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Bakelit: Wie ersetzt man Fehlstellen im Bakelit?

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Olaf Antpöhler
Olaf Antpöhler
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24.Mar.04 19:31

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Hallo Radiofreunde,

 

über die Behandlung von Bakelit wurde ja nun schon viel geschrieben. Einerseits wurde die Reinigung abgehandelt und auch die Vorgehensweise um Risse zu kleben. Wie aber sind die Erfahrungen und Tipps, wenn ein Fehlstück nachgebildet werden muss?

 

Ich habe ein Philips Philetta, wo ein Stück ausgebrochen ist. Leider fehlt es auch gänzlich, sodass  ich es auch nicht einfach wieder einkleben kann. Leider habe ich auch kein Bakelitpulver um mit Zweikomponentenkleber eine Masse anzurühren die dann die Fehlstelle ersetzen könnte.

 

Meine Frage also:

-          Welche Ideen oder Erfahrungen gibt es

-          Welche Ersatzmasse kann man verwenden

-          Wie erhält man eine ausreichende Stabilität, auch wenn die Bruchstelle größer ist

-          Wie kann man die Originalfarbe annährend erreichen

 

Vielleicht hat ein Radiofreund ja auf genau diesem Gebiet schon ein wenig mehr experimentiert. Oder habe ich einen Artikel übersehen?

 

Wäre für jeden Hinweis dankbar.

 

RadioGruß

Olaf

This article was edited 26.Mar.04 11:28 by Ernst Erb .

Georg Schön
 
 
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24.Mar.04 21:50

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   2 Hallo Hr. Antpöhler,

sehen Sie sich doch mal die Bilder beim "Arcophon 5" an.
Dabei sind zwei von mir, da sehen Sie großflächige
Reparaturen am Gehäuse.
Ausgeführt habe ich die (vor langen Jahren) mit Hilfe
eines Reparatursets aus dem Karosseriebereich.
Das Harz war ein ungesättigter Polyester mit
Füllstoffen (ein UP-Spachtel)in weiß.
Zusätzlich ist innen im Gehäuse noch ein Glasgewebe
darüber gelegt, das größer ist als die ersetzten Stücke.
Dies soll Rißbildung durch Schwund, Temperaturwechsel usw.
vorbeugen.
Außen hatte ich mir Formen aus Gips gemacht,
die ich an entsprechenden Stellen "gegenüber" abnahm.
Heute würde ich Silikon-Formmasse verwenden
und die Reparaturmasse wenigstens grob im Ton einfärben.

Das ganze hält jetzt schon seit knapp 20 Jahren.
Irgendwann werde ich das Gehäuse mal ganz lackieren, und
mich dann ärgern, daß es nicht exakt wie Bakelit aussieht.

Damit komme ich auf ein Problem, nämlich die "Tiefe" von
Bakelit. Bakelit ist, verglichen mit einem Lack, schwach
pigmentiert, schon aus Sparsamheitsgründen.
Dies hat aber auch zur Folge, daß man tiefer in das Bakelit
"hineinsieht". Insgesamt macht dies das aus, woran man
Bakelit sofort erkennt, eben an dem eigenartigen Glanz mit "Tiefe"

Denselben Effekt erleben Sie in Weiß, wenn Sie eine weiß
lackierte Fläche neben Porzellan halten.
Man muß sich mal Bakelitoberflächen im direkten Vergleich
mit dunklen Lackflächen ansehen, dann sieht man
was ich meine, Worte können das nicht wirklich rüberbringen.

Diesen Effekt nachzuahmen ist nicht einfach. Bakelitmehl in Epoxikleber
bringt es nicht. Die besten Resultate hatte ich bisher damit,
über alles schwarz zu lackieren und danach mit einem Klarlack drüber,
der mit ca 5- 10 % des schwarzen Lacks vermischt war.
(Erprobt bisher an Fingerlochscheiben für W48)
Mit mehr als 2 Schichten abnehmender Schwärze kann man das
gewiss optimieren.
Mit der Methode wird aber auch das noch vorhandene Bakelit
abgedeckt, das passt nicht in jedermanns "Originalitäts"-Philosophie.

Die Reparaturmasse direkt so einzufärben, daß sie wie das
Bakelit aussieht, ist natürlich denkbar, aber es dürfte jedesmal
einige Versuche erfordern.


Ich hoffe Ihnen einige Anregungungen gegeben zu haben.

Grüße
Georg Schön

This article was edited 24.Mar.04 23:03 by Georg Schön .

Olaf Antpöhler
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25.Mar.04 20:47

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Guten Abend Herr Schön,

 

vielen Dank für die Information. Meine Sorge war es ein Material zu finden, welches sich optimal mit dem Bakelit verbindet. Also das Spannungen im Material und Temperaturschwankungen optimal  und unbeschadet übersteht. Das ist ja ohne Probleme bei Ihrer Vorgehensweise gegeben. Somit werde ich dem gleichtun!

 

Das viel größere Problem scheint wohl eher die Farbanpassung zu sein. Ich weiß was Sie meinen mit TIEFE und da hilft einfaches Lackieren sicher nicht. Vielleicht finden wir da ja doch noch eine Idee, die dem Bakelit sehr nahe kommt.

 

Na ja zuerst werde ich jetzt aber das Material wieder angleichen.

 

RadioGrüße

Olaf

Olaf Antpöhler
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25.Mar.04 22:44

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Soeben erreicht mich ein Beitrag von Herrn Gauert der zur Zeit nicht selber posten kann.

