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SECAM Feuer - Es brennt wirklich!

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Wolfgang Scheida
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21.Mar.09 20:54

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Televisionen SECAM

SECAM-Feuer - Es brennt wirklich!

In der bereits seiner Endphase zugehenden Übergangszeit von der analogen hin zur ausschließlich digitalen Fernsehwelt verschwinden die Begriffe PAL/SECAM & NTSC zusehends.

Ohne der "guten alten Zeit" nachweinen zu wollen die fernsehtechnisch wie auch von der Programmgestaltung her uns nicht unbedingt wesentliches abgehen hat lassen möchten wir in unserem Museum auch die praktische Sichtbarmachung der jeweiligen (Farb-)Systemschwächen dokumentieren.

Dies ist möglich da die digitale ("unverfälschte") Verbreitungsform und die hohe Qualität der Computerbildschirme dies zulassen, was auch gleich eine Lanze für die vielen Bereiche der erfolgreichen Früchte der Digitalisierung brechen soll. 

Den Auftakt dieser Reihe macht eine Vergleichsanalyse des SECAM Verfahrens am Beispiel des sogenannten SECAM Feuers

SECAM Feuer

Ungestellte Szene: SAT Receiver direkt am Scartanschluß, Inserts mag wohl der (Sony) Farbdecoder nicht

 

Zum technischen Hintergrund:

(Entnommen aus dem Wikipedia Beitrag:

"Cross-Color-Störungen sind bei SECAM am unangenehmsten. Sie machen sich bemerkbar als blaue und rote Streifen („SECAM-Feuer“), die an scharfen Kanten hervorblitzen bzw. als intensiv rote Farbflächen bei feinen Mustern in Erscheinung treten. Das kann verhindert werden, wenn das Luma-Signal begrenzt wird, so dass keine Information ins Trägersignal überlappen können. Als SECAM erfunden wurde, spielte das keine Rolle, da die Bildröhren zu dieser Zeit keine Informationen über 3 MHz zeigen konnten.

Anmerkung: SECAM wurde ursprünglich für das Französische 819 Zeilen "HDTV" erfunden wo der Farbträger um 8 MHz gesetzt worden wäre.

Vergleiche: 

Bei PAL war/ist der Einsatz eines Digitalen Kammfilters sowohl auf der Senderseite wie auch in modernen Empfängern (zumeist 100 Hz Geräte) in den 1990er Jahren möglich geworden der die Cross-Color Störungen stark unterdrückte bzw. gar beseitigte (Zusatzstichwort PAL Plus). Bei SECAM konnte technisch bedingt diese Evolution nicht stattfinden.   

Wiewohl es sicher professionelle Testbilder und Testzyklen gibt die alle namhaften Fernsehstationen in den 1960er und 1970er Jahren mit und ohne Walter Bruch mit seinem "Telefunken PAL Wanderzirkus" erprobt haben so sind diese leider (bis dato) nicht frei verfügbar.

Daher wurde der Versuch unternommen anhand realer Fernsehsendungen die Unterschiede zu simulieren bzw. klar hervorzuheben ohne einen Anspruch auf eine wissenschaftliche Arbeit erheben zu wollen. 

Versuchsaufbau:

Zur Auswahl standen ein 1990er Grundig M70-590/9 TOP sowie der Sony KV-C2921D Fernseher jeweils als Multinorm-Mehrstandard Geräte ausgeführt.

Da der Grundig TV und sein Farbdecoder (29504-165-31 mit dem TDA 4557 & TDA4565) ein gutmütigeres Verhalten hinsichtlich einer Fehlerdarstellung zeigte wurde bewusst der Sony KV-C2521D mit der bekannten Black Trinitron Bildröhre als Display verwendet.

Als Quelle dienten die mit dem sprichwörtlich "naßen Fetzen" analog in SECAM empfangbaren "Franzosen" auf dem High Power Satellit Atlantic Bird 3 auf 5° West

Das waren/sind TF1, France 2, France 3 SAT, France 5, M6 & ARTE Fr.

 

Ein ausgedienter Analog SAT Receiver modulierte das Analog Signal über den eingebauten UHF Standard Zweiseitenbandmodulator auf UHF Kanal 35.

Dazwischengeschaltet noch ein einstellbarer HF Signaldämpfer zum Simulieren schlechter Empfangsverhältnisse.

