregler, Bandpaß, Dämpfungsschalter
Xallgemeine Geräte und Gegenstände 
YWerkzeuge, WerkzeugmaschinenY1 ist eine Wachsabdrehmaschine
ZTische, Schränke, Koffer, TruhenSprechertisch, Magnetophontruhe

 

Präfixe
B-Geräte, die der NWDR (in der Britischen Zone) nach dem Krieg und vor der Gründung der ARD eingeführt hat, bzw. Weiterentwicklungen des NWDR aus älteren Geräten. Bsp.: B-M19a
F-Fernsehtechnik (eingeführt gegen Ende der 1950er Jahre)
CUntergruppe, z.B. CF1 = Untergruppe Fernsprecheinrichtungen in der Gruppe Signaleinrichtungen. Die Zuordnung der Untergruppen erfolgt um 1950. Untergruppen sind für Geräte vorbehalten, die nicht zwischen den Rundfunkanstalten vereinheitlicht sind; Braunbuchblätter werden dafür nicht herausgegeben. BSP.: Rotlicht CF3

 

Suffixe
aist eine Weiterentwicklung oder eine ähnliche größtenteils kompatible Ausführung von einem anderen Hersteller, die aber technisch nicht gleich ist. Bsp.: V72, V72a
bist eine nächste Weiterentwicklung, z.B. M49b
dDoppeleinrichtung, z.B. Stereo-Tonbandgerät R83d
smit Signaleinrichtung
zist eine Zusatzeinrichtung zum Hauptapparat
tin Transistortechnik, z.B. V72t
mfür Messzwecke, z.B. V76m

Die Hersteller begannen bald ihrerseits, ihre Typennummern an der Braunbuchklassifikation auszurichten, um ihre Produktpalette zu strukturieren. Immerhin war der Rundfunk ein wesentlicher Abnehmer. Allerdings wurden diese Herstellernummern nicht automatisch ins Braunbuchverzeichnis übernommen. Sie sehen ähnlich aus, gehorchen aber herstellerspezifischen Regeln. Dazu wieder einige Beispiele von Georg Neumann: Neumann CM7 = Braunbuch M8, Neumann CM8 = Braunbuch M7, Neumann U47 = Braunbuch M247.

Auch außerhalb des Rundfunks sind viele Beispiele belegt, wo es neben den herstellerinternen Bezeichnungen spezielle (und abweichende) Bezeichnungen für wichtige Abnehmer gab. Dazu gehören viele Telefunken-Typen, bei denen Telefunken nur Vertriebsfirma war. Diese Typenbezeichnungen konnten sich auch von Jahr zu Jahr ändern. Ich verweise dazu auf die diversen Jahrgänge der Telefunken Ela-Liste, z.B. 1935 und 1938.

Das Neumann-Kondensatormikrophon CMV3 ("Neumann-Flasche") kommt deswegen auf eine ganze Reihe verschiedener Bezeichnungen, bei völliger Baugleichheit (wahlweise mit Torpedo- oder Bajonettkopf). Alle Ausführungen des ursprünglichen CMV3 sind bei Neumann hergestellt, manche aber beim Rundfunk später auf andere Röhren umgebaut. Bekannte Typennummern sind:

  • Neumann (intern): CMV3 (mit Torpedokpf), CMV3a (mit Bajonettkopf)

  • Braunbuch (30er Jahre): M1 (gesamtes Mikro mit Torpedokopf und Kapsel M1-2 = Neumann M3), M1-1 (nur die Flasche, mit Torpedokopf); M1-1a (nur die Flasche, mit Bajonettkopf)

  • Braunbuch (1959): B-V30, B-V30a (auch für versch. Umbau-Varianten des NWDR

  • Telefunken: Ela M14, Ela M302/1, Ela M303/1, Ela M301/2, Ela M302/2 (mit unterschiedlichen Kapseln), Ela MZ027/1 (Torpedokopf), Ela MZ028/1 (Bajonett)

  • Siemens: SM4, SM4a

  • Klangfilm: Kl58108 (und andere)

Nach Zusammenbruch und Demontage etablierte sich in den 1950er Jahren in (West-)Deutschland wieder eine funktionierende Funkindustrie, und die Aufgaben der NWDR Zentraltechnik als Entwicklungslabor hatten sich damit schrittweise erledigt. Ab Januar 1956 übernahm das IRT die Aufgaben als Forschungsinstitut, aber überließ die marktfähige Entwicklung von Geräten der Industrie. Nach der letzten Ausgabe des Braunbuches vom 15. Okt. 1959 gab es noch Nachträge bis Sept. 1965. Später wurden einfach die Datenblätter der Hersteller archiviert, und keine ARD-weit standardisierten rundfunkinternen Bezeichnungen mehr vergeben.

In der DDR übernahm 1961 das RFZ (Rundfunk- und Fernsehtechnisches Zentralamt), das aus dem 1952 gegründeten BRF (Betriebslaboratorium für Rundfunk und Fernsehen) hervorging, die Entwicklung und den Bau der Studiotechnik. Hier wurde das Braunbuch als Blaubuch (Handbuch der Studiotechnik) fortgeschrieben, als durch die deutsche Teilung bedingt eine gemeinsame Entwicklung nicht mehr möglich war. In der DDR gab es , anders als in Westdeutschland, bis zuletzt nur wenige unabhängige Hersteller (z.B. Neumann/Gefell, Geithain, Delta Audio). Das RFZ wurde 1990 aufgelöst.

Blaubuch-Auszug M14b

Blaubuch-Auszug des M14b des BRF

 

Nikolaus Löwe

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