Vielen Dank für die zusätzlichen Informationen! OA

 

Zum Ergänzen fehlender Bakelitteile verwende ich Epoxydharz und Härter L
(langsam aushärtend, schwindungsarm) von Conrad-Elektronik. Zuerst versuche
ich an einem gleichen Gehäusebereich eine Silikonform abzuformen. Gut geeignet
ist Silikon-Kautschuk Sili-Techno, RTV/NV. Ich begrenze den abzuformenden
Bereich mit Modelliermasse (Knete, Schulbedarf) und trage die erste Schicht
zur Vermeidung von Lufteinschlüssen mit dem Pinsel auf. Die Aushärtezeit
beträgt etwa 12-24 Stunden. Dann setze ich die Silikonform auf die
Fehlstelle auf und fixiere sie mit Tesafilm. Nun mische ich Harz und Härter
und färbe mit MIXOL Universal-Abtönpaste (Baumarkt)unter gründlichem Umrühren
ein. Für 20ml Harz gebe ich einen Tropfen schwarz, etwas mehr als einen Tropfen
Oxyd-Tabak oder Schokoladenbraun und eine Spur rot dazu. Mit etwas Übung ist
annähernd jede Bakelitfärbung nachzuempfinden. Bei diesen geringen
Pigmentzusätzen bleibt auch eine gewisse Transparenz und somit der Bakeliteffekt
erhalten. Nach mindestens 24-stündigem Aushärten entformen und leicht
klebende Rückstände mit Azeton entfernen. Überschüssiges Harz kann mit feinem
Schmirgelpapier (600er Korn) und Stahlwolle 000 abgearbeitet und mit Sidol
oder Elsterglanz und weichem Wolltuch nachpoliert werden. Wenn in den
Übergangsbereichen noch feine Konturlinien, eventuell auch mit Polierpaste
zugesetzte Ränder verbleiben poliere ich den Bereich mit farbiger Schuhcreme.
Hier noch 2 Fotos von dem Restaurierungsergebnis an einem NORA-Lautsprecher.
Das erste Bild mit Blitzlicht, das zweite ohne Blitz. Der zerbrochene
Lautsprecher aus dem Sperrmüll ist wieder zum Schmuckstück geworden.

Viele Sammlergrüße
Gerald Gauert

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26.Mar.04 11:43

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Wir sollten darauf achten, dass wir nicht alle paar Wochen über das Gleiche schreiben. Sehr einfach: Orientieren Sie sich zuerst über SEARCH. Dort finden Sie bei richtigem Stichwort alle Artikel über das Thema - ausser neuen Beiträgen innerhalb der letzten Tage. Wenn Sie etwas beifügen möchten, dann können Sie das bei einem bestehenden Thema - zumindest wenn Sie sich die Mühe machen, sich als Redakteur zu melden. Jeder "Antworter" (Redakteur, wenn das entsprechende Board für Antworten gesperrt) veröffentlicht Ihre Anregungen aber auch gerne für Sie. 

Es ist aber auch interessant, immer wieder über neue Verfahren und Erfahrungen zu vernehmen - solange wir uns nicht wiederholen. Ich gebe deshalb hier einen Link auf einen älteren Beitrag, dem ich verschiedene andere Links beigegeben habe:

Auch der Grundsatzbeitrag aus "Radios von gestern" soll hier nicht fehlen ;-)
http://www.radiomuseum.org/forumdata/upload/292-307_Reparieren.pdf

 

Olaf Antpöhler
Olaf Antpöhler
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30.Mar.04 21:55

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Möchte nicht versäumen eine Produktinfo zum beschriebenen Abtöner anzuhängen. Damit sollte es möglich sein den Bakelitton zu mischen.

 

RadioGruß

Olaf

 

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Gerald Gauert
 
 
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30.Mar.04 23:16

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Hier die Bezugsquellen für die weiteren Zutaten.

www.conrad.de

EPOXYDHARZ L 200 G + HÄRTER L 80 G

Artikel-Nr.: 236390-13

Qualitätsharz mit sehr guten Eigenschaften: Schwundfrei · Sehr ergiebig · Hervorragende Haftung · Extrem hohe Festigkeit bei statischer und dynamischer Beanspruchung · Ausgezeichnetes Alterungsverfahren · Verzugsfrei auch bei größten Temperaturschwankungen · Bernsteinfarben · Absolute Geruchs- und Geschmacksfreiheit der Fertigteile · Hohe Chemikalienbeständigkeit auch gegen Kraftstoffe und Nitromethan. Das Harz wird im Verhältnis 100:40 mit Härter gemischt.

 

Hinweis: Dieses Harz zeigt geringe Bläschenbildung und ist auch zum Nachgießen von Bedienknöpfen sehr gut geeignet. Die besten Ergebnisse erzielt man dabei im schwachen Vakuum, z.B. einem mittels Wasserstrahlpumpe evakuierten Behälter. Diese Arbeitsweise ist sehr gut in jogis-roehrenbude beschrieben.

www.selva.de

SELVA Silikon-Kautschuk RTV/HE

Hochelastisch, niedrigviskos. Zum Gießen von ein- und zweiteiligen Formen mit ausgeprägten Hinterschneidungen.

This article was edited 31.Mar.04 20:06 by Gerald Gauert .

Georg Schön
 
 
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31.Mar.04 18:26

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   8 Hallo, nach dem Verfahren von Hrn Gauert müßte eine
solche Repararur gelingen.
Hier noch ein Hinweis auf eine Bezugsquelle,
bei der Silikon-Formharze nur etwa halb so teuer als
bei den meisten anderen Anbietern sind:

http://www.gerstaecker.de/neu/start.htm

Grüße
Georg Schön

This article was edited 01.Apr.04 19:31 by Georg Schön .

  
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