 

Die Erwartung in die künstlich geschaffene "schlechte" Qualität von SECAM wurde nicht enttäuscht:

SECAM Feuer SECAM Fire

Bild 1:  SECAM Feuer: Es ist wirklich zum Schreien!

Wir sehen eine absichtliche Fehlabstimmung auf den HF Kanal mit dem Ergebnis eines starken Ausreißens der Farbe bis zur Unkenntlichkeit an starken Luminanzübergängen.

 

Bild 2 SECAM Bild: Richtig abgestimmt jedoch stark abgesenkter HF Pegel:

Ein stark verrauschtes Signal das ebenso weitflächige Farbfetzen sichtbar und damit subjektiv den verbleibenden Monochrombildanteil noch unbrauchbarer macht. 

 

Bild 3 PAL Codierung: Der gleiche nette Mann der sich freiwillig dem Vergleich gestellt hat: 

Jetzt wurde das Signal Digital empfangen und über den PAL Modulator ebenso abgeschwächt dem TV zugeführt. Wir erkennen ein deutlich geringer verwaschenes Bild wo das extreme Austreten von Farbanteilen bis zur Unkenntlichkeit des Monochrombildes nicht stattfindet.

 

PAL Testbild: Aus anderen Quellen ein Testbild zur Verdeutlichung des Cross-Color Effekts bei PAL:

Die schillernden Stellen sind ebenfalls ein Frequenzburst zur Darstellung/Überprüfung der Bandbreite des Luminanz (Y) Kanals. Da dieses Spektrum jedoch in den Frequenzbereich des Farbkanals hineinragt (zwischen 3.13 MHz und 5.08 MHz = ~1.3 MHz unteres Seitenband des 4.43 MHz Farbträgers und etwa 0,65 MHz oberes Seitenband) kommt es zur Falschinterpretation des PAL Decoders der diese Frequenzen als Farbartsignal und damit als bunt interpretiert.  

 

Zum Auflockern ein Spielchen mit NTSC: 

Simuliertes phasenverschobenes NTSC Bild mit der berechtigten Frage des Testimonials: Muss das sein? 

 

Es muß: Hier der angezeigte langsame Übergang zum anderen Extrem der Farbbandbreite (Bildlinien & Artefakte sind nur fotografischer Natur!)

 

Hier die subjektiv und manuell eingestellte farbneutrale Wiedergabe beim NTSC Bild

 

 

In einem Forum zum Thema DDR & Westfernsehen (Beitrag11) heißt es auszugsweise: 

......in Berlin waren gleich 4 SECAM Sender auf Sendung: 

 DDR 1 und DDR 2 in fast perfekter Farbe 
Ostankino 1 (heute ORT 1/Perviy Kanal) mit extremen Rotstich 
Antenne 2 (heute France 2) mit Blaustich .......

Das deutet auf nicht optimal eingestellte Coder bereits bei den Sendeanstalten oder tatsächlich vorhandene Unterschiede im Hub und/oder den beiden Farbträgerfrequenzen hin die in Frankreich, der UdSSR und der DDR unterschiedlich interpretiert worden sein könnten?!

Das ein Farboffset auch im Empfänger systembedingt möglich ist beweist die Zusatzangabe beim Sowjetischen DDR Import Fernseher Raduga 706 wo es auszugsweise heißt: "Die Nullpunkabweichungen der Diskriminatoren bis zum Erreichen der Betriebstemperatur betragen ±12kHz ~<5% des Hubs" was zwangsläufig einen Farbversatz bedingt.
 

Wenn dieser aber generell vom Nullpunkt abweicht half für den Genossen Normalverbraucher nur mehr das Nachstellen am Farbgeschmacksknopf wo die Arbeitspunkte der Bildröhre wie auch bei ersten PAL TV Generationen verschoben werden konnten (Nicht zu vergleichen mit dem Tint/Hue Phaseneinstellregler bei NTSC!). 
 

Wie immer sind bei mir Zeitzeugen gerne eingeladen ihre real erlebten persönlichen Erfahrungen für die (technische) Nachwelt einzubringen

(Wird weitergeführt: Ziel ist es mit Bildern den Qualitätsunterschied zwischen den Systemen auch bei optimalen Bedingungen umgangreich darzustellen - Gute Fotografen wären da gesucht!)

 

W. Scheida 3/2009 www.scheida.at/scheida/televisionen.htm

 

This article was edited 22.Mar.09 19:15 by Wolfgang Scheida .

  
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